Sanktionspaket steht kurz bevor
Neue Öl-Pläne sollen Russlands Wirtschaft schwächen – EU will mit Trump kooperieren
Trump intensiviert den Kurswechsel gegen Putin. Eine engere EU-Partnerschaft entwickelt sich. Anvisiert werden Wladimir Putins Öl-Exporte.
Brüssel – Mittlerweile belasten 18 Sanktionspakete der Europäischen Union Russlands Wirtschaft. Schon bald können es 19 sein – so jedenfalls der Plan der EU-Kommission. Daneben hat sich US-Präsident Donald Trump gemeldet und angekündigt, dass er nach Monaten des Verzichts auch wieder bereit sei, Russland zu sanktionieren. Dafür aber müssen die Nato-Verbündeten bestimmte Auflagen erfüllen. Die Vorgabe: Kein Land darf mehr russisches Öl aus Russland kaufen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat dazu mit Trump gesprochen.
EU-USA-Bündnis gegen Putin – neue Sanktionen sollen Russlands Wirtschaft schwächen
Laut der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will die EU stärker mit den USA zusammenarbeiten, um den wirtschaftlichen Druck auf Russland zu erhöhen. Das erklärte sie nach einem „guten“ Telefongespräch mit US-Präsident Trump. Russlands Kriegswirtschaft speise sich zu einem großen Teil aus den Gewinnen des Energiesektors – so könne Kreml-Chef Wladimir Putin den Ukraine-Krieg finanzieren. „Um das zu beenden, wird die EU-Kommission vorschlagen, den Ausstieg aus russischen Importen fossiler Brennstoffe zu beschleunigen.“
Das plant die EU bereits seit einer ganzen Weile. Im Juni 2025 hat die Europäische Kommission eine neue Verordnung vorgeschlagen, die einen schrittweisen Ausstieg aus der Einfuhr von Pipeline-Gas und Flüssigerdgas (LNG) aus Russland vorsieht. Außerdem umfasst sie eine vollständige Einstellung der russischen Ölimporte bis Ende 2027. Laut EU-Vorschlag müssten die Mitgliedstaaten sogenannte Diversifizierungspläne mit präzisen Maßnahmen und Meilensteinen für diese schrittweise Einstellung vorlegen.
EU will kein Gas und Öl mehr von Putin – Plan bis 2027 liegt vor
Die Roadmap sieht aktuell so aus: Russische Gasimporte im Rahmen neuer Verträge sollen ab dem 1. Januar 2026 verboten sein. Importe im Rahmen bestehender Kurzfrist-Verträge sollen bis zum 17. Juni 2026 enden. Das schließt Pipeline-Gaslieferungen an Binnenländer im Rahmen langfristiger Verträge aus – die sollen noch bis Ende 2027 möglich sein. Importe im Rahmen langfristiger Verträge sollen bis Ende 2027 eingestellt werden.
Weiter fallen langfristige Verträge für LNG-Terminaldienste für Kunden aus Russland oder unter Kontrolle russischer Unternehmen unter das Verbot. So will die EU sicherstellen, dass die Terminalkapazität auf alternative Anbieter umgeleitet werden kann, was außerdem die Widerstandsfähigkeit der Energiemärkte erhöhen soll.
Das ist jedoch erst der Vorschlag. Der Europäische Rat und das Europäische Parlament sind gefragt, für dessen Umsetzung zu sorgen. Und es gilt nicht zu vergessen, dass Trump den vollständigen Stopp aller russischen Energieexporte in Nato-Länder gefordert hat. Ob ein etwas schnelleres Phase-Out ihn besänftigt, bleibt abzuwarten.
Öl-Einnahmen brechen ein – Rückschlag für Russlands Wirtschaft
Momentan nimmt die EU noch russische Energieexporte in Millionenhöhe ab und füttert Putins Haushaltskasse. Wie das Statistikamt Eurostat berichtete, betrug der Anteil russischen LNG (Flüssigerdgas) in allen EU-Importen im zweiten Quartal 2025 immer noch bei 14 Prozent. Das bedeutet zwar bereits ein deutliches Minus, verglichen mit den 22 Prozent aus dem ersten Quartal von 2021, aber der europäische Kaufwille endet nicht beim LNG.
Beim aus Russland importierten Erdgas beträgt der Anteil an allen EU-Importen noch zwölf Prozent (zweites Quartal 2025). Beim Öl wiederum zeigt der Ausstieg drastische Wirkung: Die EU verringerte den russischen Anteil von 27 Prozent im Jahr 2021 auf nurmehr drei Prozent aller EU-Rohölimporte.
Soweit jedenfalls die offiziellen Zahlen. Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass Russland via der berüchtigten Schattenflotte trotzdem Öl und Gas in unbekannten Mengen in die EU schmuggelt. Diese Schattentanker arbeiten mit Verfälschung ihrer Schiffsortungssoftware und fahren unter falscher Flagge, um zu verschleiern, wer da was wohin liefert. Vereinzelt sollen Schattentanker jedoch dabei erwischt worden sein, russisches Öl in europäischen Häfen abzuladen.
19. Sanktionspaket steht in den Startlöchern – Russlands Banken und Energiesektor betroffen?
Zuletzt bereitet die EU das mittlerweile 19. Sanktionspaket gegen Russlands Wirtschaft vor. In ihrer Nachricht auf X gab von der Leyen an, dass die Kommission dieses „bald“ präsentieren wolle. Was genau es enthält, ist noch unbekannt, aber die Kommissionspräsidentin sprach grob davon, dass „Krypto, Banken und Energie“ betroffen sein sollen.
Der russische Energiesektor steckt derzeit in einer tiefen Krise. Selbst Öl-Giganten wie Lukoil haben zuletzt massive Einbrüche bei ihren Gewinnen berichtet. Im Kohlesektor steht – Warnungen aus der Branche zufolge – eine Insolvenzwelle bevor, und außerdem hat Russland Probleme im Bankensektor. Die Inflation beträgt immer noch 8,1 Prozent (Trading Economics) und die Zentralbank senkt den Leitzins (17 Prozent) nur langsam. Entsprechend teuer ist die Kreditaufnahme für Unternehmen, was in den großen Banken bereits Sorge auslöst.
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