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Blitz-Comeback nach Aus bei Altenmarkt/Stein

Trainer Jokic ist wieder zurück in Rosenheim – mit einem Auftrag, der es in sich hat

SG Altenmarkt I/Stein I - SV Linde Tacherting II
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Zurück im Mittelpunkt: Petar Jokic kehrt an die Seitenlinie zurück – mit derselben Entschlossenheit, mit der er schon mehrfach Mannschaften aus schwierigen Situationen geführt hat.

Nur wenige Wochen nach dem überraschenden Rücktritt bei der SG Altenmarkt/Stein steht Petar Jokic schon wieder an der Seitenlinie – diesmal in Rosenheim. Eine Aufgabe, so neu und herausfordernd, wie er sie in seiner Karriere noch nie erlebt hat.

Rosenheim – Es ist eine Geschichte, wie sie im Amateurfußball selten vorkommt – und doch perfekt zu diesem wilden, leidenschaftlichen Kosmos passt: Petar Jokic, 61, dreifacher Meistertrainer in der Region, verlässt einen Aufstiegskandidaten – und taucht drei Wochen später am Tabellenende wieder auf. Nicht irgendwo, sondern bei NK Croatia Rosenheim, jenem Verein, den er vor anderthalb Jahren mit der Meisterschaft in der A-Klasse 2 zurück in die Kreisklasse geführt hatte. Nun steht Croatia in der Kreisklasse 2 auf Rang 14, mit lediglich sieben Punkten aus zwölf Spielen und einem Torverhältnis von 18:34. Vier Punkte entfernt von einem Relegationsplatz, neun von einem Nicht-Abstiegsplatz.

Eine Bilanz, die den Begriff „Talsohle“ beinahe beschönigt. Und doch ist es genau dieser Moment, in dem Jokic sagt: „Ich bin ein Kämpfer. Ich gebe nie auf.“ Die Rückkehr, die erst im Januar öffentlich gemacht werden sollte, platzte nun früher heraus. Jokic nimmt es gelassen. „Überrascht“, sagt er, „aber kein Problem.“ Die Aufgabe ist ohnehin groß genug, um nicht groß über Kommunikationspläne zu diskutieren. Eine Mannschaft zu übernehmen, die nach der Vorrunde Letzter ist – das hat selbst er in seiner langen Karriere noch nicht erlebt.

Rosenheim: Petar Jokic kehrt als Trainer zu Croatia zurück

Dabei hätte seine Saison eine völlig andere Richtung nehmen können. Mit der SG Altenmarkt/Stein war er oben dran, auf Kurs Spitzengruppe in der A-Klasse 5. Alles lief – bis es eben nicht mehr lief. Offiziell ging es um unterschiedliche Ausrichtungen, inoffiziell um Themen, die tiefer lagen als Tabellenplätze. „Die Rahmenbedingungen waren für meinen sportlichen Ehrgeiz sehr erschwerend“, hatte Jokic damals gegenüber beinschuss.de gesagt. Worte, die man nun im Rückblick deutlicher denn je versteht. Denn jetzt übernimmt er bei Croatia Rosenheim nicht nur die Trainerbank, sondern den gesamten sportlichen Bereich: Kaderplanung, Strukturen, Entwicklung – eine Art sportlicher Geschäftsführer mit Trainingsanzug. „Wie ein Vorstandsmitglied“, sagt er.

Ein Mann, der den Laden neu ausrichten soll. Und zwar nicht nur für die Rückrunde, sondern – falls nötig – für einen kompletten Neustart. Doch so weit denkt Jokic noch nicht. Zumindest nicht öffentlich. Erst einmal zählt die Rückrunde. Und die beginnt nicht mit Träumen, sondern mit Arbeit. „Ich kann gar nichts versprechen“, betont er mehrfach. Was er aber garantieren will: Disziplin, Ordnung, keine Unsportlichkeiten – alles Dinge, die in der Vorrunde laut ihm gefehlt hätten. „Jeder wird wieder eine disziplinierte Croatia-Mannschaft sehen“, sagt er. Es ist fast ein Versprechen an die Liga: Croatia Rosenheim kommt nicht hübsch zurück – sondern hart arbeitend. Dass er im Abstiegskampf keine Scheu hat, zeigt schon der Blick auf die vergangenen Jahre. Jokic ist keiner, der Projekte startet, um sie nett zu Ende zu bringen. Er startet, um sie zu verändern.

Bei SV Schonstett, NK Croatia, FC BiH Rosenheim, ATSV Kirchseeon, TSV Moosach oder Zorneding hat er Mannschaften geformt, die Titel holten, Fans begeisterten oder Strukturen hinterließen, die noch Jahre später tragen. Mit Croatia Rosenheim verbindet ihn ohnehin mehr als nur eine Station im Lebenslauf. Dort herrscht eine emotionale Bindung, geprägt von Aufstiegsmomenten und Kabinenabenden, von Euphorie und harter Arbeit. Kein Wunder also, dass der Verein auf Instagram von einer „Rückkehr des Strategen“ spricht, von Energie, vom „echten Geist“, den Jokic verkörpere. Und von der klaren Botschaft: Wir geben nicht auf. Wir kommen stärker zurück.

Jokic: Vom Meistermacher zum Feuerwehrmann bei Croatia Rosenheim?

Doch romantisch wird die Rückrunde nicht. Croatia Rosenheim muss nicht nur gewinnen, sondern gleichzeitig zwei schwer verletzte Spieler ersetzen. Jokic arbeitet deshalb bereits an „zwei bis drei Verstärkungen“. Pflicht, wie er sagt. Keine Luxusdebatte, sondern Überlebenslogik. Es ist der nüchterne Blick des Trainers, der weiß, dass sieben Punkte aus zwölf Spielen nicht durch Schönreden verschwinden. Dass er dabei nicht auf familiäre Unterstützung setzt, ist ebenfalls typisch Jokic. Ja, er spricht täglich mit seinem Sohn Slaven, selbst erfolgreicher Trainer. Aber nein, gemeinsam arbeiten werden sie bei Croatia nicht. Das sei klar getrennt. „Wir diskutieren über alles, aber nicht zusammen im Verein.“ Eine professionelle Grenze, die er bewusst zieht.

Trotz aller Vorsicht in seinen Worten, schimmert etwas durch, das man bei Jokic immer erkennt: unerschütterlicher Glaube an Arbeit. Nicht an Glück, nicht an Zufälle, sondern an zeitintensive, nervenzehrende, ehrliche Arbeit. Und an die Idee, dass selbst eine Mannschaft am Tabellenende eine Zukunft hat – wenn man früh genug beginnt, sie aufzubauen. „Als ich bei SG Altenmarkt/Stein aufgehört habe, nahmen auch ein paar andere Vereine Kontakt zu mir auf. Ich habe mich für Croatia entschieden, weil es eine ganz neue Herausforderung ist, denn so etwas habe ich als Trainer noch nie erlebt.“ Und sollte der Abstieg kommen? Für viele wäre das ein Schauspiel mit traurigem Ende. Für Jokic wäre es nur der Beginn einer neuen Kapitelüberschrift.

Ich gehe davon aus, dass es weitergeht“, sagt er. Neuaufbau, langfristige Strategie, keine Trotzreaktion. Keine Panik. Jokic hat Croatia Rosenheim schon einmal nach oben geführt. Ob er es erneut schafft, ist offen. Ob er es versucht, steht außer Frage. Denn dieser Trainer ist – egal ob A-Klasse, Kreisklasse oder Bezirksliga – vor allem eines: ein Mann, der Fußball denkt, bevor andere ihn überhaupt wahrnehmen. Und genau solche Typen sind es, die im Amateurfußball Geschichte schreiben. Egal, von welchem Tabellenplatz sie starten. (mck)

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