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Zumtobel im OVB-Exklusiv-Interview

Stauen sich bald die Züge? Was Tirols Landesrat Zumtobel für den Brenner-Nordzulauf fürchtet

Brenner-Nordzulauf auf österreichischer Seite: Verkehrslandesrat René Zumtobel erklärt, warum es dort zu Verzögerungen kommt.
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Brenner-Nordzulauf auf österreichischer Seite: Verkehrslandesrat René Zumtobel erklärt, warum es dort zu Verzögerungen kommt.

Die Entscheidung für die Region ist vertagt: Eigentlich hätte der Bundestag im Frühjahr über den Bau des Brenner-Nordzulaufs entscheiden sollen. Wann nun abgestimmt wird, steht in den Sternen. Was sagen unsere Tiroler Nachbarn dazu? Verkehrslandesrat René Zumtobel äußert im OVB-Exklusivinterview einen Verdacht.

Rosenheim – Kommt der Brenner-Nordzulauf in der Region Rosenheim? Und wenn ja, in welcher Form? Der Bundestag in Berlin hätte ursprünglich im Frühjahr 2025 darüber entschieden. Doch nach dem Aus für die Ampel-Koalition im November 2024 wurden Neuwahlen im Februar 2025 nötig. Nun rauft sich die neue Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD zusammen. Zahlreiche Herausforderungen sind zu meistern. Ist da überhaupt noch Geld übrig für den Nordzulauf? Die Nachbarn in Tirol sind offenbar nicht ganz überzeugt. Verkehrslandesrat René Zumtobel jedenfalls äußert Bedenken.

Selbst wenn der Bundestag heuer noch eine Entscheidung fällt: Es wird dauern, bis Deutschland mit den Arbeiten beginnt. erlässt Sie die Geduld?

René Zumtobel: Ich habe das ja bereits im Verkehrsausschuss des Bundestages gesagt. Wenn Deutschland die Entscheidung zum Bauen fällt, dann ziehen mindestens noch 15 Jahre ins Land, sechs Jahre für die Planung und neun Jahre fürs Bauen. Für die Bahn zu bauen, ist nicht wie Straßen bauen, das geht nicht so schnell. Die Menschen werden ab 2032 sehen, dass der Brenner-Basistunnel funktioniert. In 50 Minuten von Innsbruck nach Bozen zu fahren, auf einen Cappuccino – das ist dann möglich. Staufrei von München durchs Inntal: Das wäre dann auch möglich, eine Zulaufstrecke irgendwann mal vorausgesetzt. Das ist eine Riesenchance. Ich sehe den Brenner aber auch als Prüfstein für die europäische Verkehrspolitik. Gelingt die Verlagerung auf die Schiene, oder gelingt sie nicht? Wenn wir das nicht schaffen, haben wir etwas falsch gemacht.

Legt sich Deutschland ins Zeug, oder geht Ihnen das zu zögerlich?

Zumtobel: Ich hatte bei der Anhörung vorm Verkehrsausschuss den Eindruck, dass im Grundsatz alle den Nordzulauf wollen. Aber zwei Dinge sind auf deutscher Seite wohl noch zu klären. Das eine ist diese Verknüpfungsstelle im Bereich des Wildbarren. Das zweite ist, ob man in Rosenheim unter dem Inn durchfährt oder oben drüber, mit einer Brücke. Leider hat die alte Regierung keine Entscheidung mehr gefällt. Jetzt gibt es eine neue Bundesregierung in Deutschland. Und ich werde bald auch im Kontakt mit dem bayerischen Verkehrsminister Christian Bernreiter versuchen, das Thema wieder auf die Tagesordnung zu bringen. Ich habe eine gewisse Sorge, ob der Brenner bei all den Herausforderungen wie der Rüstung und der Sicherheit noch die gleiche Wertigkeit hat, die er eigentlich haben sollte.

Im Bundestag schien es doch, wie Sie selber sagten, eine Mehrheit zu geben. Sie machen sich wirklich Sorgen?

Zumtobel: Ja, weil ich noch kein Signal sehe. Ich kann nur mit all meiner Erfahrung und meiner Leidenschaft dafür werben, hier weiterzumachen. Ein Tunnel ohne Zulaufstrecke ist wie ein Herz ohne Aorta.

Der für den so genannten Scan-Med-Korridor zuständige EU-Koordinator Pat Cox hat gesagt, wie ein Pub ohne Bier.

Zumtobel: Ein schöner Vergleich. Ich möchte aber auch sagen, wir brauchen für ein pulsierendes Herz im Bereich des Schienenverkehrs funktionierende Zuleitungen. Also, wir in Österreich haben 40 Kilometer Nordzulauf gebaut, vor uns liegen noch knapp 20 Kilometer. Und dann geht es eh schon Richtung Bayern. Und da müssten wir langsam wissen, wie Bayern nun plant. Ich werde alles dafür tun, um dafür zu werben. Weil es eine Riesenchance für alle ist.

Eigentlich müssen Ihnen die Bürgerinitiativen aus der Seele sprechen. Die wollen die Bestandsstrecke ertüchtigen und mit einer Untertunnelung von Rosenheim einen Flaschenhals umgehen. Das wäre sogar noch viel schneller zu machen.

Zumtobel: Diese Variante kenne ich nicht. Ich weiß aber, dass die DB-Infra Go intensiv verschiedenste Varianten geprüft hat. Ich weiß das vor allem von den Sitzungen der Aktionsgemeinschaft Brennerbahn mit Vertretern aus Bayern, Tirol und Südtirol, inklusive der drei Infrastrukturbetreiber. Die berichten der Politik zweimal im Jahr über den Status quo ihrer Arbeiten. Und da war zu hören, dass die DB aus vielen Varianten eine Wunschtrasse ausgewählt hat, die den maximalen Nutzen für alle hat. Wir müssen abwarten, ob es damit nun weitergeht.

Da sitzen die Zweifel aber tief, oder?

Zumtobel: Das macht mir wirklich Sorgen, ja. Wenn es in Bayern nicht weitergeht, entsteht an der Stelle, wo unsere vier Gleise auf zwei in Deutschland treffen, ein Stau. Immer dann, wenn Verkehrswege auf einmal weniger Kapazität haben, kommt es zu einer Stausituation. Was ich nicht haben will, ist an der Grenze eine Blockabfertigung auf der Schiene.

Sie bleiben dabei, Deutschland braucht den vierspurigen Ausbau?

Zumtobel: Definitiv, es braucht den Brenner-Nordzulauf.

Haben Sie diese Zweifel auch für Italien? Dass Italien durchgehend vierspurig baut?

Zumtobel: Zumtobel: Da kann ich wiedergeben, was die Italiener in der Aktionsgemeinschaft Brennerbahn berichten. Demnach bauen sie. Es ist sogar beeindruckend, was Italien da macht. Ich habe mir zum Beispiel die Unterquerung des Eisack angesehen. Ein Wahnsinnsprojekt. Ein Geniestreich. Die Italiener haben den Fluss eingefroren, um einen Tunnel zu bauen. Das ist unglaublich.

Tempo und Können: Das trauen bei uns viele Leute Italienern gar nicht erst zu.

Zumtobel: Da liegt vielleicht das Problem. Ich kann nur sagen, da wird geplant und gebaut.

Und bei Ihnen? Kürzlich meldete der ORF, dass sich in Tirol der Abschluss des Nordzulaufs im Unterland verzögern werde. Um zwei Jahre.

Zumtobel: Aufgrund der noch immer fehlenden Trassenentscheidung in Deutschland verschieben die ÖBB den Ausbau im Tiroler Unterland bis Kufstein/Schaftenau um zwei Jahre. Das ist eine schmerzhafte Entscheidung für den regionalen Nahverkehr, der vom Ausbau schon 2037 hätte profitieren können. Für den Brenner-Nordzulauf hat diese Entscheidung aufgrund der massiven Verzögerungen auf deutscher Seite keine erwähnenswerten Auswirkungen.

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