Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Auf Wachstumskurs

Gegen den Fusions-Trend: So will die Sparkasse Wasserburg selbstständig bleiben

Vorstandsvorsitzender Mischa Schubert (rechts) und Vorstandsmitglied Andreas Bonholzer nehmen Stellung zur Geschäftsbilanz der Sparkasse Wasserburg.
+
Vorstandsvorsitzender Mischa Schubert (rechts) und Vorstandsmitglied Andreas Bonholzer nehmen Stellung zur Geschäftsbilanz der Sparkasse Wasserburg.

Auch bei den bayerischen Sparkassen ist die Fusionswelle ungebrochen. Die Kreis- und Stadtsparkasse Wasserburg widersetzt sich dem Trend: „Im Moment gibt es bei uns keinerlei Überlegungen. Wir bleiben selbstständig“, sagt der Vorstand. Wie Mischa Schubert und Andreas Bonholzer das schaffen wollen.

Wasserburg am Inn – „Es wird nicht einfacher“, sagt Vorstandsvorsitzender Mischa Schubert. Die Rahmenbedingungen seien schwierig– sei es aufgrund der oft extrem schwankenden Zinspolitik, der Wirtschaftslage, der geopolitischen Entwicklungen oder der steigenden Regulierungsaufgaben. Trotzdem will die Sparkasse Wasserburg selbstständig bleiben. Gegen den Trend, denn in den vergangenen zehn Jahren haben laut Schubert 17 Häuser aus der Sparkassenfamilie mit gleicher Größe oder kleiner fusioniert.

„Für kleine Häuser wird es immer schwerer“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Hauptgrund: der steigende Druck durch regulatorische Anforderungen. Ob kleines Institut oder großes: Immer mehr Sonderaufgaben seien zu stemmen, Mitarbeiter müssten für Spezialfunktionen bereitgestellt werden. Das europäische Bankenrecht sei nicht gemacht worden für die kleinen Sparkassen und Raiffeisenbanken, sondern habe eher die großen Geldinstitute im Blick. Deshalb gebe es in Bayern nur noch zwei Sparkassen in ähnlicher Größe und nur noch eine kleinere.

Sparkasse Wasserburg auf Wachstumskurs

Doch die Sparkasse Wasserburg, heuer genau 199 Jahre alt, will ihre Eigenständigkeit nicht aufgeben. Die Geschäftszahlen geben ihr Recht, findet Vorstandsmitglied Bonholzer. Fast alle Parameter der Bilanz von 2024 weisen Wachstumsraten auf: Die Bilanzsumme sei auf fast 1,6 Milliarden Euro gestiegen (um 5,5 Prozent gegenüber 2023), die Gesamteinlagen hätten sich von 1,106 auf 1,195 Milliarden Euro erhöht. Mit diesem Wachstum liege die Sparkasse Wasserburg deutlich über dem Durchschnitt bayerischer Sparkassen, berichten Schubert und Bonholzer. Sie legte auch bei den Ausleihungen zu: 2024 gab es Zusagen im Darlehensgeschäft in Höhe von 181 Millionen Euro. 2023 waren 172 Millionen. Das Eigenkapital wuchs im vergangenen Jahr von 192 auf 206 Millionen Euro, der Bilanzgewinn sogar um 27 Prozent von 1,3 auf 1,6 Millionen.

Die Entwicklung der Sparkasse Wasserburg: die wichtigsten Parameter.

„Wir wachsen überdurchschnittlich, aber gesund“, sagt der Vorstandsvorsitzende. „Solide und kontinuierlich“, ergänzt Bonholzer. Sie geben sich trotz guter Zahlen betont sachlich in ihrer Einschätzung. „Wir sind wirtschaftlich stabil und haben uns im vergangenen Jahr sehr erfreulich entwickelt. Auch für 2025 sieht es gut aus“, sagt Schubert, seit drei Jahren Vorstandsvorsitzender.

Er ist ein Sparkassen-Urgewächs, schon seit acht Jahren Vorstandsmitglied in Wasserburg. Und ein Mann der neuen Bankenzeiten: Schubert trägt nicht immer Anzug und Krawatte, man sieht ihn auch schon mal in Jeans und Hemd.

„Schnell auf Kundenwünsche reagieren“

„Wir sind eine Sparkassen-Familie hier in Wasserburg“, betont er. „Ich bin nicht zuständig: Diesen Satz gibt es bei uns nicht.“ Als kleines Haus könne die Sparkasse „verdammt schnell auf Kundenwünsche reagieren“, ergänzt Bonholzer. Oft gebe es eine Kreditzusage schon nach dem ersten Gespräch. Denn mit vielen Betriebsleitern oder Unternehmensführungen sowie Privatleuten, die ein finanzielles Anliegen hätten, beständen langjährige Kontakte. „Man kennt sich.“

Diese Sonderstellung als einziges, noch selbstständiges, in Wasserburg am Inn beheimatetes, Kreditinstitut will die drittälteste Sparkasse in Oberbayern nicht aufgeben. In den vergangenen acht Jahren, in denen er im Vorstand tätig sei, habe es deshalb auch keinerlei Gespräche über mögliche Fusionen gegeben. Auch an die Bank sei kein anderes Institut herangetreten, so Schubert.

Dichtes Kundenetz bleibt erhalten

Er verweist auf die enge Bindung an die Region: durch 13 Geschäftsstellen, „eines der dichtesten Netze in Bayern“, in fünf Landkreisen (Rosenheim, Traunstein, Mühldorf, Erding und Ebersberg). Hier werden 31.600 Privatgiro- und 4.100 Geschäftsgirokonten betreut. Hier gebe es noch ein eigenes Kundenservice-Center, besetzt mit Bankmitarbeitern, nicht mit Externen, das im Jahr etwa 100.000 Anrufe entgegennehme. Die Region werde durch Spenden und Stiftungen unterstützt. Im vergangenen Jahr flossen laut Schubert 358.000 Euro in kulturelle und soziale Projekte im Geschäftsgebiet.

Die Sparkasse Wasserburg investiere außerdem in das Filialnetz: Die Geschäftsstelle in Schnaitsee werde energetisch saniert und neu ausgestattet. Außerdem geht das Haus neue Wege. Beispiel Babensham, wo man sich mit der Volksbank Raiffeisenbank ein Bankgebäude teilt. In Wasserburg legen Sparkasse und VR-Bank am Bahnhof in Reitmehring bald ihren SB-Standort zusammen, kündigt Schubert an. Der eigene Geldautomat im Bahnhofsgebäude werde aufgelöst, denn hier sei es aufgrund der Zugänglichkeit rund um die Uhr zu Sicherheitsproblemen gekommen.

2028 werden übrigens alle Kontoauszugsdrucker in Deutschland bei allen Banken eingestampft: Die zuständige Firma stelle den Betrieb ein, berichtet der Vorstand. Doch bereits heute ist die Online-Quote bei den Kunden der Sparkasse Wasserburg hoch: 70 Prozent können ihre Geschäfte bereits elektronisch.

Keine Ausfälle durch „faule Kredite“

Im Kundengeschäft bereitet laut Schubert derzeit vor allem die Zinsentwicklung im Zusammenhang mit relativ hohen Neubaupreisen Sorgen. Im Immobilienbereich seien die privaten Bauvorhaben fast zum Erliegen gekommen. Im Fokus ständen eher Sanierungen oder der Kauf von Bestandsobjekten. 40 mit einem Wert von 17,5 Millionen Euro konnte die Sparkasse 2024 vermitteln, so Bonholzer. Keine Probleme bereiten nach Schuberts Angaben sogenannte „faule Kredite“, die derzeit im deutschen Bankenwesen für Negativ-Schlagzeilen sorgen. Seit Jahren gebe es bei der Sparkasse keine signifikanten Ausfälle.

Noch gibt es nach Schuberts Angaben auch keine Personalprobleme. Es gebe nur wenige unbesetzte Stellen, ausreichend Auszubildende. Nur der Frauenanteil in Führungspositionen lasse deutlich zu wünschen übrig. Deshalb geht die Bank hier auch neue Wege: Zwei Frauen teilen sich hier beispielsweise derzeit eine Führungsposition.

Statement zur RSA-Bank

„Wir bekommen derzeit vermehrt Kreditanfragen“, stellt der Vorstand der Sparkasse Wasserburg als Folge der Krise bei der RSA-Bank, ebenfalls ansässig in Wasserburg, mit. Die Sparkasse bediene ihre Hauskunden jedoch zuerst. Die personelle Lage gebe es deshalb nicht her, auf die Schnelle auf externe Anfragen zu reagieren. Grundsätzlich bedauert Vorstandsvorsitzender Mischa Schubert die Probleme des Mitbewerbers. „Wenn eine Bank in unserer Region wackelt, ist das unschön“, ergänzt Bonholzer.

Kommentare