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Argentiniens Anarchokapitalist

Milei manipuliert Armutsquote – Medien und Politik lassen sich täuschen

Javier Milei wird international gefeiert, weil er Inflation und Armut senkt. Doch die Zahlen spiegeln nicht die soziale Realität Argentiniens wider.

Buenos Aires – Sozialstaat abbauen, Märkte radikal liberalisieren, Kapitalkontrollen streichen und gleichzeitig die Armut rasant senken. Klingt unmöglich? Ist es auch. Die offiziellen Zahlen, die westliche Medien als Beweis für Javier Mileis Erfolg heranziehen, verkennen wichtige Faktoren: etwa den informellen Sektor. Und der betrifft in Argentinien knapp die Hälfte der Bevölkerung. Die Kettensägen-Spardoktrin verstärkt die Unsicherheitsdynamik, Menschen verlieren Anstellungen, Wohnungen und finanzielle Lebensgrundlage.

Javier Milei setzt in Argentinien ein radikales Sparprogramm durch. Die sozialen Spannungen wachsen durch seine Kettensäge.

Laut staatlicher Statistikagentur INDEC ist die Armut auf 31,6 Prozent gefallen. Bei Mileis Amtsantritt im Dezember 2023 betrug sie nach offizieller Angabe rund 53 Prozent. Doch Mitarbeiter von INDEC gehen nun mit ihrer Kritik an der Messung an die Öffentlichkeit und lehnen die jüngste Armutsmessung ab. „Die Behauptung, diese Regierung habe mehr als 12 Millionen Menschen aus der Armut befreit, hält jeder Überprüfung nicht stand“, betonen sie laut einem Bericht von ANRed

„Für Wahlzwecke missbraucht“ – Milei schönt Armutsquote in Argentinien

Auch das Observatorium für Sozialschulden der Katholischen Universität von Argentinien (UCA) bestätigt, dass „der Armutsrückgang des INDEC überrepräsentiert“ und „ungenau“ sei. Das Zentrum für politische Ökonomie Argentiniens (CEPA) warnte, dass die Agentur „die Armutsmessung unterschätzt“ habe, da „die nationale Erhebung über die Haushaltsausgaben nicht aktualisiert wurde“. Rodolfo Aguiar, Generalsekretär der ATE Nacional (Vereinigung der Staatsangestellten), erklärte seinerseits: „Der INDEC und seine Veröffentlichungen werden für Wahlzwecke missbraucht. Die Armutsrate ist doppelt so hoch wie berichtet und liegt bei 62 Prozent.“

Wie Hans-Jürgen Burchardt, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler an der Universität Kassel gegenüber Fr.de von Ippen.Media erklärt, könnte Mileis riskante Wirtschaftspolitik langfristig zur Katastrophe führen. „Die aktuelle Regierung hat die Armutsmessung verändert, um die Statistik zu schönen“, sagt Burchardt. Sollte es zum Crash der Wirtschaft kommen, werde der Großteil der Bevölkerung extrem leiden, da sie keine Rücklagen mehr haben. „Das heißt, es wird weitere Verarmung geben und zur politischen Instabilität führen.“ Mileis Politik führt direkt zu sozialer Unsicherheit. Ein Beispiel: die Liberalisierung des Wohnungsmarktes. In Buenos Aires ist so die Zahl der Wohnungslosen allein zwischen 2024 und 2025 um knapp 30 Prozent gestiegen.

Von Maduro bis Milei: Die lange Liste der Populisten Lateinamerikas

Javier Milei (seit dem 10. Dezember 2023 Präsident Argentiniens) inszeniert sich als populistischer Revolutionär mit der Kettensäge als Symbol seiner radikalen Sparpolitik.
Javier Milei (seit dem 10. Dezember 2023 Präsident Argentiniens) inszeniert sich als populistischer Revolutionär mit der Kettensäge als Symbol seiner radikalen Sparpolitik. Er steht Elon Musk ideologisch nahe. Mileis „Kettensägen-Politik“ in Argentinien dient als Experimentierfeld für einen radikalisierten Anarchokapitalismus, der internationale Aufmerksamkeit von rechtslibertären Bewegungen erhält und als Teil einer neuen „internationalen Allianz“ zur Verteidigung des freien Marktes verstanden wird. © DIEGO LIMA/afp
Nicolás Maduro ist seit 2013 Präsident Venezuelas und führt das Erbe von Hugo Chávez fort.
Nicolás Maduro ist seit 2013 Präsident Venezuelas und führt das Erbe von Hugo Chávez fort. Aus dem ursprünglich linkspopulistischen Reformvorhaben seines Vorgängers ist unter Maduro ein autoritäres Projekt geworden. Er regiert heute als Diktator und setzt offen Wahlfälschung ein. Er verfolgt eine antiimperialistische Ideologie gegen die USA und erhält internationale Unterstützung durch China und Russland. © Pedro Mattey/afp
Kämpferisch: Venezueles Präsident Hugo Chavez.
Kämpferisch: Venezuelas verstorbener Präsident Hugo Chavez inszenierte sich als Retter Lateinamerikas gegen imperialistische Interessen aus den USA und wird in ganz Lateinamerika verehrt. © dpa
Jair Bolsonaro war von 2019 bis 2023 Präsident Brasiliens und wird als rechtsgerichteter Nationalist und Populist charakterisiert.
Jair Bolsonaro war von 2019 bis 2023 Präsident Brasiliens und wird als rechtsgerichteter Nationalist und Populist charakterisiert. Er äußerte etwa wiederholt Bewunderung für die brasilianische Militärdiktatur (1964 bis 1985), spricht sich gegen gleichgeschlechtliche Ehe aus und hält den menschengemachten Klimawandel für eine Lüge. © SERGIO LIMA/afp
Lula da Silva regierte Brasilien zwischen 2003-2011.
Während Bolsonaro die brasilianische Diktatur feiert, hat Luiz Inácio Lula da Silva unter den Militärs Verfolgung und Haft erlebt. Er regierte Brasilien von 2003 bis 2011. Das politische Projekt von Lula da Silva lässt sich als sozialdemokratische Synthese beschreiben, die eine Kombination aus Sozialpolitik zur Armutsbekämpfung, entwicklungsorientierter Wirtschaftspolitik und Umweltschutz mit dem Ziel verfolgt, Brasilien als gerechteren, ökologisch nachhaltigen und international respektierten Akteur zu positionieren. © EVARISTO SA/afp
Boliviens Ex-Präsident und Gewerkschaftsführer Evo Morales.
Boliviens Ex-Präsident Evo Morales, Regierungszeit 2006 bis 2019, war die Symbolfigur der einfachen Leute und positionierte sich gegen internationale Eliten. Er war der erste indigene Präsident Boliviens, kam aus ärmsten Verhältnissen und war Gewerkschaftsführer. © Jorge Saenz/AP/dpa
Ecuadors Präsidenten Rafael Corea (l.) und Cubas Fidel Castro.
Ecuadors Präsident Rafael Correa (links) war von 2007 bis 2017 im Amt und Teil der linkspopulistischen Welle zusammen mit Hugo Chávez und Evo Morales. In die Bild von 2009 ist er mit Fidel Castro, dem damaligen Máximo Líder von Kuba.  © dpa
Uruguays verstorbener Präsident José „Pepe“ Mujica
Uruguays im Mai 2025 verstorbener Präsident José „Pepe“ Mujica wurde oft als bescheidenster Präsident der Welt bezeichnet. Er saß als Guerilla-Kämpfer gegen die Militärdiktatur lange in Haft und verfolgte später als Präsident eher eine gemäßigt linke Politik. © Matilde Campodonico/dpa
Argentiniens Ex-Präsident Juan Domingo Perón.
Der Peronismus in Argentinien ist eine populistische Strömung, benannt nach Juan Domingo Perón, der zwischen 1946 und 1955 sowie 1973 und 1974 regierte. Zusammen mit seiner Frau Eva „Evita“ Perón war er prägend für den Peronismus. Bekannt war er für seine autoritäre Führung und seine Sozialpolitik. © imago
Eva Perón, liebevoll „Evita“ genannt
Seine Ehefrau Eva Perón, liebevoll „Evita“ genannt, hat heute in ganz Lateinamerika Kultstatus und steht für Grundrechte wie Wohnen, Bildung und öffentliche Gesundheitsversorgung für die Ärmsten. Doch während die einen sie als Heldin der Armen bewundern, kritisieren andere sie als „Populistin“, die das Land auf Irrwege geführt habe. Ihr Leben lieferte den Stoff für das Musical „Evita“ von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice, das mit Madonna verfilmt wurde. Evita Perón starb mit 33 Jahren an Krebs. © imago
Wahlkampf in Argentinien
Argentiniens linkspopulistischer Präsident Néstor Kirchner (im Amt von 2003 bis 2007) steht für Sojaboom und Aufschwung. Nach seinem Tod übernahm Cristina Kirchner (2007 bis 2015) das Amt der Präsidentin. Heute ist sie die populärste Kontrahentin des rechtspopulistischen Präsidenten Javier Milei. © Cezaro De Luca/dpa
Cristina Fernandez Kirchner
Die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner setzte die linkspopulistische Politik ihres verstorbenen Mannes Néstor Kirchner fort. Das Ehepaar prägte die argentinische Politik so stark, dass der moderne Peronismus in Anlehnung an ihren Namen Kirchnerismus genannt wird. Heute sitzt sie wegen Korruption verurteilt in Hausarrest. © Victor R. Caivano/dpa
Carlos Menem, ehemaliger Präsident Argentiniens
Carlos Menem, ehemaliger Präsident von Argentinien. Regierungszeit: 1989 bis 1999. Peronist, der neoliberale Reformen durchdrückte. Beispiel für den „Neopopulismus“ der 1990er Jahre und aus heutiger Sicht widersprüchlich, da seine Politik dem Kettensägen-Kurs Javier Mileis ähnelt – doch die Parteien als Gegner gelten. © Natacha Pisarenko
In seiner Amtszeit ließ Fujimori Sicherheitskräfte rigoros gegen linke und angeblich subversive Kräfte vorgehen.
Perus Präsident Alberto Fujimori (Regierungszeit: 1990 bis 2000) kombinierte populistische Rhetorik mit neoliberaler Wirtschaftspolitik. Er führte 1992 einen „Selbstputsch“ durch und wurde später wegen Korruption und Menschenrechtsverletzungen verurteilt. In seiner Amtszeit ließ Fujimori Sicherheitskräfte rigoros gegen linke und angeblich subversive Kräfte vorgehen.  © Martin Mejia/ap
Getúlio Vargas Präsident Brasiliens 1930-1945 und 1951-1954.
Getúlio Vargas (Brasilien). Regierungszeit: 1930-1945 und 1951-1954 Gilt als einer der Begründer des klassischen lateinamerikanischen Populismus und führte eine starke staatliche Industrialisierungspolitik ein. © imago
José María Velasco Ibarra (Ecuador), fünfmaliger Staatspräsident Ecuadors.
José María Velasco Ibarra (Ecuador), fünfmaliger Staatspräsident Ecuadors, gilt als einer der klassischen populistischen Staatschefs. Bis zu seinem Tod 1979 war er der wichtigste Politiker des Landes. © imago
Bild von Salvador Allende, Präsident von Chile.
Salvator Allende regierte Chile zwischen 1970 und 1973 als erster demokratisch gewählter sozialistischer Präsident der Welt mit populistischen Elementen. Die Erinnerung an ihn besteht fort – auch während eines Marsches zum 50. Jahrestag des Militärputsches unter der Führung von Augusto Pinochet, der Allende in Santiago gestürzt hatte.  © IMAGO/Matias Basualdo
José Antonio Kast, ultrakonservativer chilenischer Anwalt und Gründer der Republikanischen Partei
José Antonio Kast gründete 2019 die Republikanische Partei Chiles. Der ultrakonservative Anwalt wird als rechtspopulistisch, rechtsextrem und neofaschistisch beschrieben. 2021 unterlag er in der Stichwahl um das Präsidentenamt seinem Kontrahenten Gabriel Boric. © ANDRES PINA/ATONCHILE/imago
Kolumbiens aktueller Präsident Gustavo Petro
Kolumbiens aktueller Präsident Gustavo Petro ist ein ehemaliger Guerillakämpfer und Ex-Bürgermeister von Bogotá, der als linkspopulistisch beschrieben wird. Er wurde 2022 als erster linker Politiker in der Geschichte Kolumbiens zum Präsidenten gewählt. © STRINGER/afp
Rodolfo Hernández, kolumbianischer Bauunternehmer und Multimillionär.
Rodolfo Hernández, ein parteiloser Bauunternehmer und Multimillionär, kam bei den Präsidentschaftswahlen in Kolumbien 2022 als rechtspopulistischer „TikTok-Opa“ überraschend in die Stichwahl gegen Gustavo Petro. Er erreichte mit einfachen Anti-Korruptions-Botschaften und Kampagnen auf den sozialen Medien fast 47 Prozent der Stimmen. © EVA MARIE UZCATEGUI
Der nicaraguanische Präsident Daniel Ortega
Der nicaraguanische Präsident Daniel Ortega (M.) während einer Kundgebung mit Sympathisanten in Managua 2018. Er ist seit 2007 amtierender, inzwischen diktatorisch regierender Präsident Nicaraguas und Vorsitzender der Frente Sandinista de Liberación Nacional, die früher selbst die Diktatur der Somoza-Dynastie stürzten. © Jorge Torres/imago
El Salvadors Präsident Nayib Bukele
Präsident Nayib Bukele regiert das kleinste mittelamerikanische Land E Salvador seit 2019 mit harter Hand und ist vor allem durch seine Megagefängnisse, seine ultraliberale Bitcoin-Politik und seine Beziehung zu Donald Trump in den Schlagzeilen gelandet. © Salvador Melendez/AP/dpa
Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum Pardo stellt sich aktiv der imperialistischen Politik Donald Trumps entgegen.
Claudia Sheinbaum Pardo ist seit dem 1. Oktober 2024 Präsidentin Mexikos. Die Physikerin, die in Energietechnik promovierte, beteiligte sich an zwei Berichten des Weltklimarats, der 2007 für seine Bemühungen gegen den Klimawandel den Friedensnobelpreis erhielt. Sheinbaum stellt sich aktiv der imperialistischen Politik Donald Trumps entgegen. © IMAGO/Luis Barron
Lázaro Cárdenas, mexikanischer Militärführer und Präsident
Der mexikanische Militärführer Lázaro Cárdenas war von 1934 bis 1940 Präsident des Landes. Er gilt als einer der klassischen populistischen Staatschefs Lateinamerikas und ist bekannt für Nationalisierungen und Umverteilungspolitik. Hier ist er bei einem Treffen mit Gewerkschaftsführern der Ölindustrie in Tamaulipas im Jahr 1938 zu sehen. © IMAGO
Fidel Castros führte die kubanische Revolution.
Fidel Castro (1926 bis 2016) war ein kubanischer Revolutionär und Politiker, der nach dem Sturz der Batista-Diktatur 1959 fast fünf Jahrzehnte lang als autoritärer Staatschef den ersten kommunistischen Staat in der westlichen Hemisphäre regierte und Kuba aus der Abhängigkeit von den USA führte. © dpa
Che Guevara
Ernesto „Che“ Guevara (1928 bis 1967) war ein argentinischer Arzt und marxistischer Revolutionär, der als Guerillaführer und Anführer der Rebellenarmee maßgeblich an der Kubanischen Revolution (1953 bis 1959) beteiligt war. Später wurde er bei dem Versuch, eine Revolution in Bolivien zu entfachen, im Alter von 39 Jahren getötet. © dpa
Paraguayo Cubas ist der bekannteste rechtspopulistische Politiker Paraguays.
Paraguayo Cubas ist der bekannteste rechtspopulistische Politiker Paraguays. Cubas wird als „populistischer Anti-Establishment-Kandidat“ mit „extremen antidemokratischen Ansichten“ beschrieben. Er bezeichnete sich selbst als „romantischen, republikanischen und nationalistischen Anarchisten“. Nach der Wahl 2023 behauptete er Wahlbetrug und organisierte Proteste, was zu seiner Festnahme führte. © NORBERTO DUARTE/afp

In Argentinien gibt es bereits länger Kritik, dass die Statistikagentur politisch beeinflussbar ist. Bei der Armutsmessung konkret ist die Methode ein Problem, die sich auf das legale Einkommen bezieht – in einem Land, wo laut Àmbito vier von 10 Menschen im informellen Sektor arbeiten. Laut einer Studie der Universität Buenos Aires verdienen mindestens 40 Prozent der Menschen im informellen Sektor weniger, als für ein Leben über der Armutsgrenze notwendig ist. „In einem Kontext hoher Volatilität, sowohl aufgrund starker Preissteigerungen als auch einer Verlangsamung der Inflation, ist die Messung der Armut anhand des Einkommens tendenziell weniger präzise“, erklärte das argentinische Observatorium für Sozialschulden der UCA.

Milei setzt bei seinem Plan für Argentinien auf „die Kräfte des Himmels“

Wer logisch denkt, merkt: Es ist absurd, dass trotz explodierender Preise bei Mieten, Energie und Lebensmitteln, Massenentlassungen und wegfallenden Sozialsystemen die Armut auf magische Weise sinken soll. Milei selbst verweist indirekt darauf, dass sein Wirtschaftsplan nur mit übernatürlichen Kräften aufgehen kann. Der Titel seines neuen, im Oktober erscheinenden Buches lautet: „Der Bau des Wunders.“ Auf dem Cover ist Milei selbst mit seiner berühmten Kettensäge zu sehen; auf deren Schneide steht: „Die Kräfte des Himmels.“ Der freie Markt ist für Argentiniens Präsident eine Art Religion.

Im Punkt einer seiner wichtigsten Wahlversprechen scheinen die Marktgötter aufseiten des Anarchokapitalisten zu stehen: Die Inflation wurde unter Javier Milei gebremst. Er hat es geschafft, so viele Dollar ins System zu pumpen, dass der argentinische Peso nicht mehr so schnell an Wert verliert. Auch wenn die Kosten dafür umstritten sind - Stichwort Schuldentilgung des neuen Megakredits des Internationalen Währungsfonds oder Zugeständnisse an die USA für die Unterstützung durch US-Präsident Donald Trump.

Bei seinem zweiten Kernthema scheitert er allerdings. Das war die politischen Eliten, die „Kaste“, wie Milei sie im Wahlkampf nannte, zur Kasse zu bitten. Die größten Einschnitte hat er aber bisher bei den Mindestrenten vorgenommen, wie eine BBC-Moderatorin ihn in einem Interview diese Woche konfrontierte. Die Mindestrente liegt heute 20 Prozent unter der Armutsgrenze, wie A24 berichtet. Seit Monaten gehen Rentner deshalb gegen die Regierung Mileis auf die Straße – und werden von der Polizei mit Tränengas zurückgedrängt und verletzt.

Experte zur Kettensäge: „Aktuell befindet sich Argentinien in einer Rezession durch Mileis Kaputtsparen“

Die sozialen Kosten der Kettensäge sind also hoch. Und auch ökonomisch sind sich die Experten alles andere als einig, ob Mileis Kurs Argentinien langfristig helfen wird. Wirtschaftswissenschaftler Burchardt sagt dazu zur Frankfurter Rundschau: „Aktuell befindet sich Argentinien in einer Rezession durch Mileis Kaputtsparen. Es gibt weniger Einnahmen und die Gehälter sind eingefroren, entsprechend wird weniger ausgegeben. Wenn weniger ausgegeben wird, wird weniger investiert und die Beschäftigung sinkt, daraus entwickelt sich eine ökonomische Abwärtsspirale. Genau das ist die aktuelle Dynamik der Wirtschaftspolitik.“

Deutschland würde eine Prise Milei und Musk durchaus guttun.

Ex-Finanzminister Christian Lindner (FDP).

Medien und Politik hierzulande blicken allerdings wohlgesinnt nach Buenos Aires. „Deutschland würde eine Prise Milei und Musk durchaus guttun‘“, fordert der ehemalige Bundesfinanzminister und FDP-Chef Christian Lindner. Auch die AfD sieht den selbsternannten Anarchokapitalisten als Vorbild. Mileis radikale Sparpolitik sei „genau richtig“, schreibt die Bild. Doch auch linksliberale Medien wie die Süddeutsche Zeitung verweisen immer wieder auf die gesunkene Armut in Argentinien.

„Taugt Argentiniens Präsident Javier Milei als Vorbild für Deutschland?“, fragte das konservative Magazin Cicero vergangene Woche auf seiner Titelseite. Die Antwort ist einfach: Wer eine Gesellschaft ohne soziale Sicherheit und vielen Freiheiten für die Märkte will, sagt Ja. Wer für Humanismus und den Schutz der Schwächsten ist, kann Mileis Visionen nur ablehnen. „Diejenigen Politiker in Deutschland, die mit der Kettensäge-Politik Mileis kokettierten, sollten jetzt genau hinschauen: Er wird das einst reiche Argentinien als ein hoch verschuldetes, wirtschaftlich am Boden liegendes, technologisch rückständiges und völlig verarmtes Land hinterlassen“, sagt Wirtschaftswissenschaftler Burchardt. (Quellen: Àmbito, BBC, Infobae, A24, ANRed) (lm)

Rubriklistenbild: © Brindicci/AFP/Montage

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