Personeller Wechsel in Wasserburg
Da muss auch der Bürgermeister „durchschnaufen“: Wasserburger Stadtrats-Urgesteine treten ab
Neun Monate vor Ende der Legislaturperiode ist es im Wasserburger Stadtrat nach Lorenz Huber erneut zu einem Wechsel gekommen. Markus Pöhmerer (Wasserburger Block) legte sein Amt nieder. Warum sein Engagement rekordverdächtig und der Nachfolger ebenfalls sehr bekannt ist.
Wasserburg am Inn –„Dies ist eine ganz besondere Sitzung“, betonte Bürgermeister Michael Kölbl (SPD). Denn Markus Pöhmerer gehört nicht mehr dem Stadtrat an, nach 38 Jahren! Eine rekordverdächtige Zeit. „Das erreichen nur ganz, ganz wenige“, so Kölbl gerührt. Dass ihm der Abschied schwerfällt, hat einen guten Grund: Während seiner 23-jährigen Amtszeit als Rathauschef und auch davor, als Kölbl ebenfalls Stadtrat war, wurde er immer von Pöhmerer begleitet.
Heute ist dieser 79 Jahre alt, der 80. steht vor der Tür. Das sieht man ihm nicht an. Trotzdem soll jetzt Schluss sein, befand Pöhmerer. Und legte sein Amt nieder. Nachrücker ist laut Liste Freie Wähler-Wasserburger Block Josef Christandl, ebenfalls ein Mann mit Namen in Wasserburg: Theatervorsitzender, Bürgerspiel-Macher, Festmanager: Christandl (63) legte in der Sitzung den Amtseid ab und nahm auf Pöhmerers Stuhl Platz. Sozusagen in der „85. Minute der Ratsperiode“ übernehme er dessen Aufgabe. „Es ist mir eine große Freude und Ehre“, sagt er.
Heike Maas neue Liegenschaftsreferentin
Pöhmerers Rückzug verändert Ausschuss- und Amtsbesetzungen. Christandl rückt nach in den Umwelt- und Werkausschuss. Pöhmerer, der auch Liegenschaftsreferent war, übergibt dieses Amt an Heike Maas (CSU), das wurde ebenfalls einstimmig vom Stadtrat beschlossen.
Kurz vor der Sommerpause also noch einmal eine große Veränderung im Gremium. Im April war bereits Lorenz Huber (Bürgerforum) zurückgetreten. Er hatte an Markus Dresp übergeben. Huber war seit 2002 auch Umweltreferent, diese Aufgabe übernahm Norbert Buortesch.
Lorenz Huber: der Vielseitige
Huber war 23 Jahre Stadtrat des Bürgerforums: „pragmatisch, engagiert, vielseitig interessiert“, so Kölbl. Die Vielseitigkeit liege vermutlich an seinen vielen Berufen: Landwirt, Holz- und Metallbauer, Jäger. Hubers großes Thema: der Schutz der Bäume. 2018 sah er laut Kölbl ein, was er lange nicht akzeptieren wollte: dass die Stadt eine Baumschutzverordnung benötigt. Huber war im Umwelt- und Werkausschuss tätig, Mitglied der Verbandsversammlung der Sparkasse, Fraktionsvorsitzender. Ehrenamtlich ist er bis heute im Museum engagiert. Ganz hat er nicht aufgehört: Er ist weiter als Feldgeschworener aktiv.
Markus Pöhmerer: der Energie-Pionier
Seine lange Tätigkeit toppt Pöhmerer: 38,5 Jahre Stadtrat, in der aktuellen Periode Alterspräsident. Er fehlte selten in einer Sitzung, war einer der fleißigsten Kommunalpolitiker, so Kölbl. Pöhmerer war Referent für Feuerwehr und Liegenschaften sowie die Stadtwerke, Mitglied in fast allen Ausschüssen des Stadtrates. Sein Lieblingsthema: die Energieversorgung. Mit einem Blockheizkraftwerk in der Altstadt war er in puncto Energieeffizienz früh mit gutem Beispiel vorangegangen.
Die Stadtwerke waren sein Schwerpunkt bei der politischen Arbeit. Kölbl schätzte vor allem seine Kollegialität und sein Fachwissen als Handwerker und Hauseigentümer sowie Einzelhändler im Bereich Energie und Liegenschaften. Pöhmerer hat seine Zeit als Kommunalpolitiker im Stadtrat sehr genossen. Ein Ereignis wird er nach eigenen Angaben nie vergessen: Das große Hochwasser 1985, als der Damm noch lange nicht so hoch und sicher war wie heute.
„Langjährige Weggefährte hören auf. Da muss ich erst einmal durchschnaufen“, so Kölbl. Durchschnaufen musste auch der Stadtrat, der Pöhmerer und Huber mit langanhaltendem Applaus verabschiedete. Es gab Präsente, Urkunden, Medaillen und den bayerischen Löwen. Eine Ära ging mit diesem Abend zu Ende.
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