„Schneckentempo“ ist verständlich
Ökonom zeigt Optimismus für Deutschlands Wirtschaft – Merz-Milliarden bewirken „leisen“ Aufschwung
Für Deutschlands Wirtschaft zeichnet sich eine Besserung ab. Viele Unternehmen teilen diese Einschätzung. Neue Ifo-Zahlen untermauern diese Entwicklung.
Berlin – Die grundlegenden Probleme für Deutschlands Wirtschaft sind bekannt: zu viel Bürokratie, zu hohe Energiekosten und die Steuerbelastung müsste auch sinken. Und das am liebsten so schnell wie möglich. „Quick and Easy statt wie – normal-europäisch – kompliziert und langwierig. Das muss der Weg sein“, sagte Markus Söder, CSU-Chef, und bezog sich damit auf eine Lösung für das Problemfeld Strafzölle. Trotz aller Krisenfaktoren scheinen Deutschlands Unternehmen wieder positiver gestimmt zu sein. Das zeigt jedenfalls ein aktueller Index.
„Aufschwung kommt ganz leise“ – Deutschlands Wirtschaft kommt wieder in Fahrt
Geht es mit Deutschlands Wirtschaft wieder bergauf? Laut Dr. Ulrich Kater, Chefsvolkswirt der DekaBank, gibt es zumindest Gründe für einen vorsichtigen Optimismus. „Der Aufschwung kommt ganz leise. Schrittchen für Schrittchen verbessert sich die Konjunkturstimmung in Deutschland. Dieses Schneckentempo beim Aufschwung ist verständlich angesichts eines konstanten Gegenwindes aus Zolldrohungen, starker chinesischer Konkurrenz und immer noch unzureichender Standortbedingungen in Deutschland“, kommentierte er.
Sollte sich das „Zollthema“, womit Kater die von US-Präsident Donald Trump losgetretene Lawine an massiven Strafzöllen und daraus folgender wirtschaftlicher Unsicherheit meint, beruhigen, könnte die Aufwärtsbewegung von Deutschlands Wirtschaft weitere Fahrt aufnehmen. Dafür sei jedoch auch die Sozialstaatsreform im Herbst notwendig, die die Regierung unter CDU-Chef Friedrich Merz bereits angekündigt hat.
Anlass des Kommentars vom DekaBank-Experten waren neue Zahlen des Ifo-Instituts.
Ifo-Institut meldet Aufschwung für Deutschlands Wirtschaft – wenn auch nur geringfügig
Hier hat das Forschungsinstitut erst am Freitag (25. Juli) neue Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung innerhalb Deutschlands veröffentlicht. Die niedrigen Zinsen und geplante Milliardeninvestitionen der Bundesregierung haben für eine bessere Stimmung gesorgt. Ein stärkerer Aufschwung sei jedoch nicht zu erwarten, berichtete die Deutsche Presse-Agentur dazu. Das Ifo-Geschäftsklima ist im Juli um 0,2 Punkte auf 88,6 Punkte gestiegen.
Dabei handelt es sich um eines der wichtigsten deutschen Konjunkturbarometer. Angesichts der massiven Summen, die Union und SPD angekündigt hatten, waren Ökonomen im Vorfeld von einem stärkeren Anstieg beim Geschäftsklimaindex ausgegangen. Der Index zeigt sowohl die Einschätzung der aktuellen Lage als auch eine Bewertung der künftigen Geschäfte.
Der Anstieg im Juli ist schon der siebte in Folge. Mit ihm erreichte der Ifo-Geschäftsklimaindex den höchsten Stand seit Mai 2024. Ifo-Präsident Clemens Fuest bleibt dennoch zurückhaltend, was die künftige Entwicklung angeht. „Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft bleibt blutleer“, zitierte die dpa den Ökonomen.
„Symbolischer Rückhalt“ für Wirtschaft – Unternehmen wollen investieren
Kater kommentierte auch die Ankündigung von 60 Unternehmen aus der Privatwirtschaft, massive Investitionen in den Wirtschaftstandort Deutschland tätigen zu wollen. Insgesamt ging es dabei um eine Summe von 631 Milliarden Euro – die dort versprochenen Projekte waren allerdings zumindest teilweise schon lange vorher beschlossen worden. Hier sprach Kater von einem zumindest „symbolischen“ Rückhalt für die Wirtschaftsentwicklung.
Zuletzt zeige sich auch an den Kapitalmärkten zunehmend Hoffnung. Der US-Aktienmarkt habe sich deutlich erholt. Viele US-amerikanische Unternehmen, die derzeit die Ergebnisse veröffentlichen, konnten ihre Gewinnprognosen übertreffen. In Deutschland dagegen hatte erst am Freitag der Volkswagen-Konzern seine Gewinnprognose nach unten korrigiert.
Milliarden-Investments von der Merz-Regierung – 150 Milliarden Euro für die Wirtschaft
Wie geht es weiter? An der Zollfront hat die EU Gegenmaßnahmen gegen die erratische Politik Donald Trumps entworfen und sich auf eine Liste mit Gütern für mögliche Gegenzölle geeinigt. Diese Gegenzölle können bis zu 30 Prozent betragen und US-Waren im Wert von mehr als 90 Milliarden Euro betreffen. Das teilte die dpa unter Berufung auf EU-Insiderinformationen mit. Am 7. August sollen diese Gegenzölle in Kraft treten, falls Trump sich bis dahin nicht zu einem Deal überreden lässt.
Und dann wäre da noch das Milliarden-Maßnahmenpaket der Merz-Regierung. Dieses soll zu massiven neuen Investitionen führen. Unter anderem sollen Unternehmen, die in neue Maschinen, Anlagen oder Digitalisierung investieren, drei Jahre lang bis zu 30 Prozent der Anschaffungskosten steuerlich absetzen können. Ab 2028 soll die Körperschaftsteuer sinken. Außerdem fließen Fördergelder in Höhe von 150 Milliarden Euro in die deutsche Wirtschaft.
Hier mahnte Merz jedoch, dass der größere Teil aus der Privatwirtschaft und aus den Kapitalmärkten kommen müsse. „Genau dafür werden wir die Rahmenbedingungen schaffen.“
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