Jeder hat seine Aufgabe
„Ich helfe meiner Frau nicht mit den Kindern“ – Vater mit Vollzeit-Job regt sich bei TikTok auf
Ein TikToker erklärt, warum er seiner Ehefrau nicht bei der Wäsche, beim Kochen und auf die Kids aufpassen „hilft“. Wie wichtig das ist, weiß eine Psychologin.
Der US-Amerikaner J.R Minton arbeitet Vollzeit beim Paketzusteller UPS, während seine Frau Brittany sich als Hausfrau um die vier gemeinsamen Kinder kümmert. Auf TikTok erzählt er als @minton__jr regelmäßig von seinem Leben als arbeitender Vater. Im September 2023 ging er mit einem Video viral, in dem er sagte, seiner Frau nicht beim Haushalt zu helfen. „Ich helfe meiner Frau nicht beim Kochen, ich helfe ihr nicht mit den Kindern, beim Putzen, bei der Wäsche – nichts davon“.
Ende September 2024 erklärt er erneut, was er damit eigentlich meint: „In dem Video habe ich gesagt, dass ich meiner Frau nicht beim Putzen, Wäsche machen, Kinder beaufsichtigen oder Kochen helfe, weil das auch mein Job ist. Ich kann ihr nicht bei etwas helfen, was auch meine Aufgabe ist.“
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Vor allem sei es ihm um die Formulierung gegangen: „Wenn ich sage, dass ich ‚meiner Frau mit den Kindern helfe‘, wird die Vorstellung aufrechterhalten, dass sie die Verantwortung für unsere Kinder trägt und ich nur assistiere. Wir haben eine Partnerschaft; ich kümmere mich um meine Kinder, und ich helfe nicht“, sagte er im viralen Video damals.
Bei BuzzFeed US erklärte er: „Ich verdiene zwar Geld mit meiner Arbeit, aber meine Frau gibt mir die Möglichkeit, zu arbeiten. Dass sie Hausfrau und Mutter ist, ist ein Privileg für mich und die Kinder, nicht für sie“, sagt Minton. „Ich trage genauso viel Verantwortung für den Haushalt und die Kinder.“
Psychologin erklärt, warum beide Eltern Verantwortung übernehmen müssen
Wie wichtig diese Einstellung ist, weiß die Paartherapeutin Yvonne Beuckens. Die Zeit vor der Geburt des ersten Kindes sollten Paare ihrer Meinung nach nutzen, um darüber zu sprechen, dass beide Eltern Verantwortung übernehmen müssen. Nur so könne eine gelungene Verteilung von Care-Arbeit zwischen Ehepartnern und Ehepartnerinnen gelingen.
„Es ist wichtig im Vorhinein zu klären, was wer braucht und sicherzustellen, dass beide Elternteile auch mal einen längeren Zeitraum hauptverantwortlich für das Kind oder die Kinder sind“, sagt sie BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. „Wenn ein Partner oder eine Partnerin sich damit nicht auseinanderzusetzen will, dann ist er oder sie vielleicht nicht der oder die Richtige. Da würde ich sagen: Augen auf bei der Partnerwahl!“
Warum das zweite Kind in vielen Beziehungen einen Wendepunkt darstellt
Minton ist so ein Partner, der sich damit auseinandersetzt, wie er seine Frau unterstützten kann und trotz Job Verantwortung für seine vier Kinder übernehmen kann. „Beim ersten Kind halten viele Paare noch an dem Leben vor der Elternschaft fest. Ein Part übernimmt meist mehr Verantwortung als der andere. Viele halten das noch aus, beißen die Zähne zusammen“, sagt Beuckens.
Beim zweiten Kind gehe das nicht mehr, es müsse zum Wendepunkt kommen, ansonsten gingen vielleicht sogar Beziehungen nach dem zweiten Kind in die Brüche. „Beim dritten Kind ist die Situation so komplex, dass die meisten Paare zu einem gewissen Grad das alte Lebensmodell aufgeben und verstehen: Es geht nur, wenn wir beide Verantwortung übernehmen.“ Dann komme zu „positiven Synergieeffekten“, erklärt Beuckens BuzzFeed News Deutschland. An dem Spruch, ab Kind drei wird alles leichter, sei also wirklich etwas dran – und Minton macht vor, wie es aussehen kann.
Rubriklistenbild: © @minton__jr TikTok
