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Überraschend deutlich
Ergebnisse der Argentinien-Wahl: Milei feiert folgenschweren Triumph
Vor der Parlamentswahl in Argentinien wurde viel spekuliert über Javier Mileis Beziehung zu Donald Trump. Heute kann der Anarchokapitalist feiern.
Update 27. Oktober 2025, 15:50 Uhr: Die fortgeschrittene Auszählung der Stimmen bei der Parlamentswahl in Argentinien bestätigt: Javier Milei und sein libertäres Parteibündnis werden für seine verbleibenden zwei Jahre Amtszeit mehr legislative Macht haben. Der Opposition im Kongress fehlt ab 10. Dezember die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit der Abgeordneten, um Mileis Vetos abzuwehren. Zuletzt konnte damit etwa die Definanzierung von Universitäten und dem Kinderkrankenhaus Garrahan verhindert werden.
Dennoch wird Milei künftig Allianzen suchen müssen, um seine Reformagenda durchzusetzen – Gesetze müssen in Argentinien mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit verabschiedet werden, Mileis Allianz (La Libertad Avanza (LLA) + PRO) besetzt stellt nach der Parlamentswahl nun 107 von 257 Abgeordneten. Der Anarchokapitalist hatte deshalb bereits bei seiner Wahlparty einen moderateren Kurs angeschlagen, nachdem IWF und USA ihn bereits im Vorfeld davor gewarnt hatten, ohne demokratische Mehrheiten per Dekret zu regieren.
Javier Milei weitet Macht aus: So sieht der argentinische Kongress nach den Parlamentswahlen aus
Abgeordnete
Senatoren
LLA + PRO
107
24
Peronismus
100
24
Andere
19
12
UCR
3
9
Frentes Locales
4
3
Provincias Unidas
17
Izquierda (Linke)
4
Democracia para siempre
3
Erstmeldung: Buenos Aires – Javier Milei hat mit seiner Partei „La Libertad Avanza“ (deutsch: Die Freiheit schreitet voran) die Parlamentswahlen in Argentinien überraschend deutlich gewonnen. Sein libertärer Reformkurs konnte landesweit mehr als 40 Prozent der Stimmen gewinnen. Die Linkspopulisten des Bündnisses „Fuerza Patria“ und alliierte Gruppierungen erzielten in den 23 Provinzen insgesamt knapp 32 Prozent.
„Ich bin der König einer verlorenen Welt“, grölte Milei beim Betreten der Bühne seiner Wahlparty. „Heute beginnt die Konstruktion eines großartigen Argentiniens“, erklärte er, während ihn die Menge mit „Freiheit, Freiheit“-Chören anfeuerte. Es sei ein historischer Tag für Argentinien, das Land würde sich nun für immer und irreversibel verändern, versprach er seinen Fans. Jetzt sei Schluss mit Haushaltsdefizit, Inflation und Unsicherheit auf den Straßen.
„Reformistischter Kongress“ der Geschichte – Milei feiert Sieg bei Parlamentswahl in Argentinien
In einem komplexen Wahlsystem wurden in Argentinien an diesem Sonntag (26. Oktober) 127 der 257 Abgeordneten und 24 der 72 Senatoren neu gewählt, die gemeinsam den Kongress, also die Legislative des Landes bilden. Allerdings erneuerten nur acht der 23 Provinzen ihre drei Senatoren, während alle die Wahl für eine proportionale Anzahl an Abgeordnete hatten. Bisher hatte Milei mit seiner Partei nur einen Bruchteil der Bänke besetzt und setzte sein radikales Reformprogramm deshalb immer wieder mit Vetos und Dekreten durch. Ab dem 10. Dezember kann „La Libertad Avanza“ (LLA) nun mit 101 statt 37 Abgeordneten und 20 statt 6 Senatoren rechnen. Auch wenn die Peronisten ebenfalls zwei SItze im Kongress werden zuzugewinnen, erhalte Buenos Aires laut Milei mit dem Wahlergebnis den „reformistischten Kongress“ in der Geschichte. Argentinien solle so „das freiste Land der Welt“ werden.
Besonderen Dank richtete er an Wirtschaftsminister Luis Caputo und seine Schwester Karina Milei – die beiden seien die „Architekten des Wunders“. Der selbsternannte Anarchokapitalist schlug auch versöhnliche Töne an und versprach „eine bessere Zukunft für alle“, gemeinsam und über Parteigrenzen hinaus. Er appellierte an alle Parteien, seinen Reformkurs im Kongress mitzutragen, konnte sich aber einen Seitenhieb gegen die verfeindete peronistische Opposition nicht verkneifen. Auf die Unterstützung der „Unbelehrbaren, die glaubten, man könne die Wirtschaft mit Regentänzen lenken“ würde er ohnehin nicht zählen.
Von Maduro bis Milei: Die lange Liste der Populisten Lateinamerikas
Vorläufige Ergebnisse der Parlamentswahlen in Argentinien nach Wahlsieg pro Provinz
Provinz
Prozent - Partei (Anzahl Abgeordnete)
Senatoren
Stadt Buenos Aires
47,35 Prozent - LLA (7)
2 LLA, 1 FP
Provinz Buenos Aires
41,45 Prozent - LLA (17)
Catamarca
45,51 Prozent - FP (2)
Chaco
45,64 Prozent - LLA (2)
2 LLA, 1 FP
Chubut
28,34 Prozent - LLA (1)
Corrientes
33,91 Prozent - Vamos Corrientes (1)
Córdoba
42,35 Prozent (5)
Entre Ríos
52,93 Prozent - LLA (3)
2 LLA, 1 Fuerza Entre Ríos
Formosa
58,2 Prozent - Frente de la Cictoria (1)
Jujuy
37,25 Prozent - LLA (2)
La Pampa
44,57 Prozent - Frente Pampa (2)
La Rioja
43,57 Prozent - F. Defendamos Rioja (1)
Mendoza
53,65 Prozent - LLA (4)
Misiones
37,08 Prozent - LLa (2)
Neuquén
33,36 Prozent - LLA (2)
2 LLA, 1 La Neuguinidad
Río Negro
34,2 Prozent - LLA (1)
2 FP, 1 LLA
Salta
38,4 Prozent - LLA (2)
2 LLA, 1 Primero los Salteños
San Juan
34,44 Prozent - Furza San Juan (1)
San Luis
51,45 Prozent - LLA (2)
Santa Cruz
32,10 Prozent - Fuerza Santacrucena (2)
Santa Fe
40,67 Prozent - LLA (4)
Santiago del Estero
50, 97 Prozent - F. C. por Santiago (2)
2 Frente Cívivo por Santiago, 1 FP
Tierra del Fuego
38,55 Prozent - LLA (1)
2 LLA, 1 FP
Tucumán
50,57 Prozent - F. Tucumán primero (2)
Sieg von Milei bei Parlamentswahlen in Argentinien kam für viele überraschend
Oppositionsführer von „Fuerza Patria“ (FP) und Gouverneur der Provinz Buenos Aires Axel Kicillof sagte bei seiner Wahlparty in La Plata, Milei irre sich mit seinem Siegesdiskurs. Sechs von zehn Argentiniern hätten gegen seinen Sparkurs gestimmt und würden jeden Tag mehr ums Überleben kämpfen. Er werde weiter soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz und nationale Souveränität verteidigen, während Milei das Land an ausländisches Kapital verkaufe. Die USA und J.P. Morgan hätten nur Interesse an Profiten durch Finanzgeschäfte mit dem Peso und argentinischen Rohstoffen.
Der deutliche Wahlsieg des libertären Präsidenten kam für viele Beobachter überraschend, da Mileis Regierung zuletzt durch mehrere Skandale rund um Korruption, Drogenhandel und Bestechung in der Kritik stand. Bei den Provinzwahlen in Buenos Aires hatte La Libertad im September deutlich mit rund 13 Prozent gegen die linkspopulistischen Peronisten verloren, doch selbst hier ging Milei nun mit 41,5 Prozent zu 40,9 Prozent siegreich hervor. Auch in anderen Provinzen überraschte sein Sieg, am Ende des Wahlabends war die Ergebnis-Landkarte Argentiniens weitgehend lila gefärbt – die Farbe von „La Libertad Avanza“.
Donald Trump hat sich aktiv in die Parlamentswahl in Argentinien eingemischt
Argentinische Medien und Wahlbeobachter sehen für das Ergebnis auch Donald Trump verantwortlich, der eine neue Milliardenhilfe für Argentinien an einen Sieg Mileis bei den Parlamentswahlen gekoppelt hatte. Viele Argentinier könnten ihr Kreuz auf dem Wahlzettel deshalb auch aus Angst vor einer neuen Wirtschaftskrise abhängig gemacht haben. Viele haben noch schmerzhafte Erinnerungen an die Wirtschaftskrise von 2001, als dem Land die Dollars ausgingen und die Wirtschaft in Hyperinflation und ökonomischem Crash endete. Kritiker sehen die Konditionen aus den USA als direkte politische Einmischung in das Land und warnen vor neokolonialer Abhängigkeit. (Quellen: Wahlbehörde in Argentinien, eigene Recherche vor Ort), (lm)