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Firmen-Geschäftsführer macht Rückzieher

Das Thema Adelholzener „brennt“: Bürgerinitiative will „Daumenschrauben wieder anziehen“

Sarina Kraft von der Bürgerinitiative „Unser Bergener Wasser“.
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Sarina Kraft von der Bürgerinitiative „Unser Bergener Wasser“.

Entnimmt die Firma Adelholzener zu viel Tiefengrundwasser? Und wie geht es nach dem „Nein“ im Gemeinderat zu den Bauplänen weiter? Die SPD Bergen lud jetzt zur Diskussionsveranstaltung - auch wenn der Adelholzener-Geschäftsführer sein Kommen kurzfristig wieder absagte, kündigte die Bürgerinitiative an: Sie wollen die „Daumenschrauben wieder anziehen“.

Bergen/Siegsdorf - Das Wirtshaus „Mühlwinkler Hof“ war mit rund 50 Interessierten voll, doch zum mit Spannung erwarteten Schlagabtausch kam es dann doch nicht. Der Geschäftsführer der Firma Adelholzener, Peter Lachenmeir, sagte erst zu, doch entschied sich dann doch wieder gegen die Einladung der Bergener SPD. Am Montagabend (28. Juli) empfing sie zum Thema „Wasserschutz - wie geht‘s weiter?“ Denn, wie der stellvertretende SPD-Vorsitzender im Ort, Sepp Parzinger, sagte: „Das Thema brennt in Bergen. Es gibt viel zu diskutieren.“

Befürchtung bleibt: Wird zu viel Wasser unterm Bergener Moos abgepumpt

Vor drei Wochen war es, als sich das Thema zuspitzte: Bergens Gemeinderat lehnte den Adelholzener-Antrag zur Änderung des Flächennutzungsplanes ab. Der Betrieb will sich mal wieder vergrößern: Auf Siegsdorfer Gemeindegebiet unter anderem eine Produktionshalle und ein Parkhaus, auf Bergener Grund eine Leerguthalle - die Gemeindegrenze verläuft direkt übers Betriebsgelände. „Die Pläne werden immer für beide Gemeinden gemeinsam ausgearbeitet“, klärte Bürgermeister Stefan Schneider (Grüne) auf. Bringt das „Nein“ aus Bergen jetzt das ganze Adelholzener-Vorhaben zu Fall? „Unsere Juristen untersuchen das gerade. Aber ich glaube, eher nicht.“

Doch die eigentliche Skepsis rührt woanders her, das war auch am Montagabend wieder zu merken. Wie viel Tiefengrundwasser verbraucht Adelholzener? Genehmigt sind 990.000 Kubikmeter aus dem Bergener Moos und 600.000 Kubikmeter aus dem Egerndacher Moos. „Die genauen Fördermengen je Brunnen sind seit 2021 ein Betriebsgeheimnis“, so Sarina Kraft von der Bürgerinitiative „Unser Bergener Wasser“. 1,3 Millionen Kubikmeter Wasser habe Adelholzener zuletzt insgesamt gebraucht. Doch Kraft befürchtet: Die Brunnen im Egerndacher Moos sind inaktiv - demnach würde viel zu viel Wasser aus den Tiefen des Bergener Mooses geholt.

Neue Genehmigung zur Wasserentnahme noch immer nicht beantragt

Der nächste Punkt, der viele Bergener stutzig macht: Für die Brunnen im Bergener Moos ist die Genehmigung für die Wasserförderung seit dem Jahreswechsel ausgelaufen. Momentan gilt eine Übergangsgenehmigung des Landratsamtes bis Ende 2025. „Woran die Verzögerung liegt, wissen wir nicht“, so Sarina Kraft. Das Landratsamt hat inzwischen verboten, das wertvolle Tiefengrundwasser als Brauchwasser zu verwenden, zum Beispiel zum Spülen der Flaschen. Die Sprecherin der Bürgerinitiative glaubt: Adelholzener ist sich unsicher, ob ihr Konzept zur Lösung des Problems vom Landratsamt genehmigt wird. Denn der Großteil des abgepumpten Wassers werde gar nicht abgefüllt, sondern für andere Zwecke gebraucht.

Auch Bürgermeister Stefan Schneider meldete sich zu Wort.

Auch ein Mitarbeiter von Adelholzener meldete sich schließlich zu Wort: „Ich kann die Verunsicherung ja nachvollziehen. Aber vor der Antragstellung im Landratsamt können wir keine Zahlen herausgeben.“ Man müsse noch „zwei, drei, vier Wochen“ Geduld haben. Die Übergangsgenehmigung sei auch für den Mineralbrunnen „keine leichte Situation“. Aktuell beschäftigt Adelholzener rund 700 Mitarbeiter. Künftig sollen es 900 werden. Die Bebauungspläne, die jetzt in den Gemeinderäten von Siegsdorf und Bergen waren, sollten die bauliche Weiterentwicklung bis 2040 absichern.

Bürgerinitiative hofft auf guten Draht zum neuen Landrat Danzer

Die Bürgerinitiative will Adelholzener nicht den Hahn zudrehen, aber es darf nicht zu viel Wasser entnommen werden“, so Dieter Berlitz von der Bergener SPD. Aus „diplomatischen Gründen“ habe man noch keine Maßnahmen gegen Adelholzener oder Behörden eingeleitet, meinte Sarina Kraft von der Bürgerinitiative. Doch jetzt überlege man, die „Daumenschrauben“ wieder „anzuziehen“. Juristische Schritte gegen Behörden seien möglich. Mit dem Landratsamt sei man bisher in gutem Austausch gestanden. Kraft will das weitere Vorgehen von einem Gespräch mit dem neuen Landrat Andreas Danzer (Freie Wähler) abhängig machen.

Auch eine Landtagsabgeordnete wollte sich die Sorgen im „Mühlwinkler Hof“ anhören: die umweltpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Anna Rasehorn. „Wasser gehört uns allen, das steht schon in der Bayerischen Verfassung“, so die Augsburgerin. In Ober- und Unterfranken habe man es schon mit Dürren und Wasserknappheit zu tun. Sie forderte die Abgabe von einem Euro pro entnommenem Kubikmeter Tiefengrundwasser - „aber auf die Angaben der Unternehmen darf man nicht vertrauen“. Rasehorn versprach, noch im Herbst einen Dringlichkeitsantrag im Landtag zu stellen, „damit das Thema Adelholzener auf die Tagesordnung kommt“.

Dieter Berlitz von der Bergener SPD.

Bürgerinitiative: „Jetzt steigt der Druck auf Adelholzener“

Was den neuen Förderantrag von Adelholzener betrifft, dürfte der Ball also bald beim Landratsamt liegen, das zuständig fürs Wasserrecht ist. Auch offiziell verkündete das Unternehmen, „noch im Sommer“ den Antrag in Traunstein zu stellen. Die Gemeinde darf und wird eine Stellungnahme dazu abgeben. Beim Baurecht ist in erster Linie die Gemeinde zuständig - „ein Trumpf in ihren Händen“, so Sarina Kraft von der Bürgerinitiative „Unser Bergener Wasser“: „Und wir hatten gehofft und waren positiv überrascht, dass sie sich diesen Trumpf nicht nehmen lässt. Jetzt steigt der Druck auf Adelholzener.“ (xe)

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