Nach dem sensationellen Dreifach-Aufstieg kämpft der TSV Fridolfing in der Fußball-Kreisliga 2 ums Überleben. Abteilungsleiter Andreas Stadler, Trainer Seppi Weiß und Kapitän Dominik Kühnhauser geben exklusive Einblicke hinter die Kulissen.
von Rudi Mayer
Fridolfing – Was für eine Geschichte: Vor nicht einmal zwei Jahren feierte der TSV Fridolfing mit Trainer-Ikone Dominik Otter einen historischen Durchmarsch – von der A-Klasse bis in die Bezirksliga, drei Aufstiege in Folge, pure Euphorie im Rupertiwinkel! Doch auf den Höhenflug folgte der harte Aufprall: Nach dem Abstieg 2025 und dem Trainerwechsel von Sepp Aschauer zu Seppi Weiß läuft es in der Fußball-Kreisliga 2 alles andere als rund.
Zur Winterpause steht der TSV nach der jüngsten 1:3-Heimniederlage gegen den TSV Bad Endorf mit nur zehn Punkten aus 13 Spielen auf dem letzten Tabellenplatz. Fünf Zähler fehlen auf das rettende Ufer, vier auf den Relegationsplatz – die Luft wird dünn im Sportpark Fridolfing. Trotzdem: Aufgeben ist keine Option! beinschuss.de hat exklusiv mit Abteilungsleiter Andreas Stadler, Coach Seppi Weiß und Kapitän Dominik Kühnhauser gesprochen – über Ursachen, Verantwortung und die Hoffnung, den „Fridolfing-Spirit“ wieder zum Leben zu erwecken.
Fridolfing: Droht TSV nach Dreifach-Aufstieg der Doppel-Abstieg?
Andi, die Fußstapfen eurer „Aufstiegs-Legende“ Dominik Otter waren nach seinem Ausscheiden gewaltig!
Weder Sepp Aschauer, noch Seppi Weiß konnten bisher den kontinuierlichen Abwärtstrend aufhalten. Was ist deine ganz eigene Begründung hierfür?
Andreas Stadler (Abteilungsleiter TSV Fridolfing): „Das sind natürlich zwei grundlegend verschiedene Gezeiten gewesen. Wir sind damals auch
erst über die Relegation von der A-Klasse in die Kreisklasse aufgestiegen, hatten zur damaligen Zeit auch den dazu erforderlichen Kader gehabt. Mit viel Euphorie haben wir damals die Hürden Kreisklasse und Kreisliga genommen, da geht natürlich alles ein wenig einfacher.
Das Jahr in der Bezirksliga war eine sehr schwere Saison für uns, mit vielen Ausfällen und vielen Verletzten, die konnten wir gar nicht halten. Wir sind ein kleiner Dorfverein, der ohne Geld sein Spielerkader am Laufen hält, d.h. wir bezahlen unsere Spieler nicht für ihre Leistungen. Die Trainer haben allesamt ihr Bestes für den Verein und für die Mannschaft abgeliefert, da jetzt einen Schuldigen zu suchen ist nicht unsere Welt.“
Andi, noch eine ganz unverschämte Frage an dich: Existiert bei euch in der Vorstandschaft in der untersten Schublade eventuell schon ein Geheimpapier mit dem Inhalt, Dominik Otter wieder als Trainer zurückzuholen?
Andreas Stadler (Abteilungsleiter TSV Fridolfing): „NEIN! Ein solches Papier existiert definitiv nicht! Wir haben keinen Grund dazu! Weder im Vorstand, noch in der Mannschaft oder im Umfeld haben wir Gegenteiliges vernehmen müssen – die Trainer leisten gute Arbeit und haben auch weiterhin unser Vertrauen.“
TSV Fridolfing: Auch der neue Sepp(i) tut sich bislang schwer
Letzte Saison haben wir beide uns kennengelernt
beim Spiel TuS Prien, dein alter Verein, gegen den TSV Buchbach II. Was hat dich bewegt, hier in Fridolfing als Cheftrainer deine Zelte aufzubauen?
Seppi Weiß (Cheftrainer TSV Fridolfing): „Als es in Prien klar war, dass Frau Andrea Fischer als Abteilungsleiterin aufhört, habe auch ich mich anders orientiert und
bin zum TSV Fridolfing gewechselt! Ich kannte den sportlichen Leiter persönlich sehr gut, da war die Frage nicht mehr weit weg, ob ich mir vorstellen könnte, hier in Fridolfing das Amt des Cheftrainers zu übernehmen.“
Dein Vorgänger Sepp Aschauer, ein von mir sehr geschätzter Mensch und Trainer, hat die gewaltigen Fußstapfen von Dominik Otter mit seinem „Dreifachaufstieg“ nicht bewältigen können. Ist man da nicht generell und automatisch die Nr. 2, wenn man so ein verdientes Traineridol ständig im Schatten spürt?
Seppi Weiß (Cheftrainer TSV Fridolfing): „So denke ich nicht! Es sind halt immer von Trainerära zu Trainerära, andere Mannschaften, mit anderen Spielern und Leistungsvermögen. Deshalb kann man verschiedene Gezeiten nicht miteinander vergleichen. Ich gehe mal davon aus, dass es den einheimischen Zuschauern schon auch bewusst ist, dass hier ein direkter Vergleich fehl am Platze ist.“
Fridolfings Saisonziel „war auf keinen Fall der Bezirksliga-Wiederaufstieg“
Dominik, wo siehst du momentan die Defizite in der Mannschaft, dass ihr
nach dem Bezirksliga-Abstieg schon wieder ganz unten steht?
Dominik Kühnhauser (Mannschaftskapitän TSV Fridolfing): „Wir kommen fast immer gut in ein Spiel hinein! Dann passieren irgendwelche individuellen Fehler, wir geraten in Rückstand und schon wird das ganze Team übernervös! Das ist aber nicht auf einzelne Spieler abwälzbar, sondern wir sind eine Mannschaft und das betrifft demnach alle. Daran müssen wir arbeiten.“
Was war vor Saisonbeginn euer Ziel und was ist es jetzt nach der bislang ernüchternd verlaufenden Vorrunde?
Dominik Kühnhauser (Mannschaftskapitän TSV Fridolfing): „Also Wiederaufstieg in die Bezirksliga war es auf gar keinen Fall! (lacht) Nein, vor Beginn haben wir unser Saisonziel auf Klassenerhalt mit einem gesicherten Mittelfeldplatz gesteckt. Jetzt ist mit der neuen Situation natürlich der Schwerpunkt auf Abstiegskampf gelegt worden, dem wir uns mit aller Konsequenz stellen müssen.“ (rm)