Europa im Vergleich
Rente mit 70: Deutsche arbeiten zu kurz – Rentner leben immer länger
Dänemark hat gerade das Rentenalter auf 70 erhöht. Damit gehen Rentner im Nachbarland EU-weit am spätesten in den Ruhestand. Experten fordern das auch für Deutschland.
Berlin – Dänemark hat das Rentenalter erneut nach oben angepasst: Wer im Jahr 1970 zur Welt kam, geht jetzt erst mit 70 Jahren in den Ruhestand. Das wird erstmals im Jahr 2040 der Fall sein. Aktuell gehen Arbeitnehmer im Nachbarland mit 67 in Rente, 2030 steigt das Alter auf 68, 2035 dann auf 69 Jahre. Und auch in Zukunft dürfte die Regelaltersgrenze angepasst werden, wenn die Lebenserwartung weiter steigt. Das ist seit 2006 der automatische Anpassungsmechanismus der Dänen.
Nicht nur Dänemark: Finnland, Schweden und die Niederlande haben ähnlichen Plan für die Rente
Das Modell der Dänen stößt auch hierzulande auf Interesse. Denn: Schon seit Jahren fordern Experten einen ähnlichen Mechanismus auch für Deutschland. Auch andere Länder passen die Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung an, zum Beispiel Schweden, Finnland, die Niederlande oder Italien. Wie das ifo Institut Dresden in einem Diskussionspapier erörtert hat, wird zum Beispiel in Finnland das Rentenalter so angepasst, dass das Verhältnis von Erwerbszeit und Rente immer auf demselben Niveau bleibt. Ab 2027 wird das Rentenalter dort erstmals nach dieser Regelung angepasst.
In den Niederlanden ermittelt das Statistikamt seit 2024, wie lange ein 65-Jähriger im Schnitt noch an Lebenserwartung hat und passt dann die Regelaltersgrenze an. Das neue Rentenalter gilt dann fünf Jahre nach Verkündung im Parlament.
Rentner sollen auch in Deutschland länger arbeiten: Lebenserwartung steigt
Dass man auch in Deutschland etwas ändern müsste, dafür sprechen die Zahlen der Deutschen Rentenversicherung (DRV). So haben Frauen, die im Jahr 2023 in Rente gingen, noch durchschnittlich 22,1 Jahre gelebt, Männer lebten noch 18,8 Jahre. 1993 haben Männer und Frauen noch rund 15,6 Jahre Restlebenszeit gehabt, als sie in Rente gingen. Das ist für das Rentensystem teuer.
Noch teurer wird es dadurch, dass laut DRV viele Menschen nicht damit rechnen, länger als 20 Jahre nach dem Renteneintritt noch zu leben. Dabei leben von 100.000 Frauen im Alter von 67 aktuell noch 50.000, also die Hälfte, 20 Jahre später. Bei Männern sind es noch gut ein Drittel, die weiterleben. Wer neben der gesetzlichen Rente keine weitere private oder betriebliche lebenslange Rente hat, droht dann in die Altersarmut zu rutschen. Dabei ist das auch das Alter, in dem die Pflege- und Gesundheitskosten häufig anfangen anzusteigen.
Merz findet höheres Rentenalter eigentlich gut – Pflicht soll sie nicht werden
Die neue Bundesregierung aus Union und SPD will allerdings keine Anpassung des Rentenalters vornehmen. Bis 2031 wird die aktuelle Regelaltersgrenze ohnehin auf 67 angehoben. Vor der Bundestagswahl hatte sich Kanzler Friedrich Merz (CDU) noch mehrmals für eine Anpassung des Rentenalters an die Lebenserwartung ausgebrochen. Doch während des Wahlkampfes wollte er davon nichts mehr wissen.
Stattdessen will die Union, Rentner und Rentnerinnen zu längerem Arbeiten nach der 67 animieren. Wer länger im Arbeitsleben bleibt, soll 2000 Euro steuerfrei hinzuverdienen können. Dies ist Teil eines Programms der neuen Regierung, das die Deutschen zu mehr Arbeiten bewegen soll.
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