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„Der empfindlichste Müll überhaupt“

Neue Regeln für Bio-Tonne: Diese Strafen blühen ab 1. Mai nicht nur den Wasserburgern

Erfolgsmodell Biotonne: Doch die Verantwortung, diese richtig zu befüllen, liegt bei den Bürgern – ab 1. Mai darf eine zu hohe Störstoffquote sanktioniert werden.
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Erfolgsmodell Biotonne: Doch die Verantwortung, diese richtig zu befüllen, liegt bei den Bürgern – ab 1. Mai darf eine zu hohe Störstoffquote sanktioniert werden.

Nach wie vor ist die Biotonne ein Erfolgsmodell in Wasserburg. Strom, Wärme und Humus werden aus diesem Abfall hergestellt. Ein großes Problem: Störstoffe. Hier erfahren Sie, was das ist, welche Strafen bei falscher Befüllung drohen und was die Biotonne vor einer Maden-Invasion bewahrt.

Wasserburg – Laut Berichten des Umweltausschusses der Stadt Wasserburg ist die Restabfallmenge schon ein Jahr nach Einführung der Biotonne im Jahr 2018 um 30 Prozent gesunken – das spricht für sich. 2017 gaben die Wasserburger sechs Kilogramm Bioabfall pro Einwohner und Jahr ab, 2018, als die Biotonne eingeführt wurde, bereits über das Zehnfache, 2022 waren es 83 Kilo. Zum Vergleich: In Bayern waren es 2021 etwa 64 Kilogramm Biomüll pro Einwohner und Jahr.

Die Verwertung des Mülls läuft aber wie fast überall noch nicht ganz einwandfrei. Um der Fehlbefüllung durch Bürger entgegenzuwirken, drohen ab 1. Mai Geldstrafen. Das ist die Folge einer bundesweiten Gesetzesregelung, die nicht nur die Wasserburger trifft, sondern alle, die eine Biotonne nutzen.

Laut Abfallbericht der Stadt hat mehr als die Hälfte der Antragsteller auf Befreiung der Biotonne mittlerweile (Stand 2023) den Antrag zurückgezogen, immer mehr kleine Biotonnen werden in größere umgetauscht. Die steigenden Bioabfallmengen zeigen die gute Annahme durch die Wasserburger.

Strom, Wärme und Humus durch Müll

Bei dem Verarbeitungsprozess des Biomülls im Rosenheimer Erdwerk entstehe während der Trockenfermentation Biogas durch Mikroorganismen, welches zur Energiegewinnung genutzt werden könne. Der Müll der Bürger produziere also Strom und Wärme, berichtet Bernhard Schachner, Leiter des Amts für Abfallwirtschaft im Rathaus. Die spätere Kompostierung des Gärrests erzeuge nährstoffreichen Humus und trage zur Verbesserung der Bodenqualität bei. Die positiven Auswirkungen sprächen für sich, doch ein Problem gebe es noch: den Störstoffanteil.

Glasscherben im Dünger

Störstoffe sind Fremdmaterialien in der Biotonne, erklärt Schachner, also Stoffe, die hier nicht hineingehören. Der Experte der Stadt weist darauf hin, dass „Biomüll der empfindlichste Abfall überhaupt ist und schon geringe Mengen an Fehlbefüllung zu Problemen in der Weiterverarbeitung führen“. Vor allem Kunststoff, aber auch Glas sind besonders ungünstig, sagt er.

Glas könne in der Sortieranlage oft nicht von Steinen unterschieden werden und sorge im schlimmsten Fall für Scherben in Düngern. Aber auch jeder andere Störstoff behindert den Verrottungsprozess und schädigt die Qualität des erzeugten Kompostes, erklärt der Abfall-Fachmann.

Tonnagenpreis steigt mit Störstoffquote

Um das zu verhindern, müssten die Störstoffe aufwendig herausgefiltert werden, was hohe Zusatzkosten bedeute. Nicht nur für die Stadt, sondern auch für die Bürger selbst, denn der Mehraufwand wirkt sich, so Schachner, auf den Tonnagenpreis, also die Gebühr pro Tonne, aus. Dem Problem soll nun entgegengewirkt werden.

Die bundesweite Änderung zum 1. Mai: Um die Störstoffquote niedriger zu halten, hat der Verwerter, also in Wasserburg das Rosenheimer Erdenwerk, ab einem Anteil von drei Prozent die Möglichkeit eines Rückweisungsrechts. Es kann also die Annahme des Bioabfalls verweigern. Genauer bedeutet dies, dass der mühevoll gesammelte Biomüll verbrannt werden müsste, erklärt Schachner.

„Das hat bis jetzt sehr gut geklappt“

Nach aktuellsten Werten liegt die durchschnittliche Gesamtstörstoffquote in Wasserburg aber nur bei 3,32 Prozent und damit nicht weit über besagter Grenze, so der Angestellte im Amt für Abfallwirtschaft zufrieden. Das Ziel sei natürlich trotzdem: null Prozent Fremdbestandteile.

Schon seit Längerem wird in Wasserburg eine stichprobenartige Prüfung der Tonnen durchgeführt. Dabei schauen die Entsorgungsfachkräfte eigenhändig in manche Behälter und stellen sicher, dass diese korrekt befüllt wurden, erklärt Schachner. Falls nicht, lassen sie die Tonne stehen. „Das hat bis jetzt sehr gut geklappt“, die Bürger scheinen ihren Fehler einzusehen und es gibt laut Schachner keine Beschwerden.

Verwarnungs- und Bußgelder

Ab 1. Mai wird dieses Vorgehen verstärkt und „Mehrfach-Tätern“ drohen Verwarnungs- sowie Bußgeld. „Beim ersten Mal passiert nichts“, versichert Schachner. Sollten manche Haushalte aber auffallend oft ihren Müll nicht richtig trennen, so könne es zu Strafen nach Bußgeldkatalog, im Rahmen von 10 bis 75 Euro, kommen.

Schachner macht sich keine großen Sorgen, denn aus Erfahrung seien die Bürger sehr einsichtig. Damit bleibt es spannend, ob die neuen Sanktionsmöglichkeiten überhaupt zum Einsatz kommen müssen.

Technische Erneuerung ab 2028

Eine mittlerweile „ausgereifte Methode“ zur Überprüfung des eingesammelten Abfalls ist laut Schachner ein Sammelfahrzeug mit elektronischem Störstofferkennungssystem und Behälterwaschfunktion. Ab 1. Januar 2028 werde dieses auch „die Norm in Wasserburg sein“, und zwar unabhängig der Störstoffquote zu diesem Zeitpunkt.

Tipps gegen Maden-Invasion im Sommer

Ein häufiges anderes Problem, das viele Nutzer der Biotonne noch plagt: Maden im Sommer. Der Experte betont, „das A und O ist es, die Tonne direkt nach Leerung ganz sauber zu machen“. Auch sei es wichtig, den Beutel zu verknoten, und saftenden Biomüll, wie Obstreste, vor dem Wegwerfen in Küchenrolle einzuwickeln sowie die Tonne nicht direkt in die Sonne zu stellen. „Jeder findet über die Zeit seine eigenen Methoden“, weiß Schachner aus Erfahrung.

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