„Größte Energiekrise“ bedroht Wirtschaft
„Projekt Freiheit“: USA wollen Schiffe aus Hormus-Sackgasse befreien – Iran warnt vor Aktionen
Die US-Marine soll ab Montag Schiffe aus der Straße von Hormus geleiten: Trump warnt vor Gewalt, falls jemand eingreift. Teheran wittert einen Bruch der Waffenruhe.
Seit einigen Wochen hält die Blockade in der Straße von Hormus die Welt im Würgegriff. Nachdem Donald Trump, den vorgeschlagenen Friedensplan des Iran offenbar abgelehnt hat, sorgt er auf Truth Social selbst mit einem Vorstoß für Aufsehen: einen Einsatz unter dem Titel „Projekt Freiheit“, um den „Länder aus aller Welt“ ihn angeblich gebeten hätten. Der Plan sieht vor, dass die US-Marine am Montag damit beginnen werde, in der Meerenge festsitzende Schiffe herauszuleiten. Die Regierung in Teheran warnte bereits, dass jegliche Einmischung der USA in der Meerenge als Verstoß gegen die Waffenruhe angesehen werden würde.
Der US-Präsident erklärte, dass – sollte „in irgendeiner Weise“ in die Aktion eingegriffen werden – „dieser Eingriff leider mit Gewalt beantwortet werden muss“. Eine Mitteilung des US-Zentralkommandos Centcom ließ daran keinen Zweifel: Demnach würden die US-Streitkräfte im Rahmen des Projekts Lenkwaffenzerstörer über 100 land- und seegestützte Flugzeuge, unbemannte Multidomain-Plattformen und 15.000 Militärangehörige einsetzen. Was ihre konkrete Aufgabe sein soll, wurde nicht erläutert. Der Einsatz gelte jedoch nur für Schiffe von Ländern, die in den Iran-Krieg „nicht verwickelt“ sind.
Projekt Freiheit soll Abhilfe schaffen: Trump besorgt um „Sicherheit der Region und der Weltwirtschaft“
Der Befehlshaber des US-Centcom-Zentralkommandos, Admiral Brad Cooper, betonte die Bedeutung der „defensiven Mission“ für die „Sicherheit der Region und der Weltwirtschaft“. Dennoch reagierte die Regierung im Iran entschieden auf die „amerikanische Einmischung“: Jede Einmischung in „Seeverkehrsregelungen in der Straße von Hormus wird als Verstoß gegen die Waffenruhe angesehen“, so der Vorsitzende des iranischen Parlamentsausschusses für nationale Sicherheit, Ebrahim Asisi, auf X.
Am Montagmorgen (4. Mai) Ortszeit soll die Aktion beginnen. Der 79-jährige US-Präsident erklärte, er habe sich „zum Wohle des Iran, des Nahen Ostens und der Vereinigten Staaten“ dazu entschlossen, die Schiffe sicher aus diesen gesperrten Gewässern zu geleiten, „damit sie ihren Geschäften ungehindert nachgehen können“. Mit der Maßnahme reagiert Trump womöglich auf die Einschätzung zahlreicher Experten, die Blockade könnte den Welthandel gefährden. Bereits die Nachrichtenagentur Reuters betonte, dass durch die Blockade 20 Prozent der weltweiten Öl- und Gasvorräte blockiert sind.
Menschen auf der Straße, Rauch über Städten: Bilder der Eskalation im Nahen Osten




Iran fordert Mitspracherecht bei „Projekt Freiheit“
Vor dem Hintergrund der neuen US-Initiative droht Irans Militärführung mit Angriffen: „Wir warnen davor, dass jede ausländische Streitmacht, insbesondere die aggressive amerikanische Armee, angegriffen wird, sollte sie beabsichtigen, sich der Straße von Hormus zu nähern und in diese einzudringen“, sagte der Kommandeur der zentralen Militärführung, Ali Abdollahi Aliabadi, laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim.
Frachter, die die Meerenge passieren wollten, müssten dies mit iranischen Streitkräften absprechen, hieß es weiter. Aliabadi ist der faktische Generalstabschef. Er leitet das Hauptquartier Chatam al-Anbija, das im Kriegsfall die operative Führung der iranischen Streitkräfte bündelt.
Öl und Gas stecken fest: Iran-Blockade trifft Alltag und Airlines
Die Auswirkungen des Iran-Krieges sind bereits im amerikanischen Alltag spürbar: Laut Automobilclub AAA liegt der durchschnittliche Benzinpreis derzeit bei rund 4,45 Dollar. Noch im Vorjahr betrug der Preis 3,17 Dollar. Damit sind die Benzinpreise innerhalb eines Jahres um über 40 Prozent in die Höhe geschossen. Gemäß USA Facts, wuchsen die Löhne hingegen nur um magere 3,5 Prozent. In Europa droht bereits eine weitaus härtere Krise.
Fatih Birol, Chef der internationale Energieagentur (IEA) warnte gegenüber der Nachrichtenagentur AP, dass die Kerosinvorräte nur noch für sechs Wochen reichen würden. Die Tagesschau zitiert den Experten, der die Situation als „größte Energiekrise, mit der wir je konfrontiert waren“ beschrieb. Umso länger sich die Blockade ziehe, „desto schlimmer wird es für das Wirtschaftswachstum und die Inflation in der ganzen Welt“. Zuletzt richtete Teheran ein Verhandlungsangebot an die USA, welches nach einer Äußerung des US-Präsidenten auf Truth Social wenig Aussicht auf Erfolg verspricht.
Trump lehnt offenbar Ende des Iran-Kriegs ab: Wiederaufnahme sei „Option“
Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Bakaei erklärte im Staatsfernsehen, die Regierung in Teheran habe einen 14-Punkte-Plan „mit Schwerpunkt auf der Beendigung des Krieges“ vorgelegt und der US-Administration darauf in einer Botschaft an pakistanische Vermittler geantwortet. „Wir prüfen dies und werden jede notwendige Maßnahme in dieser Angelegenheit ergreifen“, sagte Bakaei.
Via Truth Social erweckte Trump jedoch prompt den Eindruck, die Initiative abzulehnen: Er werde den iranischen Plan prüfen, „aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er akzeptabel wäre, da sie noch keinen angemessenen Preis dafür gezahlt haben, was sie der Menschheit und der Welt in den vergangenen 47 Jahren angetan haben“, betonte der US-Präsident. Während er am Samstag (2. Mai) eine Wiederaufnahme des Krieges als „Option“ offenließ, schufen die Akteure vor Ort bereits am Sonntag (3.Mai) Tatsachen.
Am Sonntagabend wurde in der Straße von Hormus erneut ein Schiff angegriffen: Laut der britischen Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO) wurde ein Tanker von „unbekannten Projektilen“ getroffen. Der Vorfall in der strategisch bedeutenden Meerenge ereignete sich rund 145 Kilometer nördlich von Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Besatzung sei in Sicherheit und es seien keine Auswirkungen auf die Umwelt gemeldet worden.
Schiffe im Visier: Straße von Hormus bleibt blockiert
Seit Beginn des Iran-Kriegs kam es in der Straße von Hormus wiederholt zu Angriffen auf Schiffe. Der von den USA und Israel angegriffene Iran hat mit Attacken und Drohungen die Schifffahrt durch die wichtige Meerenge weitestgehend zum Erliegen gebracht. Die USA haben ihrerseits eine Seeblockade gegen den Iran verhängt.
Der Iran-Krieg hatte am 28. Februar mit Angriffen der USA und Israels auf den Iran begonnen. Teheran reagierte mit Angriffen auf Israel sowie auf mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Golfregion. Das iranische Militär sperrte zudem die für die Öl- und Flüssiggastransporte wichtige Straße von Hormus weitgehend, der Ölpreis stieg dadurch steil an. Die USA wiederum blockieren iranische Häfen. (Quellen: AFP, dpa, Reuters, Truth Social, X, Ap, AAA, USA Facts, Tagesschau, UKMTO, Tasnim) (kox)
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