Kita-Krise
Personalmangel in der Kita: Vater nimmt seine Tochter mit ins Büro – „im Winter ist es krass“
Immer wieder müssen Kitas in Deutschland wegen Personalmangel schließen. Ein Vater will seine Tochter auch im Job nicht „verstecken“.
Obwohl ihre Eltern Bedarf haben, können 13,6 Prozent der Kinder unter drei Jahren nicht in die Kita. Der Grund: In Deutschland fehlen 306.000 Kitaplätze für unter Dreijährige. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW). Die Lücke ist zwar im Vergleich zum Vorjahr um 38.200 Plätze zurückgegangen, aber es gibt keinen Grund zur Entwarnung.
Der Ausbau von Betreuungsplätzen in Deutschland „schreitet derzeit kaum voran“, heißt es in der Studie und die Betreuungswünsche der Eltern werden „voraussichtlich weiter zunehmen“. Viele Eltern fühlen sich in der Kita-Krise „alleingelassen“, wenden sich gar verzweifelt an die Politik. Jannis Johannmeier aus Bielefeld hat indes eine andere Idee gegen den Kitaplatzmangel.
Kinder zur Arbeit mitbringen: „Was bleibt uns für eine Wahl?“
Johannmeier ist Co-Gründer und Geschäftsführer der PR-Agentur „The Trailblazers“. Und Vater. Für ihn ist selbstverständlich, dass seine Angestellten ihre Kinder zur Arbeit mitbringen dürfen. Solche „Familientage“ sollte es in jedem Unternehmen geben, fordert er auf LinkedIn. „Bei der Betreuungslage aktuell und in Zukunft: Was bleibt schon für eine andere proaktive Wahl?“ Außerdem: „Als wären jeden Tag immer alle 120 Prozent produktiv…“
„Wir dürfen nicht immer nur über die Politik jammern, sondern müssen auch als Unternehmen etwas gegen die Kitakrise tun“, sagt der 36-Jährige BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Sein Kind hat zwar einen Kitaplatz, aber auch ihn betrifft regelmäßig der Personalmangel in deutschen Kitas. Er erzählt uns, dass die Kita seiner Tochter heute, als wir miteinander sprechen, schon wieder zu hat. Genauso wie am darauffolgenden Montag. „Im Winter ist es krass“, sagt er.
Flexibel im Home-Office bleiben zu können oder seine zweieinhalbjährige Tochter ins Büro mitzubringen, habe seine Familie schon oft entlastet. Auch ältere Kinder seiner Mitarbeitenden kämen regelmäßig nach der Schule vorbei, machten im Büro Hausaufgaben. „Kinder sind bei uns nicht nur geduldet, sondern es ist einfach normal“, sagt der Unternehmer. Warum auch nicht? „Kinder sind schließlich der zentrale Baustein im Leben aller Eltern.“
Home-Office mit Kindern – „Partymusik aus der Tonie-Box. Na und?“
Natürlich sei es nicht in jedem Job möglich, Kinder mitzubringen und im Büro dann auch mal entsprechend laut. „Im Home-Office kommt auch mal Partymusik aus der Tonie-Box. Na und? Die sollten wir nicht ausblenden. Es ist ok, dass Kinder auch bei der Arbeit mal ein paar Minuten lang eine Rolle spielen“, sagt Johannnmeier BuzzFeed News Deutschland. „Das Problem ist, dass wir Kinder und Kindergeschrei verstecken und so tun, als wären sie nicht da.“
Doch das sind sie, genauso wie all die logistischen Herausforderungen, die mit Kindern einhergehen. „Wir können so tun, als hätten Kitas nie zu und ein massives Problem wegignorieren“, sagt er. „Oder wir sagen zu unseren Angestellten: ‚Hey, deine Kinder sind Teil deiner Welt, wenn du möchtest, sind sie auch Teil unserer Welt.‘“ Der 36-Jährige nennt das ganze „Work Life Integration statt Work Life Balance.“
Angestellten zu erlauben, Kinder mit zur Arbeit zu bringen, habe auch unternehmerische Gründe. Oft würden sich Mitarbeitende einfach mit schlechtem Gewissen krankmelden, wenn sie keine andere Möglichkeit haben, ihr Kind zu betreuen. „Als Geschäftsführer ist es mir doch lieber, meine Mitarbeiter arbeiten ein bisschen weniger als sonst, als gar nicht.“
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