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Was findet sich auf dem PC des Prieners?

Priener von Callboys gefesselt und ausgeraubt? Jetzt gehen die Anwälte gegen das Gericht vor

Prozess am Landgericht Traunstein
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Ein 32-jähriger Jamaikaner (links) und ein 23-jähriger Venezolaner, beide Callboys, sollen am 20. Juni 2024 einen Mann in seiner Priener Wohnung gefesselt, bedroht und ausgeraubt haben.

Der Prozess gegen zwei Callboys am Traunsteiner Landgericht tritt auf der Stelle. Sie sollen 2024 bei einem Sex-Date einen Priener gefesselt und ausgeraubt haben. Doch die Verteidiger gehen jetzt mit einem Befangenheitsantrag gegen das Gericht vor. Wir waren dabei und haben die Hintergründe.

Prien/Traunstein - Im Prozess gegen die beiden Callboys, einen 32-jährigen Jamaikaner und einen 23-jährigen Venezolaner, herrschte am Montag (5. Mai) vor dem Traunsteiner Landgericht abermals Stillstand - und trotzdem ging es mit heftigen Vorwürfen zur Sache. Letztlich wollten die Verteidiger des 23-Jährigen den Prozess heute ganz zum Platzen bringen und stellten einen Befangenheitsantrag gegen das Gericht unter Vorsitz von Richterin Heike Will. Was war passiert?

Was findet sich auf dem PC des Prieners?

Schon vor dem ersten Zeugen kam es zum Konflikt. Ein Ermittler der Polizei sollte aussagen. Er analysierte den Computer des mutmaßlich geschädigten Prieners (69). Was ließ sich dort über seine sexuellen Vorlieben finden? Den Angeklagten wird schließlich vorgeworfen, sie hätten den Mann im Rahmen des Sex-Dates gefesselt, ihn ausgeraubt und ihm unter anderem mit dem Penis-Abschneiden gedroht. Die Version der Angeklagten: der Priener habe sich freiwillig fesseln lassen. „Und aus den Akten wissen wir, dass auf dem PC auch Bondage-Bilder sind und bei dem Mann eine Bondage-Neigung besteht“, so Verteidiger Temba Hoch.

Richterin Will meinte, sie habe die Fotos und Videos des Prieners noch nicht bis ins Detail angeschaut und wollte die Aussage des Polizei-Ermittlers abwarten. Doch dazu kam nicht mehr. Weil das Gericht „offenbar inhaltlich unvorbereitet“ sei, stellten die Verteidiger des Venezolaners, Hoch und Adam Ahmed, einen Befangenheitsantrag gegen die Richterinnen. Julian Praun, Anwalt des Jamaikaners, schloss sich an. Über den Befangenheitsantrag soll in den kommenden Tagen entschieden werden.

Nicht das erste Bremsmanöver der Verteidiger

Schon am allerersten Prozesstag im Februar versuchten Hoch und Ahmed mit einer „Besetzungsrüge“ den Prozess zum Platzen zu bringen. Auch der 69-jährige Priener hätte am Montag ein weiteres Mal aussagen sollen. Daraus wurde ebenfalls nichts. Regulär wäre der nächste Verhandlungstag am Donnerstag. Schon jetzt hat man aber vorsichtshalber Prozesstermine bis Ende August festgesetzt.

Was soll an jenem 20. Juni 2024 in der Priener Wohnung passiert sein? Zuerst habe es einvernehmlichen Sex zwischen dem Priener Senior und dem 23-jährigen Venezolaner gegeben. Es war nicht das erste Treffen zwischen den beiden. Auf dem Weg ins Bad hat der 23-Jährige dann laut Staatsanwaltschaft heimlich die Wohnungstür geöffnet. So sei sein Komplize, der 32-jähriger Jamaikaner, unerkannt hereingekommen.

Laut Staatsanwaltschaft wurde der Priener mit einem Küchenmesser bedroht, gefesselt und der Mund wurde ihm zugeklebt. Die beiden Männer hätten die Wohnung durchsucht und sich jede Menge eingesteckt: Bargeld, Uhren, Parfüms, Schmuck, ein Handy. Außerdem sei dem Priener angedroht worden, ihm den Penis abzutrennen - so hätten die Angeklagten zusätzlich eine Geldüberweisung erzwingen können. Sechs Stunden habe das Martyrium gedauert

Angeklagte wurden im Frankfurter Bahnhofsviertel festgenommen

Vor Gericht schwiegen die beiden Angeklagten bisher. Sie wurden sechs Tage später im Frankfurter Bahnhofsviertel festgenommen. Seitdem sitzen sie in Untersuchungshaft. Laut einem Frankfurter Polizisten machte zumindest der Jamaikaner bei seiner Festnahme einige AngabenDer Priener habe sich freiwillig fesseln lassen. Weil sich dann herausstellte, dass er nicht bzw. zu wenig zahlen wollte, habe man die Wertgegenstände mitgenommen. 500 Euro für jeden der beiden Callboys wären für das „Overnight“-Date ausgemacht gewesen. Drohungen oder Gewalt habe es nicht gegeben.

In einem Frankfurter Hotelzimmer tauchten schließlich auch die Parfüms und Uhren des Geschädigten auf. In der Priener Wohnung fanden sich wiederum DNA-Spuren der Angeklagten. Dem Venezolaner wie dem Jamaikaner werden erpresserischer Menschenraub, räuberische Erpressung, Raub und Körperverletzung vorgeworfen. (xe)

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