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Erwerbstätigkeit im Alter

Späterer Rentenbeginn? Bei Arbeitszeit „nicht über Grenzen diskutieren“

Die Rente befindet sich unter Druck. Die Debatte um Lösungen kreist um das Rentenalter. Man sollte allerdings nicht über Grenzen diskutieren, rät ein Ökonom.

München – Bei der Finanzierung des Sozialstaates und den Sozialabgaben ist besonders die Rente im Fokus. Denn allein die zunehmende Zahl der Menschen im Ruhestand belastet das System, dazu kommen Maßnahmen wie die geplante Ausweitung der Mütterrente. Um das abzufedern und gleichzeitig den Bedarf an Arbeitskräften zu decken, steht die Regelaltersgrenze im Vordergrund: Menschen sollen länger arbeiten.

Renten-Reform: „Nicht mehr über Grenzen diskutieren“

Besonders mit Blick auf Nachbarländer wie Dänemark, das die Rente mit 70 Jahren beschlossen hat, bekommt die Debatte um die Regelaltersgrenze auch in Deutschland neues Feuer. „Ganz perspektivisch wird die nicht bei 67 Jahre bleiben“, sagte Enzo Weber, Ökonom am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und Professor für empirische Wirtschaftsforschung an der Universität Regensburg, IPPEN.MEDIA.

Die Deutsche Rentenversicherung ist finanziell unter Druck. Eine Lösung könnte eine längere Erwerbsbeteiligung von Fachkräften sein. (Montage)

„Mein Rat ist, nicht mehr über Grenzen zu diskutieren“, sagte Weber jedoch. „Grenzen rammen einen Pflock ein, daran orientieren sich Menschen“, erklärte Weber. Die Menschen orientierten sich oft daran, „ganz egal, ob das zu ihrem Vorteil ist, oder nicht.“

Ökonom plädiert für mehr Flexibilität bei der Rente – und Qualifizierung von älteren Fachkräften

Als „unschönsten Pflock“ bezeichnete er dabei Arbeitsverträge. „Das Arbeitsverhältnis endet mit Erreichen der Regelaltersgrenze. Das wird als gegeben betrachten und dem wird dann nachgekommen.“ Hier sollte es der Normalfall sein, dass das Arbeitsverhältnis weiterlaufe und man sich bei Erreichen des Rentenalters mit dem Arbeitgeber zusammensetze.

„Mein Rat ist, alles herauszuholen: Die Grenzen aus dem Bewusstsein und die Weiterentwicklung von denen, die es im Moment nicht bis Mitte, Ende 60 schaffen“, erklärte Weber seinen Rentenansatz. „Da ist richtig viel zu holen.“ Als Ökonom wisse man, dass man die Parameter im Rentensystem „über kurz oder lang verschieben“ muss. „Man kann nicht alles bei den Beiträgen abladen“, sagte Weber. „Aber wenn man Renten immer nur als Altersgrenze diskutiert, führt man abschreckende Diskussionen, die nicht motivieren.“

Firmen sollten Netzwerke bilden, um Fachkräfte langer im Arbeitsleben zu halten

Dabei räumte Weber ein, dass man umsteuern müsse, „weil es in einigen Jobs einfach nicht realistisch ist, bis 67 Jahre zu arbeiten“. Dabei setzt er jedoch auf Qualifizierung. „Die Leute auf etwas ganz anderes umzuschulen, wird großflächig bestimmt kein Erfolgsmodell werden“, sagte der Arbeitsmarktforscher. „Das würde auch die ganze Erfahrung, die jemand über Jahrzehnte gesammelt hat, entwerten.“

Die besten Arbeitgeber in Deutschland: Zu diesen Unternehmen wollen Fachkräfte 2025 gehen

Siemens AG - Hauptversammlung
Siemens hat es an die Spitze geschafft: In Deutschland würden viele Ingenieure am liebsten zu diesem Arbeitgeber gehen. Dort erhoffen sie sich neben guter Bezahlung und flexiblen Arbeitszeiten eine Firma, die für Innovation steht.  © Sven Hoppe/dpa
Die Vorstände des Technologie-Konzerns Bosch Christian Fischer (l-r), Markus Forschner, Stefan Grosch, Stefan Hartung (Vorsitzender), Tanja Rückert, Markus Heyn und Frank Meyer stehen bei der Bilanz-Pressekonferenz des Konzerns an einem Bosch Logo.
Bosch ist auf Platz 2 der führenden Arbeitgeber für junge Fachkräfte im Ingenieurswesen in Deutschland. Damit ist erstmals kein Automobilunternehmen ganz oben mit dabei - dafür aber ihre Zulieferer.  © Bernd Weißbrod/dpa
Porsche 911 Turbo 50 Jahre
Im Ranking der Beratungsfirma Universum hat es Porsche auf den dritten Platz geschafft. Beim letzten Ranking stand der Autokonzern noch an der Spitze, büßt bei Ingenieuren also zwei Plätze ein.  © Porsche AG
BMW-Stammwerk in München
Auch die BMW Group gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern der deutschen Ingenieure. Wie viele Autokonzerne kämpft auch BMW mit harten Zeiten - doch beim Thema E-Mobilität hat dieses Unternehmen die Nase vorn.  © Sven Hoppe/dpa
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen, l-r), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Markus Schäfer, Vorstandsmitglied der Mercedes-Benz Group, Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group, und Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, stehen während der Eröffnungsfeier des Mercedes-Benz-Campus ´zusammen
Bei Mercedes-Benz erhoffen sich Ingenieure ebenfalls eine gute Zukunft mit guter Bezahlung und fairen Arbeitsbedingungen. Noch dazu scheint das Unternehmen sich als besonders innovativ herausstellen zu können.  © Sebastian Gollnow/dpa
Ein Airbus von Qatar Airways landet auf dem Hamburger Flughafen
Einen Platz nach oben gerutscht ist im Universum-Ranking für Ingenieure auch Airbus. Der Flugzeughersteller konnte sich in den vergangenen Monaten gegenüber dem Konkurrenten Boeing positiv positionieren - letzterer ist geplagt von Skandalen und Negativschlagzeilen.  © Georg Wendt/dpa
Gernot Döllner, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, bei der Vorstellung der Jahreszahlen 2023.
Auch Audi bleibt bei Ingenieuren als Arbeitgeber beliebt - muss aber zwei Plätze im Vergleich zum Vorjahr einbüßen. Die Ingolstädter leiden ebenfalls unter der Autokrise - gerade wird über die Schließung eines Werks in Brüssel intensiv diskutiert.  © Sven Hoppe/dpa
Google eröffnet Cloud-Rechenzentrum in Hanau
Google ist für Ingenieure ein beliebter Arbeitgeber in Deutschland, der Tech-Riese steigt sogar auf im Ranking. Bei der letzten Untersuchung konnte Google nur den 10. Platz für Ingenieure belegen. Dafür ist der Gigant aus den USA im Fachkräfte-Ranking bei der IT an der Spitze der beliebtesten Arbeitgeber.  © Arne Dedert/dpa
Deutsche Bahn fährt in Dresden
Kaum zu glauben, aber wahr: Die Deutsche Bahn gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern für Ingenieure in Deutschland. Trotz seines schlechten Rufs als Verkehrsmittel scheint die Firma insbesondere Fachkräfte gut zu erreichen. Bei den Lokführern und Kontrolleuren hingegen hörte man zuletzt eigentlich nur Frust.  © Robert Michael/dpa
Björn Bernhard, Geschäftsführer der Rheinmetall Landsysteme GmbH, spricht bei der Übergabe vom Radpanzer für die Bundeswehr vom Typ Boxer als Schwerer Waffenträger Infanterie. Der Rüstungskonzern Rheinmetall ist mit der Lieferung der 123 Boxer-Fahrzeuge beauftragt worden.
Auf Platz 10 hat es zum ersten Mal ein Rüstungsunternehmen geschafft: Rheinmetall steigt im Ranking der Ingenieure um drei Plätze auf. Damit profitiert das Unternehmen von einer neuen Stellung und Wahrnehmung im Land.  © Philipp Schulze/dpa

„Man muss wirklich systematisch verwandte Bereiche suchen, wo man seine Stärken einbringen kann und keine komplett neue Ausbildung braucht“, erklärte Weber seine Idee. Das könne über bestehende Angebote in großen Firmen erfolgen, aber auch über die Arbeitgeberberatung. Ein Schlüssel liege auch darin, dass „Firmen zusammen mit der Arbeitsmarktpolitik Netzwerke bilden“. Dann sehe man, wer wo gebracht werde, welche Fähigkeiten benötigt werden und wie die Weiterentwicklung erfolge. Hier sei viel Entwicklungsbedarf nötig.

„Erhebliches Potenzial“ von Fachkräften – und Entlastung der Rente

„Wenn man das schafft, gibt es erhebliches Potenzial von Leuten, die schon viel Erfahrung haben und entsprechend einsetzbar sind“, sagte Weber. Im Vergleich zur Einwanderung von ausländischen Beschäftigten, die ebenfalls ein Schlüssel bei der Gewinnung von Fachkräften ist, hat die Weiterbildung von älteren Beschäftigten den Vorteil, dass sie bereits die Sprache beherrschen, einen deutschen Abschluss und Arbeitserfahrung haben.

Aktivrente „setzt an, wo es großes Potenzial gibt“

Die neue schwarzrote Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz will ebenfalls ältere Menschen für den Arbeitsmarkt erhalten. Das soll über die sogenannte Aktivrente erfolgen, die einen steuerfreien Zuverdienst von bis zu 2000 Euro monatlich neben der Rente ermöglicht. Dadurch soll es einen Anreiz geben, im Ruhestand noch zu arbeiten.

„Es setzt an, wo es großes Potenzial gibt“, sagte Weber. Er wies jedoch darauf hin, dass der „wesentliche Effekt“ bei Besserverdienenden liege. „Wenn sie nicht viel verdienen, haben Sie einen niedrigen Steuersatz und auch nicht viel von der Steuerfreiheit.“

Rubriklistenbild: © Bernd Weißbrod/Stefan Puchner/dpa

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