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Wegen EU-Maßnahmen

Russlands Wirtschaft im Abschwung: Kernsektor Öl verzeichnet Einbrüche

Russlands Ölhersteller erleben drastische Einbrüche beim Profit. Das hängt auch mit Sanktionen zusammen. Allerdings ist auch die Opec+ schuld.

Moskau – Keine gute Nachricht für Russlands Wirtschaft: Der Ölsektor schwächelt erheblich. Dabei sind die Verkäufe von Öl und Gas für den Kreml derartig wichtig, dass sogar der Haushalt mit den Einnahmen steht oder fällt. Wie gravierend das ist, zeigte sich früher im Jahr, als der russische Präsident Wladimir Putin wichtige Investitionen zusammenstreichen musste, weil nicht genug Geld aus dem Ölverkauf kam. Jetzt zeigt sich das Ausmaß der Krise.

Überproduktion und Sanktionen – Russlands Wirtschaft leidet unter Öl-Verlusten

Jetzt sind die russischen Öl-Konzerne tief ins Minus gerutscht. Das geht beim Staatskonzern Rosneft PJSC los, der für mehr als ein Drittel von Russlands gesamter Ölproduktion verantwortlich ist. Dieser hat für die ersten sechs Monate ein Nettoeinkommen von 245 Milliarden Rubel berichtet (umgerechnet rund 2,6 Milliarden Euro), was gegenüber demselben Zeitraum im Vorjahr einen Rückgang um 68 Prozent bedeutet.

Bildmontage aus Wladimir Putin und einem Öltanker (Symbolfoto).

„Die erste Jahreshälfte wurde durch niedrigere Ölpreise charakterisiert, was vorrangig auf die Überproduktion von Öl zurückgeht“, zitierte das Nachrichtenportal Bloomberg Igor Sechin, den CEO von Rosneft. „Außerdem gab es eine Ausweitung von Rabatten auf russisches Öl, die sich auf die Verengung von EU- und US-Sanktionen ergab, sowie durch eine Stärkung des Rubel-Wechselkurses, die die finanziellen Ergebnisse aller Exporteure verschlechtert hat.“

Andere Energiekonzerne leiden dabei unter denselben Problemen. In der letzten Augustwoche berichteten sowohl Lukoil PJSC, der zweitgrößte Ölhersteller Russlands, als auch der Gas-Titan Gazprom haben Verluste von mehr als 50 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2024 berichtet. Tatneft PJSC, ein kleinerer Konkurrent, gab einen Rückgang um 62 Prozent an.

Opec+ schraubt an der Ölproduktion – und schwächt Russland

Das Ölkartell Opec+ ist wegen seiner Förderentscheidungen schon seit Frühjahr 2025 ein Problem für Russlands Wirtschaft. Mehrere Monate lang hatte es seine Mitgliedsländer die Ölproduktion hochfahren lassen. Das hatte für einen Einbruch bei den Preisen gesorgt: Im April 2025 stand der Barrel-Preis zeitweilig bei 58 US-Dollar (ein Barrel sind 159 Liter).

Zwar erholte sich der Preis danach wieder einigermaßen, doch die Opec+ schraubt noch immer an der Produktion. Laut CNN stieg die Produktion im Mai, Juni und Juli um jeweils 411.000 Barrel pro Tag, im August um 548.000 Barrel pro Tag und für September steht ein Förderplus um 547.000 Barrel pro Tag auf dem Programm. Aus Russland kamen diesbezüglich bereits Warnungen: Ein gefluteter Ölmarkt könnte weitere Einbrüche beim Preis bedeuten.

Mit diesen Maßnahmen fährt die Opec+ Produktionskürzungen wieder zurück, die das Kartell im Jahr 2022 begonnen hatte. Insgesamt hatte sie die Fördermenge um mehr als zwei Millionen Barrel pro Tag zurückgefahren. Die Maßnahme soll Ende 2026 auslaufen – bis dahin muss es also noch einige weitere Schritte in Richtung höherer Produktion geben.

West-Sanktionen drücken auf Russlands Wirtschaft – und sollen Öl verbilligen

Zusätzlich steht Russlands Energiesektor wegen westlicher Sanktionen unter erheblichem Druck. Erst vor wenigen Wochen hatte sich die EU auf ein neues Sanktionspaket geeinigt, das den Ölpreisdeckel der G7-Staaten aufgreift und verengt. Ab dem 3. September gilt ein neuer Preisdeckel, der besagt, dass Händler nur russisches Öl mit einem Preis von maximal 47,60 US-Dollar pro Barrel abnehmen dürfen. Das Vereinigte Königreich gab bereits an, einen ähnlichen Preisdeckel einführen zu wollen.

Mehr noch: Der Preisdeckel soll jetzt alle sechs Monate angepasst werden. Dabei verfolgt die EU das Ziel, den Preis für russisches Öl stets mindestens 15 Prozent unter den globalen Marktpreisen zu halten. Zuletzt war das alte Preislimit von 60 US-Dollar pro Barrel obsolet geworden, weil die Preise ohnehin auf diesem Niveau bis sogar darunter rangierten. Im Umkehrschluss hatte Russland seine Schattenflotte seltener benutzt und dafür mehr auf europäische Tanker zurückgegriffen, die dann beim Transport russischen Öls involviert waren.

Die Bank of Finland schätzt das flexible Preislimit als „signifikant“ ein. Käufer sollen jetzt mehr Verhandlungsmacht besitzen, wenn es darum geht, bei russischen Händlern Rabatte herauszuhandeln. Dass genau das bereits vorher, mit höherem Preisdeckel, klappte, zeigten die Aussagen des Rosneft-Chefs.

Rubriklistenbild: © IMAGO / AAP & IMAGO / Kyodo News

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