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Interaktive Karte

Umfrage-Analyse: Wo sich in Europa rechte Abgründe auftun – AfD nur im Mittelfeld

Rechtspopulisten gewinnen in Europa vielerorts an Boden – das zeigt eine Umfrage-Stichprobe der FR. Betroffen sind auch einflussreiche Staaten.

Als Donald Trump im Frühjahr Wladimir Putin kaum verhohlene Avancen machte, da schien er noch einmal drastisch zu schrumpfen, der Raum der liberalen Demokratien in der Welt. Was, wenn nun schon die USA Justiz und Minderheitenrechte einschränken, nationales Interesse über Völkerrecht stellen und offenes Gefallen an Autoritarismus finden?

Giorgia Melonis Regierung sinkt in den Umfragen nicht ab – in anderen Teilen Europas haben Rechtspopulisten noch höhere Umfragewerte.

Tatsächlich ist gar kein Blick über den Atlantik nötig. Auch in Europa haben Rechtspopulisten und -extremisten mit ihren politischen Positionen vielerorts Hochkonjunktur. Das verdeutlicht eine aktuelle interaktive Karte der Frankfurter Rundschau von IPPEN.MEDIA. Den Daten zufolge hatten die scharf Rechten im Juni zwar nirgendwo in den 29 betrachteten europäischen Staaten eine absolute Mehrheit in den Sonntagsfragen. Aber in fünf Staaten liegen sie über oder nahe der 40-Prozent-Marke. Und in vielen weiteren ist ihr Stimmanteil in den Erhebungen zuletzt gestiegen.

Was ist da los? Die Situationen in den einzelnen Staaten sind naturgemäß ganz unterschiedlich gelagert. Und die Hintergründe oft komplex. Beim Klick auf das Kartenelement erhalten Sie genauere Daten – und die Vergleichsmöglichkeit mit der Vorgängeranalyse aus dem Frühjahr 2024. Wir beleuchten zudem eine Reihe prägnanter Einzelfalle mithilfe von Daten und Expertenstimmen.

Der höchste absolute Wert für Rechtsaußen: Trügerisches Patt in Polen

Auf 43 Prozent Stimmanteil im Falle einer hypothetischen Wahl am folgenden Sonntag taxierte das Institut IBRiS im Juni die frühere Regierungspartei PiS und die noch extremere Konfederacja in Polen. Das ist der Höchstwert in den ausgewerteten Ländern. Das scharf rechte Lager in Polen rangiert schon länger in diesen Sphären. Dabei hatte die letzte Parlamentswahl Hoffnung unter Pro-Europäern geschürt: Das Bündnis um den Konservativen Donald Tusk und seine PO gewann – und wollte die teils rechtsstaatsfeindlichen Reformen der PiS zurückdrehen. Das Problem nur: Der PiS-nahe Präsident Andrzej Duda blockierte das Ansinnen. Und sein frisch gewählter Nachfolger Karol Nawrocki wird das wohl auch tun.

Laut Bastian Sendhardt vom Deutschen Polen-Institut ist die Lage gerade deshalb prekär. Bereits jetzt sei zu sehen, dass sich viele Wählerinnen und Wähler vom alten Kontrahenten-Duo PiS und PO abwenden, sagt er der FR: „In früheren Zeiten hatte es 80, 90 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigt.“ Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl im Mai seien noch etwa zwei Drittel der Stimmen an das sogenannte Duopol gegangen. Präsidenten- und Parlamentswahl seien nicht unmittelbar vergleichbar – aber es sei ein Indiz, dass PO und PiS bis zu ein Drittel ihrer früheren Wähler verloren gehe. Es spreche einiges dafür, dass gerade diese Gruppe der Unzufriedenen künftig Wahlausgänge entscheidend beeinflusse.

Rechtspopulisten in Europa: Methodik und Daten des Umfragevergleichs

Für die Daten des Artikels und der interaktiven Karte haben wir stichprobenartig Umfragen aus 29 europäischen Ländern ausgewertet, konkret aus EU, Norwegen, Schweiz, Island und UK. Wo vorhanden, kamen aktuelle Erhebungen aus dem Juni 2025 zum Einsatz – nach Möglichkeit aus derselben Quelle wie bei der Analyse aus dem Frühjahr 2024. Die verwendeten Institute sind in der Karte vermerkt, sie erscheinen ebenso wie die genauen Daten beim Berühren des jeweiligen Landes mit dem Mauszeiger. Im rechten Reiter der Tabelle können Sie zum direkten Vergleich zu den Umfragedaten aus dem Januar 2024 umschalten. Die Werte sind auf ganze Zahlen gerundet.

Grundlage für die Auswahl der betrachteten Parteien ist die „PopuList“, ein Projekt mehrerer europäischer Universitäten – und hierbei die als klar „Far-right“ (rechtsradikal) ausgezeichneten Vereinigungen. Ergänzt sind lediglich zwei dort noch nicht erfasste Parteien: die klar rechtsextreme S.O.S Romania und die ebenso radikale Hnutie Republika aus der Slowakei, eine Abspaltung der in der PopuList aufgeführten rechtsextremen Kotleba.

Wichtig zu beachten ist: Umfragen bilden nur eine Momentaufnahme ab, sie sind keine Prognosen für Wahlergebnisse. Zugleich handelt es sich nur um ein beispielhaftes Sample, nicht um eine Auswertung großer Datenmengen verschiedener Institute.

„Wir haben es generell mit einem Rechtsruck in Polen zu tun“, warnt Sendhardt: „Natürlich könnten von einer anhaltenden Blockadepolitik des Präsidenten die Oppositionsparteien des rechten Lagers bei den kommenden Parlamentswahlen 2027 profitieren.“ Schon kleine Verschiebungen könnten ausreichen, denn Tusks Sieg Ende 2023 fiel denkbar knapp aus – und in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl punkteten Kandidaten wie die Rechtsextremen Grzegorz Braun und Sławomir Mentzen. Leichtes Spiel hätte die PiS mit solchen Partnern gleichwohl nicht. Das rechte Lager sei sich „überhaupt nicht einig“, urteilt Sendhardt. Schon wirtschaftspolitisch hätten die PiS und die auf diesem Feld libertäre Konfederacja völlig unterschiedliche Vorstellungen.

Die massivsten Zuwächse für Extremisten: Denkzettel-Flut in Rumänien

Das Nato- und EU-Land Rumänien hat seit Ende 2024 Reihen von Schockwellen über den Kontinent gesandt: erst ein vermeintlicher Erstrunden-Sieg für einen Verschwörungstheoretiker bei der Präsidentschaftswahl – dann ein Stopp vom Verfassungsgericht wegen russischer Einflussnahme auf den Urnengang. Schließlich musste das demokratische Lager massiv mobilisieren, um den rechtsextremen AUR-Politiker George Simion in der finalen Stichwahl noch abzufangen. Die AUR und die noch radikalere SOS Romania kommen im Juni in einer INSCOP-Umfrage auf über 40 Prozent der Stimmen. Das sind zusammen rund 20 Prozentpunkte mehr als im Frühjahr 2024.

Die Länder mit den höchsten Umfragewerten für Rechtspopulisten und -radikale:

Umfrage Juni 2025Umfrage Januar 2024
Polen - PiS und Konfederacja43% (+7)36%
Rumänien - AUR und SOS Romania41% (+21)20%
Italien - Fratelli und Lega39% (+3)36%
Frankreich - RN und Reconquete37% (+4)33%
Ungarn - Fidesz, Mi Hazank, Jobbik35% (-20)55%

Nach Ansicht von Raimar Wagner, Projektbüroleiter der Friedrich-Naumann-Stiftung, hat sich in Rumänien nicht zuletzt Ärger über die lange Jahre regierenden großen Parteien aufgestaut. Es gebe Verdruss über einen Anschein der Korruption, sagte er der FR. Den Ausgang des ersten Anlaufs zur Präsidentschaftswahl bezeichnete Wagner als „Sieg der Antisystemkandidaten“.

Die Präsidentschafts-Stichwahl im Mai gewann schließlich der parteilose Liberale Nicușor Dan. Das ließ das proeuropäische und prodemokratische Lager aufatmen. Doch Rumänien wird wohl weiter am Abgrund balancieren. Die Annullierung der ersten Präsidentschaftswahlrunde polarisiert laut Wagner noch immer, und die Mehrheitsfindung im Parlament war nicht ganz einfach – Parteien von der linken bis zur rechten Mitte stützen Ministerpräsident Bolojan von der Nationalliberalen Partei, ab 2027 soll ein Kandidat der Sozialdemokraten übernehmen. Im Falle von Neuwahlen könnte das rechte Lager seinen Stimmenanteil nach aktuellem Stand massiv ausbauen.

Politische Schwergewichte an kritischen Marken: Frankreich und Großbritannien

Eine rechtspopulistische Regierung in einem europäischen G7-Land – neu wäre das nicht. In Rom regiert seit 2022 Giorgia Meloni. Das funktioniert auf internationaler Ebene bis auf Misstöne in der Migrationspolitik erstaunlich katastrophenfrei. Das liegt aber auch daran, dass Meloni insbesondere mit Donald Trump transatlantische Bande pflegt und klare Kante gegenüber Wladimir Putin zeigt. In Italiens Umfragen legten die Rechten eher noch zu. Fratelli und Lega könnte zupass kommen, dass sie keine Kompromisse mit gemäßigteren Partnern schließen müssen. Ein parlamentarischer Rechtsruck in Frankreich oder Großbritannien könnte angesichts der weltpolitischen Lage unangenehmer für Europa werden.

Die Länder mit den höchsten Zuwächsen für Rechtspopulisten und -radikale:

Zuwachs seit 1/24*
Rumänien+ 21
UK - Reform UK+ 17
Norwegen - Fremskrittspartiet+ 8
Polen+ 7
Portugal - Chega+ 6

*Angabe in Prozentpunkten

In Frankreich ist immer noch das Rassemblement National (RN) um Marine Le Pen der große rechtspopulistische Player. Seit der Wahl 2023 hat das RN in Umfragen sieben Prozentpunkte zugelegt. Aktuell ist es schwierig, Parlamentsmehrheiten zu bilden. Bei weiteren RN-Mandaten könnte kaum mehr ein Weg mehr um Le Pens Leute herumführen. Bislang zeigt sich Frankreich unter Emmanuel Macron als treuer Verbündeter der Ukraine und stabiler Nato-Partner. Das RN aber sitzt im EU-Parlament nicht im Meloni-Lager, sondern mit Viktor Orbáns Prorussen bei den „Patrioten“. Dass unter einer Le-Pen-Regierung Frankreich die Nato sofort verließe, bezweifelte Expertin Ronja Kempin 2024 zwar: Wahrscheinlicher sei, dass das RN Zweifel an der Zuverlässigkeit zerstreuen wolle. Langfristig werde mit dem RN aber „nationales Interesse“ Oberhand haben, meint sie – und wer wisse schon, was in enger Zusammenarbeit mit MAGA-USA etwa an Nato-Umbauten denkbar wäre.

Großbritannien ist ein Spezialfall, das strikte Mehrheitswahlrecht entfaltet eine sehr eigene Wirkung. 34,1 Prozent der Stimmen reichten Labour 2024 für eine überwältigende Sitzmehrheit. Die rechtspopulistische Reform UK erhielt 14,3 Prozent – und fünf der 650 Sitze. Die Lage könnte sich ändern, wenn für scharf rechte Kandidaten in vielen Wahlkreisen Platz eins greifbar wird. Allgemeine Wahlumfragen geben nur vage Indizien in dieser Hinsicht. Sie zeigen aber: Der Zuspruch für Reform UK hat sich seit 2024 nahezu verdoppelt. Und das Institut YouGov kam Ende Juni zum Schluss, dass die Partei nun 271 Mandate gewinnen könnte. Nicht genug für eine Alleinregierung. Aber für ernste Sorgen, insbesondere mit Blick auf die europäische Verteidigungszusammenarbeit.

Versteckte Gefahren: Die Lage in Tschechien, Litauen oder Kroatien

Einige Länder scheinen auf der Karte vergleichsweise hell auf. Grund für Entwarnung ist das nicht immer. In Tschechien rangiert die scharf rechte SPD bei 11,5 Prozent. Doch daneben gibt es (noch) schwer zu kategorisierende, aber zumindest ins rechtspopulistische tendierende Parteien wie die „Motoristen“ – und die bislang eher allround-populistisch auftretende Partei ANO von Ex-Regierungschef Andrej Babiš liegt nicht nur bei satten 33,5 Prozent. Babiš hat sie auf EU-Ebene auch in die Arme der „Patrioten“ um Le Pen und Viktor Orbán geführt. An Orbán erinnert auch Babišs Plan, die öffentlich-rechtlichen Medien in Tschechien zu verstaatlichen. In der Slowakei bereitet Robert Fico Sorgen. Doch auch seine linksnationalistische SMER passt nicht astrein in die verwendete Rechtspopulismus-Definition.

Die AfD-Spitze im Wandel der Zeit: von Bernd Lucke bis Alice Weidel

Die AfD liegt in den Umfragen zur Bundestagswahl 2025 an zweiter Stelle.
Die AfD liegt in den Umfragen zur Bundestagswahl 2025 an zweiter Stelle. Anders als jahrelang üblich, gab es bei ihrem Bundesparteitag im Januar 2025 in Riesa kaum große Streitthemen. Auch die Mitglieder des AfD-Bundesvorstands verbreiteten Harmonie (von links nach rechts): Carsten Hütter, Alice Weidel, Tino Chrupalla, Peter Boehringer und Heiko Scholz. In Riesa beschloss die AfD ihr Wahlprogramm.  © Sebastian Kahnert/dpa
Auf dem Parteitag wurde Parteichefin Alice Weidel zur Kanzlerkandidatin gekürt.
Im Mittelpunkt des Parteitags stand Alice Weidel, die die AfD mit einer schrillen Rede auf den Wahlkampf einschwor. Vor allem mit ihrer rigorosen Wortwahl schien sie den Nerv der Partei zu treffen. So forderte sie Rückführungen im großen Stil: „Wenn es dann Remigration heißen soll, dann heißt es eben Remigration.“ Zuvor hatte sie diesen Begriff vermieden.  © Jens Schlüter/AFP
AfD-Bundesparteitag in Riesa
Tatsächlich ist nach Riesa rhetorisch kein Unterschied mehr zwischen Weidel und den Rechtsextremen auszumachen. Immer wieder gelang es ihr, die düstere AfD-Seele mit ihrer scharfen Wortwahl zu massieren. So prägte sie auch den irren Begriff ,,Windmühlen der Schande“.  © Sebastian Kahnert/dpa
AfD Parteitag 2013 in Berlin
Wie aber kam es zum Aufstieg der AfD? Los ging alles am 6. Februar 2013, als 18 Menschen im hessischen Oberursel (Taunus) die Partei „Alternative für Deutschland“ gründeten. Der erste AfD-Parteitag fand bereits am 14. April 2013 statt (im Bild). Bei der Bundestagswahl im selben Jahr erzielte die neue Partei aus dem rechten Spektrum auf Anhieb 4,7 Prozent – das beste Ergebnis, das eine neu gegründete Partei jemals bei ihrer ersten Bundestagswahl erzielen konnte.  © imago
Landesparteitag der AfD am 11. Januar 2014 in Gießen
Nahezu von Anfang begleiten Gegendemonstrationen die AfD-Veranstaltungen - wie hier der Landesparteitag am 11. Januar 2014 in Gießen. Der rechtspopulistischen Partei werden immer wieder Demokratie- und Europafeindlichkeit vorgeworfen. © imago stock&people
Dr. Konrad Adam, Journalist und Mitgebründer der Alternative für Deutschland (AfD)
Als einer der Gründungsväter der AfD gilt Konrad Adam. Der 1942 in Wuppertal geborene Journalist arbeitete für die Tageszeitungen FAZ und Welt. Zunächst war er Gründungsmitglied der eurokritischen Wahlalternative 2013 und wurde noch im selben Jahr einer von drei Bundessprechern der neu gegründeten AfD. Wie viele andere war Adam ursprünglich CDU-Mitglied, ehe er – vermutlich aus Enttäuschung über die als linksliberal wahrgenommene Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) – eine neue Heimat in der AfD fand. Zwei Jahre blieb Adam Bundessprecher, doch bereits im Dezember 2015 begann er, sich von der Partei zu distanzieren. 2020 kündigte er seinen Austritt aus der AfD an, der am 1. Januar 2021 in Kraft trat. © imago
Konrad Adam, Bernd Lucke und Alexander Gauland auf dem ersten Parteitag der AfD in Berlin.
Das bekannteste Gesicht der AfD-Gründungsphase gehört dem Mann mit erhobenen Armen: Bernd Lucke. Geboren 1962 in West-Berlin und aufgewachsen in Nordrhein-Westfalen, studierte Lucke Volkswirtschaftslehre und wurde später in Hamburg Professor. Mit 14 Jahren trat Lucke in die CDU ein und verließ die Union 33 Jahre später, weil er mit der Eurorettungspolitik nicht einverstanden war. Der Euro und die EU wurden zu den zentralen Kritikpunkten, die Lucke in den folgenden Jahren bezogen auf die Bundespolitik äußerte. Ergebnis dieser Kritik war zunächst die eurokritische Wahlalternative 2013, aus der am 14. April 2013 die AfD hervorging. © imago
rof. Dr. Bernd Lucke im Wahlkampf für die AfD
Bereits im September 2013 engagierte sich Prof. Dr. Bernd Lucke im Wahlkampf für die AfD, wie hier auf einer Veranstaltung in Magdeburg. © IMAGO/Zoonar.com/Axel Kammerer
Bernd Lucke als Vorsitzender der AfD auf einem Parteitag
Auch Bernd Luckes Zeit in der AfD war nur eine kurze. 2014 ging er noch als Spitzenkandidat der „Alternative für Deutschland“ in den Wahlkampf für die anstehende Europawahl. Bis 2019 war Lucke im Anschluss Mitglied im Europäischen Parlament. Doch bereits 2015 deutete sich an, dass Lucke im internen Machtkampf in der AfD den Kürzeren ziehen könnte. Führende Köpfe der AfD wie Björn Höcke gerieten in Konflikt mit dem Vorsitzenden. Lucke ging und trat 2015 aus der AfD aus. Er gründete die nächste Partei: die Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA). © imago
Olaf Henkel GER Berlin 20150112 Alternative für Deutschland Prof Hans Olaf Henkel Veranstaltun
Anfang 2014 wurde die AfD-Mitgliedschaft von Professor Hans-Olaf Henkel bekannt. Einen Namen machte sich Henkel als erfolgreicher Manager bei IBM. Später wechselte er auf die Verbandsebene und wurde Präsident des BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie). 2014 zog er für die AfD ins Europaparlament ein. Für ein Jahr war Henkel sogar stellvertretender Bundessprecher der „Alternative für Deutschland“. 2015 trat Hans-Olaf Henkel wieder aus der AfD aus. © imago
Hans-Olaf Henkel, hier mit Ehefrau Bettina und ihrer Zwillingsschwester Almut
Seinen Bruch mit der AfD begründete Hans-Olaf Henkel, hier mit Ehefrau Bettina und ihrer Zwillingsschwester Almut beim Bundespresseball 2019, mit dem Rechtsruck der Partei. Gegenüber dem WDR bezeichnete Henkel die AfD im Jahr 2015 als „eine Art NPD-light, vielleicht sogar identisch mit der NPD“. Sein Engagement bei der AfD sieht Henkel mittlerweile offenbar kritisch: „Wir haben ein Monster erschaffen.“ © VISTAPRESS / G. Chlebarov via www.imago-images.de
Deutschland Essen Grugahalle 4 Ausserordentlicher AfD Parteitag Bernd Lucke nach der Wahl von F
Auf Bernd Lucke folgte an der Parteispitze der AfD Frauke Petry. Die studierte Chemikerin wurde 1975 in Dresden geboren. 2013 war sie bereits neben Lucke eine der drei Parteisprecherinnen der AfD. Außerdem wurde sie im selben Jahr zur Vorsitzenden der AfD Sachsen gewählt.  © imago
Frauke Petry AfD
Im Juli 2015 schließlich kam es zum internen Machtkampf in der AfD, den Petry für sich entscheiden konnte. Doch schon zwei Jahre später war auch für sie wieder Schluss. Ende September 2017 trat sie aus der AfD aus und gründete wie Lucke ihre eigene kleine Partei: Petry nannte sie „Die blaue Partei“. © Michael Kappeler/dpa
Prof. Dr. Jörg Meuthen (M.), Bundessprecher der AfD, Deutschland, Berlin, Bundespressekonferenz, Thema: AfD - Zu den Bu
Ein ähnliches Schicksal wie Petry und Lucke ereilte auch Jörg Meuthen (Mitte). Der 1961 in Essen geborene studierte Volkswirt wurde 2015 zu einem der zwei Bundessprecher der AfD gewählt. 2019 gelang ihm der Sieg bei der Wahl zum ersten Bundesvorsitzenden der AfD. Doch schon 2021 erklärte Meuthen, nicht erneut für den Vorsitz kandidieren zu wollen. 2022 folgte dann der endgültige Austritt aus der Partei. Der ließ sich auf seine Niederlage im Machtkampf mit Björn Höcke und den rechtsextremen Kräften innerhalb der AfD zurückführen. © M. Popow/Imago
Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (PEGIDA)
Auftrieb erhielt die AfD auch durch ihre Nähe zur Pegida-Bewegung. Die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) demonstrierten ab 2014 in Dresden und später in weiteren Städten. Immer wieder schlossen sich AfD-Leute den Demonstrationen an, darunter 2018 in Chemnitz auch Björn Höcke. © Ralf Hirschberger/dpa
Beatrix von Storch, geborene Herzogin von Oldenburg
Auch Adel findet sich unter den Führungspersönlichkeiten der AfD: Beatrix von Storch, geborene Herzogin von Oldenburg, war einst bei der FDP und gehörte 2013 zu den Gründungsmitgliedern der AfD. Sie war von Dezember 2019 bis Juni 2022 stellvertretende Bundessprecherin ihrer Partei. Seit Oktober 2017 ist sie eine der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Bundestagsfraktion. © Moritz Frankenberg/dpa
Doris Fürstin von Sayn-Wittgenstein im Sitzungssaal des schleswig-holsteinischen Landesverfassungsgerichts.
Auch Doris Fürstin von Sayn-Wittgenstein wurde aus der AfD ausgeschlossen. Sayn-Wittgenstein soll für einen rechtsextremistischen Verein geworben haben, der auf der sogenannten Unvereinbarkeitsliste der AfD stand. Doch die 1954 geborene Rechtsanwältin wehrte sich erfolgreich gegen den Parteiausschluss, den ein Bundesschiedsgericht 2019 beschlossen hat. Im April 2021 urteilte das Landgericht Berlin, dass der Ausschluss aufgrund formaler Fehler unwirksam sei. Damit war sie wieder Parteimitglied. Im Februar 2024 zog der AfD-Bundesvorstand seine Berufung beim Berliner Kammergericht zurück, wodurch das Urteil rechtskräftig geworden ist.  © Marcus Brandt/dpa
Alexander Gauland, heute AfD-Mitglied, früher Herausgeber der Märkischen Allgemeinen Zeitung
Ein Urgestein der AfD, das all die personellen Wechsel überstanden hat und immer noch da ist: Alexander Gauland. Geboren 1941 in Chemnitz, war Gauland vor seiner aktiven politischen Karriere Herausgeber der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ). CDU-Mitglied wurde der gelernte Jurist bereits 1973, ab 1987 übernahm er verschiedene politische Ämter, vor allem für die Union in Hessen. CDU-Mitglied blieb Gauland bis 2013, ehe er die AfD mitgründete. Im Jahr 2017 wurde Gauland Bundessprecher der AfD (bis 2019). Von 2017 bis 2021 war er neben Alice Weidel einer von zwei Fraktionsvorsitzenden der Bundestagsfraktion. 2021 gab er dieses Amt wieder ab, blieb der Partei aber als Ehrenvorsitzender erhalten. © imago
AfD-Chefin Alice Weidel
Alice Weidels Aufstieg in der AfD begann mit ihrem Parteieintritt im Jahr 2013. Zwei Jahre später wurde sie bereits in den Bundesvorstand gewählt. 2017 ernannte sie die Partei zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl. Im selben Jahr wurde Weidel neben Alexander Gauland Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, die sie vier Jahre lang führte. © Sebastian Kahnert/dpa
Alice Weidel wohnt mit ihrer Partnerin Sarah Bossard
Alice Weidel wohnt mit ihrer Partnerin Sarah Bossard in einer eingetragenen Partnerschaft zusammen. Das Paar hat zwei Söhne. (Archivbild) © Michael Buholzer/dpa
Tino Chrupalla bei der AfD
Neben Alice Weidel machte in den vergangenen Jahren vor allem Tino Chrupalla bei der AfD von sich reden. Einst Mitglied der Jungen Union und nach eigenen Angaben langjähriger CDU-Wähler, trat Chrupalla 2015 in die AfD ein. 2017 zog er für die Rechtspopulisten in den Bundestag ein. Im selben Jahr wurde er zu einem von fünf stellvertretenden Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion gewählt. © imago
Tino Chrupalla neben Jörg Meuthen
Im Jahr 2019 wurde Tino Chrupalla neben Jörg Meuthen zum Bundesvorsitzenden der AfD.  © Julian Stratenschulte
Alice Weidel und Tino Chrupalla
In den Wahlkampf für die Bundestagswahl 2021 zog die AfD mit einer Doppelspitze, bestehend aus Alice Weidel und Tino Chrupalla. Beide stehen seitdem als Bundessprecherin und Bundessprecher an der Spitze der Partei.  © Kay Nietfeld/dpa
Björn Höcke war zwar nie Vorsitzender der AfD,
Björn Höcke war zwar nie Vorsitzender der AfD, gilt aber dennoch als einer der einflussreichsten Personen innerhalb der rechtspopulistischen Partei. Wie Chrupalla gibt auch er an, einst überzeugter Anhänger der CDU und Mitglied der Jungen Union gewesen zu sein. 2013 trat er der AfD bei. © Christoph Soeder/dpa
Björn Höcke den AfD-Landesverband
Ebenfalls 2013 gründete Björn Höcke den AfD-Landesverband in Thüringen. Kurze Zeit später kam es zum Streit mit dem damaligen Bundesvorstand der AfD, der 2017 sogar den Parteiausschluss Höckes beantragte. Den Machtkampf mit der alten Garde der AfD gewann aber Höcke. Er ist weiterhin Parteimitglied, während Widersacher wie Bernd Lucke, Frauke Petry oder Jörg Meuthen die Partei verlassen haben. © Sebastian Kahnert/dpa
André Poggenburg in Leipzig
Anders erging es da einem einstigen Verbündeten von Björn Höcke: André Poggenburg. Gemeinsam mit Höcke hatte der ehemalige Vorsitzende der AfD Sachsen-Anhalt 2015 ein Positionspapier des „AfD-Flügels“ verfasst und damit wie Höcke den Ärger der Parteiführung auf sich gezogen. 2019 plante der AfD-Bundesvorstand, Poggenburg für zwei Jahre von allen Parteiämtern auszuschließen. Dazu kam es nicht, denn Poggenburg trat kurz darauf aus der AfD aus und gründete in alter Tradition ehemaliger AfD-Politiker eine eigene Partei unter dem Namen „Aufbruch deutscher Patrioten – Mitteldeutschland“. Inzwischen ist er parteilos. © Sebastian Willnow/dpa
AfD-Parteitag Riesa - Proteste
Mit dem Aufstieg der AfD zur bundesweiten Größe und dem Einzug in zahlreiche Landesparlamente sowie den Deutschen Bundestag mehrte sich auch der Protest gegen die Rechtspopulisten. Der AfD-Bundesparteitag in Riesa im Januar 2025 wurde von zahlreichen Demonstrationen begleitet. © Daniel Wagner/dpa
AfD-Bundesparteitag in Riesa mit Alice Weidel
Die Proteste hielten die Delegierten auf dem AfD-Bundesparteitag aber nicht davon ab, Alice Weidel zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2025 zu ernennen. Die AfD stellt damit erstmals in ihrer Geschichte eine eigene Kanzlerkandidatin. © Sebastian Kahnert/dpa

Ein interessanter Fall ist Litauen. Dort gab es lange Zeit nur marginale Parteien am rechten Rand. Nun nähert sich Nemuno aušra in Umfragen der Zehn-Prozent-Marke. Eine finale politikwissenschaftliche Einordnung der Ende 2023 gegründeten Gruppe steht aus – Partei-Aushängeschild Remigijus Žemaitaitis fiel aber mit antisemitischen Äußerungen auf. Eindeutigen Bewertungen nach westlichen Maßstäben entziehen sich auch die postjugoslawischen Staaten, wie Experte Vedran Džihić unserer Redaktion erklärte. Kroatiens Ministerpräsident Andrej Plenković etwa sei kein Rechtspopulist. Aber dessen HDZ setze durchaus auf ein rückwärtsgewandtes Frauenbild und Ressentiments „gegen Islam, Ausländer und Serben“.

Einen ungebrochenen Rechtsruck erlebt Europa indes nicht: Die Karte zeigt auch Gegenbeispiele. Einen Blick auf Ungarn, die Entwicklung in Finnland und Schweden und weitere Hintergründe lesen Sie ab Sonntag in Teil 2 der Auswertung. (Text und Umfragedaten: Florian Naumann, Visualisierung und Datenjournalismus: Nils Tillmann)

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