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Morgans Interesse
Kurz vor Parlamentswahl in Argentinien – Finanzeliten schließen undurchsichtigen Deal mit Milei
Vor Parlamentswahl nach Argentinien: Der größte saudische Ölkonzern, die US-Bank J.P. Morgan, Tony Blair und Condoleezza Rice haben etwas gemeinsam.
Buenos Aires – Wer sich in Deutschland über die Nähe des Bundeskanzlers Friedrich Merz zu US-Vermögensverwalter Blackrock aufregt, würde in Argentinien aktuell auf die Barrikaden gehen. Der libertäre Präsident Javier Milei legt die Autonomie der Nation zunehmend in die Hände nordamerikanischer Finanzdienstleister, vor allem die Lobby von J.P. Morgan ist überproportional in der Regierung vertreten. „Argentinien stirbt“, hatte Donald Trump vergangene Woche erklärt, die Finanzriesen kreisen deshalb kurz vor der richtungsweisenden Parlamentswahl am Sonntag (26. Oktober) über dem Land, wie Geier über einem toten Tier.
J.P. Morgan-CEO Jamie Dimon und Argentiniens Präsident Javier schließen Milei einen intransparenten Finanzdeal, die Polizei unterdrückt vor dem Kongress soziale Proteste.
Ein symbolisches Ereignis für diese Dynamik war die Jahrestagung von J.P. Morgan in Buenos Aires am Donnerstag, 23. Oktober. Laut Medienberichten soll dort über weitere 20 Milliarden zur Stütze der argentinischen Wirtschaft verhandelt worden sein, nachdem US-Finanzminister Bessent argentinische Pesos aufgekauft hatte, um die Währung zu stabilisieren und ein 20-Milliarden-Dollar-Hilfspaket organisierte. Trump drohte offen damit, die Hilfe einzustellen, falls Milei die Wahlen verlieren sollte. Derweil steht die US-Wirtschaft selbst unter Druck.
Vor Parlamentswahl in Argentinien: Tony Blair, Condoleezza Rice und Saudi-CEO in Buenos Aires
Details über das Ergebnis des exklusiven Treffens sind bisher nicht durchgesickert, doch Hintergrund ist wohl auch die Absicherung möglicher Investitionen, sollte Milei die Wahl verlieren. Ein Blick auf Teilnehmerliste und Rahmenbedingungen zeigt das Gewicht der Veranstaltung. Seit Dienstag wurden laut Overton auf dem Internationalen Flughafen von Ezeiza 18 Privatjets gezählt – zwölf davon gehörten den Gästen der US-Investmentbank. Bemerkenswert: Selbst während des G20-Gipfels 2018 gab es keine vergleichbare Ansammlung von Luxusflugzeugen.
Unter den prominenten Teilnehmern befand sich laut einem Bericht von La Nación neben J. P. Morgan CEO Jamie Dimon auch Tony Blair, ehemaliger britischer Premierminister und strategischer Berater von J.P. Morgan. Blair, den Donald Trump kürzlich für die Bildung einer Übergangsregierung in Gaza ins Gespräch gebracht hat. Auch mit dabei war Condoleezza Rice, frühere US-Außenministerin unter George W. Bush und Mitglied des J.P. MorganInternational Council. Argentiniens Elite war etwa durch Ex-Präsidenten Mauricio Macri, den stellvertretenden Wirtschaftsminister und Ex-J.P.-Morgan-Mitarbeiter José Luis Daza sowie Marcos Galperín, Chef des Amazon-ähnlichen Portals Mercado Libre, vertreten.
Von Maduro bis Milei: Die lange Liste der Populisten Lateinamerikas
US-Bank und Saudi-Erdölgesellschaft haben Einfluss auf Milei-Regierung in Argentinien
Ebenfalls anwesend: Amin Nasser, CEO von Saudi Aramco. Der Konzern gilt als weltgrößte Erdölgesellschaft, hat bereits Investitionen im chilenischen Tankstellennetz getätigt und zeigt Interesse an den Erdölvorkommen in Neuquén, dem argentinischen Gebiet Vaca Muerta. Daran hat auch J.P. Morgan Interesse: Die Bank ist laut eigenen Angaben federführend bei der Finanzierung der 271 Meilen (ca. 436 km) langen Vaca Muerta Oil Sur (VMOS) Pipeline, einem strategischen Infrastrukturprojekt.
Der Rücktritt des argentinischen Außenministers in dieser Woche sichert dem US-Finanzdienstleister weiteren Einfluss auf die argentinische Regierung. Seine Position wird künftig Pablo Quirno einnehmen – ein langjähriger Manager des Finanzgiganten J.P. Morgan, der bislang als rechte Hand des Wirtschaftsministers Luis Caputo in Präsident Mileis Kabinett fungierte. Caputo selbst arbeitete zwischen 1994 und 1998 als Chief of Trading für Lateinamerika bei J.P. Morgan.
Milei will nach der Parlamentswahl noch mehr J.P. Morgan-Freunde ins Kabinett holen
Santiago Bausili, der aktuelle Gouverneur der argentinischen Zentralbank, ist laut Buenos Aires Times ebenfalls ein ehemaliger J.P. Morgan-Manager und enger Freund von Caputo. Ein besonders bemerkenswertes Detail ist, dass alle vier Mitglieder von Mileis oberstem Wirtschaftsteam – einschließlich Wirtschaftsminister und Vizeminister sowie Präsident und Vizepräsident der Zentralbank – ehemalige J.P. Morgan Chase-Führungskräfte sind. Einen Tag vor der Parlamentswahl hat Javier Milei den J.P. Morgan Chef Dimon bezüglich weiterer Finanzhilfen persönlich getroffen und im Anschluss direkt weitere personelle Kabinettsumbildungen nach der Wahl angekündigt.
Argentinien ist ein Land, das zu groß und würdevoll ist, um von den Launen eines ausländischen Führers abhängig zu sein
Die Tragweite dieser Verbindungen wird durch die laufenden Verhandlungen über ein 40-Milliarden-Dollar-Rettungspaket deutlich, das von der Trump-Administration unterstützt wird und an dem J.P. Morgan, Goldman Sachs und andere Wall Street-Banken beteiligt sind. Kritiker argumentieren, dass Argentiniens libertäre Regierung faktisch von der Wall Street geführt wird, sowohl indirekt als auch direkt. Die unter Hausarrest stehende ehemalige Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner hat sich in einer Videobotschaft kritisch zu Argentiniens Abhängigkeit von ausländischen Mächten geäußert: „Landsleute, Argentinien ist ein Land, das zu groß und würdevoll ist, um von den Launen eines ausländischen Führers abhängig zu sein“. (Quellen: Overton, La Nación, Buenos Aires Times, AP) (lm)