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Arbeitsvermittlung über KI

KI schickt Oma zur Arbeit: So kann der Wiedereinstieg neben der Rente gelingen

Beschäftigte sollen länger arbeiten. Gerade Rentnern mangelt jedoch der Zugang zum Arbeitsmarkt. Ein Start-up will Barrieren abbauen.

München – Die Rente ist unter Druck, gleichzeitig droht der deutschen Wirtschaft ein Verlust von bedeutenden Fachkräften, wenn die geburtenstarken Jahrgänge der Boomer-Generation in den Ruhestand wechseln. Eine verbindliche Reform des Rentenalters gibt es nicht, bisher setzt die Politik auf Anreize. So sollen die älteren Erwerbstätigen, aber auch Rentnerinnen und Rentner, überzeugt werden, weiterhin zu arbeiten. Ein Instrument von Union und SPD soll dabei die Aktivrente sein. Dabei bleiben jedoch weiterhin Hürden für ältere Menschen am Arbeitsmarkt bestehen – dazu haben auch die Bewerbenden Defizite.

Rentner sollen arbeiten – doch der Zugang fehlt

Vorurteile von Unternehmen gegenüber älteren Beschäftigten sind etwa fehlende digitale Kenntnisse, eine höhere Anfälligkeit für Ausfälle wegen Krankheit sowie hohe Gehaltsansprüche. Das betrifft laut Fachleuten nicht nur Menschen, die schon in Rente sind, sondern bereits Beschäftigte ab 50 Jahren. Zum Teil beenden sie bereits über Vorruhestandsregelungen ihre berufliche Laufbahn.

Die besten Arbeitgeber in Deutschland: Zu diesen Unternehmen wollen Fachkräfte 2025 gehen

Siemens AG - Hauptversammlung
Siemens hat es an die Spitze geschafft: In Deutschland würden viele Ingenieure am liebsten zu diesem Arbeitgeber gehen. Dort erhoffen sie sich neben guter Bezahlung und flexiblen Arbeitszeiten eine Firma, die für Innovation steht.  © Sven Hoppe/dpa
Die Vorstände des Technologie-Konzerns Bosch Christian Fischer (l-r), Markus Forschner, Stefan Grosch, Stefan Hartung (Vorsitzender), Tanja Rückert, Markus Heyn und Frank Meyer stehen bei der Bilanz-Pressekonferenz des Konzerns an einem Bosch Logo.
Bosch ist auf Platz 2 der führenden Arbeitgeber für junge Fachkräfte im Ingenieurswesen in Deutschland. Damit ist erstmals kein Automobilunternehmen ganz oben mit dabei - dafür aber ihre Zulieferer.  © Bernd Weißbrod/dpa
Porsche 911 Turbo 50 Jahre
Im Ranking der Beratungsfirma Universum hat es Porsche auf den dritten Platz geschafft. Beim letzten Ranking stand der Autokonzern noch an der Spitze, büßt bei Ingenieuren also zwei Plätze ein.  © Porsche AG
BMW-Stammwerk in München
Auch die BMW Group gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern der deutschen Ingenieure. Wie viele Autokonzerne kämpft auch BMW mit harten Zeiten - doch beim Thema E-Mobilität hat dieses Unternehmen die Nase vorn.  © Sven Hoppe/dpa
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen, l-r), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Markus Schäfer, Vorstandsmitglied der Mercedes-Benz Group, Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group, und Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, stehen während der Eröffnungsfeier des Mercedes-Benz-Campus ´zusammen
Bei Mercedes-Benz erhoffen sich Ingenieure ebenfalls eine gute Zukunft mit guter Bezahlung und fairen Arbeitsbedingungen. Noch dazu scheint das Unternehmen sich als besonders innovativ herausstellen zu können.  © Sebastian Gollnow/dpa
Ein Airbus von Qatar Airways landet auf dem Hamburger Flughafen
Einen Platz nach oben gerutscht ist im Universum-Ranking für Ingenieure auch Airbus. Der Flugzeughersteller konnte sich in den vergangenen Monaten gegenüber dem Konkurrenten Boeing positiv positionieren - letzterer ist geplagt von Skandalen und Negativschlagzeilen.  © Georg Wendt/dpa
Gernot Döllner, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, bei der Vorstellung der Jahreszahlen 2023.
Auch Audi bleibt bei Ingenieuren als Arbeitgeber beliebt - muss aber zwei Plätze im Vergleich zum Vorjahr einbüßen. Die Ingolstädter leiden ebenfalls unter der Autokrise - gerade wird über die Schließung eines Werks in Brüssel intensiv diskutiert.  © Sven Hoppe/dpa
Google eröffnet Cloud-Rechenzentrum in Hanau
Google ist für Ingenieure ein beliebter Arbeitgeber in Deutschland, der Tech-Riese steigt sogar auf im Ranking. Bei der letzten Untersuchung konnte Google nur den 10. Platz für Ingenieure belegen. Dafür ist der Gigant aus den USA im Fachkräfte-Ranking bei der IT an der Spitze der beliebtesten Arbeitgeber.  © Arne Dedert/dpa
Deutsche Bahn fährt in Dresden
Kaum zu glauben, aber wahr: Die Deutsche Bahn gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern für Ingenieure in Deutschland. Trotz seines schlechten Rufs als Verkehrsmittel scheint die Firma insbesondere Fachkräfte gut zu erreichen. Bei den Lokführern und Kontrolleuren hingegen hörte man zuletzt eigentlich nur Frust.  © Robert Michael/dpa
Björn Bernhard, Geschäftsführer der Rheinmetall Landsysteme GmbH, spricht bei der Übergabe vom Radpanzer für die Bundeswehr vom Typ Boxer als Schwerer Waffenträger Infanterie. Der Rüstungskonzern Rheinmetall ist mit der Lieferung der 123 Boxer-Fahrzeuge beauftragt worden.
Auf Platz 10 hat es zum ersten Mal ein Rüstungsunternehmen geschafft: Rheinmetall steigt im Ranking der Ingenieure um drei Plätze auf. Damit profitiert das Unternehmen von einer neuen Stellung und Wahrnehmung im Land.  © Philipp Schulze/dpa

Doch häufig fehlt auch der Zugang, wie Tim Findeiss IPPEN.MEDIA schilderte. „Meine Oma ist schon in Rente, aber sie arbeitet in der Gemeindebücherei weiter“, berichtete der Mitbegründer des Start-ups Senior Connect. „Bei einem Abendessen hat sie mal zu mir gesagt, dass ganz viele von ihren Freundinnen auch in der Rente noch weiter aktiv bleiben möchten, aber keinen Job mehr finden.“ Ihnen fehle der Zugang, dabei bieten die Menschen den Unternehmen einen Mehrwert. „Die Erfahrung und Stabilität ist viel wert“, sagte Findeiss. Dazu zeigten Statistiken, dass durchmischte Teams mehr leisten.

Startup Senior Connect hilft Rentnern und älteren Beschäftigten bei der Jobsuche

Das Gespräch sei der Startschuss des Start-ups gewesen – dann mit Unterstützung von Samuel Keitel und Staël Tchinda. Das 2024 offiziell gegründete Unternehmen möchte Rentnerinnen und Rentnern, aber auch Fachkräften ab 50 Jahren, bei der Arbeitssuche helfen. „Die Leute wollen arbeiten und vor allem auch ihr Wissen weitergeben und gebraucht werden“, sagte Findeiss. Lediglich die Anstellungsverhältnisse unterscheiden sich. Bei 50- oder 55-Jährigen werde weiter eine Vollzeitstelle angestrebt. „Wenn sie im Rentenalter sind, wollen sie flexibler sein“, sagte der Gründer.

Eine Sache haben beide jedoch gemeinsam: Das größte Problem sei, sich einmal zurechtzufinden. Häufig seien Fachkräfte 20 Jahre im selben Unternehmen tätig. Die älteren Fachkräfte und Rentnerinnen und Rentner brauchen laut Erfahrung von Senior Connect dabei schon Unterstützung bei den Formalitäten des Bewerbungsprozesses. Häufig entsprechen die Lebensläufe nicht mehr dem Standard. „Dazu fühlen sie sich auf Stepstone oder Linkedin nicht so richtig wohl“, erklärte Findeiss. Sein Unternehmen unterstützt die Bewerbenden bei der Optimierung des Lebenslaufs. Dazu könnten die Interessenten mithilfe einer Künstlichen Intelligenz Bewerbungsgespräche für konkrete Stellenangebote trainieren.

KI von Senior Connect kann Fachkräften Branchenwechsel ermöglichen

Daneben müssen die Bewerbenden auch weitere Fragen klären, sagte Findeiss: „Jetzt geht es darum, sich neu zu orientieren und die Frage zu klären: Was ist das, was ich gerne machen möchte?“ Auch im sogenannten Matching-Prozess unterstützt eine KI. Diese prüfe die Lebensläufe der Kandidierenden auf deren Fähigkeiten. „Dann kann man Zusammenhänge erkennen, wie gut eine Person insgesamt zu einer Stelle passt“, erklärte Findeiss.

Das funktioniere nicht nur bei einer gleichen Position. „Die Personen können auch ganz neue Positionen besetzen“, betonte Findeiss. Das gilt vor allem bei körperlich anstrengenden Berufen, die ab einem bestimmten Alter oder in der Rente aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht mehr ausgeübt werden können.

Branchenwechsel wird durch Arbeitsmarkt-Wandel immer wichtiger

„Bei einem Vertriebsleiter ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass er wieder Vertriebsleiter wird“, sagte der Senior Connect-Gründer. „Aber zum Beispiel ein Maurer, der 50 oder 55 Jahre alt ist, der wird nicht die nächsten zehn bis 15 Jahre auf dem Bau arbeiten.“ Der jedoch habe beispielsweise viel Erfahrung mit Werkstoffen. Dieses Fachwissen könne die KI erkennen – und etwa eine Stelle als Verkäufer und Berater im Baumarkt vorschlagen. „Da ist wichtig, dass die Menschen auch offen sind, in einer anderen Branche zu arbeiten und ihr Wissen dort einzubringen.“ Laut Findeiss sind das die meisten auch.

Maurerinnen und Maurer können wegen der körperlichen Arbeit häufig nicht bis zur Rente im Handwerk bleiben. Die KI von Senior Connect soll ihnen eine passende Stelle bieten können – um sie als Fachkräfte zu halten.

Das ist angesichts des Arbeitsmarkts, wo beispielsweise bei Autobauern und -zulieferern Stellen abgebaut und kaum neue besetzt werden, immer bedeutender. Zudem sind Fachkräfte auch in neuen Branchen gefragt, die bei der Transformation der Wirtschaft eine immer bedeutendere Rolle spielen. Die Bundesagentur für Arbeit nennt das auch „Arbeitsmarktdrehscheibe“ – und versucht selbst, die Erwerbstätigen dorthin zu bringen, wo der Bedarf ist.

Neue Position statt Rente: Austausch kann Fachkräfte-Bedarf mildern

Neben der reinen Vermittlung spiele auch die Qualifizierung und Weiterbildung von Erwerbstätigen im Alter ab 50 Jahren eine Rolle, erklärte Arbeitsmarktforscher Enzo Weber. Wenn der Austausch der Fachkräfte gelinge, „gibt es ein erhebliches Potenzial von Leuten, die schon viel Erfahrung haben und entsprechend einsetzbar sind“, hatte Weber IPPEN.MEDIA mit Blick auf die Rentenalter-Diskussion gesagt.

Senior Connect will hier Abhilfe schaffen. Der Unterschied zur klassischen Arbeitsvermittlung, beispielsweise durch die Arbeitsagentur, ist laut Findeiss, dass der ganze Prozess automatisiert laufe. „Wir können auf Knopfdruck sehen, welche Person in unserem Talentpool zu welcher offenen Position passt.“

Das Angebot werde bereits genutzt. „Wir haben schon um die 100.000 Leute im Pool, die unseren Service nutzen“, sagte Findeiss. Die Nutzung sei kostenlos, weil alle „die Werkzeuge an die Hand bekommen sollen, um sich wieder auf dem Arbeitsmarkt zu orientieren und so wieder einen Job zu finden“. Senior Connect finanziert sich dafür über die Unternehmen, die wiederum Fachkräfte suchen.

Rubriklistenbild: © Philipp Schulze/dpa

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