Andreas Danzer im Exklusiv-Interview
Leere Kassen, große Pläne: Das will Traunsteins neuer Landrat jetzt umkrempeln
Andreas Danzer von den Freien Wählern ist der neue Landrat des Kreises Traunstein. Was will er verändern, was beibehalten - und wie geht es ihm nach dem Stichwahl-Sieg? Antworten darauf gibt der frisch gebackene Landrat im chiemgau24.de-Interview:
Herr Danzer, schön, dass Sie Zeit für uns finden. Wie geht es Ihnen nach dem Wahlerfolg am Sonntagabend? Haben Sie noch gebührend gefeiert?
Andreas Danzer: Wir saßen noch im Biergarten zusammen und haben es krachen lassen. Zum Trinken selbst bin ich allerdings nicht gekommen, ich habe ein paar Mal angestoßen, aber das war‘s auch schon. Wir haben viele Fotos geschossen und gute Gespräche geführt. Ich bin dann allerdings gleich zu Hause ins Bett gefallen und nach gefühlt 30 Sekunden eingeschlafen.
Klingt, als sei die Anspannung der letzten Tage von Ihnen und Ihrem Team deutlich abgefallen?
Danzer: Ich selber war nicht angespannt. Es ist immer wichtig, ruhig zu bleiben, alle Möglichkeiten zu nutzen und am Ende des Tages mit seiner getanen Arbeit und Leistung selbst zufrieden zu sein. Insgesamt waren wir zufrieden mit dem Ablauf des Wahlkampfes, das Resümee der vielen Unterstützer spiegelte ein positives Bild zurück und das Stimmungsbild war bis zum Ende gut.
Ruhig bleiben - eine Eigenschaft, die in der Politik sicherlich von Vorteil ist?
Durchaus. Viele konnten nicht verstehen, wie ich so im Wahlkampf und auch am Entscheidungsabend so ruhig bleiben konnte. Das ist mein Naturell und meine Stärke, dass ich das Team einfange und bremse, sollte sich Nervosität breit machen. Ich sehe mich als Teamplayer. Wir hatten unseren Fahrplan und den haben wir ganz locker und entspannt durchgezogen - da war kein Platz für Aufregung. Zum Schluss entscheidet der Bürger und dieses Ergebnis muss man annehmen - unabhängig davon, wie es ausfällt.
Das Ergebnis fiel zu Ihren Gunsten aus: Können Sie jetzt durchatmen oder stehen Sie bereits in den Startlöchern für das künftige Amt? Was steht Ihnen die nächsten Tage konkret bevor?
Es geht gleich rund: Am Dienstagfrüh tagt um 9 Uhr der Wahlausschuss, in dem ich die Wahl annehme und die Ordnungsmäßigkeit sowie formelle Richtigkeit des Wahlergebnisses festgestellt wird. Am Mittwoch folgt die Amtseinführung. Am Freitag um 9.30 Uhr werde ich in der Kreistagssitzung vereidigt. Und am Wochenende möchte ich weder den Bieranstich des Traunsteiner Gaufests am Freitagabend noch den darauffolgenden Festsonntag verpassen.
Sie sind bei der AOK Bayern angestellt, Ihr bisheriger Beruf hat nun ein plötzliches Ende gefunden mit der neuen Aufgabe als Landrat. Wie läuft das beim Arbeitgeber ab? Bis zum Ausgang der Wahl war schließlich offen, ob Sie weiterarbeiten, oder nicht?
Das stimmt, ich arbeite Vollzeit als Firmenkundenberater und habe viel mit meinem Chef telefoniert, denn ursprünglich wäre ich Montag und Dienstag im Dienst gewesen. Ich bin meinem Arbeitgeber sehr dankbar, dass er hinter mir steht und habe mit ihm vereinbart, in der nächsten Woche eine saubere Übergabe zu machen, weil das Ganze auf die Schnelle gar nicht geregelt werden kann.
Sie wussten ja grundsätzlich, worauf Sie sich einlassen mit der Landratskandidatur - ist das Gefühl jetzt nach dem Wahlsieg ein anderes, als Sie es sich ausgemalt haben?
Nein. Ich weiß, was auf mich zukommt und freue mich auf meine künftige Arbeit zugunsten des Landkreises. Ich hatte bereits wöchentlich rund 70 Stunden an Tätigkeiten - darunter viel Ehrenamtliches. Seit 17 Jahren bin ich Gemeinderat in Grabenstätt und zweiter Bürgermeister. Dieses Amt werde ich niederlegen. Gemeinderatstätigkeiten zu beenden fällt mir schwer, weil an meiner Heimatgemeinde durchaus mein Herz hängt.
Zurück zu den Ergebnissen: Wie erklären sie sich die guten Zahlen auch in Gemeinden, die immer stark von CSU-Stammwählern geprägt waren - wie beispielsweise Ruhpolding?
Das Ergebnis in Ruhpolding verwundert mich im Grunde nicht, denn die Großfamilie meines Vaters stammt aus dem Ort und wir haben dort extrem viel Verwandtschaft. Die Wahl hat sich schon so abgezeichnet, unabhängig davon, wo die Leute wohnen. Wir hatten mit Martin Lackner einen Kandidaten aus dem Norden und mit mir einen aus dem Süden: Diese Zweiteilung des Landkreises hat es schon immer gegeben. Mit der Partei selbst hat das in meinen Augen nichts zu tun.
Landrats-Wahl in Traunstein am 13. Juli:
Hier geht es zum Live-Ticker vom Wahlabend.
Stichwort Zweiteilung: Sie selbst stammen mit Grabenstätt aus dem südlichen Landkreis, in dem Sie auch die Mehrheiten eingeholt haben und der primär touristisch geprägt ist. Wie wollen Sie künftig den nördlichen Landkreis abholen, der ja eher wirtschaftlich und industriell orientiert ist?
Ich bin Landrat für alle und somit auch für alle da. Ich unterscheide nicht zwischen Nord und Süd. Es gibt verschiedene Schwerpunkte im Landkreis, das ist richtig, und die werden wir alle bespielen und mit Leben füllen - egal, welche Aufgaben das sind.
Sie sagen, Sie sind für alle da: Wie können die Bürger Sie mit ihren Anliegen direkt erreichen?
Die Anfragen in den letzten Monaten waren bereits gehäuft und auch jetzt trudeln hunderte Mails und Whats-App-Nachrichten ein. Da wird sicherlich in Zukunft einiges übers Büro gefiltert, um privat und dienstlich zu trennen. Im Landratsamt bin ich ab sofort immer für jeden Einzelnen erreichbar. Die Anliegen werden ernst genommen und bearbeitet. Bei dieser Vielzahl aber muss ich jedoch auch um Geduld bitten.
Was sind konkrete, erste Projekte, die sie angehen wollen?
Die Projekte sind festgezurrt. Jene, die in der Vergangenheit eingetütet wurden, hat der Kreistag im Gesamten beschlossen. Hinter diesen Projekten stehen wir und die werden nach und nach sukzessive abgearbeitet. Ich möchte zeitnah eine Klausurtagung mit den Bürgermeistern einberufen, damit wir eine gewisse Struktur hereinbringen und einen Fahrplan erstellen, mit dem wir die Zukunft gemeinsam gestalten können. Natürlich habe ich im Rahmen meines neuen Postens ein paar Ideen und Visionen - viel darf es nicht kosten, denn viel Spielraum haben wir nicht mit unserem auf Kante genähten Haushalt. Doch es stellt sich bestimmt heraus, wie und wo das alles Raum finden kann.
Was werden Sie anders machen als Ihr Vorgänger?
Letztendlich muss man sich zunächst im Amt zurechtfinden und zu den Leuten rücken. Natürlich gibt es schon jetzt ein paar kleinere Thematiken, die die Bürger einem mitgeben. Viele wünschen sich zum Beispiel einen gelben Sack - das werde ich prüfen lassen und zur Diskussion stellen. Darüber hinaus muss die Digitalisierung vorangetrieben werden, da gibt es einige Schnittstellen, die noch nicht behoben sind.
Wagen wir einen Blick auf die kommenden Monate: Könnte es ein Nachteil sein, dass Ihr Vorgänger und direkt gewählter Abgeordnete in Berlin, Siegfried Walch, in einer anderen Partei ist als Sie? Oder ist der Draht nach München sogar wichtiger als der nach Berlin?
Generell brauchen wir beide Drähte. Der wichtigste Draht aber ist der nach München: Bis zu 90 Prozent der Gesetze, die wir als kommunale Selbstverwaltung brauchen, werden im Land für uns gemacht. Einen parteipolitischen Nachteil gibt es nicht und den darf es in einer Demokratie auch nicht geben. Wir verstehen uns gut und ich möchte Projekte weiter vorantreiben. Es geht nur miteinander. Grabenkämpfe zu führen liegt mir fern.
Herr Danzer, herzlichen Dank für das Gespräch und Ihre Zeit. Wir wünschen Ihnen alles Gute im neuen Amt.