Immer höhere Sozialabgaben belasten Bürger und Wirtschaft – dabei könnte eine simple Umverteilung aus Steuermitteln Milliarden sparen, meinen Experten.
Berlin – Die deutsche Wirtschaft durchlebt weiterhin eine Schwächephase . Die Gründe sind vielfältig – immer wieder führen Experten der Arbeitgeberseite auch die hohen Sozialabgaben ins Feld. Dabei müsste das nicht sein. Beitragszahler stemmen Leistungen, die eigentlich der Staat tragen müsste, so die Kritik.
Weniger Netto vom Brutto: Soziallast in Deutschland erreicht historische Höchstwerte Die Sozialabgaben in Deutschland liegen auf einem Rekordniveau: Fast 42 Prozent des Bruttolohns fließen in Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Die „Schmerzgrenze“ für Arbeitgeber war laut Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger bereits überschritten, „als die Sozialabgaben über 40 Prozent gestiegen sind“, wie er kürzlich im Gespräch mit Handelsblatt sagte. Derzeit würden die Beiträge auf 45 Prozent zusteuern. Wenn netto am Ende nicht viel mehr übrig bleibe als mit Bürgergeld , fragten sich manche, ob sie überhaupt noch arbeiten gehen sollten , so Dulger weiter.
Die Bundesregierung um Bundeskanzler Friedrich Merz (rechts) und Finanzminister Lars Klingbeil (Mitte) plant Anpassungen am Sozialstaat.
© Christian Spicker/Imago
Im Mai 2025 kam ein Papier des Wirtschaftsweisen Martin Werding für das wissenschaftliche Institut der PKV zu der Schlussfolgerung, dass die Sozialabgaben in Deutschland „bis 2035 auf 47,5 Prozent, bis 2050 weiter auf 52,9 Prozent und bis 2080 auf nicht weniger als 58,4 Prozent erhöht werden.“ Friedrich Merz (CDU ) hatte in seinem Zwölf-Punkte-Plan vergangenes Jahr eine Begrenzung der Sozialabgaben auf 40 Prozent des Bruttolohns versprochen. Wie genau er das bewerkstelligen will, stand in dem Reformplan nicht.
Wie lässt sich Wunschmarke von 40 Prozent Sozialabgaben erreichen? Der Chef der Techniker Krankenkasse Jens Baas brachte unlängst eine Möglichkeit ins Spiel: „Unsere Versicherten und ihre Arbeitgeber“ müssen „jedes Jahr alleine schon 10 Milliarden Euro für die Versicherung von Bürgergeld-Empfängern aufbringen.“ Diese Aufgabe gehöre aus seiner Sicht „unzweifelhaft [...] von Steuern finanziert.“ Damit ließe sich ein Anstieg des Beitragssatzes aus seiner Sicht fast komplett vermeiden. Derzeit warnt Bass vor einem Anstieg auf 18,3 Prozent bis 2027. Das Problem: Auch die Wirtschaft wird stark durch hohe Lohnnebenkosten belastet.
Würde die Leistung von der Solidargemeinschaft aller Bürger, also aus Steuermitteln, finanziert , entspräche das dem Solidargedanken, werfen Unterstützer dieser Idee ein. „Dieses permanente Schröpfen der Versichertengemeinschaft muss endlich aufhören, und der Staat muss seinen Pflichten nachkommen“, sagte die Vorständin des BKK Dachverbands, Anne-Kathrin Klemm . Andere finden, das Solidarprinzip der gesetzlichen Krankenversicherungen beruhe genau darauf, dass die Stärkeren für die Schwächeren einstehen. dass also Versicherungsbeiträge auch für sogenannte versicherungsfremde Leistungen aufkommen. Dazu zählen etwa die Krankenversicherung von Bürgergeld-Empfängern oder die beitragsfreie Mitversicherung von Kindern.
Rentensystem vor dem Kollaps: Immer weniger zahlen für immer mehr Auch das Rentensystem in Deutschland ist in Schieflage. Wegen der alternden Bevölkerung gerät das Umlageprinzip an seine Grenzen: Immer mehr Rentenbezieher kommen auf immer weniger Beitragszahler. In der Rentenkasse klafft außerdem ein großes Loch von etwa 40 Milliarden Euro . Das bedeutet, die Kasse zahlt für Dinge, für die bislang nie jemand Geld eingezahlt hat. Die Forderung auch hier: Die Differenz sollte mit Steuergeld beglichen werden.
Renten-Meilensteine in Deutschland in Bildern – von Bismarck über Riester bis Müntefering Der Name Bismarck hallt bis heute nach. Auch weil Otto von Bismarck im Juni 1889 nach jahrelanger Debatte das „Gesetz über die Invaliditäts- und Altersversicherung“ durch den Reichstag brachte. Die Geburtsstunde der Rente in Deutschland. © Photo 12/www.imago-images.de Altersrente gab es damals aber erst ab dem vollendeten 70. Lebensjahr – die Lebenserwartung betrug damals nicht mal 50 Jahre. Der Holzstich zeigt Dreher, Gießer und Former in einer Porzellanfabrik um 1880. © imago stock&people/Imagebroker Bismarcks politisches Kalkül war klar: Er wollte die Arbeiter besänftigen. Rentenversichert waren zunächst Arbeiter und „kleine Angestellte“ mit Einkommen bis 2.000 Mark. Die Beiträge zahlten Arbeitgeber und -nehmer zu gleichen Teilen. © IMAGO/GRANGER Historical Picture Archive Größere Reformen gab es Anfang des 20. Jahrhunderts. Angestellte waren ab 1913 bei der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte angesiedelt. Sie konnten schon ab 65 Jahren in Rente gehen – anders als Arbeiter. © imago stock&people/Arkivi Das Bild zeigt verwundete deutsche Soldaten in Frankreich. Vor dem Ersten Weltkrieg hatten die deutschen Rentenversicherungsanstalten Überschüsse, die sie etwa in Wohnungsbau steckten. Entlassungswellen und Hinterbliebenenrenten änderten das schnell. Das Bild zeigt verwundete deutsche Soldaten in Frankreich. © imageBROKER/GTW Frauen im Ghetto Warschau bei erzwungener Näharbeit Im NS-Regime werden Jüdinnen und Juden und andere verfolgte Gruppen aus der Rentenversicherung ausgeschlossen. Millionen von Zwangsarbeitern - im Foto: Frauen 1941 im Ghetto Dambrowa Gornicza bei erzwungener Näharbeit – bleiben ohne Rentenansprüche. Überschüsse der Kassen flossen in Kriegsanleihen. © Imago/Reinhard Schultz Bundeskanzler Konrad Adenauer (r) gibt in Bonn seine Stimme für die Bundestagswahl 1957 ab „Keine Experimente“ lautete Konrad Adenauers Slogan zur Bundestagswahl 1957. Bei der Rente wagte er aber eine Reform. Bis dato waren die Renten enorm gering, 50 DM war der Mindestsatz, der Durchschnitt nur unwesentlich höher. Nun änderte sich die Berechnung, Arbeiterrenten stiegen um etwa 60 Prozent. © DB/picture alliance/dpa Willy Brandt im Jahr 1972. Die nächste große Neuerung gab es unter Willy Brandt. Seit (dem Wahljahr) 1972 können auch Nicht-Pflichtversicherte in die Rentenversicherung einzahlen – etwa Selbstständige und Hausfrauen. Letzteres war ein Schritt zur Unabhängigkeit von den Ehemännern. Ab 1977 gab es dann auch einen „Versorgungsausgleich“ bei Scheidung. © Imago/Sven Simon Norbert Blüm klebt Rentenplakat „Die Rente ist sicher“: Auch mit diesem Satz blieb der mittlerweile verstorbene Arbeitsminister Norbert Blüm in Erinnerung. Auch Blüm kümmerte sich aber um die Lage der Rentnerinnen – er führte 1986 die „Mütterrente“ ein. Seither zählen Kindererziehungszeiten für die Rentenhöhe. © Peter Popp/picture-alliance/dpa 13 09 1985 Berlin Deutsche Demokratische Republik DDR Alte Frauen unterhalten sich Die nächste große Herausforderung ist die Eingliederung der Bürger der ehemaligen DDR (hier ein Foto aus Ostberlin 1985) in die bundesdeutsche Rentenkasse. Die Deutsche Rentenversicherung preist rückblickend die Stärke des umlagefinanzierten Systems: „Die Rentenversicherung zahlte von einem Tag auf den anderen fast vier Millionen zusätzlicher Renten. Das wäre in einem kapitalgedeckten Rentensystem nicht vorstellbar gewesen.“ © imago stock&people/Franksorge Kanzler Helmut Kohl (re.), Blüm und Finanzminister Theo Waigel Die nächste Reform folgt dennoch – Kanzler Helmut Kohl (re.), Blüm und Finanzminister Theo Waigel (li.) müssen sparen, auch angesichts der alternden Bevölkerung. Ab 1992 steigen Altersgrenzen. Frauen und Arbeitslose (bislang bis 62 Jahren) und langjährige Versicherte (bis 63) müssen nun bis 65 arbeiten. Nur noch ein Jahr Kindererziehungszeit ist anrechenbar. © Michael Jung/dpa/picture-alliance Koalitionsverhandlungen Riester Schröder Auch Gerhard Schröders Rot-Grün hat ebenfalls Rentenpläne im Gepäck. Arbeitsminister Walter Riester leiht der „Riester-Rente“ seinen Namen – der Staat fördert auf ihrem Wege private Altersvorsorge. Das Modell gilt mittlerweile aber als Flop. Riester arbeitete später auch für Carsten Maschmeyers Finanzdienstleister AWD, dem die Reform gelegen gekommen sein dürfte. © picture-alliance / dpa | Hermann_J._Knippertz Franz Münterfering und Angela Merkel 2007 im Bundestag. Heikle Operation: SPD-Vizekanzler Franz Müntefering brachte 2007 die „Rente mit 67“ auf den Weg. Angela Merkels GroKo plante allerdings lange Übergangsfristen, noch bis 2031 dauert die Anhebung des Eintrittsalters an. Für Menschen, die 45 Jahre einzahlten, gab es eine Sonderregel. © Imago/Metodi Popow Angela Merkel und Andrea Nahles 2017 bei einer Kabinettssitzung. Müntefering war nicht mehr dabei als Merkels zweite GroKo 2017 das nächste „Rentenpaket“ schnürte. Arbeitsministerin war nun Andrea Nahles. Diesmal ging es um Erleichterungen. Langjährig Versicherte konnten nun ab 63 in Rente, die Mütterrente wurde ausgeweitet. 2018 kamen im „Rentenpakt“ (ohne drittes e) „Haltelinien“ für Beiträge und Rentenniveau hinzu. © Michael Kappeler/dpa/picture alliance 19 02 2017 Angleichung der Rente Rente Ostrente Westrente Ost West Altersruhegeld Angleichu Fast 35 Jahre wird es gedauert haben – aber ab 2025 werden für die Rente in Ost- und Westdeutschland die gleichen Berechnungsgrößen gelten. Ein durchaus historischer Schritt. Beschlossen wurde er schon 2017. © imago stock&people/Steinach Arbeitsminister Hubertus Heil – zuständig auch für die Rente – im Bundestag. Die Evolution der Rente geht weiter: Seit 2021 gibt es die Grundrente als Zuschlag für Menschen, die unterdurchschnittlich verdient haben. Es wird nicht der Schlusspunkt sein: Angedacht – aber umstritten – ist die Aktienrente. Zugleich altert die deutsche Bevölkerung weiter, das Umlagesystem ist unter Druck. Ist die Rente sicher, auch über die Amtszeit von Hubertus Heil hinaus? Die Zukunft wird es zeigen. © Hannes P. Albert/dpa/picture-alliance Der Beitragssatz für die Rentenversicherung könnte um zwei Prozentpunkte auf 16,6 Prozent gesenkt werden, wenn der Bund alle versicherungsfremden Leistungen übernähme . Das bestätigte Imke Brüggemann-Borck, Leiterin des Dezernats Finanzierung und Verteilung der Deutschen Rentenversicherung laut Wirtschaftswoche (WiWo) . Das wäre das niedrigste Niveau seit über 30 Jahren – und würde allen, die arbeiten, viel Geld sparen. Schwarz-rot plant indes, die Mütterrente auszuweiten und das Rentenniveau auf 48 Prozent festzulegen . Das seien „teure Versprechungen“, kritisiert etwa der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher.
„Wenn man sich entschließt, die Mütterrente durch Rentenbeiträge gegenzufinanzieren, [...] würden wir schon im Jahr 2027 bei einem Beitragssatz von mehr als 19 Prozent landen“, kommentierte Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung im Interview mit dem Tagesspiegel . Der Gegenvorschlag des DIW: Eine Sonderabgabe auf Alterseinkünfte: „Ein ‚Boomer-Soli‘ - eine Solidaritäts-Sonderabgabe auf sämtliche Alterseinkünfte - kann ein wichtiger Baustein zur Stabilisierung des Rentensystems in Deutschland sein“, heißt es im aktuellen DIW-Wochenbericht.
Von Adenauer bis Merz: Die Kanzler der Bundesrepublik Konrad Adenauer, eigentlich Conrad Hermann Joseph Adenauer, war der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Seine Amtszeit dauerte vom 15. September 1949 bis zum 16. Oktober 1963 - er gilt als „Vater der Bundesrepublik“. Der Christdemokrat Adenauer war maßgeblich am Wiederaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligt. Er setzte sich für die Westbindung Deutschlands und die Versöhnung mit Frankreich ein. Hier zu sehen mit Charles de Gaulle (rechts) in Paris, nach der Unterzeichnung des Freundschaftsvertrages 1963. © ReproxAnikaxWacker/Imago Adenauers Politik der Westintegration und des Wirtschaftsaufschwungs (“Wirtschaftswunder“) war erfolgreich. Er stand jedoch auch in der Kritik, beispielsweise für die Bespitzelung Willy Brandts und des SPD-Parteivorstandes, die erst im Jahr 2017 nach einem Bericht im Spiegel einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde. Demnach wurden zwischen 1953 und 1962 Interna des SPD-Parteivorstandes an Adenauer durchgereicht. Auch seine Haltung in der Wiedergutmachungsfrage gegenüber Israel und den Juden wurde als zu zögerlich kritisiert. Darauf wurde auch das Attentat auf Adenauer mittels einer Paketbombe im März 1952 zurückgeführt, bei der Explosion starb ein Beamter der Polizei München. © Gemini/Imago Konrad Adenauer wurde am 5. Januar 1876 in Köln geboren und starb am 19. April 1967 in seinem Wohnort in Rhöndorf. Er absolvierte 1884 das Abitur in Köln und studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Freiburg, München und Bonn. Er war zweimal verheiratet und hatte aus den beiden Ehen insgesamt acht Kinder, von denen eines direkt nach der Geburt starb. Adenauer war gläubiger Katholik und sein Glaube prägte auch seine politische Haltung. Privat betätigte sich Adenauer auch als Erfinder und sicherte sich insgesamt drei Patente - unter anderem für das Verfahren zur Herstellung eines dem rheinischen Roggenschwarzbrot ähnelnden Schrotbrotes, für eine neue Tülle für Gießkannen oder eine Sojawurst. Hier zu sehen in seinem Zuhause mit seinem Sohn Georg und seiner Tochter Lotte am 1. Januar 1955. © George Munker/Imago Ludwig Erhard war der zweite Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er amtierte vom 17. Oktober 1963 bis zum 1. Dezember 1966. Der zunächst parteilose Politiker und spätere Christdemokrat war zuvor Wirtschaftsminister und Vize-Kanzler und gilt als Vater des „Wirtschaftswunders“. Als Kanzler setzte er die von Adenauer begonnene Politik der Westintegration fort. Hier zu sehen noch als Vize-Kanzler mit dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer im März 1963. © Imago Erhard stand für eine liberale Wirtschaftspolitik und soziale Marktwirtschaft. Ludwig Erhard stand für eine liberale Wirtschaftspolitik und soziale Marktwirtschaft. Er hatte jedoch mit wirtschaftlichen Problemen und Spannungen innerhalb der Koalition zu kämpfen. Die sogenannte „Spiegel-Affäre“ im Jahr 1962, in der die Bundesregierung versuchte, die Veröffentlichung eines kritischen Artikels zur Verteidigungsfähigkeit Deutschlands zu verhindern, schwächte seine Position. Die Anhänger hatten erwartet, dass er die Affäre hätte nutzen können, die Kanzlerschaft zu erringen und waren enttäuscht von Erhards Zögerlichkeit. Hier ein Plakat mit Erhard, dass die Saarbrücker Stiftung für Demokratie im Jahr 2002 bei einer Ausstellung gezeigt hat. © Becker&Bredel/Imago Ludwig Erhard wurde am 4. Februar 1897 in Fürth geboren und starb am 5. Mai 1977 in Bonn. Ludwig Erhard wurde am 4. Februar 1897 in Fürth geboren und starb am 5. Mai 1977 in Bonn. Er absolvierte nach der Volks- und Realschule zunächst erfolgreich eine kaufmännische Lehre, studierte dann von 1919 bis 1922 ohne Abitur an der damals neu gegründeten Handelshochschule Nürnberg und erwarb einen Abschluss als Diplom-Kaufmann. Anschließend absolvierte er ein Studium der Betriebswirtschaftslehre und der Soziologie an der Universität Frankfurt. 1923 heiratete Erhard die Volkswirtin Luise Schuster, aus der Ehe ging eine Tochter hervor, eine weitere Tochter brachte die Witwe mit in die Ehe. Die Familie lebte in Gmund am Tegernsee. © United Archives International/Imago Kurt Georg Kiesinger war der dritte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er regierte vom 1. Dezember 1966 bis zum 21. Oktober 1969. Kurt Georg Kiesinger war der dritte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er regierte vom 1. Dezember 1966 bis zum 21. Oktober 1969. Hier zu sehen beim Ablegen des Amtseides mit dem damaligen Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier (rechts). Der CDU-Politiker Kiesinger führte die erste Große Koalition aus CDU/CSU und SPD. In seine Amtszeit fiel die Einführung der Notstandsgesetze, die am 30. Mai 1968 vom Deutschen Bundestag nach zehnjähriger Debatte verabschiedet wurden. Diese räumen dem Staat in Krisenzeiten die Möglichkeit zur Einschränkung bürgerlicher Grundrechte ein. Die Gesetzesänderung war äußerst umstritten und führte zu massiven Protesten von Studenten, Intellektuellen und Gewerkschaften, die eine Gefährdung der jungen deutschen Demokratie befürchteten und auf negative Erfahrungen aus der Weimarer Republik verwiesen. Die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD verfügte über die notwendige Zweidrittelmehrheit zur Grundgesetzänderung und setzte die Notstandsgesetze trotz der Proteste durch, die ihren Höhepunkt im „Sternmarsch auf Bonn“ am 11. Mai 1968 fanden. Insgesamt war das politische Klima zu dieser Zeit bereits sehr aufgeheizt und hatte bereits am 11. April seinen traurigen Höhepunkt, als Studentenführer Rudi Dutschke auf der Straße angeschossen wurde. © Egon Steiner/dpa Kurt Georg Kiesinger bemühte sich während seiner Amtszeit um eine Aussöhnung mit Osteuropa und setzte die von seinen Vorgängern begonnene Westbindung fort. Seine frühere Mitgliedschaft in der NSDAP sorgte jedoch immer wieder für Kritik. Kurt Georg Kiesinger bemühte sich während seiner Amtszeit um eine Aussöhnung mit Osteuropa und setzte die von seinen Vorgängern begonnene Westbindung fort. Seine frühere Mitgliedschaft in der NSDAP sorgte jedoch immer wieder für Kritik. Er war 1933 noch als Student in die NSDAP eingetreten, hatte aber bereits seit 1934 Zweifel am Regime. Nach eigenen Angaben hätten ihm die Mordaktionen in der Folge des sogenannten Röhmputsches vom 30. Juni 1934 die Augen geöffnet. Andere Quellen deuten an, dass er Hitler treu gedient habe. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs saß er wegen seiner Mitgliedschaft insgesamt 18 Monate in verschiedenen Internierungslagern in Haft. 1946 durchlief er dann das Entnazifizierungsverfahren. Seine NSDAP-Vergangenheit trug ihm eine berühmte Ohrfeige ein: Am 7. November 1968 schaffte es die deutsch-französische Journalistin und Nazi-Jägerin, Beate Klarsfeld (Foto), sich in der Berliner Kongresshalle am Sicherheitspersonal vorbeizuschleusen und Kiesinger vor der Presse eine Ohrfeige zu verpassen. © dpa Kurt Georg Kiesinger wurde am 6. April 1904 in Ebingen geboren und starb am 9. März 1988 in Tübingen. Kurt Georg Kiesinger wurde am 6. April 1904 in Ebingen geboren und starb am 9. März 1988 in Tübingen. Kiesinger heiratete 1932 Marie-Luise Schneider, aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Kiesinger war promovierter Jurist und arbeitete vor seiner politischen Karriere als Rechtsanwalt. 1949 hatte er sein erstes Bundestagsmandat übernommen. Hier zu sehen in einer Talkrunde im Fernsehen zusammen mit (von links neben Kiesinger) Franz Josef Strauss (CSU), Walter Scheel (FDP) und Willy Brandt (SPD). © dpa Willy Brandt war der vierte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Seine Amtszeit dauerte vom 21. Oktober 1969 bis zum 7. Mai 1974. Willy Brandt war der vierte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Seine Amtszeit dauerte vom 21. Oktober 1969 bis zum 7. Mai 1974. Er war der erste sozialdemokratische Bundeskanzler und stand für eine neue Ostpolitik. Er gilt als bedeutender Staatsmann des 20. Jahrhunderts. Nach seinem Ausscheiden aus der deutschen Bundespolitik engagierte er sich weltweit für Frieden, Völkerverständigung und Abrüstung. Brandt stolperte 1974 über die Guillaume-Affäre. Der enge Mitarbeiter Brandts und Referent für Parteiangelegenheiten, Günter Guillome, stand zu diesem Zeitpunkt bereits ein Jahr unter Verdacht, ein DDR-Spion zu sein, was Brandt aber nicht ernst nahm - mit seinem Rücktritt zog Brandt daraus die Konsequenzen. Hier zu sehen, wie er am 21. Oktober 1969 vor dem damaligen Bundestagspräsidenten Kai Uwe von Hassel im Bundestag in Bonn seinen Amtseid ablegt. © dpa Willy Brandt begann mit den Ostverträgen einen Kurs der Entspannung mit der Sowjetunion, der DDR, Polen und den übrigen Ostblockstaaten. Willy Brandt begann mit den Ostverträgen einen Kurs der Entspannung mit der Sowjetunion, der DDR, Polen und den übrigen Ostblockstaaten. Historisch bedeutsam war sein Kniefall in Warschau (Polen). Für seine Entspannungs-Politik erhielt Brandt 1971 den Friedensnobelpreis. Innerpolitisch setzte er sich für Reformen in der Sozial-, Bildungs- und Rechtspolitik ein. Unter dem Motto „Wir wollen mehr Demokratie wagen“, das zu einem geflügelten Wort für gesellschaftlichen Aufbruch wurde. © dpa Willy Brandt wurde am 18. Dezember 1913 als Herbert Frahm in Lübeck geboren. Willy Brandt wurde am 18. Dezember 1913 als Herbert Frahm in Lübeck geboren. Er war als uneheliches Kind gebrandmarkt und bezeichnete seine Familienverhältnisse später selbst als chaotisch. 1933 nimmt er als 19-Jähriger den Decknamen Willy Brand an und flüchtet vor den Nazis nach Norwegen. Er starb am 8. Oktober 1992 in Unkel, wo er mit seiner dritten Ehefrau, der Historikerin und Publizistin, Brigitte Seebacher, lebte. Brandt hatte insgesamt vier Kinder aus den beiden vorhergehenden Ehen, die beide geschieden wurden. Hier zu sehen mit seinen Söhnen Lars und Peter bei einem Urlaub in Norwegen. © dpa Helmut Schmidt war der fünfte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er regierte vom 16. Mai 1974 bis zum 1. Oktober 1982. Helmut Schmidt war der fünfte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er regierte vom 16. Mai 1974 bis zum 1. Oktober 1982. Der SPD-Politiker prägte die Politik der Bundesrepublik in einer Zeit großer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Herausforderungen. Gemeinsam mit dem französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d‘Estaing verbesserte Schmidt die deutsch-französischen Beziehungen und trieb die europäische Integration voran. Die wichtigsten Erfolge waren die Gründung des Europäischen Rates, die Einführung des Europäischen Währungssystems mit der ECU als Vorläufer des Euro sowie die Initiierung des Weltwirtschaftsgipfels und der G7. © Fritz Fischer/dpa Helmut Schmidts Amtszeit war geprägt von Krisen. Helmut Schmidts Amtszeit war geprägt von Krisen. Zunächst musste er die Ölkrise managen. Dabei setzte er auf ein Investitionsprogramm, das die Nachfrage ankurbeln sollte, aber das auch die Staatsschulden in die Höhe trieb. Seine harte Haltung gegenüber dem linken Terrorismus der RAF wurden vielseits gelobt, aber von Familien der Opfer auch harsch kritisiert. In seine Amtszeit fiel auch der “Deutsche Herbst”, der Höhepunkt des RAF-Terrorismus mit der Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer und der Entführung der Lufthansa Maschine „Landshut“ 1977. Hier ist Helmut Schmidt mit Journalisten nach der Befreiung der Lufthansa-Maschine zu sehen. Kritik bekam Schmidt ebenfalls für die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland mittels des Nato-Doppelbeschlusses. Aus der Protestaktion dagegen, maßgeblich mitgeführt von Umweltschützern, ging zum Ende von Schmidts Regierungszeit 1980 die Partei „Die Grünen” hervor. © Fritz Reiss/dpa Helmut Schmidt wurde am 23. Dezember 1918 in Hamburg geboren und starb am 10. November 2015 ebenfalls in Hamburg. Helmut Schmidt wurde am 23. Dezember 1918 in Hamburg geboren und starb am 10. November 2015 ebenfalls in Hamburg. Vor dem Krieg hatte er ursprünglich mal Architektur und Städtebau studieren wollen, entschied sich aber nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft für ein schnelleres „Brotstudium” und studierte Volkswirtschaftslehre und Staatswissenschaften in Hamburg. Er war verheiratet mit Loki Schmidt (links), die er bereits während der Schulzeit kennenlernte, die beiden hatten eine Tochter. © dpa Helmut Kohl war der sechste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Seine Amtszeit dauerte vom 1. Oktober 1982 (hier beim Ablegen seines Amtseides) bis zum 27. Oktober 1998. Helmut Kohl war der sechste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Seine Amtszeit dauerte vom 1. Oktober 1982 (hier beim Ablegen seines Amtseides) bis zum 27. Oktober 1998. Kohl war der Bundeskanzler mit der bisher längsten Amtszeit. Er war mit 5870 Tagen insgesamt 9 Tage länger im Amt als Angela Merkel. Kohl führte Deutschland durch die Wiedervereinigung. Mit den Zwei-plus-Vier-Verträgen schaffte er es gemeinsam mit Außenminister Hans-Dietrich Genscher und DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière die Wiedervereinigung samt Nato-Eintritt des wiedervereinigten Deutschlands durchzusetzen. Zudem setzte sich Kohl stark für die europäische Integration ein, er machte sich unter anderem für die Stärkung der europäischen Institutionen stark, insbesondere der des Europäischen Parlamentes. © dpa Helmut Kohl gilt als „Kanzler der Einheit“. Hier zu sehen mit Hans Modrow (links), dem damaligen Ministerpräsidenten der DDR, nach dem Mauerfall 1989 auf der Ostseite des Brandenburger Tores. Helmut Kohl gilt als „Kanzler der Einheit“. Hier zu sehen mit Hans Modrow (links), dem damaligen Ministerpräsidenten der DDR, nach dem Mauerfall 1989 auf der Ostseite des Brandenburger Tores. Kohl wird für seinen Beitrag zur deutschen Wiedervereinigung und zur Einführung des Euro gewürdigt. Kritiker warfen ihm jedoch einen autoritären Führungsstil und die Verstrickung in die CDU-Parteispendenaffäre vor. Ende 1999 gab Kohl zu, dass er jahrelang CDU-Spenden in Höhe von 2,1 Millionen D-Mark nicht im Rechenschaftsbericht angegeben hatte. Aufgrund der Affäre trat er als Ehrenvorsitzender der CDU zurück. Ein Verfahren gegen ihn wurde wegen geringer Schuld gegen Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 300.000 D-Mark im Jahr 2001 eingestellt. © dp Helmut Kohl wurde am 3. April 1930 in Ludwigshafen am Rhein geboren und starb am 16. Juni 2017 in Ludwigshafen. Helmut Kohl wurde am 3. April 1930 in Ludwigshafen am Rhein geboren und starb am 16. Juni 2017 ebenfalls in Ludwigshafen. Bereits als Schüler ist Kohl im Jahr 1946 in die CDU eingetreten. Nach dem Abitur studierte er ab 1950 Rechtswissenschaften und Geschichte in Frankfurt. Er war verheiratet mit Hannelore Kohl, geborene Renner. Die beiden hatten zwei Söhne, Walter und Peter. Gemeinsam verbrachte die Familie viele Sommerurlaube am Wolfgangsee (Foto). 2001 nahm sich Hannelore Kohl das Leben, sie soll unter einer Lichtallergie gelitten haben. Im Jahr 2008 heiratete Kohl erneut. Seine zweite Frau Maike Richter hatte er im Kanzleramt kennengelernt, wo die Volkswirtin von 1994 bis 1998 als Beamtin in der Wirtschaftsabteilung arbeitete. © Heinz Wieseler/dpa Gerhard Schröder war der siebte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er amtierte vom 27. Oktober 1998 bis zum 22. November 2005. Gerhard Schröder war der siebte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er amtierte vom 27. Oktober 1998 bis zum 22. November 2005. Schröder führte die erste rot-grüne Koalition auf Bundesebene. Hier legt der im Reichstag in Berlin seinen Amtseid auf das Grundgesetz ab, das ihm der damalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) hält. Schröders Kanzlerschaft ist schwer zusammenzufassen und zu bewerten: Er verantwortete die ersten Auslandseinsätze der Bundeswehr im Kosovo und in Afghanistan. Dennoch ließ er sich im Wahlkampf zu seiner zweiten Amtszeit als „Friedenskanzler“ feiern. Mit der Vertrauensfrage löste Schröder 2005 vorgezogene Bundestagswahlen aus, bei denen die rot-grüne-Koalition ihre Mehrheit und er sein Amt verlor. Daraufhin zog sich Schröder aus der Politik zurück. © dpa Gerhard Schröder setzte sich für eine Modernisierung Deutschlands ein, insbesondere durch die Arbeitsmarktreform Agenda 2010, die jedoch auch zu heftiger Kritik führte und bundesweit zu heftigen Protestaktionen, den „Montagsdemonstrationen” führte. Gerhard Schröder setzte sich für eine Modernisierung Deutschlands ein, insbesondere durch die Arbeitsmarktreform Agenda 2010, die jedoch auch zu heftiger Kritik führte und bundesweit zu heftigen Protestaktionen, den „Montagsdemonstrationen” führte (im Foto eine der Demos im Mai 2003 in Potsdam). Mit seiner “Flexibilisierung des Arbeitsmarktes” wollte er die Erwerbstätigkeit steigern, und gleichzeitig die Arbeitskosten senken, um Deutschland wieder wettbewerbsfähiger machen. Der frühere DGB-Chef Michael Sommer bezeichnete die Agenda 2010 als Politik des Sozialabbaus. Schröder lehnte die Beteiligung Deutschlands am Irakkrieg 2003 ab. Er war der Überzeugung, dass man den Irak friedlich entwaffnen müsse, in dem den internationalen Waffeninspekteuren die Arbeit wieder ermöglicht würde. Mit dieser Haltung geriet er nicht nur international ins Kreuzfeuer, auch die Opposition im Bundestag ging mit ihm hart ins Gericht. © Robert Michael/dpa Gerhard Schröder wurde am 7. April 1944 in Mossenberg geboren. Gerhard Schröder wurde am 7. April 1944 in Mossenberg geboren. Nach einer Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann holte er sein Abitur nach und studierte in Göttingen Rechtswissenschaften. Sein Studium schloss er 1971 ab. Er war insgesamt fünfmal verheiratet. Seine Ehefrauen in der korrekten Reihenfolge sind: Eva Schubach, Anne Taschenmacher, Hiltrud Schwetje, Doris Schröder-Kopf und aktuell So-yeon Kim. Schröder selbst hat keine leiblichen Kinder, er ist aber der Stiefvater einer Tochter von Doris Schröder-Kopf, zudem haben die beiden während ihrer Ehe zwei russische Waisenkinder adoptiert. Nach seiner Kanzlerschaft war Schröder unter anderem als Berater für russische Energiekonzerne wie Rosneft tätig, was ihm viel Kritik einbrachte. 2022 legte Schröder sein Amt im Rosneft-Aufsichtsrat nieder, nachdem das Europaparlament damit gedroht hatte, ihn auf die Sanktionsliste gegen russische Oligarchen zu setzen, wenn er trotz des Ukraine-Kriegs seine Posten in dem russischen Unternehmen behalte. Heftige Kritik an Schröder gab es für seine Reise nach Moskau, wo er im Alleingang mit Putin über die Ukraine gesprochen hat. © Michael Kappeler/dpa Angela Merkel war die achte Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. Ihre Amtszeit erstreckte sich vom 22. November 2005 bis zum 8. Dezember 2021 und war nur neun Tage kürzer, als die Kanzlerschaft ihres CDU-Kollegen Helmut Kohl. Angela Merkel war die achte Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. Ihre Amtszeit erstreckte sich vom 22. November 2005 bis zum 8. Dezember 2021 und war nur neun Tage kürzer, als die Kanzlerschaft ihres CDU-Kollegen Helmut Kohl. Merkel war die erste Frau in diesem Amt. Sie legte den Amtseid vor Bundestagspräsident Norbert Lammert ab (Foto). Merkel führte Deutschland durch die Finanzkrise 2008 und die Eurokrise und zuletzt durch den Anfang der Corona-Krise. Während der Eurokrise hat sie laut eigener Aussagen immer versucht, die deutschen Steuerzahler zu entlasten und gleichzeitig den Euroraum aufrechtzuerhalten. Angela Merkel wurde aufgrund ihrer DDR-Herkunft oft kritisiert und war Ziel von Verschwörungstheorien. Sie gehörte in der DDR weder der Staatspartei SED noch einer Blockpartei an, engagierte sich aber auch nicht in der Opposition. © dpa Angela Merkel setzte sich für die europäische Integration ein und engagierte sich in der internationalen Klimapolitik. Angela Merkel setzte sich für die europäische Integration ein und engagierte sich in der internationalen Klimapolitik. Von 1994 bis 1998 war sie im fünften Kabinett von Bundeskanzler Kohl Bundesumweltministerin, in der Legislaturperiode davor, Familienministerin. Für ihre Kehrtwende beim Thema Atomenergie nach dem Reaktor-Unglück in Fukushima, musste sie viel Kritik, vor allem vom konservativen CDU-Flügel, einstecken. Nach Fukushima verhängte Merkel ein sofortiges dreimonatiges Atom-Moratorium für sie sieben ältesten Atomkraftwerke und setze eine Expertenkommission zum Atomausstieg ein. Kritiker meinen, dass sie damit die CDU für kurz darauf anstehende Landtagswahlen in mehreren Bundesländern positionieren wollte. Ihre Bilanz zum Thema Umweltschutz: Gemessen am Zwei-Grad-Ziel sei während ihrer Kanzlerinnenschaft „nicht ausreichend viel passiert“. Während ihrer Amtszeit halbierte sich die Arbeitslosenquote von einem Rekordhoch von 12 Prozent. Prägend für die Amtszeit von Merkel ist die Raute (Foto) und ihr berühmter Satz „Wir schaffen das“, der im August 2015 fiel, als Deutschland 890.000 Geflüchtete aufnahm und eine große Welle der Hilfsbereitschaft durch das Land ging. Die anfängliche Willkommenspolitik führte jedoch zu politischen Spannungen, insbesondere mit der CSU, und stärkte die AfD. Als Reaktion darauf verschärfte sich die Asylpolitik, was sich unter anderem im EU-Türkei-Abkommen von 2016 zeigte, das darauf abzielte, die Migration nach Europa zu begrenzen. Insgesamt wurde die Kanzlerin für ihren pragmatischen Politikstil geschätzt. © dpa Angela Merkel wurde am 17. Juli 1954 in Hamburg geboren. Sie ist seit 1998 in zweiter Ehe mit Joachim Sauer verheiratet und kinderlos. Angela Merkel wurde am 17. Juli 1954 in Hamburg geboren. Sie ist seit 1998 in zweiter Ehe mit Joachim Sauer verheiratet und kinderlos. Ihren Nachnamen Merkel behielt sie aus ihrer ersten Ehe mit Ulrich Merkel, die 1977 geschlossen und 1982 geschieden wurde, weil sie zum Zeitpunkt ihrer zweiten Hochzeit bereits unter diesem Namen in der Öffentlichkeit bekannt war. Merkel, die als Pfarrerstochter in der Uckermark groß geworden ist, besuchte die polytechnische Oberschule in Templin. Sie galt als “hochbegabt, ehrgeizig und schüchtern”. Nach dem Abitur studierte sie in Leipzig Physik, welches sie 1978 abschloss. Vor ihrer politischen Karriere arbeitete sie in Ost-Berlin als Wissenschaftlerin und schloss ihre Dissertation ab. © dpa Olaf Scholz ist der neunte und aktuelle Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er ist seit dem 8. Dezember 2021 im Amt. Olaf Scholz war der neunte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er war vom 8. Dezember 2021 bis zum 6. Mai 2025 im Amt. Scholz führte die erste Ampelkoalition auf Bundesebene aus SPD, Grünen und FDP. Seine Regierung startete mitten in der Corona-Krise, und kurz darauf begann der Ukraine-Krieg. Die Ampelkoalition war von Beginn an sehr zerstritten, nach 1064 Tagen scheiterte sie am 6. November 2024. Neben den Herausforderungen der Corona-Krise und des Ukraine-Krieges waren es vor allem das umstrittene Heizungsgesetz von Wirtschaftsminister Robert Habeck und der vom Bundesverfassungsgericht geschasste Haushalt, der die Stimmung in der Koalition kippen ließ. Scholz stellte dann am 11. Dezember 2024 die Vertrauensfrage und machte damit den Weg frei für Neuwahlen im Februar 2025. © spa “Zeitenwende” ist der prägende Begriff für die Kanzlerschaft von Olaf Scholz. Diesen Begriff verwendete er bei seiner Rede im Bundestag, kurz nachdem der Ukraine-Krieg am 24. Februar 2022 ausbrach. “Zeitenwende” ist der prägende Begriff für die Kanzlerschaft von Olaf Scholz. Diesen Begriff verwendete er bei seiner Rede im Bundestag, kurz nachdem der Ukraine-Krieg am 24. Februar 2022 ausbrach. Als Reaktion auf den Kriegsbeginn kündigte er eine neue deutsche Sicherheitspolitik mit mehr Verantwortung an. Unter anderem wurde die Bundeswehr mit einem Sondervermögen von 100 Milliarden Euro ausgestattet. Obwohl einige SPD-Mitglieder von dieser Entscheidung überrascht waren, lobten viele seine Entschlossenheit. Neben der Zeitenwende ist vor allem seine Rolle im Cum-Ex-Skandal prägend für seine Amtszeit. Der Cum-Ex-Skandal betrifft illegale Geschäfte, bei denen Banken und Investoren sich Steuerrückerstattungen erschlichen haben, obwohl sie die entsprechenden Steuern nie gezahlt hatten, was dem Staat Milliarden kostete. Olaf Scholz, der damalige Erste Bürgermeister von Hamburg, steht im Verdacht, während seiner Amtszeit Einfluss auf die Rückzahlungspflicht der Warburg-Bank genommen zu haben. 2016 hatte das Hamburger Finanzamt von der Rückzahlung von 47 Millionen Euro abgesehen. Scholz bestreitet jegliche politische Einflussnahme und kann sich nicht an die Inhalte seiner Gespräche mit dem Warburg-Eigentümer erinnern, wie er unter anderem in einem Untersuchungsausschuss als Zeuge aussagte (Foto). Er tritt bei der vorgezogenen Bundestagswahl am 23. Februar 2025 erneut als Kanzlerkandidat für die SPD an. © dpa Olaf Scholz wurde am 14. Juni 1958 in Osnabrück geboren. Bereits als Zwölfjähriger gab er als Berufsziel Bundeskanzler an. Olaf Scholz wurde am 14. Juni 1958 in Osnabrück geboren. Bereits als Zwölfjähriger gab er als Berufsziel Bundeskanzler an. Nach dem Abitur 1977 studierte er Jura in Hamburg, das Studium schloss er 1984 mit dem Examen ab. 1998 heiratete er die SPD-Politikerin Britta Ernst (Foto), das Paar ist kinderlos. Vor seiner Kanzlerschaft war Scholz unter anderem Bundesfinanzminister und Erster Bürgermeister von Hamburg. © dpa Bundestag - Kanzlerwahl CDU-Chef Friedrich Merz wurde am 6. Mai 2025 zum neuen Bundeskanzler gewählt. Historisches Novum: Erst im zweiten Wahlgang erhielt er die nötigen Stimmen für eine Kanzlermehrheit. Zunächst hatte er im ersten Wahlgang noch die erforderliche Mehrheit verfehlt – ein bisher einmaliger Vorgang in der Geschichte der Bundesrepublik. © Kay Nietfeld/dpa Merz Nach etwa dreieinhalb Jahren in der Opposition konnte Merz die Union als Kanzler somit zurück an die Macht führen. Dabei galt der 69-Jährige lange als politisch abgeschrieben, hatte sich zwischenzeitlich für eine Karriere in der Wirtschaft entschieden. Zäh und zielstrebig kämpfte sich der Sauerländer an die politische Spitze zurück. Doch das Scheitern im ersten Wahlgang war eine schallende Ohrfeige für Merz. © Odd Andersen/AFP SPD-Bundestagsfraktionssitzung Dem Kabinett gehören zehn Männer und acht Frauen an. CDU und SPD stellen jeweils sieben Minister und Ministerinnen, die CSU drei. Vizekanzler und damit zweitmächtigster Mann im Kabinett nach Merz ist der künftige Finanzminister Lars Klingbeil (SPD). Der Erfolg der Regierung wird maßgeblich davon abhängen, wie die beiden sich verstehen. In den Koalitionsverhandlungen hat das ganz gut geklappt. © Kay Nietfeld/dpa Pflege am Limit: Warum die Pflegekasse laut Kritikern Milliarden für staatliche Aufgaben zahlt Vor Problemen steht auch die soziale Pflegeversicherung. Sie zahlt ebenfalls für Dinge, für die sie nicht zuständig ist, meinen Kritiker. Dazu zählen etwa Rentenbeiträge für Menschen, die zu Hause ihre Verwandten pflegen und deshalb weniger arbeiten. Dabei flossen im vergangenen Jahr 3,7 Milliarden Euro, wie WiWo berichtete. Es sei Sache des Staates, versicherungsfremde Leistungen in der Pflege aus Steuermitteln zu finanzieren, heißt es dazu etwa von der Diakonie Deutschland. „Es ist höchste Zeit, dass die Politik von der Problemanalyse zum Handeln kommt“, meint Maria Loheide, Vorständin Sozialpolitik der Diakonie .
Weil viele Bundesländer ihre Finanzierungsaufgaben nicht ausreichend übernehmen, müssen Pflegebedürftige im Heim immer mehr selbst zahlen. Die sogenannten „Investitionskosten“ werden direkt auf sie abgewälzt. Inzwischen liegt der Eigenanteil im Schnitt bei 3000 Euro pro Monat – das zwingt mehr als ein Drittel der Bewohner dazu, zusätzlich Sozialhilfe zu beantragen. Laut Berechnungen des Arbeitgeberverbandes könnten die Kosten im Schnitt um 498 Euro pro Monat sinken, wenn die Länder ihrer gesetzlichen Pflicht nachkämen.
Kanzler Merz kündigte unlängst grundlegende Reformen des Sozialversicherungssystems an . Konkrete Pläne für die Entlastung der Sozialkassen sind noch nicht bekannt. Oder wie es Arbeitgeberpräsident Dulger formuliert: „Zu Reformen in der Sozialpolitik steht allerdings im Koalitionsvertrag wenig bis gar nichts drin.“