Autoindustrie im Umbruch
Deutsche Hersteller in der Krise – doch die E-Autos sind Exportschlager
Elektroautos werden immer häufiger zugelassen, doch die deutsche Autoindustrie spürt weiterhin enormen Druck. Was steckt hinter dem Exportboom von VW und Co.?
Frankfurt/München – Immer wieder dominieren Krisenmeldungen die Schlagzeilen, doch die Elektromobilität verleiht dem deutschen Automarkt neue Impulse: Die aktuelle Exportbilanz verdeutlicht, dass sich die hiesige Branche auf ihrem Weg inmitten des Wandels auf einem erfolgreichen Kurs befindet. Ob daraus ein nachhaltiger Erfolg wird?
Hinter dem Hype um E-Autos verbirgt sich eine rasante Marktveränderung, welche die Branche grundlegend prägt.
Deutsche Hersteller und E-Mobilität: Wachstum, aber noch kein Durchbruch
Die Elektromobilität hat sich in den vergangenen Jahren weltweit stark entwickelt. Laut der aktuellen KfW-Research-Studie hat sich der Anteil von E-Autos innerhalb von drei Jahren mehr als verdoppelt. Immerhin jedes fünfte neu zugelassene Auto fährt inzwischen elektrisch.
Im zweiten Quartal 2025 lag der Elektroanteil an den Neuzulassungen in Deutschland bei 29 Prozent, während er verglichen mit dem ersten Quartal 2024 noch unter 20 Prozent lag. „Die Zeichen für einen weiteren Aufschwung der Elektromobilität in Deutschland verdichten sich. Sowohl der Klimaschutz als auch die deutsche Automobilindustrie könnten von einer weitergehenden Elektrifizierung profitieren“, erklärt Dr. Johannes Rode, Senior Economist bei KfW Research und Mitautor der Studie.
Volkswagen und Co. zwischen Preisdruck und Innovationskraft
Die deutsche Autoindustrie steht angesichts der Antriebswende vor großen Herausforderungen: Schon länger sind die Gewinne rückläufig, und die Konkurrenz – insbesondere aus Asien und den USA – macht Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz auf den Weltmärkten Anteile streitig.
Die deutschen Hersteller investieren in neue Technologien und Modelle, schmieden darüber hinaus milliardenschwere Allianzen. Ob sich diese Investitionen langfristig wieder in steigende Gewinne verwandeln? Die aktuellen Exportzahlen der Kreditanstalt für Wiederaufbau unterstreichen zumindest eine starke Präsenz deutscher Stromer auf den Weltmärkten.
Exportboom: Deutsche Stromer weltweit gefragt – aber wie lange?
Im Exportgeschäft sind deutsche Elektroautos gefragt: Sie machen mittlerweile 27 Prozent aller Fahrzeugexporte aus. Im ersten Quartal 2025 wurden durchschnittlich 82.000 Elektroautos pro Monat exportiert, im Gesamtwert von rund 3,4 Milliarden Euro. Das Exportvolumen übertrifft damit die E-Auto-Importe aus dem Ausland um das Fünffache.
Besonders gefragt sind deutsche Modelle in Europa: Über 70 Prozent der Exporte gehen in die EU, das Vereinigte Königreich, Norwegen und die Schweiz. Die USA nehmen 15 Prozent der in Deutschland gefertigten Stromer auf, das Vereinigte Königreich 13 Prozent. China spielt für den Standort Deutschland indes kaum eine Rolle, da dort die Produktion zumeist direkt vor Ort erfolgt.
Diese Elektroauto-Modelle sind deutsche Exportschlager
Dabei gibt es mehrere populäre Modelle made in Germany: Zu den in Deutschland produzierten Exportschlagern zählen unter anderem die Volkswagen-Modelle ID.4, ID.3 und ID.7 sowie der BMW iX und die Audi Q4 und Q6 etron.
Kontinental-Europa bleibt für Volkswagen und Co. gerade im Hinblick auf E-Mobilität der wichtigste Absatzmarkt, gefolgt von China. Das liegt mitunter auch an der aktuellen Entwicklung in den USA, wo Verbrenner einen zweiten Frühling erleben. Wie tragfähig diese Exporterfolge für die Gesamtbilanz der Hersteller sind, ist allerdings noch ungewiss.
Deutsche Autobauer in der Krise? Unsicherheit bei Gewinnen und Zukunftsaussichten
Trotz der Exporterfolge bleibt die wirtschaftliche Lage der deutschen Autohersteller angespannt: Die Branche kämpft mit sinkenden Profiten und einem hohen Investitionsbedarf, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Die aktuellen Analysen erlauben keine verlässliche Aussage darüber, ob sich die Exportzuwächse tatsächlich in steigende Gewinne übersetzen lassen – wie eine Sprecherin der KfW auf Anfrage von IPPEN.MEDIA erklärt.
Vielmehr bleibt offen, ob die aktuelle Entwicklung von Dauer ist oder ob neue Herausforderungen – etwa durch geopolitische Risiken oder einen sich abschwächenden Markt – die Perspektiven trüben könnten.
Die Akzeptanz von Elektroautos ist in Deutschland gewachsen
Was die KfW-Studie noch aufzeigt: Die Akzeptanz für Elektroautos steigt kontinuierlich und das gilt insbesondere auch für deutsche E-Autos. Fast die Hälfte der befragten Haushalte (49 Prozent) kann sich vorstellen, ein Elektroauto zu nutzen, zehn Prozent besitzen bereits eines. Allerdings planen aktuell nur drei Prozent der Haushalte, im kommenden Jahr ein Elektroauto zu kaufen – der niedrigste Wert der letzten Jahre. Weiterhin lehnen 37 Prozent die eigene Nutzung kategorisch ab.
Der Preis bleibt mit 59 Prozent der häufigste Grund gegen den Kauf eines Elektroautos. Doch die Bedenken zur Ladeinfrastruktur sind von 72 Prozent vor fünf Jahren auf 51 Prozent gesunken. Auch Sorgen zur Reichweite haben abgenommen, von 54 Prozent auf 44 Prozent. Ebenfalls positiver bewertet die Bevölkerung inzwischen die Ladezeiten und Umweltverträglichkeit. „Es bleibt wichtig, den Markthochlauf von Elektroautos in Deutschland zu unterstützen“, empfiehlt KfW-Ökonom Rode.
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Deutsche Autobauer spielen auch im Elektro-Zeitalter vorne mit
Die Exporterfolge der deutschen Hersteller sind bemerkenswert, doch wie nachhaltig ist der Boom? Die KfW-Sprecherin erklärt: „Was wir sehen, sind steigende Anteile der Elektromobilität an den Autoverkäufen weltweit – und die Absatzzahlen für das erste Halbjahr 2025 bestätigen diesen Trend. Zusammen mit fallenden Preisen für Batteriespeicher und erwarteten Skalengewinnen weisen die Signale darauf hin, dass sich am Markt ein Umstieg auf Elektroautos realisiert.“
Gleichzeitig setzen der technologische Wandel, geopolitische Spannungen und neue Wettbewerber die Konzerne aus Wolfsburg, München und Stuttgart unter Druck. Die aktuellen Exportzahlen zeigen, dass deutsche Autobauer trotz sinkender Gewinne auf dem wachsenden Markt für Elektroautos präsent sind. Ob die Exportüberschüsse langfristig wirtschaftlich tragfähig sind, hängt davon ab, ob die Branche weiter in Innovationen investiert und flexibel auf globale Herausforderungen reagiert. (PF)
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