Entsorgungsunternehmer wird Hotelier
Exklusive Einblicke ins neue Wasserburg-Hotel: So schläft es sich bei Simon und Julia Zoßeder
Am Wochenende heißt es Probeliegen im Wasserburg-Hotel: Bei einem internen Event von Bauherr Simon Zoßeder werden zum ersten Mal 50 Gäste übernachten. Die Redaktion war schon vorher da. Exklusive Einblicke.
Wasserburg – Draußen haben derzeit die Landschaftsgärtner und Pflasterer das Sagen, drinnen ist „Das Wasserburg“ als Hotel schon fast fertig. Bauherr Simon Zoßeder zeigt, wie bequem die Boxspringbetten in den 29 Doppelzimmern sind: Beim Probeliegen strahlt er über das ganze Gesicht. Er hat sich das türkis-grüne Wasserburg-Zimmer ausgesucht: Die Rückenlehne des Doppelbettes prägt ein Druck der Altstadtfront mit dem grünen Inn. Die Farbe wiederholt sich bei den Kissen und beim Auszieh-Sofa. Die roten Wasserburg-Zimmer stellen die Rote Brücke in den Mittelpunkt.
Aussicht auf die Voralpen
Von der niedrigen Sitz-Fensterbank aus fällt der Blick durchs Fenster auf die Voralpenkette Richtung Eiselfing: frisch gemähte Wiesen, sanfte Hügel, viel Grün. Kühe grasen. „Die haben wir extra bestellt“, scherzt Zoßeder. Die Balkone werden ebenfalls grün: Sie erhalten im Übergang zur Dachterrasse einen Rasen. Der muss nur einmal im Jahr „gemäht“ werden und soll auch bei der Versickerung von Regenwasser helfen. „Und ist gut für die Bienen“, erklärt der Leiter der Liegenschaftsentwicklung im Unternehmen, Hans Kaiser. Die Energieversorgung übernehmen nach seinen Angaben eine Wärmepumpe sowie eine Photovoltaikanlage.
Zuerst ging es um ein Boardinghouse
Die Rolle als Hotelier gefällt Simon Zoßeder sichtlich, dabei ist sie ganz neu für den Chef des gleichnamigen Entsorgungsunternehmens. Schließlich wollte er eigentlich nur ein „Boardinghouse“ für Mitarbeitende, Fahrer und Kunden von auswärts bauen, doch das war baurechtlich im Gewerbe- und Sondergebiet vor den Toren der Stadt nicht genehmigungsfähig, ein Hotel schon. So wurde aus dem Entsorgungsunternehmer ein Gastronom, denn seine Pläne für einen Beherbergungsbetrieb wollte er nicht begraben.
So kurz vor der Eröffnung am 28. Mai wirkt Zoßeder entspannt, als er auf seinem Lieblingsplatz im Hotel, der Dachterrasse („Rooftop“) für 100 bis 120 Gäste steht. „Läuft doch alles nach Plan“, sagt er. Der Zeitrahmen sei eingehalten worden, „der Kostenrahmen nicht ganz“, räumt er ein. „Natürlich ist es in diesen Zeiten nicht billiger geworden. Aber alles ist gut.“ Die Investitionen liegen nach Zoßeders Angaben „im höheren einstelligen Millionenbereich“.
Tochter Julia gestaltete mit
Auch Tochter Julia, gemeinsam mit dem Papa Geschäftsführerin der neuen Zosseder-Unternehmenstochter, der Wasserburg Hotel GmbH, wirkt nicht nervös. Die 22-Jährige hat sich in den vergangenen Monaten intensiv eingebracht in die Innengestaltung. Details wie eine auffällige Spachteltechnik in Grün-Gold an den Wänden der Restaurant-Toiletten hat sie beispielsweise angeregt. Am Herzen lag ihr als Kinderpflegerin nach eigenen Angaben auch eine familiengerechte Außenanlage: mit Spielplatz, vielen Geräten wie einer Nestschaukel, einem Spielhaus sowie einem Buchenhecken-Labyrinth, in dem viele Eltern ihre Sprösslinge sicherlich oft suchen müsse. Außerdem gibt es im Hotel Wasserburg zwei Familienzimmer. Hier können bis zu sechs Personen, getrennt durch eine Zwischentür, übernachten. Auf jeder Etage gibt es nach Angaben von Julia Zoßeder ein behindertengerechtes Zimmer, das mit dem Rollstuhl befahren werden kann.
„Wir sind voller Vorfreude“, bringt Conny Baranowski, die Hoteldirektorin, das vorherrschende Gefühl auf den Punkt. Für den ersten Tag liegen nach ihren Angaben schon zahlreiche Buchungen vor. Auch der teilbare Konferenzsaal und die Schulungsräume für bis zu 100 Teilnehmer seien schon reserviert worden. Doppelzimmer kosten pro Nacht mit Frühstück zwischen 135 und 155 Euro, ist auf der Homepage zu lesen.
Probeliegen beim Firmen-Event
Am Wochenende werden die Zoßeders selber im Hotel übernachten. 50 Betten sind belegt, Simon Zoßeder hat die Führungskräfte seiner Unternehmensgruppe eingeladen. Sie machen die Probe aufs Exempel: Feiern, essen, trinken, schlafen, so wie es sich Zoßeder für seine Gäste wünscht. Wellnessanlagen bietet sein Hotel nicht.
Premiere auch für Restaurantchefin Alessandra Fusaro, bekannte italienische Wirtin in Wasserburg. Sie hat ihre Küche, in der sie sich nach eigenen Angaben „verlaufen kann, so groß ist sie“, jedoch schon einmal ein wenig ausgetestet: bei einem Event für 80 bis 90 Gäste. Es gab italienische Vorspeisen und Pizzaschnitten sowie Wein, berichtet sie. „Es hat alles gut geklappt.“
Hotel-Restaurant für 95 Gäste
Die Mitte des Restaurants prägt eine umlaufende viereckige Theke, über die der zentrale Leuchter an diesem Tag zum ersten Mal feierlich eingeschaltet wurde. Der Boden darf noch nicht betreten werden: Er ist frisch eingeölt worden. Die Sitzecken sind in Rot- und Blaugrau-Tönen mit Goldakzenten gehalten. Etwa 95 Gäste können hier frühstücken, zu Mittag essen und Kaffee trinken, bis gegen 16 Uhr. Bei Feiern, Events und Schulungen bietet Fusaro nach eigenen Angaben auch Abendessen an. Sie bewirtet auch den Biergarten für 150 bis 160 Gäste. Unterstützt wird sie nach eigenen Angaben von der Flötzinger-Brauerei.
Fusaro übernimmt mit ihrem Team außerdem den Zimmer-Service. Eine Rezeption gibt es jedoch nicht: In „Das Wasserburg-Hotel“ checken die Gäste digital ein. Sie parken in einer Tiefgarage, Restaurant- und Biergartenbesucher hinter dem Gebäude. Hier hat Zoßeder die Fassade des benachbarten Gebäudes seines Unternehmens mit einer die Wand umspannenden Malerei gestalten lassen: Marco Klammer hat ein Voralpenpanorama wiedergegeben.
Zwei alte Straßenwalzen
Zwei alte Straßenwalzen, blitzblank poliert und neu lackiert in tiefem Schwarz, hat Zoßeder aus dem Wegmacher-Museum Wasserburg, wo sie keinen Platz hatten, übernommen: ungewöhnliche Deko-Elemente in den Außenanlagen. Sie weisen darauf hin, dass „Das Wasserburg“ aus der Feder eines Unternehmens kommt, dessen Hauptarbeitsfelder Straßen- und Kanalbau, Abbruch und Entsorgung, Recycling und Containerdienste sind.
Das sagt Stadtmanager Simon Arnold
„Wir sind froh über alles, was Wasserburg weiter nach vorne bringt“, sagt Simon Arnold. Der Stadtmanager begrüßt, dass die Kommune im Hotelbereich durch das neue Haus noch breiter aufgestellt wird. Touristisch gesehen sei Wasserburg zwar nach wie vor allem ein Tagesausflugsziel, doch die Stadt habe aufgrund ihrer Attraktivität und den vielen Aktivitäten und Festen durchaus Potenzial für längere Aufenthalte. „Wir hoffen, dass sich Wasserburg in diesen Bereich mausert“, sagt er. Ein weiteres Hotel sei der richtige Ansatz, der weiterhelfe. Auch als Tagungsziel biete sich die Stadt an: Hier sei durchaus auch noch Potenzial für einen Ausbau.











