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„Eine Rentenkürzung“

Reiche stellt sich gegen „Rente mit 63“ – die SPD reagiert sofort

Die OECD rät Deutschland, die Frührente abzuschaffen. Die Bundeswirtschaftsministerin stimmt dem zu. Dafür gibt es vom Koalitionspartner nun Ärger.

Berlin – Die Zahl der Menschen, die vor dem eigentlichen Rentenalter die Arbeit niederlegen, ist mal wieder gestiegen. Fast jeder zweite Babyboomer im Rentenalter ist bisher vorzeitig in Rente gegangen. Das sind laut einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) 1,8 Millionen Menschen aus den Boomer-Jahrgängen, die bis 2023 ins Rentenalter gekommen sind. Das erhöht den Druck auf die Rentenkasse, bis 2045 dürften sich die Ausgaben der Rentenversicherung verdoppeln.

Ein Grund für die vorzeitige Rente ist die sogenannte Rente für besonders langjährig Versicherte (sogenannte „Rente mit 63“), die es Versicherten nach 45 Jahren Versicherungszeit ermöglicht, zwei Jahre früher in die Rente zu gehen. Seit Jahren fordern Ökonomen die Abschaffung dieses Modells. Am Donnerstag (12. Juni) hat sich auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in deren Reihe gestellt.

Reiche hält Frührente für ein Problem: Koalition muss sich damit beschäftigen

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hält grundlegende Reformen für notwendig, um die Sozialabgaben zu senken. „Das Thema Belastung durch Sozialabgaben ist ein Thema“, sagte die CDU-Politikerin in Berlin. Deutschland sei hier weit über dem OECD-Durchschnitt. Wichtig wäre unter anderem, länger und flexibler zu arbeiten. Es seien grundlegende Reformen bei der Rente und angesichts der steigenden Ausgaben im Gesundheitssystem notwendig. Die Frührente sei ein Problem, so Reiche weiter.

Katherina Reiche (CDU), Bundesministerin für Wirtschaft und Energie.

Die Koalition müsse sich damit beschäftigen. „Mir scheint wichtig, dass es Konsens sein sollte in der Regierung, dass die Belastung des Faktors Arbeit mit hohen Sozialabgaben hemmend wirkt und wir auch hier wettbewerbsfähiger sein müssen“, sagte Reiche. Sie äußerte sich nach einem Treffen mit dem Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Mathias Cormann.

Cormann sagte, es seien Reformen in Deutschland notwendig, um das Wirtschaftswachstum zu beleben. Die Rede ist unter anderem davon, steuerliche Anreize für den Vorruhestand schrittweise abzubauen, sowie Anreize für ältere Arbeitnehmer zu setzen, länger zu arbeiten.

SPD ist strikt dagegen: Rente mit 63 steht nicht zur Debatte

Der Koalitionspartner SPD lässt bei diesem Thema aber nicht mit sich reden. Gegenüber dem Tagesspiegel sagt SPD-Fraktionsvize und Expertin für Arbeit und Soziales, Dagmar Schmidt: „Die Äußerungen der Bundeswirtschaftsministerin verkennen die Realität“. Die Zahl derer, die im Alter von 60 bis 64 Jahren noch arbeiten, sei in den vergangenen zehn Jahren gestiegen.

„Die Wahrheit ist, dass es für viele Menschen auch heute schon kaum möglich ist, bis zum aktuellen Regelrenteneintrittsalter zu arbeiten. Gerade diejenigen, die jahrzehntelang körperlich hart, mit hoher psychischer Belastung oder im Schichtdienst gearbeitet haben, können nicht länger arbeiten“, sagt Schmidt. „Gerade für diese Leistungsträgerinnen und Leistungsträger wäre der Vorschlag von Frau Reiche eine Rentenkürzung und damit zutiefst ungerecht.“

Mehr Rentner beziehen eine Frührente und gehen weiter zur Arbeit

Dass die Zahl derer älteren Beschäftigten gestiegen ist, ist richtig. Allerdings tun dies auch viele Altersrentner und -rentnerinnen, obwohl sie schon eine Rente beziehen. Seit 2023 dürfen Rentner und Rentnerinnen unbegrenzt hinzuverdienen, auch, wenn sie eine Frührente in Anspruch nehmen. Dabei ist es möglich, in Vollzeit weiterzuarbeiten und ein volles Gehalt zu beziehen, auf die dann keine Renten- oder Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden müssen.

Die zehn besten Tipps, um früher in Rente zu gehen

Symbolfoto. Eine Frau und ein Mann sitzen zusammen an einem Tisch mit einem Tablet und unterhalten sich.
Früher in den Ruhestand zu starten, ist für viele Menschen ein großer Wunsch. Mit einer durchdachten Planung und cleverer Nutzung von gesetzlichen und betrieblichen Möglichkeiten lässt sich dieser Traum oft verwirklichen. Hier sind die zehn besten Tipps, wie Sie Ihren Ruhestand vorziehen können. © Juliane Sonntag/Imago
Rente mit 63 ohne Abschläge
Rente mit 63 ohne Abschläge: Wenn Sie 45 Versicherungsjahre vorweisen können, dürfen Sie laut Deutsche-rentenversicherung.de mit 63 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen. Das Rentenalter hierfür ist allerdings abhängig vom Geburtsjahr: Für den Jahrgang 1959 liegt es beispielsweise bei 64 Jahren und 2 Monaten (Stand: 2023). Planen Sie also frühzeitig, wie Sie die 45 Jahre erreichen, denn diese Regelung kann Ihnen einen sorgenfreien finanziellen Start in den Ruhestand ermöglichen. © Aida López/Imago
Rente mit 63 mit Abschlägen
Rente mit 63 mit Abschlägen: Auch mit 35 Versicherungsjahren ist ein früher Renteneintritt möglich, jedoch mit Abschlägen. Für jeden Monat vor dem regulären Renteneintrittsalter werden 0,3 % Ihrer Rente abgezogen – maximal bis zu 14,4 %. Diese Kürzungen gelten dauerhaft, weshalb eine genaue Kalkulation essenziell ist, bevor Sie sich für diese Option entscheiden. © Thomas Trutschel/Imago
Betriebliche Rente
Betriebliche Rente: Manche Arbeitgeber bieten laut Stiftung Warentest betriebliche Lösungen, um bereits vor 63 Jahren aus dem Berufsleben auszusteigen. Hier lohnt sich ein genauer Blick auf die Firmenregelungen, denn darauf haben Sie keinen gesetzlichen Anspruch. Eine betriebliche Rente kann jedoch eine wertvolle Ergänzung zu Ihrer gesetzlichen Rente sein, wenn Ihr Unternehmen solche Modelle unterstützt. © Imago
Mit Altersteilzeit in Rente gehen
Altersteilzeit: Die Altersteilzeit ermöglicht es Arbeitnehmern ab 55 Jahren, schrittweise aus dem Berufsleben auszusteigen. Besonders beliebt ist laut den Experten der Stiftung Warentest das Blockmodell: Hier arbeiten Sie beispielsweise drei Jahre voll und können anschließend drei Jahre lang freigestellt werden. Diese Regelung schafft eine ideale Balance zwischen Arbeit und Freizeit und bereitet optimal auf den Ruhestand vor. © Imago
Mit Vorruhestand früher in Rente gehen
Vorruhestand: Einige Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, in den Vorruhestand zu gehen. Dabei entfällt laut Stiftung Warentest zwar die Arbeitspflicht, das Gehalt wird aber stark reduziert. Oftmals bleibt nur die frühestmögliche Rente mit Abschlägen als Ergänzung, was eine sorgfältige finanzielle Planung erfordert. © Imago
Flexibler Übergang in den Ruhestand
Flexibler Übergang in den Ruhestand: Das Flexirentengesetz ermöglicht seit 2017 einen stufenweisen Übergang in den Ruhestand. Bereits ab 63 Jahren können Sie Altersrente beziehen und gleichzeitig in Teilzeit weiterarbeiten. Diese Lösung bietet nicht nur finanzielle Sicherheit, sondern auch mehr Freiheit bei der Gestaltung Ihrer letzten Berufsjahre. © Imago
Wertguthaben aufbauen
Wertguthaben aufbauen: Einige Arbeitgeber erlauben das Ansammeln von Wertguthaben, das Sie später nutzen können, um früher in den Ruhestand zu gehen, berichten die Finanzexperten auf Test.de. Dieses Guthaben entsteht beispielsweise durch Überstunden oder nicht genommene Urlaubstage. Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Arbeitgeber, um herauszufinden, ob Ihr Betrieb solche Modelle anbietet. © Uwe Umstätter/Imago
Frühzeitige Finanzplanung für Rente
Frühzeitige Finanzplanung: Der Schlüssel zu einem vorzeitigen Renteneintritt liegt laut Dieversicherer.de in einer durchdachten Finanzplanung. Setzen Sie sich schon frühzeitig Ziele und erstellen Sie einen konkreten Plan, wie Sie diese erreichen können. Eine professionelle Beratung ist hierbei besonders hilfreich, um langfristige Sicherheit zu gewährleisten. © Imago
Kostenkontrolle für bequeme Rente
Kostenkontrolle: Je geringer Ihre Ausgaben, desto schneller können Sie Kapital für den Ruhestand ansparen. Überprüfen Sie regelmäßig Ihre Fixkosten und suchen Sie nach Einsparpotenzialen. Schon kleine Änderungen im Alltag können auf lange Sicht große finanzielle Freiräume schaffen. © Uwe Umstätter/Imago
Private Altersvorsorge
Private Altersvorsorge: Ergänzen Sie die gesetzliche Rente durch private Vorsorgeprodukte wie Lebensversicherungen, Riester-Rente oder ETF-Sparpläne. Diese können helfen, finanzielle Lücken zu schließen und den Renteneintritt früher zu realisieren. Lassen Sie sich hierzu umfassend beraten, um die für Sie passende Kombination aus Sicherheit und Rendite zu finden. © Luka Storm/Imago

Eine aktuelle Untersuchung des IW zeigt, dass mittlerweile 23 Prozent der Männer und 25 Prozent der Frauen, die früher in Rente gehen, mittlerweile dieses Modell wählen. Dadurch entsteht eine doppelte Belastung für die Rentenkasse: Einerseits entfallen die Beitragszahlungen derjenigen, die ohne die Reform der Hinzuverdienstgrenze vermutlich weiter eingezahlt hätten, andererseits müssen mehr Menschen vorzeitig eine Rente erhalten.

Neue Regel für Rentner: Wer weiter arbeitet, bekommt 2000 Euro steuerfrei

Anstatt die Anreize zum früheren Renteneintritt zu senken, wollen Union und SPD die Anreize zum längeren Arbeiten im Alter erhöhen. Wer nach dem 67. Lebensjahr noch einer Arbeit nachgeht, soll jeden Monat 2000 Euro steuerfrei bekommen. Dieses Gesetz wird gerade erarbeitet und soll möglichst vor der Sommerpause vorgelegt werden. Ab 1. Januar 2026 soll die sogenannte Aktivrente dann an den Start gehen. (mit Material von dpa)

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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