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Inflation und Korruption
Milei muss nach „Kettensägen“-Politik-Scheitern Trump um Dollars anpumpen
Argentiniens Präsident Milei findet mit seiner Kettensägen-Politik noch Unterstützung bei Weltmarkt und Medien. Zunehmender Druck treibt ihn zu Trump.
Buenos Aires – Das argentinische Kettensägenprojekt gerät ins Wanken. Bis zuletzt konnte Präsident Javier Milei seinen radikalen Spar- und Liberalisierungskurs trotz sozialen Massenprotesten und Menschenrechtsverletzungen verteidigen. Ein Korruptionsskandal seiner Schwester Karina Milei, eine eindeutige Wahlniederlage in der Provinz Buenos Aires und die wieder an Fahrt aufnehmende Inflation scheinen die Stimmung im Land gegen den selbsternannten Anarchokapitalisten nun allerdings endgültig zu drehen.
Von Maduro bis Milei: Die lange Liste der Populisten Lateinamerikas
Besonders die instabile Finanzsituation bereiten dem libertären Milei Kopfschmerzen, war das Bremsen der Inflation doch eines der Kernthemen seines berühmten Wirtschaftsplans, der ihm einen erneuten Megakredit vom IWF sicherte. Mit diesen Milliarden und den argentinischen Reserven der Zentralbank konnte er bisher den argentinischen Peso stabilisieren, doch jetzt geht der Regierung zur für Milei denkbar ungünstigsten Zeit vor den argentinischen Parlamentswahlen im Oktober das Geld aus und die Inflation steigt wieder. Donald Trump soll ihm nun helfen.
Ende der Kettensäge? Treffen mit Trump gilt als Stimmungstest für Mileis Beziehung zum US-Präsidenten
Der argentinische Präsident wird sich diesen Dienstag (23. September) in New York mit US-Präsident Donald Trump und Finanzminister Scott Bessent treffen, um im Falle eines Marktschocks eine finanzielle Rettungszusage zu erwirken. Laut der argentinischen Tageszeitung La Nación prüft die argentinische Regierung angesichts der „erheblichen Instabilität“ der lokalen Märkte die Möglichkeiten eines Kredits des US-Finanzministeriums.
Bei seinem bevorstehenden Treffen mit Präsident Trump am Rande der UN-Generalversammlung in New York hat Argentiniens Präsident Milei ein klares Ziel vor Augen: Er will eine Notfallkreditlinie aus einem speziellen US-Fonds beantragen. Dieser sogenannte Devisenstabilisierungsfonds stammt noch aus den 1930er Jahren und kann im amerikanischen Interesse internationale Finanzhilfen gewähren.
Ob Milei mit seinem Antrag Erfolg haben wird, gilt als wichtiger Indikator dafür, wie weit Trump tatsächlich bereit ist, seinen südamerikanischen „Helden“, wie er Milei in der Vergangenheit bezeichnet hatte, mit konkreten Maßnahmen zu unterstützen. Das Treffen am Dienstag könnte somit zum Lackmustest für die vielbeachtete politische Freundschaft werden. Für Trump bietet sich hier die Gelegenheit, seine außenpolitische Stärke zu demonstrieren und einen wichtigen Verbündeten in Südamerika zu festigen. Milei hingegen braucht dringend wirtschaftliche Unterstützung für seinen Systemwechsel in Argentinien.
Argentiniens Präsident Javier Milei spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung mit Regierungssprecher Manuel Adorni und Schwester Karina Milei. Für sein Wirtschaftsprogramm muss er Donald Trump um weitere Dollars bitten.
Milei braucht Trumps Dollars, um in Argentinien seinen libertären Kurs fortzuführen
Milei brachte laut einem Bericht von Infobae noch vor dem Treffen öffentlich seine Dankbarkeit für die Unterstützung der US-Regierung zum Ausdruck, die am Montag durch ihren Finanzminister ihre Bereitschaft bekannt gab, „alles Notwendige“ zu tun, um Argentinien angesichts der finanziellen Unsicherheit zu helfen, die durch die Wahlergebnisse in der Provinz Buenos Aires entstanden ist. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) zeigt sich bisher Schulter an Schulter mit der argentinischen Regierung, die das Land nach seinen Vorgaben umstrukturiert. IWF-Sprecherin Julie Kozack verwies auf X auf die Fortschritte des libertären Kurses. „Bemühungen auf allen Ebenen werden fortgesetzt, um eine Vereinbarung abzuschließen, die zur Konsolidierung des bereits erfolgreichen Wirtschaftsprogramms beitragen wird.“
„Es gibt den freien Marktkapitalismus und es gibt den Sozialismus. Jede Zwischenlösung tendiert zum Sozialismus; und das bedeutet Armut.
Dennoch reagiert der Weltmarkt bereits auf die erneute politische Unsicherheit in Argentinien. Nach Mileis verlorenen Wahlen verlor der Peso verlor im Verhältnis zum Dollar direkt stark an Wert, das Länderrisiko, also die Zinsaufschläge, die Investoren für argentinische Bonds verlangen, stieg laut Handelsblatt um 300 auf 1100 Basispunkte. Der argentinische Aktienmarkt ging allein dieses Jahr um ein Drittel zurück, laut The Times der Index mit der schlechtesten Performance weltweit. Javier Milei ist dennoch überzeugt von seinem politischen und wirtschaftlichen Kurs und rechtfertigte die „politische Panik“ der Märkte als Reaktion auf die mögliche Rückkehr der linkspopulistischen Kirchneristen, wie El Cronista berichtet. Für ihn gilt weiterhin: „Es gibt den freien Marktkapitalismus und es gibt den Sozialismus“, wie er vergangene Woche bei einem Auftritt in Paraguay sagte. „Jede Zwischenlösung tendiert zum Sozialismus; und das bedeutet Armut.“
Argentinien verkauft unter Milei mehr als eine Milliarde Dollar in drei Tagen, um Peso zu stützen
Zum Hintergrund: Beim größten Eingriff in den Devisenhandel seit sechs Jahren hat die argentinische Zentralbank nach Informationen der dpa am 20. Septemberan nur einem Tag 678 Millionen US-Dollar (577 Mio. Euro) verkauft, um die Landeswährung zu stützen. Vor der wichtigen Parlamentswahl im Oktober steht der argentinische Peso unter Druck. In den letzten drei Tagen verkaufte die Banco Central 1,1 Milliarden US-Dollar (936 Mio. Euro). Erst vor zwei Wochen musste Präsident Javier Milei bei den Wahlen in der Provinz Buenos Aires, die als Stimmungstest galten, eine schwere Niederlage hinnehmen.
IWF hat Argentinien unter Präsident Javier Milei bereits im April 2025 einen neuen Kredit gewährt. Der Internationale Währungsfonds genehmigte ein umfangreiches Kreditpaket in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar über einen Zeitraum von vier Jahren. Zusätzlich stellte die Weltbank 12 Milliarden Dollar zur Verfügung, und die Interamerikanische Entwicklungsbank kündigte ein weiteres Finanzpaket von bis zu 10 Milliarden Dollar über drei Jahre an.
Diese Kreditvergabe ist besonders bemerkenswert, da Argentinien bereits der größte Schuldner des IWF ist und mit mehr als 44 Milliarden US-Dollar bei dem Fonds in der Kreide steht. Die neuen Kredite dienen hauptsächlich dazu, den Schuldendienst gegenüber dem IWF zu stemmen und die Währungsreserven der argentinischen Zentralbank zu erhöhen. Es handelt sich also teilweise um eine Art Refinanzierung bestehender Schulden. (Quellen: Infobae, dpa, Handelsblatt, El Economista, La Nación, The Times, El Cronista) (lm)