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Kopf der Kettensäge

Karina Milei – die mächtige Schwester des Anarchokapitalisten in Argentinien

Karina Milei gilt als Machtzentrum Argentiniens. Doch die Schwester des rechten Präsidenten wird zunehmend zur Gefahr für die Kettensägen-Regierung.

Buenos Aires – Auf dem Papier steht Javier Milei als Präsident an der Spitze Argentiniens, doch der Schein trügt: Von seiner Schwester Karina Milei spricht er stets von „El Jefe“, dem Chef. Der bestärkende Spitzname für die Frau an seiner Seite zeigt zwei wichtige Dinge über den Anarchokapitalisten: seine Abneigung fürs Gendern und die Macht seiner Schwester, die sich auch mit der vermeintlich schweren Kindheit des Anarchokapitalisten erklären lässt.

Argentinien: Karina Milei, die Schwester des libertären Präsidenten Javier Milei, gilt als mächtigste Politikerin Argentinien.

Karina Milei übt einen außergewöhnlich starken Einfluss auf ihren Bruder aus. Als Generalsekretärin der Präsidentschaft kontrolliert sie praktisch alle Zugänge zur Macht und entscheidet, wer Zugang zu Milei bekommt und wie der Präsident strategisch vorgeht. Sie war der Kopf des erfolgreichen Präsidentschaftswahlkampfs 2023 und koordinierte von ihrem Mobiltelefon aus die Interviewanfragen, die Wahlkampfstrategie und die politischen Kernaussagen. Wer mit Milei sprechen wollte, musste erst sie überzeugen.

Einfluss von Schwester Karina setzt Milei-Regierung in Argentinien zunehmend unter Druck

In der Regierungszeit übernahm sie eine entscheidende Rolle bei der Durchsetzung von Reformen – als Mileis erstes Reformpaket im Kongress scheiterte, auch wegen seines temperamentvollen Auftretens, griff Karina ein und übernahm das Ruder aus dem Hintergrund. Sie reiht sich damit in die Geschichte mächtiger weiblicher Familienangehöriger in Argentinien neben den Ehefrauen von Ex-Präsidenten Evita Perón und Cristina Kirchner ein. Und auch global gesehen ist der Einfluss auf Brüder kein Einzelfall: Wie Kim Jong-uns Schwester in Nordkorea zeigt, stehen selbst beinharte Autokraten unter dem Diktat von Familienangehörigen.

Allerdings wird Karinas Einfluss zunehmend auch zum Risiko für die Milei-Regierung. Sie steht im Zentrum von Korruptionsvorwürfen im Zusammenhang mit überhöhten Staatsaufträgen und dem „$LIBRA“-Kryptowährungsskandal. Diese Skandale gefährden nicht nur Karinas Position, sondern auch Mileis Image als Kämpfer gegen Korruption und könnten seine gesamte Regierung infrage stellen. Die Opposition hat sie als zentrales Angriffsziel identifiziert, da sie um ihre Bedeutung und ihren Einfluss auf den Präsidenten weiß. Auf Demos ist ein Slogan über die „bestechliche Karina“ zur Melodie des Latinohits „Guantanamera“ in den vergangenen Wochen zum beliebten Schlachtruf mutiert.

Von Maduro bis Milei: Die lange Liste der Populisten Lateinamerikas

Javier Milei (seit dem 10. Dezember 2023 Präsident Argentiniens) inszeniert sich als populistischer Revolutionär mit der Kettensäge als Symbol seiner radikalen Sparpolitik.
Javier Milei (seit dem 10. Dezember 2023 Präsident Argentiniens) inszeniert sich als populistischer Revolutionär mit der Kettensäge als Symbol seiner radikalen Sparpolitik. Er steht Elon Musk ideologisch nahe. Mileis „Kettensägen-Politik“ in Argentinien dient als Experimentierfeld für einen radikalisierten Anarchokapitalismus, der internationale Aufmerksamkeit von rechtslibertären Bewegungen erhält und als Teil einer neuen „internationalen Allianz“ zur Verteidigung des freien Marktes verstanden wird. © DIEGO LIMA/afp
Nicolás Maduro ist seit 2013 Präsident Venezuelas und führt das Erbe von Hugo Chávez fort.
Nicolás Maduro ist seit 2013 Präsident Venezuelas und führt das Erbe von Hugo Chávez fort. Aus dem ursprünglich linkspopulistischen Reformvorhaben seines Vorgängers ist unter Maduro ein autoritäres Projekt geworden. Er regiert heute als Diktator und setzt offen Wahlfälschung ein. Er verfolgt eine antiimperialistische Ideologie gegen die USA und erhält internationale Unterstützung durch China und Russland. © Pedro Mattey/afp
Kämpferisch: Venezueles Präsident Hugo Chavez.
Kämpferisch: Venezuelas verstorbener Präsident Hugo Chavez inszenierte sich als Retter Lateinamerikas gegen imperialistische Interessen aus den USA und wird in ganz Lateinamerika verehrt. © dpa
Jair Bolsonaro war von 2019 bis 2023 Präsident Brasiliens und wird als rechtsgerichteter Nationalist und Populist charakterisiert.
Jair Bolsonaro war von 2019 bis 2023 Präsident Brasiliens und wird als rechtsgerichteter Nationalist und Populist charakterisiert. Er äußerte etwa wiederholt Bewunderung für die brasilianische Militärdiktatur (1964 bis 1985), spricht sich gegen gleichgeschlechtliche Ehe aus und hält den menschengemachten Klimawandel für eine Lüge. © SERGIO LIMA/afp
Lula da Silva regierte Brasilien zwischen 2003-2011.
Während Bolsonaro die brasilianische Diktatur feiert, hat Luiz Inácio Lula da Silva unter den Militärs Verfolgung und Haft erlebt. Er regierte Brasilien von 2003 bis 2011. Das politische Projekt von Lula da Silva lässt sich als sozialdemokratische Synthese beschreiben, die eine Kombination aus Sozialpolitik zur Armutsbekämpfung, entwicklungsorientierter Wirtschaftspolitik und Umweltschutz mit dem Ziel verfolgt, Brasilien als gerechteren, ökologisch nachhaltigen und international respektierten Akteur zu positionieren. © EVARISTO SA/afp
Boliviens Ex-Präsident und Gewerkschaftsführer Evo Morales.
Boliviens Ex-Präsident Evo Morales, Regierungszeit 2006 bis 2019, war die Symbolfigur der einfachen Leute und positionierte sich gegen internationale Eliten. Er war der erste indigene Präsident Boliviens, kam aus ärmsten Verhältnissen und war Gewerkschaftsführer. © Jorge Saenz/AP/dpa
Ecuadors Präsidenten Rafael Corea (l.) und Cubas Fidel Castro.
Ecuadors Präsident Rafael Correa (links) war von 2007 bis 2017 im Amt und Teil der linkspopulistischen Welle zusammen mit Hugo Chávez und Evo Morales. In die Bild von 2009 ist er mit Fidel Castro, dem damaligen Máximo Líder von Kuba.  © dpa
Uruguays verstorbener Präsident José „Pepe“ Mujica
Uruguays im Mai 2025 verstorbener Präsident José „Pepe“ Mujica wurde oft als bescheidenster Präsident der Welt bezeichnet. Er saß als Guerilla-Kämpfer gegen die Militärdiktatur lange in Haft und verfolgte später als Präsident eher eine gemäßigt linke Politik. © Matilde Campodonico/dpa
Argentiniens Ex-Präsident Juan Domingo Perón.
Der Peronismus in Argentinien ist eine populistische Strömung, benannt nach Juan Domingo Perón, der zwischen 1946 und 1955 sowie 1973 und 1974 regierte. Zusammen mit seiner Frau Eva „Evita“ Perón war er prägend für den Peronismus. Bekannt war er für seine autoritäre Führung und seine Sozialpolitik. © imago
Eva Perón, liebevoll „Evita“ genannt
Seine Ehefrau Eva Perón, liebevoll „Evita“ genannt, hat heute in ganz Lateinamerika Kultstatus und steht für Grundrechte wie Wohnen, Bildung und öffentliche Gesundheitsversorgung für die Ärmsten. Doch während die einen sie als Heldin der Armen bewundern, kritisieren andere sie als „Populistin“, die das Land auf Irrwege geführt habe. Ihr Leben lieferte den Stoff für das Musical „Evita“ von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice, das mit Madonna verfilmt wurde. Evita Perón starb mit 33 Jahren an Krebs. © imago
Wahlkampf in Argentinien
Argentiniens linkspopulistischer Präsident Néstor Kirchner (im Amt von 2003 bis 2007) steht für Sojaboom und Aufschwung. Nach seinem Tod übernahm Cristina Kirchner (2007 bis 2015) das Amt der Präsidentin. Heute ist sie die populärste Kontrahentin des rechtspopulistischen Präsidenten Javier Milei. © Cezaro De Luca/dpa
Cristina Fernandez Kirchner
Die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner setzte die linkspopulistische Politik ihres verstorbenen Mannes Néstor Kirchner fort. Das Ehepaar prägte die argentinische Politik so stark, dass der moderne Peronismus in Anlehnung an ihren Namen Kirchnerismus genannt wird. Heute sitzt sie wegen Korruption verurteilt in Hausarrest. © Victor R. Caivano/dpa
Carlos Menem, ehemaliger Präsident Argentiniens
Carlos Menem, ehemaliger Präsident von Argentinien. Regierungszeit: 1989 bis 1999. Peronist, der neoliberale Reformen durchdrückte. Beispiel für den „Neopopulismus“ der 1990er Jahre und aus heutiger Sicht widersprüchlich, da seine Politik dem Kettensägen-Kurs Javier Mileis ähnelt – doch die Parteien als Gegner gelten. © Natacha Pisarenko
In seiner Amtszeit ließ Fujimori Sicherheitskräfte rigoros gegen linke und angeblich subversive Kräfte vorgehen.
Perus Präsident Alberto Fujimori (Regierungszeit: 1990 bis 2000) kombinierte populistische Rhetorik mit neoliberaler Wirtschaftspolitik. Er führte 1992 einen „Selbstputsch“ durch und wurde später wegen Korruption und Menschenrechtsverletzungen verurteilt. In seiner Amtszeit ließ Fujimori Sicherheitskräfte rigoros gegen linke und angeblich subversive Kräfte vorgehen.  © Martin Mejia/ap
Getúlio Vargas Präsident Brasiliens 1930-1945 und 1951-1954.
Getúlio Vargas (Brasilien). Regierungszeit: 1930-1945 und 1951-1954 Gilt als einer der Begründer des klassischen lateinamerikanischen Populismus und führte eine starke staatliche Industrialisierungspolitik ein. © imago
José María Velasco Ibarra (Ecuador), fünfmaliger Staatspräsident Ecuadors.
José María Velasco Ibarra (Ecuador), fünfmaliger Staatspräsident Ecuadors, gilt als einer der klassischen populistischen Staatschefs. Bis zu seinem Tod 1979 war er der wichtigste Politiker des Landes. © imago
Bild von Salvador Allende, Präsident von Chile.
Salvator Allende regierte Chile zwischen 1970 und 1973 als erster demokratisch gewählter sozialistischer Präsident der Welt mit populistischen Elementen. Die Erinnerung an ihn besteht fort – auch während eines Marsches zum 50. Jahrestag des Militärputsches unter der Führung von Augusto Pinochet, der Allende in Santiago gestürzt hatte.  © IMAGO/Matias Basualdo
José Antonio Kast, ultrakonservativer chilenischer Anwalt und Gründer der Republikanischen Partei
José Antonio Kast gründete 2019 die Republikanische Partei Chiles. Der ultrakonservative Anwalt wird als rechtspopulistisch, rechtsextrem und neofaschistisch beschrieben. 2021 unterlag er in der Stichwahl um das Präsidentenamt seinem Kontrahenten Gabriel Boric. © ANDRES PINA/ATONCHILE/imago
Kolumbiens aktueller Präsident Gustavo Petro
Kolumbiens aktueller Präsident Gustavo Petro ist ein ehemaliger Guerillakämpfer und Ex-Bürgermeister von Bogotá, der als linkspopulistisch beschrieben wird. Er wurde 2022 als erster linker Politiker in der Geschichte Kolumbiens zum Präsidenten gewählt. © STRINGER/afp
Rodolfo Hernández, kolumbianischer Bauunternehmer und Multimillionär.
Rodolfo Hernández, ein parteiloser Bauunternehmer und Multimillionär, kam bei den Präsidentschaftswahlen in Kolumbien 2022 als rechtspopulistischer „TikTok-Opa“ überraschend in die Stichwahl gegen Gustavo Petro. Er erreichte mit einfachen Anti-Korruptions-Botschaften und Kampagnen auf den sozialen Medien fast 47 Prozent der Stimmen. © EVA MARIE UZCATEGUI
Der nicaraguanische Präsident Daniel Ortega
Der nicaraguanische Präsident Daniel Ortega (M.) während einer Kundgebung mit Sympathisanten in Managua 2018. Er ist seit 2007 amtierender, inzwischen diktatorisch regierender Präsident Nicaraguas und Vorsitzender der Frente Sandinista de Liberación Nacional, die früher selbst die Diktatur der Somoza-Dynastie stürzten. © Jorge Torres/imago
El Salvadors Präsident Nayib Bukele
Präsident Nayib Bukele regiert das kleinste mittelamerikanische Land E Salvador seit 2019 mit harter Hand und ist vor allem durch seine Megagefängnisse, seine ultraliberale Bitcoin-Politik und seine Beziehung zu Donald Trump in den Schlagzeilen gelandet. © Salvador Melendez/AP/dpa
Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum Pardo stellt sich aktiv der imperialistischen Politik Donald Trumps entgegen.
Claudia Sheinbaum Pardo ist seit dem 1. Oktober 2024 Präsidentin Mexikos. Die Physikerin, die in Energietechnik promovierte, beteiligte sich an zwei Berichten des Weltklimarats, der 2007 für seine Bemühungen gegen den Klimawandel den Friedensnobelpreis erhielt. Sheinbaum stellt sich aktiv der imperialistischen Politik Donald Trumps entgegen. © IMAGO/Luis Barron
Lázaro Cárdenas, mexikanischer Militärführer und Präsident
Der mexikanische Militärführer Lázaro Cárdenas war von 1934 bis 1940 Präsident des Landes. Er gilt als einer der klassischen populistischen Staatschefs Lateinamerikas und ist bekannt für Nationalisierungen und Umverteilungspolitik. Hier ist er bei einem Treffen mit Gewerkschaftsführern der Ölindustrie in Tamaulipas im Jahr 1938 zu sehen. © IMAGO
Fidel Castros führte die kubanische Revolution.
Fidel Castro (1926 bis 2016) war ein kubanischer Revolutionär und Politiker, der nach dem Sturz der Batista-Diktatur 1959 fast fünf Jahrzehnte lang als autoritärer Staatschef den ersten kommunistischen Staat in der westlichen Hemisphäre regierte und Kuba aus der Abhängigkeit von den USA führte. © dpa
Che Guevara
Ernesto „Che“ Guevara (1928 bis 1967) war ein argentinischer Arzt und marxistischer Revolutionär, der als Guerillaführer und Anführer der Rebellenarmee maßgeblich an der Kubanischen Revolution (1953 bis 1959) beteiligt war. Später wurde er bei dem Versuch, eine Revolution in Bolivien zu entfachen, im Alter von 39 Jahren getötet. © dpa
Paraguayo Cubas ist der bekannteste rechtspopulistische Politiker Paraguays.
Paraguayo Cubas ist der bekannteste rechtspopulistische Politiker Paraguays. Cubas wird als „populistischer Anti-Establishment-Kandidat“ mit „extremen antidemokratischen Ansichten“ beschrieben. Er bezeichnete sich selbst als „romantischen, republikanischen und nationalistischen Anarchisten“. Nach der Wahl 2023 behauptete er Wahlbetrug und organisierte Proteste, was zu seiner Festnahme führte. © NORBERTO DUARTE/afp

„Karinagate“ und „Cryptogate“ – Korruption der Schwester von Javier Milei in Argentinien

Auch das oppositionelle Zeigen von drei Fingern ist in Anlehnung an Korruptionsvorwürfe gegen Karina Milei zum Symbol der Kritik gegen die Regierung geworden. Etwa Popstar Lali Espósito stichelt in ihrer aktuellen Stadiontour ihr Publikum immer wieder damit an. Zum Hintergrund: Karina Milei wird vorgeworfen, beim staatlichen Medikamentenkauf für Menschen mit Behinderungen drei Prozent der Summen kassiert habe, die für den Kauf von Arzneimitteln bei der Großdrogerie Suizo Argentina ausgegeben wurden. Dies behauptet zumindest der ehemalige Leiter der argentinischen Behörde für Menschen mit Behinderungen (Andis), Diego Spagnuolo in geleakten Audioaufnahmen. Dieser Skandal wird in Argentinien bereits als „Karinagate“ bezeichnet und hat erhebliche politische Auswirkungen auf die Regierung Milei, die ursprünglich mit dem Versprechen angetreten war, die Korruption zu bekämpfen.

Der zweite große Skandal um Karina Milei belastet die Präsidentenschwester mit Bestechungsvorwürfen in der sogenannten Libra-Affäre. Hayden Davis, der Hauptverantwortliche hinter der Kryptowährung $LIBRA, behauptete in geleakten Textnachrichten vom Dezember 2023, dass er Karina Milei bestochen habe, um Einfluss auf Präsident Javier Milei zu nehmen. In den durchgesickerten Nachrichten prahlte Davis: „Ich kontrolliere diesen [Milei]. Ich sende $$ an seine Schwester, und er unterschreibt, was ich sage, und tut, was ich will“. Umfragen zeigen laut amerika21, dass mehr als die Hälfte der Argentinier glaubt, dass Karina Milei Bestechungsgelder für die Krypto-Werbung erhalten hat. Die Korruptionsvorwürfe haben die Regierung Milei in eine schwere politische Krise gestürzt, was sich auch bei den jüngsten Regionalwahlen in Buenos Aires negativ auf die Partei des Präsidenten ausgewirkt hat.

Krypto-Skandal des argentinischen Präsidenten Javier Milei:

Am 14. Februar 2025 bewarb Präsident Javier Milei auf X (Twitter) die Kryptowährung $LIBRA und schrieb, sie solle „das Wachstum der argentinischen Wirtschaft durch die Finanzierung kleiner Unternehmen und argentinischer Unternehmer ankurbeln“. Wenige Stunden später löschte Milei den Post wieder, nachdem die Kryptowährung zunächst auf einen Rekordkurs gestiegen und dann abgestürzt war. Viele Anleger verloren ihr Kapital.

Die Affäre wird in Argentinien bereits als „Cryptogate“ bezeichnet und hat zu über 100 Strafanzeigen gegen Milei geführt. Nach dem Zusammenbruch der Währung begann Libra-CEO Hayden Davis‘ Enthüllungen: Er behauptete, 50.000 US-Dollar für die Anbahnung von Treffen mit Präsident Milei über seine Schwester Karina erhalten zu haben. Davis hatte sich zuvor in einem Video als „Berater“ von Milei bezeichnet und war auch in die Entwicklung der Melania- und Trump-Coins involviert gewesen.

Javier Milei litt als Kind unter häuslicher Gewalt, seine Schwester wurde zur Bezugsfigur

Javier Milei ist selten alleine unterwegs, meist tritt er im Trio mit Schwester Karina Milei und Finanzminister Luis Caputo auf – ja, der verantwortliche Minister für die abenteuerliche argentinische Finanzpolitik heißt wirklich so. Der argentinische Präsident wirkt an der Seite seiner Schwester oft wie ein kleiner Junge, der Bestätigung sucht. Viele sprechen von einer schrägen Geschwisterbeziehung zwischen Partnerschaft und Mutterfigur. Die Erklärung dafür liegt in der Kindheit der Mileis. Er litt eigenen Aussagen zufolge schwer unter häuslicher Gewalt und fand bei seiner Schwester Schutz. Sie war lange Jahre das einzige Familienmitglied, mit dem er Kontakt hielt.

Javier Milei, Präsident Argentiniens, fährt mit seiner Schwester Karina Milei auf dem Weg zum Regierungssitz Casa Rosada in einem offenen Wagen.

Bevor sie sich für ihren Bruder in der Politik engagierte, war sie dessen Finanzmanagerin. Karina Milei lernte auch Konditorin, Bildhauerin und Tarot-Leserin, Tätigkeiten, die sie als Hobby und auch beruflich ausübte. Um sie zur Generalsekretärin zu ernennen, änderte Milei als eine seiner ersten Amtshandlungen ein Dekret seines Vorgängers Macri, das die Nominierung direkter Familienangehöriger für höchste Positionen verhindert hatte. Als Generalsekretärin erledigt sie theoretisch Verwaltungsarbeit, de facto hat sie aber weitreichende Macht. Trotz fehlender demokratischer Legitimation gilt Karina Milei einem NZZ-Bericht zufolge als „die mächtigste Person in Argentiniens Regierung“. (Quellen: Der Standard, DPA, Infobae, NZZ, amerika21) (lm)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Daniella Fernandez Realin

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