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Keine „konkrete Aussage“ zu Zeitplan?

Wieder Sport statt Flüchtlinge in der Turnhalle? Jetzt hängt's an Stephanskirchen und Riedering

Der Bau der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge an der Wernher-von-Braun-Straße schreitet zügig voran, spielt aber bei der Frage, wann in der Turnhalle des Gymnasiums wieder Sportunterricht stattfinden kann, scheinbar nur eine untergeordnete Rolle. Bruckmühls Bürgermeister Richard Richter baut aber darauf, dass dort in der kommenden Wintersaison wieder Sport getrieben wird.
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Der Bau der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge an der Wernher-von-Braun-Straße schreitet zügig voran, spielt aber bei der Frage, wann in der Turnhalle des Gymnasiums wieder Sportunterricht stattfinden kann, scheinbar nur eine untergeordnete Rolle. Bruckmühls Bürgermeister Richard Richter baut aber darauf, dass dort in der kommenden Wintersaison wieder Sport getrieben wird.

Die Turnhallen in Bruckmühl und Raubling, die derzeit als Flüchtlingsunterkünfte dienen, wieder für den Sportunterricht freizumachen, ist das erklärte Ziel des Landratsamtes Rosenheim. Wie zügig das klappt, hängt aber nun von Stephanskirchen und Riedering ab.

Bruckmühl – Bei dieser Aussage des Landratsamtes Rosenheim, getroffen im Zuge der Diskussion um die geplante Flüchtlingsunterkunft in Rott, hat die Bruckmühler Schulfamilie sicherlich genau hingehört: „Unser oberstes Ziel ist, dass die Schulturnhallen im neuen Schuljahr wieder für den Schulsport zur Verfügung stehen“, teilte die Behörde jüngst auf OVB-Anfrage mit. „Daher werden wir möglichst rasch versuchen, die Turnhallen freizubekommen.“ Doch was bedeutet das für die Turnhalle des Bruckmühler Gymnasiums, die seit mehr als drei Jahren als Flüchtlingseinrichtung dient, genau? Das OVB hat nachgehakt.

Im Zuge des russischen Überfalls auf die Ukraine hatte der Flüchtlingsstrom nach Deutschland im Februar 2022 so zugenommen, dass das Landratsamt Rosenheim reagieren musste und – wie bereits bei der Flüchtlingswelle 2015 – die Turnhalle des Bruckmühler Gymnasiums zu einer Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete machte. Seitdem muss die Schule auf die Turnhalle verzichten, was zur Folge hat, dass viele Sportunterrichtsstunden ausfallen.

An der Wernher-von-Braun-Straße in Bruckmühl entsteht derzeit eine Erstaufnahmeeinrichtung für 200 Flüchtlinge. Das kleinere Gebäude der Unterkunft (links) soll bereits im Juli fertiggestellt sein, das größere Gebäude dann im Oktober.

Ein Zustand, gegen den die Schulfamilie im Sommer 2024 auf die Barrikaden ging: Elternbeirat und Fachbereich Sport wandten sich gemeinsam in Briefen an Politiker aus der Region und forderten in Hinblick auf eine Rückgabe der Halle zumindest eine Perspektive ein. Bewegung in die Sache kam letztlich durch einen Vorstoß der Marktgemeinde Bruckmühl: Die Kommune bot dem Landratsamt ein Grundstück für den Bau einer Erstaufnahmeeinrichtung für 200 Flüchtlinge an, wenn die Behörde im Gegenzug die Turnhalle wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung übergibt. Ein Angebot, dem der Landkreis zustimmte.

Bauarbeiten für Erstaufnahmeeinrichtung in Bruckmühl laufen auf Hochtouren

Die Bauarbeiten für die Erstaufnahmeeinrichtung an der Wernher-von-Braun-Straße in Bruckmühl laufen mittlerweile auf Hochtouren. Und auch eine weitere Entwicklung hatte dem Drängen der Schulfamilien in Bruckmühl und Raubling, wo eine Turnhalle ebenfalls als Flüchtlingsunterkunft dient, neue Nahrung verliehen. Denn in der Gemeinde Rott soll in einer ehemaligen Gewerbehalle eine Erstaufnahmeeinrichtung entstehen, die bis zu 270 Personen fassen soll, gegen die die Gemeinde aber Klage und einen Eilantrag beim Bayerischen Verwaltungsgericht München eingereicht hatte.

Den Eilantrag hatte das Gericht jetzt aber mit der Begründung zurückgewiesen, dass das „öffentliche Interesse an der sofortigen Vollziehbarkeit der Baugenehmigung das Aussetzungsinteresse der Gemeinde überwiegt“. Und auch für die Klage der Kommune gegen die geplante Einrichtung macht das Gericht dem Kläger wenig Hoffnung, wie Gerichtssprecher Dr. Matthias Prinzler mitteilte: „Die Klage in der Hauptsache wird nach Einschätzung der Kammer voraussichtlich keinen Erfolg haben.“

Aussagen, die in Bruckmühl die Hoffnung nähren, dass mit der Errichtung der beiden Erstaufnahmeeinrichtungen in Bruckmühl und Rott die Zeit der Hallennutzung noch in diesem Jahr ein Ende finden wird. So kann in Bruckmühl, wo derzeit auf dem Areal an der Wernher-von-Braun-Straße ein einstöckiges sowie ein vierstöckiges Gebäude für die Flüchtlinge hochgezogen wird, das kleinere Gebäude laut Landratsamt wohl bereits im Juni fertiggestellt werden. Das größere Gebäude soll dann im Oktober „bezugsfertig“ sein, wie Landratsamt und Bruckmühls Bürgermeister Richard Richter auf OVB-Anfrage übereinstimmend mitteilen.

Die Blicke richten sich nach Stephanskirchen, Riedering und München

Wobei sich der Blick aber gar nicht so sehr auf die Baustellen in Bruckmühl und Rott richten sollte, sondern viel mehr auf zwei östlich der Stadt Rosenheim gelegene Kommunen, wie Simone Beigel, Sprecherin des Landratsamtes, gegenüber dem OVB deutlich macht: „Ob die Schulturnhalle Bruckmühl bereits zum Schuljahresbeginn frei sein wird, hängt ganz entscheidend vom Ausgang der noch anhängenden Klagen in Stephanskirchen und Riedering ab.“

Die Turnhalle des Bruckmühler Gymnasiums wird seit Februar 2022 als Flüchtlingsunterkunft genutzt.

Denn dort gehe es – anders als in Bruckmühl und Rott – um Anschlusseinrichtungen mit einer Kapazität von 250 Personen. Dort könnten Geflüchtete, die derzeit in den Turnhallen ausharren, dann eine neue Bleibe finden. „Eine Umverteilung von einer Ankunftseinrichtung in eine andere findet nicht statt“, macht Beigel deutlich. Was wiederum bedeutet, dass neu ankommende Flüchtlinge dann zwar in Rott und im Neubau in Bruckmühl aufgenommen würden, für die derzeitigen Hallen-Bewohner aber Plätze in Anschlusseinrichtungen gefunden werden müssten.

Trotz der Abhängigkeit von anderen Kommunen zeigt sich Bruckmühls Rathauschef in Hinblick auf das Freiwerden der Schulturnhalle optimistisch. „Wir gehen vom nächstmöglichen Zeitpunkt aus und haben keinen Grund, an den Aussagen von Landratsamt oder Landrat zu zweifeln“, so Richter, der nach eigenen Angaben schon das Gefühl hat, dass der Landkreis alles dafür tut, um die Kommune und Schulfamilie zufriedenzustellen. So stehe die Marktgemeinde auch „in engem Austausch“ mit der Behörde.

Auch wenn das Landratsamt zu einem möglichen Rückgabetermin der Turnhalle ans Gymnasium keine „konkrete Aussage“ treffen kann, glaubt auch Gaby Wedding, ehemalige stellvertretende Vorsitzende des Elternbeirats, an ein baldiges Ende der nahezu sportlosen Zeit. „Die Vereinbarung zwischen Bruckmühl und dem Landkreis ist ja durch. Und daran hat sich nichts geändert“, sagt Wedding in Hinblick auf den Flüchtlingsdeal im Herbst 2024. „Ich sehe da keine Stolpersteine mehr.“

Hoffnung auf Sportunterricht noch vor dem Jahreswechsel

Dass die Behörden keinen genauen Termin nennen können, wann die ersten Schüler dort wieder Sportunterricht haben werden, ist für die Bruckmühlerin nach eigenen Aussagen auch nicht ausschlaggebend „Wichtig ist, dass wir endlich die Perspektive bekommen haben, die wir schon lange fordern“, so Wedding, deren größter Wunsch es jetzt ist, „dass es sofort mit der Sanierung der Turnhalle losgeht, wenn die Flüchtlinge dann ausgezogen sind“. Denn dann sei es durchaus realistisch, dass noch heuer dort wieder Sportunterricht stattfindet. Wedding: „Ich habe ein gutes Gefühl, dass das noch im Spätherbst klappen wird.“

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