„Gesamte Rosenheimer Straße ist ein Problem“
90 Problem-Stellen für Radfahrer: So soll es auf Wasserburgs Straßen sicherer werden
Eng, gefährlich und umständlich: Mit diesen Worten verbinden viele das Fahrradfahren in Wasserburg. Der Stadt sind die Probleme bekannt. Mit einem neuen Konzept will Wasserburg nun gut 90 Problemstellen angehen. Das ist geplant.
Wasserburg am Inn – Fahrradfahren ist in Wasserburg ein leidiges Thema. Viele Stellen, besonders in der Altstadt, sind für Radfahrer unsicher oder umständlich zu befahren. Der Stadt sind die Probleme bekannt. Deswegen hat sie ein Büro beauftragt, ein Radverkehrskonzept zu entwickeln. Nun hat Maurice Funk vom Stadt- und Verkehrsplanungsbüro Kaulen die fertige Ausarbeitung in der jüngsten Sitzung des Wasserburger Stadtrats vorgestellt.
Routen für das Fahrrad in Wasserburg
Ziel des Konzepts ist es, ein „alltagstaugliches Wegangebot“ zu schaffen, erklärte Funk. Dafür hat das Planungsbüro Radvorrang-Routen in Wasserburg herausgearbeitet. Diese verlaufen beispielsweise von Reitmehring nach Attel oder von Reitmehring in die Altstadt. Weitere Strecken, wie innerhalb der Altstadt oder innerhalb der Burgau, sind im Basisnetz festgehalten. Aus dem Konzept haben die Planer verschiedene Maßnahmen abgeleitet. Diese unterteilen sich in Sofort- sowie in kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen.
Der Stadtrat beschloss einstimmig, mit der Umsetzung von kleinen Maßnahmen heuer noch zu beginnen. Dazu zählen zum Beispiel die Überprüfung der Beschilderung in der Salzburger, Priener, Rosenheimer und Münchner Straße.
Auch die Rote Brücke steht in der Prioritätenliste der Stadt weit vorne. Hier sollen Piktogramme aufgemalt und geprüft werden, ob die Geschwindigkeit der Fahrzeuge zu reduzieren ist. Die Fußgängerbrücke über die Rosenheimer Straße soll gegebenenfalls für den Fahrradverkehr freigegeben werden. Stadträtin Bettina Knopp (Grüne) appellierte dafür, auch die Schmidzeile in die Liste aufzunehmen.
Die Trasse der Altstadtbahn kommt ebenfalls im Fahrradverkehrskonzept – teils als kurzfristige und teils als mittelfristige Maßnahme – vor. Hier biete sich der Bau eines Fahrradweges an. Dadurch gebe es neben der Route über die Köbingerbergstraße einen zweiten Weg von der Altstadt zum Bahnhof. Hier will die Stadt erst noch prüfen, welche Widmungen auf diesem Gebiet liegen und welche Naturschutzbestimmungen gelten. Christian Stadler (Grüne) sprach sich dafür aus, dass ein möglicher Fahrradweg nicht auf, sondern neben den ehemaligen Gleisen verlaufen sollte. Nur für den Fall, dass künftig doch nochmal ein Zug in die Altstadt rollen sollte, so das Stadtratsmitglied.
Fahrradweg neben B15
Im Beschluss nicht festgehalten, vom Planungsbüro jedoch als vorrangige Planungsmaßnahme ausweisen, ist ein neben der B15 verlaufender Fahrradweg von Reitmehring bis Höhe Kornberg. Auch eine Fußgänger- und Fahrradbrücke über die Kapuzinerinsel ist im Konzept festgehalten. Inwiefern diese jedoch in nächster Zeit realisierbar sei, wurde im Stadtrat nicht thematisiert.
Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) betonte, dass es sich beim Radverkehrskonzept erst einmal nur um einen Wegweiser für die nächsten zehn Jahre handle. Mit den genauen Umsetzungen müsse sich der Bauausschuss intensiv auseinandersetzen.
Stadler lobte das Konzept und hob hervor, dass viele kleine und kostengünstige Maßnahmen bereits einen großen Beitrag zur besseren Sicherheit für Verkehrsteilnehmer leisten können. Auch Georg Machl (CSU) freute sich über die Ausarbeitung. „Radfahren wird immer interessanter, sei es beruflich, in der Freizeit oder als Tourist.“ Er sprach sich dafür aus, dass besonders die Engstelle an der Roten Brücke entschärft werden müsse. Dem stimmte Norbert Buortesch (Bürgerforum) zu: „Die Brücke eignet sich am besten für eine Fahrradstraße.“
Weitere Verbesserungsvorschläge hatte das Gremium beispielsweise auch für den Weg von Wasserburg nach Soyen. Dieser soll als Hauptroute in das Verkehrsnetz aufgenommen werden, so Stadler. Weiter könne sich das Planungsbüro in Reitmehring eine Fahrradstraße vorstellen, bei der Radfahrer Vorrang hätten, jedoch auch Autos fahren dürften. Bettina Knopp (Grüne) sprach sich dagegen aus. „Wir haben in der Altstadt ‚echte‘ Fahrradstraßen, die nur für Fahrradfahrer und Anwohner freigeben sind.“ An anderer Stelle nun einen Mischverkehr auszuweisen, sei inkonsequent und verwirre die Verkehrsteilnehmer, fand sie.
Radweg von Reitmehring nach Edling
Josef Baumann (CSU) kam auf den Radweg von Reitmehring nach Edling zu sprechen. Dieser müsse attraktiver gestaltet werden. Edith Stürmlinger (Bürgerforum) schlug vor, diesen Radweg zu asphaltieren, da die derzeitige Strecke bei Regen schwierig zu befahren sei. Zudem wie sie darauf hin, dass der Radweg an der B15 bald realisiert werden sollte. Heike Maas (CSU) sprach die schwierige Vorfahrts-Situation bei der Münchner Straße auf Höhe der Musikschule an. Hier brauche es eine Regelung, sagte sie. Friederike Kayser-Büker warf ein, dass die auch die Beschilderung zwischen Reitmehring und der Köbingerbergstraße nicht ausreichend sei. Elisabeth Fischer (CSU) sprach die aus ihrer Sicht gefährliche Situation bei der Ausfahrt des Discounters „Penny“ in die Rosenheimer Straße an. Kölbl ergänzte: „Die gesamte Rosenheimer Straße ist ein Problem.“
Mit dem Beschluss, diese Probleme anzugehen, setze die Stadt ein deutliches Signal, so der Bürgermeister. Das Konzept ist zudem Voraussetzung für die Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft „Fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern“.


