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100 Kilometer langes Kanalnetz

Von der Klospülung bis in den Inn: So wird das Abwasser der Wasserburger wieder sauber

Bevor das Abwasser aus Toilette oder Küche in den Inn fließen darf, wird es in der Wasserburger Kläranlage gereinigt.
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Bevor das Abwasser aus Toilette oder Küche in den Inn fließen darf, wird es in der Wasserburger Kläranlage gereinigt.

Toilette, Dusche oder Küche: Die Kläranlage in Wasserburg reinigt das Abwasser der Wasserburger, Edlinger und Eiselfinger. Wie die Anlage aufgebaut ist und wie sie funktioniert, erklärt Klärmeister Günter Grasberger.

Wasserburg am Inn – Das Spülwasser aus Küche oder Toilette fließt den Abfluss hinunter und ist somit aus den Augen der Bürger verschwunden. Früher ist das Abwasser zumeist ungefiltert in einen Fluss geleitet worden. Bis noch vor 40 Jahren war das auch in Wasserburg der Fall. Seit 1988 wird es jedoch in der Kläranlage in der Odelshamer Au gereinigt, ehe es in den Inn läuft.

Abwasser aus Wasserburg, Eiselfing und Edling

Das rund 100 Kilometer lange Kanalnetz unter der Stadt und Umgebung leitet das Abwasser von rund 15.000 Einwohner aus Wasserburg, Eiselfing und Edling in die Kläranlage. Rund zwei Millionen Kubikmeter werden dort jährlich gereinigt. Das entspricht in etwa 630 Füllungen aller Innen- und Außen-Becken des Erlebnisbades Badria.

Auf dem Weg in die Odelshamer Au muss das Schmutzwasser zweimal den Inn durchqueren. Sogenannte Düker, also Druckleitungen, leiten die Mischung aus Regen- und Abwasser von der Kellerstraße zum Gries und vom Schöpfwerk zum Blaufeld und von dort zur Kläranlage. Verantwortlich für die Anlage ist Klärmeister Günter Grasberger. Der 47-Jährige arbeitet seit 32 Jahren in Wasserburg und hat dort bereits seine Ausbildung zum Ver- und Entsorger mit Fachrichtung Abwasser absolviert.

Guenter Grasberger zeigt auf eine Grafik einer Pumpstation bei Wasserburg. Ein zweiter Bildschirm zeigt ein Diagramm mit Abwasserwerten.

Angekommen bei der Kläranlage, fließt das Abwasser durch verschiedenen Becken. Jedes einzelne hat eine bestimmte Funktion und filtert gewisse Stoffe heraus. Als Erstes werden im Rechenhaus mittels zwei großer Rechen alle Essensreste, Feuchttücher und Feststoffe, die größer als drei Millimeter sind, aus dem Wasser gefischt. „Einmal habe ich hier sogar einen Personalausweis gefunden. Der Besitzer hatte ihn auf einer Party verloren. Er muss über das Kanalnetz zu uns gespült worden sein“, erinnert sich Grasberger.

Maiskörner und noch nicht aufgelöstes Toilettenpapier hängt in den Zinken des Rechens bei der Wasserburger Kläranlage.

Kläranlage wird erweitert

Über die Jahre sind immer mehr Menschen nach Wasserburg gezogen, wodurch bei der Kläranlage in der Odelshamer Au immer mehr Abwasser ankommt. Mittlerweile ist die Anlage an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen. Deswegen will die Stadt ein zusätzliches Belebungsbecken bauen. Rund 10 Millionen Euro soll die Erweiterung kosten.

Anschließend läuft das Wasser in den Sandfang. Hier setzt sich laut Grasberger zum einen der Sand am Boden ab. Zum anderen wird das oben schwimmende Fett abgezogen. Durch eine leichte Aufwirbelung bleiben Schwebeteilchen im Wasser. Diese werden erst im nächsten Schritt im Vorklärbecken entfernt. Hier sinkt der Rohschlamm samt Schwebeteilchen ab. „Nach diesem Prozess ist das Abwasser bereits zu einem Drittel gereinigt“, erklärt Grasberger.

Mikroorganismen verarbeiten Stickstoff

Auch wenn für das menschliche Auge nur mehr wenige Feststoffe erkennbar sind, ist das Wasser noch nicht sauber. Im nun vierten Schritt fließt das Abwasser ins Belebungsbecken. Hier wird durch rund 1000 Belüftungskerzen Sauerstoff in die Flüssigkeit geblasen. Ein Fällmittel ziehe hier den Phosphor aus dem Wasser, erklärt Grasberger. Im Belebungsbecken verarbeiten laut ihm zudem Mikroorganismen den gelösten Stickstoff in mehreren Abbauschritten, sodass dieser letztlich in die Luft entweicht. Die Bakterien müssen nicht extra hinzugegeben werden, sondern bilden sich im Wasser und vermehren sich, so der Klärmeister. In der Nachklärung setzt sich der Schlamm mit den Mikroorganismen ab. Ein Teil des Schlamms kommt wieder ins Belebungsbecken, damit die Bakterien weiterarbeiten können, der andere Teil wird abgeschöpft und in den Faulturm geleitet, sagt Grasberger.

Das mechanisch, biologisch und chemisch gereinigte Wasser kann dann in den Inn fließen. Insgesamt dauert es laut dem Klärmeister rund einen Tag, bis das Abwasser gereinigt ist. „Dabei ist es jedoch nicht frei von Krankheitserregern oder Medikamentenrückständen“, sagt Grasberger. Der Schlamm aus Vor- und Nachklärung, sowie das Fett aus dem Sandfang werden in den Faulturm gepumpt. Dort entsteht Gas, das wiederum in den Blockheizkraftwerken zu Strom umgewandelt wird. „Dadurch werde rund 50 Prozent des Stroms, den die Geräte in der Anlage brauchen, produziert, sagt Grasberger.

Große Schalttafel im Betriebsgebäude

Die gesamten Prozesse überwachen Grasberger und seine Kollegen vom Betriebsgebäude aus. Hier laufen alle Informationen der Elektro-, Mess- und Regeltechnik zusammen und können auch von hier aus gesteuert werden. Eine große Schalttafel im Eingang des Gebäudes visualisiert die verschiedenen Auffangbecken, Pumpstationen und Klärbecken des gesamten Kanalnetzes.

Bunte Linien und ein Kartenausschnitt zeigen das Einzugsgebiet der Kläranlage Wasserburg.

Des Weiteren überprüfen die Mitarbeiter der Kläranlage bis zu 19 Wasserproben pro Tag im hausinternen Labor. Dafür zapfen sie unter anderem Abwasser am Zu- und Ausfluss oder im Belebungsbecken ab und kontrollieren, ob alle Höchstwerte eingehalten werden. Wenn alles passt, kann das Wasser in den Inn fließen und ist somit wieder im Kreislauf.

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