Neue Abgasregeln
Trumps Verbrenner-Strategie: Ford & Co. feiern Kehrtwende in den USA
Die USA lockern ihre Klimapolitik – Ford und Co. setzen auf lukrative Geschäfte mit neuen Verbrennern. Am Horizont lauert jedoch die Konkurrenz aus China.
Washington/München – Amerikas Straßen könnten schon bald wieder lauter werden – und das nicht nur wegen hupender Großstadt-Taxis. Ford und andere US-Hersteller setzen auf ein Comeback der Spritschlucker, weil die Regierung unter Donald Trump die Klimagesetze zurückdreht.
Zwar haben die USA ihre „industriepolitische Spielwiese” zurück (Auto Motor und Sport). Doch sollte bei amerikanischen Autobauern die Freude über neue Gewinne nicht allzu lange währen: China könnte dem dort beheimateten Sektor langfristig mit Elektroautos davonfahren.
Ford & Co. happy: Trumps Rollback bedeutet neue Freiheit für Verbrenner
Mit der Rücknahme der CO₂-Grenzwerte und der Abschaffung des sogenannten „Endangerment Finding“ durch die US-Umweltbehörde EPA erleben Amerikas Autohersteller einen radikalen Kurswechsel. Die bisherige Regulierung, die seit 2009 den Ausstoß von Treibhausgasen begrenzte, ist erstmal Geschichte.
Kalifornien darf derweil keine eigenen, strengeren Standards mehr setzen, das landesweite Verbrenner-Aus für 2035 ist ebenfalls gestrichen. Für die kriselnde Traditionsmarke Ford ist das eine gute Nachricht: „Das ist eine Multimilliarden-Dollar-Chance“, verkündet CEO Jim Farley bei The Detroit News. Es bedeutet die Rückkehr zur Freiheit – große, margenstarke Trucks und SUVs können wieder ohne Strafzahlungen verkauft werden. Milliardeninvestitionen in Emissionszertifikate entfallen, der Produktmix verschiebt sich zurück zu profitablen Verbrennern.
Ford verdient wieder mehr Geld mit Verbrennern – sollte jedoch investieren
Die wirtschaftliche Erleichterung für Ford ist enorm: Finanzchefin Sherry House bestätigt, dass die Ausgaben für Emissionszertifikate bereits um 1,5 Milliarden Dollar (aktuell rund 1,29 Mrd. Euro) gesenkt wurden. Künftig werden pro Quartal nur noch rund 200 Millionen Dollar fällig – ein Bruchteil der bisherigen Summe.
Das freigewordene Geld fließt in die Marge, ist aber auch für die Entwicklung neuer Elektroautos nötig. Denn die erste Generation von Fords E-Modellen hat zuletzt Milliardenverluste eingefahren.
US-Autobauer schwächen Elektrostrategie – aber zu welchem Preis?
Auch bei Konkurrent Stellantis ist die Kehrtwende dem Bericht zufolge bereits sichtbar: Der Konzern bringt seinen V8-Hemi-Motor zurück und führt den benzinbetriebenen Dodge Charger wieder ein, nachdem die elektrifizierten Versionen von Pickups der Marke Ram verschoben wurden.
Während Investoren das Ende der CO₂-Kosten feiern, warnen Umweltorganisationen: Ohne Regulierung bauen Hersteller keine Fahrzeuge, die „die Lungen der Menschen schützen“, kritisiert Dan Becker vom Center for Biological Diversity. Die Sorge: Die Rücknahme der Klimagesetze könnte die US-Autoindustrie zurück in die Vergangenheit katapultieren und den Klimaschutz massiv schwächen.
Chinas Elektro-Offensive ist die eigentliche Gefahr für US-Hersteller
So sehr Ford derzeit von den neuen Freiheiten profitiert, so groß ist die Sorge vor der Konkurrenz aus Fernost. Farley warnt, dass ohne radikalen Umbruch in Richtung Elektroautos China eine Übermacht werden könnte. Marken wie BYD und Geely seien bei Preis, Technik und Effizienz bereits einen Schritt voraus. Auch die Konkurrenz aus Japan und Südkorea ist ihm ein Dorn im Auge.
Ford plant deshalb ein neues Batteriewerk in Michigan – gemeinsam mit dem chinesischen Zellriesen CATL. Günstige LFP-Zellen für die nächste Generation von Elektroautos und Trucks sollen hier entstehen. Analysten sehen darin einen mutigen, aber nötigen Schritt, um den Anschluss nicht zu verlieren. Ford, General Motors und Stellantis sollen mit Gewinnen aus dem Verbrennergeschäft die Lücke zur neuen EV-Generation überbrücken.
Strafzölle treffen US-Hersteller: Fords teurer Spagat im globalen Handel
Dabei hat die Trump-Politik nicht nur Licht-, sondern auch Schattenseiten für Ford: Die Importzölle auf Autos und Bauteile treffen den US-Konzern härter als erwartet. Für das laufende Jahr rechnet der Autobauer mit einer Belastung von zwei Milliarden Dollar – noch vor drei Monaten lag die Prognose bei 1,5 Milliarden.
Spritschleudern der Autogeschichte: 43,5 Liter auf 100 Kilometer




Allein im vergangenen Quartal kosteten die Zölle rund 800 Millionen Dollar. Zwar produziere man etwa 80 Prozent seiner Fahrzeuge in den USA, doch viele Teile kommen aus aller Welt. Besonders für Stahl und Aluminium hat Trump die Einfuhrzölle teilweise auf 50 Prozent verdoppelt. Das macht die neue Gewinnstrategie zu einem riskanten Balanceakt. CEO Farley betonte jedoch, dass man sich mit der Trump-Administration in engem Austausch befinde. (PF)
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