Nach dem Bezirksliga-Abstieg steht der TSV Bad Endorf wieder mitten im Abstiegskampf der Fußball-Kreisliga 2. Sportlicher Leiter Alex Neiser, Trainer Nenad Grizelj und Co-Kapitän Tobias Pappenberger sprechen Klartext über die Baustellen, Probleme und Chancen des Teams – doch wer ist der Schuldige?
von Rudi Mayer
Bad Endorf – Es war ein Jahr voller Gegensätze beim TSV Bad Endorf: Euphorie, Aufstieg, Neustart – und dann der Absturz in der Relegation. Statt Bezirksliga-Rückenwind, fand sich die Mannschaft in der Fußball-Kreisliga 2 plötzlich mitten im Überlebenskampf wieder. 13 Spiele später haben die Kicker vom Kurort zwar die Kurve bekommen, sind seit fünf Partien ungeschlagen und stehen mit 15 Punkten knapp über dem Strich.
Doch die Tabelle bleibt gnadenlos eng, nur fünf Punkte trennen den TSV Bad Endorf vom letztplatzierten TSV Fridolfing. Wie geht der Verein mit diesem ständigen Auf und Ab um? Was bedeutet der gewaltige personelle Umbruch? Und wohin soll der Weg langfristig führen? beinschuss.de hat nach der Hinrunde exklusiv mit Sportchef Alex Neiser, Trainer Nenad Grizelj und Torwart und Führungsspieler Tobias Pappenberger gesprochen.
Bad Endorf: Wer ist der Schuldige beim TSV in der Fußball-Kreisliga?
Alex, Abstieg 2025 und jetzt schon wieder voll im Abstiegskampf in der Kreisliga! Nicht gerade ein mit Blumen gesegneter Weg, wenn man als neuer sportlicher Leiter beginnt – oder wie siehst du das?
Alex Neiser (Sportlicher Leiter TSV Bad Endorf): „Ja, ich verfolge das ja schon eine ganze Weile und
war auch beim letzten Relegationsspiel gegen den TSV Siegsdorf mit dabei. Es bleibt nun mal festzuhalten, dass wir einen übergroßen Kaderumbruch zu verzeichnen hatten, mit insgesamt 11 Abgängen gestandener Stammspieler. Die ersten Spiele in der neuen Kreisliga haben uns dann deutlich unsere Defizite hinsichtlich der Integrierung neuer Mannschaftsteile, vor allem Jugendspielern, vor Augen geführt. Diese Kompensierung ist kein Akt von heute auf Morgen, sondern erfordert eine mittelfristige Aufbauarbeit und Geduld. Die ersten Erfolge stellen sich bereits bei uns ein, denn seit nunmehr fünf Spieltagen haben wir kein Spiel mehr verloren, vielmehr haben wir nun zuletzt
mit dem Auswärtserfolg beim Mitstreiter TSV Fridolfing einen wichtigen Dreier eingefahren, der uns vorübergehend sogar aus der direkten Abstiegszone befördert hat.“
Inwieweit greifst du als verantwortlicher sportlicher Leiter und Vorgesetzter von Nenad Grizelj in die Theorie und Praxis des sportlichen Ablaufs der Mannschaft ein?
Alex Neiser (Sportlicher Leiter TSV Bad Endorf): „Ich muss da nicht eingreifen! Nenad und ich kennen uns schon sehr viele Jahre, ich weiß, was er kann und da muss ich ganz gewiss nicht eingreifen, wenn es darum geht, eine Mannschaft aufzustellen. Wir möchten zusammen alle das gleiche, nämlich Erfolg und dazu sprechen wir sehr viel im Austausch miteinander. Für uns war vor Beginn der Saison erst einmal wichtig, dass wir in der neuen Kreisliga ankommen. Seit 5 Spieltagen wissen wir das, haben uns mit Fortlauf der Vorrunde immer besser darauf eingestellt und nun gilt es, den Weg kontinuierlich weiterzugehen.“
Alex, du bist als ehemaliger Spieler und Abteilungsleiter des TSV Bad Endorf kein Unbekannter in deinem Verein! Mit deiner Aussage, in Endorf herrscht eine gesunde Infrastruktur und eine hervorragende Basis für die Zukunft, um wieder mit der 1. Mannschaft in der Bezirksliga und mit der 2. Mannschaft in der Kreisklasse zu spielen, hast du folglich viel Interesse auf deine Person gezogen. Welche Ideen hast du dazu, um eine solche gewaltige Aufgabe in die Tat umzusetzen?
Alex Neiser (Sportlicher Leiter TSV Bad Endorf): „An Ideen und Energie fehlt es mir dazu nicht! In der Vergangenheit war ich Spieler hier in Endorf, war sogar Abteilungsleiter, bin dann ‚ausgewandert‘ zu anderen Vereinen wie Rosenheim und MTV Dießen, konnte dadurch sehr viele Erfahrungen sammeln, die ich nun gerne in den weiteren Aufbau des TSV Bad Endorf mit einfließen lassen möchte. Es ist nach wie vor meine Feststellung, dass für die Zukunft hier in Endorf eine hervorragende Infrastruktur vorhanden ist, die es mittelfristig erlaubt, die 1. Mannschaft in der Bezirksliga und die 2. Mannschaft in der Kreisklasse zu sehen. Wir konnten jetzt erfolgreich die Aufstellung der U15, U17 und U19 mit der Gründung von Chiemgau West in die Tat umsetzen, das alles sind Dinge, die wir momentan in die Hand nehmen und für die Zukunft aufbauen. Natürlich ist es unentbehrlich dafür sehr hart zu arbeiten und auch manchmal zum richtigen Zeitpunkt das Glück auf seiner Seite zu haben.“
TSV Bad Endorf-Trainer Grizelj im Interview: „Mammut-Aufgabe“
Seit unserem letzten Interview am 5. September in Seeon-Seebruck hat sich bei euch als Bezirksliga-Absteiger nichts geändert! Ihr steckt nach wie vor im Abstiegskampf! Nenad, warum kriegt ihr nicht die „Kurve“, woran liegt es deiner Meinung nach?
Nenad Grizelj (Cheftrainer TSV Bad Endorf): „Ja, es ist wie so oft erklärt, der große Umbruch im Sommer gewesen, als uns auf einen Schlag sieben verdiente und gestandene Spieler verlassen oder aufgehört haben – das alles zu kompensieren mit neuen Spielern, vor allem aus dem Jugendbereich, stellt nicht nur für mich, sondern für jeden Trainer eine ‚Mammut-Aufgabe‘ dar. Dazu kam noch zu Beginn eine katastrophale Chancenverwertung und eine viel zu leicht gemachte Gegentorbilanz, die uns am Ende die ein und andere Niederlage einbrachte. Nun sind wir im Gegensatz dazu seit fünf Spieltagen ungeschlagen und das gibt uns natürlich Auftrieb für die anstehende Rückrunde.“
Nenad, du bist zur neuen Saison 23/24 als neuer Cheftrainer zur Mannschaft gestoßen und sogleich einmal
in die Bezirksliga aufgestiegen. Seit fast eineinhalb Jahren jedoch schlägst du dich mit den unteren Tabellenplätzen herum! Meine ganz persönliche Frage an dich: Kannst du dich überhaupt noch motivieren, wenn man so viele Tiefschläge, wie in den vergangenen Monaten geschehen, hinnehmen muss?
Nenad Grizelj (Cheftrainer TSV Bad Endorf): „Wenn man es sich leicht machen möchte, dann deutet man auf einen Schuldigen. Wir aber arbeiten hier als Gruppe zusammen und definieren das Geschehene in alle Einzelteile, um aus den begangenen Fehlern zu lernen. Daraus ziehen wir unsere Kraft und auch Motivation, um den großem Sommer-Umbruch und die Integrierung von jungen Spielern gemeinsam nach vorne zu bringen. Ich bin auch der Meinung, dass jeder in unserer Klasse, mit Ausnahme vom TuS Prien, gegen die wir überhaupt kein Land gesehen haben, zu schlagen ist.“
Co-Kapitän Pappenberger: „Haben uns in der Fairnesstabelle gebessert“
Tobias, ihr seid mit 28 Gegentreffern momentan die „Vize-Schießbude“ der Kreisliga 2! Mit Lukas Knauer hast du jedoch einen richtig guten Abwehrchef, der schon als Bayernliga-Spieler beim TSV 1880 Wasserburg jede Menge Erfahrung für euer Team mitbringt. Woran liegt es deiner Meinung nach, dass ihr so viele Gegentore einstecken müsst?
Tobias Pappenberger (Stv. Mannschaftskapitän und Torwart TSV Bad Endorf): „Sehr gute Frage Rudi! Ich glaube, dass es in erster Linie bei uns an unserem Rotationsprinzip liegt. Viele unserer Spieler sind vornehmlich berufsbedingt und wegen schulischer Ausbildung nicht immer verfügbar, sodass wir fast jedes Spiel in einer anderen Formation auflaufen müssen. Das alles zusammen ist sehr hinderlich, wenn man in ein Team eine gewisse Routine reinbringen möchte. Aber wir sind nun auf einem besseren Weg, wir sind verstärkt dabei, für solche Situationen Lösungen zu finden und dann werden wir auch künftig anders auftreten können.“
Mit großem Abstand habt ihr mit 36 Gelben, 4 Gelb-Roten, 2 Glatt-Roten Karten, sowie 4 Zeitstrafen die „Rote Laterne“ der Fainess-Tabelle in eurer Liga! Seid ihr in euren Zweikämpfen zu langsam, oder ist das bei euch „normale“ körperliche Härte, denn eines ist doch gewiss – diese Spieler fehlen euch doch?
Tobias Pappenberger (Stv. Mannschaftskapitän und Torwart TSV Bad Endorf): „Ich denke, es ist eine Mischung aus beiden! Wir sind teilweise definitiv zu langsam in den Zweikämpfen. Aber ich kann mich noch gut daran erinnern, als vor zweieinhalb Jahren Nenad zu uns kam und meinte, dass wir mit Platz 1 in der Fairnesstabelle zu ‚brav‘ kicken! So gesehen, glaube ich, haben wir uns schon gebessert, wenn wir da ganz unten stehen (lacht).“ (rm)