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Beruf und Familie

Vater wird auf LinkedIn gefeiert: „Ich helfe meiner Frau nicht mit den Kindern“

Da er durch seinen Job kein guter Papa sein, gibt ein Mann sein Angestelltenverhältnis auf. Er ist der Ansicht, dass andere von ihm lernen könnten.

Jörg Stephan ist Vater von zwei Kindern, die heute 13 und 17 Jahre alt sind. Die beiden zu erziehen sei sein größtes Glück, erzählt der 49-Jährige aus Stuttgart, den es wegen der Liebe in die Nähe von Amsterdam verschlagen hat. Doch erst 2016, als die Kinder vier und sieben Jahre alt waren, sei ihm das bewusst geworden. Damals kündigte Stephan seinen Job als Unternehmensberater.

„Im Rückblick wird deutlich, dass ich meine Vaterrolle in dem Job nicht ausüben konnte“, sagt er BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. „Ein aktiver Vater zu sein, das war nicht männlich genug, wurde in der Beratungswelt nicht akzeptiert. Familie ist Frauensache, hieß es.“ Wenn er seine kranke Tochter von der Kita abholte, habe er sich „dumme Sprüche“ wie „Warum macht das nicht die Mutter?“ anhören müssen.

Leuchtturmpapa Jörg Stephan

Lange habe er sich nicht eingestehen können, wie wenig ihn der Job erfüllt habe und wie gerne er vor allem eines ist: Papa. Heute ist er selbständig als einer der ersten Väter-Coaches tätig, berät andere Männer mit seinem gleichnamigen Unternehmen, wie sie zu „Leuchtturmpapas“ werden können. Auf Linkedin hat er einen Learning-Kurs etabliert. Über 10.000 Menschen folgen ihm auf der Plattform.

„Kinder leiden an Untervaterung“: Vater teilt seine Sorge auf Linkedin

30- bis 35-jährige Frauen haben heute einen besseren Bildungsabschluss als gleichaltrige Männer, wie Erhebungen zeigen. Trotzdem arbeiteten 2023 laut Daten des Statistischen Bundesamts 67 Prozent aller Mütter in Teilzeit und nur neun Prozent aller Väter. Warum? „Weil Frauen zurückstecken und durch patriarchale Machtstrukturen zurückgedrängt werden“, sagt der Väter-Coach BuzzFeed News Deutschland.

Oft seien „äußere Zwänge“ schuld, also wie einfach es Vätern gemacht werde, Elternzeit zu nehmen, oder Müttern, Vollzeit zu arbeiten. Oder die oft schlechter bezahlten Berufe von Frauen und das Ehegattensplitting, das falsche Anreize setze. „Aber auch die Männer selbst sind das Problem“, sagt er. „Weil sie denken, sie dürfen nicht einfach ihren Job aufgeben, um Vater zu sein.“

Genau das will er mit seinem Leuchtturm-Papa-Coaching ändern. „Kinder leiden an Untervaterung“, sagt Stephan. Seit jeher. „Das sorgt für diese toxische Männlichkeit.“ Kinder bräuchten beide Elternteile, um sich optimal zu entwickeln. Deswegen müssten „mehr Väter bewusst ihre Vaterrolle leben. Es muss ja nicht 50:50 sein“ – aber „manche Männer lassen sich abfeiern für zwei Monate Elternzeit – das reicht einfach nicht.“

Vater wird wütend: „Wir Männer helfen doch nicht!“

„Bei uns war es immer normal, dass beide alles machen“, sagt Stephan. Beide reduzierten ihre Arbeitszeit. Im Kindergartenalter der Kinder seine Frau etwas mehr, dann mit seiner Selbstständigkeit sei er in der Grundschulzeit mehr zu Hause bei den Kindern gewesen. „Trotz allem war ich zu der Zeit nicht alleine verantwortlich“, sagt Stephan.

Und doch hörte er damals Sätze wie: „Toll, dass du deiner Frau so viel hilfst!“. So etwas mache ihn wütend. Mal ganz davon abgesehen, dass er damals mehr Zeit für Sorgearbeit gehabt habe: „Ich helfe meiner Frau nicht mit den Kindern! Das ist genau der Punkt: Wir Männer helfen doch nicht, wir haben uns entschieden, eine Familie zu gründen“, sagt Stephan BuzzFeed News Deutschland. Man könne nicht bei etwas „helfen“, das in der eigenen Verantwortung liege. Ähnlich sieht es dieser Vater aus den USA, der mit einer Wutrede bei TikTok viral ging.

Schneemann bauen? Für einen aktiven Papa gehört das einfach dazu, würde Jörg Stephan wohl sagen.

Sorgearbeit und Erwerbsarbeit: Bloß nicht die falsche Abzweigung nehmen

Viele Frauen aus seinem Bekanntenkreis sagten ihm heute, dass sie sich eine Aufteilung wie bei Stephan und seiner Frau eigentlich auch gewünscht hätten. „Aber sie haben als Paar die falsche Abzweigung genommen und können nicht mehr zurück.“ Zum Beispiel, weil das Gehalt der einen Person einfach zu hoch ist. Deswegen sollten sich Paare schon am Anfang ihrer Beziehung „deutlich absprechen“, wer bei Kindern wie viel Sorgearbeit und Erwerbsarbeit übernimmt, sagt Stephan. Dazu rät auch eine Paartherapeutin.

Aber auch auf Unternehmensseite sieht der Väter-Coach Verbesserungspotenzial: Er will bald nicht nur Väter, sondern auch Firmen zur vereinbarkeitsfreundlichen Unternehmenskultur coachen. „Es braucht modern denkende Unternehmer, die selbst erkennen, dass ihnen da was fehlt“, sagt er BuzzFeed News Deutschland. Zum Beispiel diesen Geschäftsführer, bei dem Kinder im Büro ganz normal sind.

Rubriklistenbild: © privat

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