Kommunalwahl: ein erster Überblick
Wasserburger Stadtrat: Wer aufhört, wer noch mal antreten will – Überraschungen und ein Hilferuf
Am 8. März 2026 ist Kommunalwahl. Im Hintergrund wird auch in Wasserburg bereits sondiert, geplant, überlegt. Wer kann für eine Stadtratskandidatur gewonnen werden? Wer hört auf? Wir haben nachgehakt: Überraschende Nachrichten, klare Worte und ein emotionaler Appell.
Wasserburg am Inn – Wer als Nachfolger von Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) kandidiert, steht bereits fest, vorausgesetzt, bei den Aufstellungsversammlungen gibt es keine Überraschungen mehr und es kommt niemand mehr aus der Deckung: Bastian Wernthaler wird von SPD, Grünen, Bürgerforum und CSU unterstützt, Georg Gäch ist der Kandidat des Wasserburger Blocks. Die Freien Wähler Reitmehring-Wasserburg haben sich noch nicht entschieden. „Hier wurde von unserer Vorstandschaft noch keine abschließende Meinung getroffen, ob ein eigener Kandidat oder eine Unterstützungsaussage zu einem der bestehenden Kandidaten getroffen wird. Dies wird aber innerhalb des Septembers erfolgen“, teilt Ortsvorsitzender, Stadtrat Josef Baumann, auf Anfrage mit.
Doch wie sieht es aus im Stadtrat? Hier hat sich schließlich schon neun Monate vor der Kommunalwahl das Personal geändert. Zwei Mitglieder haben ihr Mandat bereits an Nachfolger übergeben: Markus Pöhmerer (Wasserburger Block) und Lorenz Huber (Bürgerforum), für die Sepp Christandl und Markus Dresp nachrückten.
Diese Mitglieder hören auf
Im Stadtrat sitzen viele Mitglieder, die schon sehr lange dabei sind. Erfahrene Leute mit großem Know-how. Wer will noch einmal kandidieren, wer hört definitiv auf? Dazu gibt es auf Anfrage nicht immer Informationen, denn im Herbst finden die Aufstellungsversammlungen statt. Ihnen wollen viele Parteien und Wählergemeinschaft nicht vorgreifen. Doch es gibt einige Stadträte, die definitiv nicht auf den Listen stehen werden.
Elisabeth Fischer (CSU) ist die aktuelle Alterspräsidentin. Sie betont: „Ich werde nicht mehr kandidieren. Nach 30 Jahren Stadtrat ist es geschafft, aber ich habe es sehr gerne getan und es war mir eine Ehre, mich für die Bürgerinnen und Bürger unserer schönen Heimatstadt Wasserburg einzusetzen“, teilt sie auf Anfrage mit.
Friederike Kayser-Büker (SPD), SPD-Fraktionsvorsitzende und Seniorenreferentin: „Ich kandidiere nicht noch einmal. Ich war 18 Jahre als Stadträtin tätig, habe viel gelernt, viel erreicht, viel erlebt. Dafür bin ich sehr dankbar. Wir haben in dieser Zeit viele gute Entscheidungen im Stadtrat getroffen, die Stadt steht deshalb heute gut da. Doch die Zeit ist reif für eine neue Lebensphase, was aber nicht heißt, dass ich mich gänzlich aus dem politischen Geschehen zurückziehe. Mir ist es jedoch wichtig, die Dinge, die ich tue, hundertprozentig auszuführen. Ich merke, dass mir die Freude für eine weitere Kandidatur und, für den Fall der Wahl, eine weitere Amtszeit fehlt.“
CSU-Wasserburger Block: „Falsches Zeichen“
Ansonsten halten sich die Fraktionen eher bedeckt. Ihre Stellungnahmen:
Georg Machl, Fraktionsvorsitzender von CSU/Wasserburger Block: „Unser Ziel ist es, für die Kommunalwahl 2026 eine gute Kandidatenliste aufzustellen und gemeinsam als Team aufzutreten. Dies gilt für den CSU-Ortsverband Wasserburg ebenso wie für die Freien Wähler-Wasserburger Block. Jetzt die für diese Legislatur gewählten Stadträte in den Mittelpunkt zu stellen, wäre für uns das falsche Zeichen an die anderen Kandidaten beziehungsweise Kandidatinnen. In den Aufstellungsversammlungen im Spätherbst werden die Listen von den Mitgliedern aufgestellt und die Platzierungen der sich zur Wahl stellenden Personen festgelegt. Vorausschauend können wir sagen, dass Elisabeth Fischer nach 30 Jahren als Stadträtin nicht mehr für den Stadtrat kandidieren wird.“
SPD: ohne Zeitdruck entscheiden
Wolfgang Janeczka, Fraktionssprecher der SPD: „Drei Monate vor der Aufstellungsversammlung, die im November stattfinden wird, ist es noch sehr früh für eine definitive Entscheidung. Noch sind aktuelle Projekte nicht abgeschlossen, sodass die eigene Bilanz nicht immer vollständig bewertet werden kann. Auch werden die Rückmeldungen der Bürgerinnen und Bürger in eine erneute Kandidatur miteinfließen. Zudem können sich politische Prioritäten oder Haushaltslagen bis zu einer konstituierenden Sitzung noch wesentlich ändern. Eine fundierte Entscheidung erfordert deshalb eine sorgfältige persönliche und berufliche Abwägung, die in Ruhe und ohne Zeitdruck erfolgen sollte und die Einschätzung der eigenen Kräfte, Motivation und Zeit für eine weitere Amtsperiode berücksichtigt. Worüber wir uns bereits definitiv einig sind, dass die Wasserburger SPD auch in der nächsten Wahlperiode ihre Prioritäten in der Kommunalpolitik auf Themen wie bezahlbarer Wohnraum, Investitionen in Kitas und Schulen lenken und sich bei der Stadtentwicklung für eine lebenswerte, umweltfreundliche Stadt und den sozialen Zusammenhalt in Wasserburg einsetzen wird. „
Grüne: keine Wasserstandsmeldungen
Christian Stadler, Fraktionsvorsitzender der Grünen: „Wir sind in unserem Ortsverband gerade mit Hochdruck dabei, die bestmögliche Liste für die kommende Kommunalwahl zusammenzustellen. Wasserstandsmeldungen wird es bis zur Aufstellungsversammlung im Spätherbst nicht geben, zumal diese Aufstellungsversammlung dann final über die Liste entscheidet und wir dem Votum unserer Mitglieder nicht öffentlich vorgreifen wollen. Das allerletzte und entscheidende Wort haben natürlich die Wählerinnen und Wähler, ein aussichtsreicher Listenplatz ist jedoch durchaus ein entscheidender Faktor. Deswegen gibt es von unserer Seite zum jetzigen Zeitpunkt auch keine Zwischenmeldungen, wer weitermacht und dazu einen Listenplatz weit vorne anstrebt. Nur so viel: Wir sind in unserer Fraktion weiterhin alle vier top-motiviert, gleichwohl hat es sich aus unserer Sicht in der Vergangenheit durchaus bewährt, auch frischen Kräften mit einem sehr guten Listenplatz eine realistische Chance zu geben.“
Bürgerforum: Erfahrung und Verjüngung
Edith Stürmlinger teilt für das Bürgerforum mit: „Im Bürgerforum gab es schon im Mai ganz bewusst einen Wechsel. Unser Kollege Lorenz Huber hat sich zurückgezogen, um unsere Fraktion zu verjüngen. Dafür gilt ihm unser großer Respekt. Er hat Markus Dresp damit eine Chance gegeben, sich noch fast ein Jahr vor der Wahl im Stadtrat zu bewähren. Wir halten eine Mischung aus Erfahrung und Verjüngung im Stadtrat für ideal. Das bedeutet für uns, dass alle drei Bürgerforums-Stadträte wieder kandidieren werden. Unser Ziel ist es, neben Markus Dresp weiteren jüngeren und hochmotivierten KandidatInnen des Bürgerforums den Sprung in den Stadtrat zu ermöglichen. Die Wähler entscheiden!“
Diese Mitglieder wollen kandidieren
Norbert Buortesch (Bürgerforum) schreibt: „Ich möchte mich auch im nächsten Stadtrat für die Natur, den Umwelt- und Klimaschutz einsetzen und mithelfen, Wasserburg, Reitmehring und alle Stadtteile lebenswert für alle Bürger zu erhalten und gestalten.“
Markus Dresp (Bürgerforum) erklärt: „Ich kandidiere erneut für den Wasserburger Stadtrat, weil mir der Sport, die Förderung unserer jungen Generation, ein regelmäßiger und gut erreichbarer ÖPNV in allen Stadtteilen sowie der sorgsame Umgang mit unserer Stadt und ihrer Geschichte am Herzen liegen. Ich möchte, dass wir die vielen anstehenden Projekte entschlossen angehen und gleichzeitig wichtige Einrichtungen, wie unser Badria, langfristig sichern.“
Edith Stürmlinger (Bürgerforum) teilt für sich mit: „Ich will meine, dann 18 Jahre Stadtratserfahrung, einbringen, um die schon geplanten Großprojekte abzuschließen und noch wichtiges mit auf den Weg zu bringen. Neben kulturellen Schwerpunkten ist es mir vor allem ein Anliegen, gute Voraussetzungen zu schaffen, damit jüngere Mitbürger nicht abwandern. Sie sind unsere Zukunft! Wichtig ist mir auch die Unterstützung Wasserburger Vereine, ohne die vieles,was unsere Stadt ausmacht, undenkbar wäre.“
Josef Baumann hat viel vor
Josef Baumann (Freie Wähler Reitmehring-Wasserburg) sagt für sich: „Es sind mehrere Gründe, die mich dazu bewegen, nach 42 Jahren im Stadtrat nochmal anzutreten: Da der neu gewählte Stadtrat sich eventuell mit linken oder und rechten Parteien auseinanderzusetzen hat, die über keinerlei kommunalpolitische Erfahrung verfügen und das bisher Erreichte infrage stellen, nur um Parteipolitik zu machen, ist es dringend notwendig, dass ein erfahrener Stadtrat aus der Mitte der Bürgerschaft vertreten ist. Zudem bin ich nach wie vor der einzige Vertreter aus der Landwirtschaft im Stadtrat, der Milchkühe hält und bekanntlich die Milchindustrie innerhalb der Stadt erheblich zur finanziellen Ausstattung des Wasserburger Haushaltes beiträgt. Weiterer wichtiger Grund ist der Wunsch vieler Reitmehringer, eine Begegnungsstätte für die Vereine zu erhalten.“ Außerdem gehe es ihm unter anderem um Themen wie den Feuerwehr-Neubau in Wasserburg und einen neuen Standort für Reitmehring, die Höhenfreilegung B 304, Ortsentwicklung in der Mitte von Reitmehring sowie die Krankenhäuser.
Dr. Hermann Budenhofer (Freie Wähler Reitmehring-Wasserburg: „Ich habe mich noch nicht definitiv entschieden, tendiere aber eher zu einer nochmaligen Aufstellung.“
Emotionaler Appell von Christian Flemisch
Christian Flemisch, ÖDP und Mitglied in der bunten Fraktion aus Bürgerforum/Freie Wähler Reitmehring-Wasserburg, ÖDP: „Ich habe bereits etliche Einheimische im Wasserburger Stadtbezirk gefragt, ob sie wieder für die ÖDP zur Stadtratswahl kandidieren wollen. Bisher haben sich einschließlich mir nur vier Leute gefunden. Notwendig sind aber für Wasserburg mindestens acht Personen. Die ÖDP ist eine kleine Partei. Seitdem Ludwig Maier nicht mehr in der ÖDP ist, der enormen unvergleichlichen Einsatz gebracht hat, und Hilfe von den wenigen weiteren Parteimitgliedern im nördlichen Landkreis Rosenheim fehlt, ist es eher schwierig für mich geworden, entsprechend Interessenten zu aktivieren.“ Daher rufe er dazu auf, „sich an mich zu wenden, wenn jemand bereit ist, für die ÖDP für das Stadtratsmandat zu kandidieren. Die Kandidatur ist eine Unterstützung der Partei vor Ort.“„
Hilferuf: „Benötige Unterstützung“
Flemisch betont, es wäre sehr schade, wenn die ÖDP „als wertkonservative Partei für Lebens-, Arten-, Klima- und Umweltschutz, für den Erhalt der Schöpfung“ und „in allen Bereichen ein guter Gegenpol zur eher links ausgerichteten etablierten grünen Strömung“ nicht mehr im Stadtrat vertreten wäre. Alleine könne er es nicht stemmen, „da ich für meine pflegebedürftigen Eltern und für eine Schwester mit Behinderung seit Geburt sorge“. Er benötige Unterstützung. „Denn ich brauche auch für mich meinen Freiraum, unabhängig von Ämtern und Aufgaben: für meine Gesundheit und mein Fortkommen. Ich kann nicht nur immer für andere geben, ich muss auch mir selbst und meiner Seele was geben, sonst kann ich irgendwann gar nicht mehr geben.“







