Nach einem beispiellosen Fehlstart steckt der SC Vachendorf tief in der Krise. Rücktritt, Ratlosigkeit und doch ein Fünkchen Hoffnung – Abteilungsleiter Wurm, Trainer Wimmer und Kapitän Schützinger sprechen mit beinschuss.de offen über die Lage.
von Rudi Mayer
Vachendorf – Damit hatte wohl keiner mehr gerechnet: Der SC Vachendorf hat tatsächlich am 12. Spieltag der Fußball-Kreisklasse 4 seinen ersten Punkt der Saison geholt – im Kellerduell gegen den ASV Piding. Nach einem katastrophalen Start mit null Punkten und einem Torverhältnis von 12:37 aus den ersten elf Partien schrillten längst alle Alarmglocken. Selbst Trainer Martin Meier zog nach nur fünf Spieltagen die Reißleine.
Doch auch der neue Mann an der Seitenlinie, Michael Wimmer, konnte die Talfahrt bislang nur bremsen, nicht stoppen. Und das, obwohl vor Saisonbeginn im Chiemgau noch Zuversicht und Aufbruchsstimmung herrschten. beinschuss.de sprach exklusiv mit Abteilungsleiter Manfred Wurm, Neu-Coach Wimmer und Kapitän Tobias Schützinger über Ratlosigkeit, Aufbruch und das lange Warten auf den Wendepunkt.
Vachendorf: SC sucht den Weg aus der Krise in Fußball-Kreisklasse
Manfred, am 6. Juni dieses Jahres, also vor knapp 5 Monaten, habt ihr wortwörtlich veröffentlicht, dass eure Ziele sind, Leistungsschwankungen zu minimieren, weniger Gegentore zu kassieren und keine Gedanken mehr an einen Abstieg haben zu müssen! Derzeit aber seid ihr die Schießbude der Kreisklasse 4 – wie erklärst du dir diese monumentale Abweichung von eurer Zielsetzung?
Manfred Wurm (Abteilungsleiter SC Vachendorf): „Das ist ganz, ganz schlecht zu erklären, das muss ich sagen! Wir sind mit Martin Meier in die neue Saison gestartet, aber irgendwie hat das Ganze, was wir uns vorgenommen hatten, überhaupt nicht funktioniert! Die ersten Spiele waren für uns alle zutiefst kopfschüttelnd und fassungslos! Wir konnten das selbst nicht begreifen, wie gestandene Abwehrspieler, teilweise aus der Kreisliga gekommen, einen fürchterlichen Fußball abgeliefert haben, als wenn sie überhaupt nicht auf dem Platz gewesen wären. Jetzt sind wir in einer Saison angekommen, wo man einmal ganz offen sagen muss, wir sind derzeit einfach nur noch ratlos. Es muss aber auch einmal erwähnt werden, dass für meine Begriffe die diesjährige Kreisklasse 4 eine der Stärksten überhaupt ist. Die letzten Spiele unter Michael Wimmer sind wesentlich stabiler geworden, was uns allen für die Zukunft hoffen lässt!“
Nach dem 5. Spieltag am 14. September mit 0 Punkten hat euer Cheftrainer Martin Meier frühzeitig das Handtuch geworfen! War das eine Vereinsentscheidung, oder der Wunsch von Martin?
Manfred Wurm (Abteilungsleiter SC Vachendorf): „Es war ein
Wunsch von Martin, der
nach dem Spiel gegen den TSV Bergen seinen sofortigen Rücktritt erklärt hat! Mit diesem Schritt hat er
versucht, die Mannschaft aufzurütteln. Es
herrschte danach natürlich erst einmal
Verwirrung, weil das mit keiner Silbe weder mit der Mannschaft, noch mit der Vereinsführung abgesprochen war!“
Die Leistungsbilanz eures neuen Trainers Michael Wimmer sieht leider nicht viel besser aus, ihr steht nach wie vor auf dem letzten Platz, mit nur einem Punkt und einem erschreckenden Torverhältnis! Müssen wir uns darauf einstellen, dass es bald wieder einen Trainerwechsel beim SC Vachendorf gibt?
Manfred Wurm (Abteilungsleiter SC Vachendorf): „Wir werden uns in der Winterpause zusammensetzen und beraten, wie es weitergeht! Die Planungen sehen aber vor, dass wir mit unserem bestehenden Cheftrainer Michael Wimmer diese Saison zumindest zu Ende spielen. Aber wie gesagt, das habe nicht ich alleine zu entscheiden, da kommen alle zusammen, die die Gesamtsituation ansprechen, analysieren und entsprechende Entscheidungen treffen werden. Als letzten Satz möchte ich aber noch unbedingt anmerken, dass wir trotz der angespannten Situation im Team eine hervorragende Stimmung wahrnehmen können!“
Vachendorf-Trainer Wimmer sieht „Licht am Ende des Tunnels“
Michael, kleine Frage mit großem Hintergrund – was ist los bei euch?
Michael Wimmer (Cheftrainer SC Vachendorf): „Oh weh Rudi, ganz schwere Frage! Ich vermute mal, man hat die neue Saison am Anfang zu leicht genommen und dachte wohl, na ja, das läuft jetzt alles so weiter wie bisher. Man muss auch ehrlich zugeben, dass wir von Beginn an keine Mannschaft waren, wir haben uns erst die letzten Spiele, was die Kompaktheit betrifft, wieder zusammengefunden, bzw. zusammengerauft, um im Sinne eines Teams MITEINANDER Fußball zu spielen. Das hat zu Anfang gänzlich gefehlt, das war überhaupt nicht da!“
Michael, siehst du wenigstens Licht am Ende des Tunnels?
Michael Wimmer (Cheftrainer SC Vachendorf): „Ja, das
hört sich vielleicht a`bisserl blöd an, seit unserem Spiel gegen Laufen haben wir
endlich einmal wieder angefangen, nach vorne Fußball zu spielen. Die letzten beiden Spiele SV Leobendorf und
DJK Kammer waren, was die Defensivarbeit betrifft, schon um ein Vielfaches besser, die Jungs setzen es nun auch besser um, wenn man ihnen was erklärt und von der Warte aus gesehen sehe ich bezüglich deiner Frage schon
Licht am Ende des Tunnels!“
Tobias, ihr habt für diese Saison mit Rückkehrer Georg Klauser und Tom Loferer gleich zwei Urgesteine als Verstärkung bekommen und dennoch läuft bei euch nichts zusammen! Welche persönliche Erklärung hast du für die derzeitige Situation?
Tobias Schützinger (Kapitän SC Vachendorf): „Ja, das ist sehr schwierig zu erklären! Wir haben uns das vor Beginn der Saison alles anders vorgestellt. Als die Beiden zurückkamen, dachte jeder, da tun wir uns alle einfacher, aber genau das Gegenteil ist eingetreten! Wenn du die ersten 4-5 Spiele verlierst, dann kommt automatisch ein wenig schlechte Stimmung in die Mannschaft. Keiner hat damit gerechnet, dass wir nach 11 Spieltagen mit 0 Punkten dastehen, das ist auch für uns eine sehr überraschende und vor allem neu zu bewältigende Situation, aber ich bin sicher, dass wir da unten rauskommen werden!“ (rm)