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Letztes Sommer-Interview von Michael Kölbl

Mega-Projekte, Millionen-Investitionen: Wasserburgs Bürgermeister über die Ziele beim Endspurt

Mit sich im Reinen: Bürgermeister Michael Kölbl, der sich auf dem Endspurt seiner Amtszeit befindet.
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Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl befindet sich im Endspurt seiner Amtszeit.

Noch neun Monate, dann geht in Wasserburg eine Ära zu Ende: Bürgermeister Michael Kölbl hört nach 24 Jahren als Rathauschef auf. Wie geht es ihm damit? Und wie steht es um Mega-Projekte wie die Auflösung des Bahnübergangs auf der B 304 und den angespannten Wohnungsmarkt? Antworten gibt er in seinem letzten OVB-Sommer-Interview.

Wasserburg am Inn – Derzeit heißt es für Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl oft: „ein letztes Mal“. Ein letztes Mal Schulabsolventen verabschieden, ein letztes Mal ein Fest eröffnen, ein letztes Mal ein Gebäude einweihen. Und dies ist auch das letzte Sommerinterview, das die Redaktion mit ihm führt. Ein letztes Mal geht es um die vielen Mega-Projekte der Stadt. Sind sie im Plan? Über einen arbeitsreichen Endspurt und Kölbls Gemütslage.

Vier Mega-Themen beschäftigen die Stadt und die Bürger und werden in den nächsten Jahren Millionen-Investitionen notwendig machen: Neubau von Feuerwehrhaus und Wertstoffhof, Grundschulerweiterung, Modernisierung der Kläranlage. Wie weit sind die Vorhaben? Beginnen wir mit dem Projekt, das „gefühlt“ nur zäh vorankommt: das Feuerwehrhaus.

Michael Kölbl: Wir haben für das neue Feuerwehrhaus jetzt alle Fachplaner im Boot, wir befinden uns in einer hochaktiven Phase. Der aktuelle Stand der Vorplanungen wurde der Feuerwehr bereits vorgestellt. Mit dem Abschluss der Entwurfsplanung rechne ich bis Ende 2025. Dann ist es nicht mehr weit bis zum Maßnahmenbeschluss, den noch der jetzige Stadtrat treffen soll. Mit etwas Glück klappt es vielleicht noch 2026 mit dem Spatenstich. Parallel muss noch der Bebauungsplan angepasst werden. Das ist ein fließender Prozess. Doch es stimmt: Wir hatten eine Verzögerung, weil wir die Vergabe einer Fachplanungsleistung wiederholen mussten, Folge einer Anfechtung vor der Vergabekammer. Jetzt läuft es wieder.

Wenn das Feuerwehrhaus dann gebaut ist, was geschieht eigentlich mit dem alten Gebäude? Es liegt ja auf einem interessanten Grundstück, auf das sicherlich viele ein Auge geworfen haben.

Kölbl: Das muss der neue Stadtrat entscheiden. Für mich persönlich drängt sich hier eine Wohnbebauung auf. Ich will da aber nicht vorgreifen. Das sind wirklich noch ungelegte Eier. Grundsätzlich gibt es verschiedene Optionen: Bauen wir als Stadt selber wie in der Ponschabaustraße, suchen wir uns einen Partner, wie auf dem Gelände der früheren Essigfabrik, steigt die Wohnungsbaugenossenschaft GWG ein? Alles offen. Das muss der neue Stadtrat entscheiden. Und dabei spielen dann auch Faktoren wie die wirtschaftliche Lage in Deutschland und die Haushaltssituation der Stadt hinein.

Wie ist der aktuelle Stand bei der Verlegung Wertstoffhofes an die Priener Straße?

Kölbl: Wir sind im Plan beim Neubau des Wertstoffhofs. Wir haben im Rahmen eines europaweiten Vergabeverfahrens, eine Folge der hohen Investitionssumme von etwa 5,3 Millionen Euro, einen Planer gefunden. Die Planungen werden im Oktober im Umweltausschuss vorgestellt. Ich hoffe, dass der Maßnahmenbeschluss noch in meiner Dienstzeit fällt. Baubeginn sollte Ende 2026/Anfang 2027 sein.

Und stimmt es, dass sich Eiselfing an den neuen Wertstoffhof anschließt?

Kölbl: Wir befinden uns hierzu derzeit in einem Abstimmungsprozess mit dem Landkreis als Entsorgungsbehörde. Denn Wasserburg hat ja eine Sonderstellung als Kommune, wir kümmern uns selber um unsere Abfallentsorgung, Eiselfing nicht. Doch die Nachbargemeinde hat den erklärten Willen bekundet, auch durch Gemeinderatsbeschluss, beim Wertstoffhof Wasserburg mit uns zu kooperieren.

Drängt beim Wertstoffhof nicht auch die Zeit, angesichts der Tatsache, dass erst nach der Verlegung die Grundschule erweitern kann – was wiederum notwendig ist angesichts der Verpflichtung zur Ganztagsschule ab 2026? 

Kölbl: Auch bei der Grundschule passt die Zeitschiene. Die Machbarkeitsstudie ist fertig, wir wissen, wie das Gebäude erweitert werden kann. Es gibt den entsprechenden Stadtratsbeschluss. Wenn der Wertstoffhof fertig ist, können wir mit den Bauarbeiten an der Grundschule beginnen. Demnächst gehen wir auf die Suche nach einem Planer, auch hierzu müssen wir aufgrund der Millioneninvestition europaweit ausschreiben. Für die nächsten Jahre ist der Betreuungsbedarf in Sachen Ganztagsschule gedeckt mit den Einrichtungen, die wir bereits haben. Fest steht mittlerweile auch, dass eine erweiterte Mittags- und Hausaufgabenbetreuung, wie sie in Wasserburg am Kaspar-Aiblinger-Platz über den Förderverein bereits angeboten werden könnte, als Ganztagsangebot anerkannt wird.

Die Kläranlage muss modernisiert werden, da geht kein Weg dran vorbei. Müssen die Wasserburger mit höheren Abwassergebühren rechnen?

Kölbl: Fest steht, wir werden keine Ergänzungsbeiträge für die Kläranlagen-Modernisierung erheben, sondern über die Gebühren finanzieren. Das tun wir jedoch über sehr viele Jahre hinweg, deshalb ohne große Sprünge bei den Gebühren. Schon bei der jüngsten Gebührenanpassung, die zum 1. Januar 2025 in Kraft getreten ist, haben wir einen „Ansparbetrag“ in die Kalkulation einfließen lassen. Tatsache ist: Wir liegen mit 1,96 Euro pro Kubikmeter Abwasser für die nächsten vier Jahre immer noch unter zwei Euro und damit sehr günstig im Vergleich zu vielen anderen Kommunen. Und ja, 2029 wird noch einmal eine Gebührenanhebung kommen müssen. Doch angesichts der Finanzierung der Zehn-Millionen-Investition in die Kläranlage über 30 Jahre bleibt es bei vermutlich „gut verträglichen“ Anpassungen.

Wasserburg gilt als Stadt mit „angespanntem Wohnungsmarkt“. Mit dem neuen Wohngebiet ehemalige Essigfabrik steht ein großer Wurf an. Trotzdem: Bezahlbare Wohnungen sind und bleiben ein großes Thema. Gibt es weitere Pläne nach dem Beispiel der ehemaligen Essigfabrik?

Kölbl: Derzeit nicht, denn es steht kein weiteres passendes Grundstück zur Verfügung. Ich bin jedoch der Meinung, es ist bereits viel passiert im Bereich Wohnungsbau in Wasserburg: Angefangen von unserem eigenen städtischen Vorhaben in der Ponschabaustraße, bei dem 23 Wohneinheiten entstanden sind, über die 33 sozial geförderten Wohnungen in der Burgau, erstellt von der (GWG) Wasserburg, über das Projekt ehemalige Essigfabrik, wo 79 Wohneinheiten entstehen werden, bis zu den neuen Wohnungen am Gerblanger, ein privates Vorhaben, bei den etwa 70 neue entstehen sollen. Auf dem Gelände des kbo-Inn-Salzach-Klinikums in Gabersee werden gerade 57 neue Wohnungen für Mitarbeitende erstellt. Und dann haben wir noch das private Projekt neben der Innhöhe, das in der Planung ist und ebenfalls viele neue Wohnungen bieten soll. Das sind insgesamt also rund 300 Wohnungen, die entstanden sind oder entstehen. Hinzu kommen unsere Bemühungen, die Nachverdichtung zu unterstützen. Wir werden diese Wege weiterverfolgen.

Mit Pressemitteilungen versucht die Linke Liste Wasserburg, kurz vor Stadtratssitzungen Einfluss zu nehmen. Das sind neue Wege der Linken, um mitzumischen, etwa beim Thema Wohnungsbau. Wie werden Sie auf Dauer damit umgehen?

Kölbl: Ich lasse mich davon nicht beeindrucken. Und zu meiner Freude auch der Stadtrat nicht. Wir machen unsere Arbeit weiter. Wir diskutieren sachlich. Auf polemische Äußerungen reagiere ich nicht, denn ich will nicht unnötig eine Plattform für unsachliche Debatten schaffen. Nur ein Satz: Die Aussagen der Linken Liste sind nicht gerade durch intensive Sachkenntnis über die Wasserburger Verhältnisse geprägt.

Ein Mega-Thema ist die Auflösung des Bahnübergangs auf der B 304 in Reitmehring. Nachdem gerichtlich alles geklärt scheint in puncto Planfeststellungsbeschluss, wie geht es jetzt weiter? 

Kölbl: Es besteht so gut wie Rechtssicherheit, aber noch nicht ganz. Denn derzeit läuft ja noch die Beschwerde der Firma Meggle gegen die Nichtzulassung der Revision beim Bundesverwaltungsgericht. Die Erfolgsaussichten halte ich jedoch für relativ gering. Zuständig für die Baumaßnahme ist der Bund über das Staatliche Bauamt, denn es handelt sich ja um eine Bundesstraße, auf der der Bahnübergang aufgelöst und durch Tunnel, Brücke und Trog ersetzt wird. Wenn Rechtskraft besteht, geht es in die Ausführungs- und Werkplanung, ein europaweites Vergabeverfahren. Außerdem muss noch die Finanzierung geklärt werden.

Könnte dieses Vorhaben von den Infrastruktur-Milliarden des Bundes profitieren?

Kölbl: Das hoffe ich sehr. Diese Sondermittel passen in meinen Augen sehr gut.

Das ist das letzte Sommer-Interview, das wir mit Ihnen führen. Vieles tun Sie derzeit zum letzten Mal. Wie geht es Ihnen damit? Wie ist Ihre Gefühlslage? 

Kölbl: Mir geht es gut. Ich arbeite weiter, wie gehabt. Doch ich freue mich auch auf den Ruhestand. Nach über 23 Jahren als Bürgermeister bin ich mit mir im Reinen. Es passt für mich, 2025 aufzuhören, ich bin dann 64. Ich freue mich darauf, endlich selbstbestimmte Zeit zu haben. Das heißt: mehr Zeit für meine Enkelkinder, das dritte ist gerade unterwegs, mehr Zeit für meine Familie, mehr Zeit für mein Hobby, das Segeln.

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