Großbrand am 8. Juni 2023
Zwei Jahre nach dem Brand am Wasserburger Weberzipfel: Wie das Inferno bis heute nachwirkt
Zwei Jahre ist es her, dass die Stadt Wasserburg von einem Flammen-Inferno am Weberzipfel heimgesucht wurde. Die Spuren der Brandstiftung durch Ömür A. sind immer noch in der Stadt zu sehen. Wie das Inferno bis heute nachwirkt.
Wasserburg – Das Haus Nummer 12 „Am Weberzipfel“ hat sicher das Potenzial, in die Geschichte Wasserburgs einzugehen. Denn „Altstadt vor Inferno gerettet“ lautete die Schlagzeile in der Wasserburger Zeitung am 9. Juni 2023. Am Vortag war das Mehrfamilienhaus in Brand geraten. Brandstiftung, wie sich bald darauf herausstellte. Die Nebengebäude wurden damals ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Was übrig blieb, war praktisch nur noch ein Trümmerfeld. Bis heute ist dort an der Engstelle eine Baustelle. Das Gerüst am abgebrannten Haus ragt unübersehbar in die Straße hinein. Wenigstens ist das weitere Gerüst an der Fassade des früheren Schreibwarenladens Pöhmerer, der genau gegenüberliegt, zwischenzeitlich abgebaut. Und der mächtige Kran verschwand pünktlich zum Frühlingsfestzug.
Großeinsatz in Wasserburg an Fronleichnam




Flammen fraßen sich durch die Dächer
Zwei Jahre ist der Brand jetzt her. Gelegenheit für einen Rückblick auf die damaligen Ereignisse: Immer wieder hatten in vergangenen Zeiten Feuer die Wasserburger heimgesucht. Man denke nur an die verheerenden Schäden beim Rathausbrand am 1. Mai 1874. 38 Dachfirste gingen damals in Flammen auf. Als „Am Weberzipfel“ mitten in der historischen und eng verwinkelten Altstadt von Wasserburg nun das Mehrfamilienhaus in Brand geriet, befürchtete deshalb so mancher das Schlimmste. Denn die Flammen hatten sich am 8. Juni 2023 auch hier bereits durch die Dächer der benachbarten Häuser gefressen. Dank des schnellen und professionellen Eingreifens diverser Feuerwehren konnte allerdings noch Schlimmeres verhindert werden. Noch heute ist das betroffene Haus selbst aber unbewohnbar.
Um 5.20 Uhr ging vor zwei Jahren am Feiertag Fronleichnam bei der Wasserburger Feuerwehr der erste Alarm ein. Routine, wie es zunächst schien. Zimmerbrand hieß es. Dass nur zwei Personen leicht verletzt wurden, hatten die Bewohner der Häuser auch einem umsichtigen Nachbarn, Ömer Sengül, zu verdanken, der die Flammen bemerkt und die Bewohner frühmorgens aus den Betten getrommelt hatte. Nach der Alarmierung erlebten die Feuerwehrleute allerdings ein Szenario, „wie es selbst die ältesten und erfahrenen Kameraden unter uns noch nicht gesehen haben“, so damals der Pressesprecher der Wasserburger Feuerwehr, Hilmar Zinke. Großalarm wurde gegeben.
200 Einsatzkräfte löschten unter erschwerten Bedingungen
Zehn Feuerwehren mit 200 Einsatzkräften mussten den ganzen Tag hinweg Höchstleistungen erbringen. Zum Glück war am Busbahnhof wegen des Feiertages genügend Platz für die zahlreichen Einsatzfahrzeuge. Aufgrund der Enge in der Straße und da hier alle Häuser über Blechdächer verfügten, erwiesen sich die Löschmaßnahmen als extrem schwierig. Erst gegen Mittag war das Feuer gelöscht. Die Brandwache verblieb und sichtete dann auch um 21.00 Uhr erneut Flammen auf dem Dachstuhl, die aber schnell gelöscht waren. Noch am Tag danach war der Einsatz noch nicht beendet, denn auch instabile Mauern mussten noch gesichert und stabilisiert werden.
Die Arbeitsbilanz des Einsatzes schließlich: instabiles Gebäude, rund 13 Stunden Einsatz, sämtliche Atemschutzgeräteträger aus beinahe dem ganzen Altlandkreis Wasserburg und sämtliche Führungskräfte aus dem Landkreis Rosenheim im Einsatz.
„Es wäre ein klassischer Fall für einen Stadtbrand gewesen!“, so beurteilte Bürgermeister Michael Kölbl damals die extreme Gefahr. Noch vor wenigen Jahren, so die Vermutung des Bürgermeisters, hätten sich die Flammen wohl noch weit mehr ausgebreitet. Zuletzt war dies beim Stadtbrand im Jahr 1885 passiert. Dass es nicht dazu gekommen sei, sei der guten Ausstattung inklusive der Knick-Drehleiter, deren Anschaffung im Jahr 2018 noch umstritten gewesen war, sowie dem schnellen Eingreifen der Wasserburger und der umliegenden Wehren zu verdanken gewesen.
Brandstifter festgenommen und verurteilt
Eine Woche später dann, die Wasserburger hatten sich noch gar nicht wieder richtig emotional erholt, eine neue Schocknachricht: Die Brandfahnder der Kriminalpolizei fanden laut Polizeipräsidium Oberbayern Süd bei der Spurensicherung Anhaltspunkte, die auf eine vorsätzliche Brandstiftung hindeuteten. Die Verdachtsmomente richteten sich gegen Ömür A., einen 35-jährigen Wasserburger. Es bestehe keinerlei Zweifel daran, dass der Angeklagte die schwere Brandstiftung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu verantworten habe, so Staatsanwalt Moritz Weinhart im anschließenden Prozess. Neun Jahre und sechs Monate forderte er für das Vergehen. Pflichtverteidiger Dr. Markus Frank sah die damalige Argumentationskette zwar anders, konnte aber die Richterin Christina Braune nicht überzeugen. Diese verurteilte den Tatverdächtigen schließlich zu acht Jahren Haft wegen schwerer Brandstiftung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung.
Wann das Haus Nummer 12 wieder bewohnbar sein wird, ist derzeit noch nicht genau vorhersehbar. Die Sondernutzung, also die Erlaubnis, einen Teil des Straßenraums für die Baumaßnahmen zu beanspruchen, ist jedenfalls bis Ende Oktober 2025 beantragt. Die Erfahrung zeigt, dass es aus unterschiedlichen Gründen oft länger dauert, das räumte Stadtbaumeisterin Mechthild Herrmann schon vor drei Monaten ein, als der 30. April noch im Raum stand. Endgültig beendet sind die möglichen Behinderungen in diesem Bereich in Zukunft sicher noch nicht, steht doch auch noch irgendwann die Sanierung des benachbarten Beyer-Anwesens an.


