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Vor allem Selbstständige betroffen

Wer am frühsten in Rente geht – und im Ruhestand am häufigsten arbeitet

Es gibt immer mehr Menschen, die neben ihrer Pension arbeiten – vor allem diejenigen, die selbstständig sind. Was ist erforderlich, um die Berufstätigkeit im Alter zu fördern?

Nürnberg – Wer Fachleute fragt, hört bei der Rente vor allem eine Forderung: Beschäftigte sollen länger arbeiten und später in Rente gehen. Grund ist, dass die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung durch die alternde Gesellschaft und die immer größere Anzahl an Menschen im Ruhestand unter Druck ist. Im Schnitt gehen die Deutschen jedoch mit 64,4 Jahren in Rente.

Der Renteneintritt variiert dabei jedoch stark nach Branche. Am frühsten gehen Beschäftigte aus Sicherheitsberufen in den Ruhestand. Am spätesten, mit etwa 64 Jahren im Schnitt, Personen aus den Geisteswissenschaften und Künstlerinnen und Künstler. Auffällig dabei ist, dass auch Erwerbstätige aus Land-, Forst- und Gartenbauberufen am spätesten in Rente gehen. Der Eintritt erfolgt durchschnittlich im Alter von 64,1 Jahren, wie aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht.

38 Prozent der Rentner arbeitet neben der Rente weiter – vor allem Selbstständige

Für viele ist mit der Rente jedoch noch nicht das Ende der beruflichen Laufbahn erreicht. Schon jetzt arbeiten 38 Prozent der Rentnerinnen und Rentner im Ruhestand weiter. Bei den Selbstständigen sind es laut IAB-Auswertung sogar mehr als zwei Drittel, konkret 70 Prozent, die weiterhin erwerbstätig sind. Mehr als 90 Prozent von ihnen bleiben dabei weiterhin selbstständig. Bei Arbeiterinnen und Arbeitern und Angestellten sind es immerhin etwa ein Drittel, die im Ruhestand noch arbeiten.

Zweiter Frühling: Beschäftigte im Gartenbau gehen spät in Rente – und arbeiten relativ häufig im Ruhestand weiter. (Symbolfoto)

Die Art der Arbeit neben der Rente ähnelt demnach der Tätigkeit vor dem Rentenbeginn. Berufswechsel sind laut IAB eher selten. Demnach sind vor allem Reinigungskräfte am häufigsten im gleichen Beruf beschäftigt. Das gelte auch für Gesundheitsberufe sowie Beschäftigte aus geisteswissenschaftlichen und künstlerischen Berufen. Auffällig sei jedoch, dass auch im Bereich des Land-, Forst- und Gartenbaus viele neben der Rente arbeiten, obwohl es dabei häufig eine große Belastung gebe.

Bildung, Gesundheit und lange Arbeitszeit begünstigen Arbeit neben der Rente

Denn grundsätzlich beobachten die Fachleute, dass ein höheres Bildungsniveau, eine gute Gesundheit und die Erwerbstätigkeit bis zum regulären Renteneintritt die Wahrscheinlichkeit für eine Arbeit neben der Rente erhöhen.

Zurück zu den Forderungen nach einer längeren Lebensarbeitszeit. Um diese zu erreichen, sei „mehr Flexibilität beim Rentenalter“ nötig, „die spezifische Berufsbelastungen besser berücksichtigt“, erklärte IAB-Forscherin Annette Trahms. Weitere Faktoren sind demnach gesundheitliche Prävention und Weiterbildung. „Auch mehr Wertschätzung seitens der Betriebe könnte die Erwerbsbeteiligung von Älteren weiter steigern“, so Trahms.

Rentensystem belohnt Arbeit im Ruhestand – und bestraft Frührente

Derzeit steigt die Regelaltersgrenze auf 67 Jahre an. Eine gewisse Flexibilität haben Rentnerinnen und Rentner trotzdem bereits jetzt. Wer Abschläge in Kauf nimmt, kann bereits mit 63 in Rente. Keine Abzüge gibt es dagegen bei der Rente für besonders langjährig Versicherte nach 45 Beitragsjahren, die umgangssprachliche Rente mit 63.

Wer über das eigentliche Rentenalter hinaus arbeiten will, kann das ebenfalls bereits machen. Dabei gibt es die vom IAB untersuchte Option, im Ruhestand zu arbeiten. Wer den Rentenbezug hinauszögert, bekommt pro Monat 0,5 Prozent mehr – und sammelt weiter Entgeltpunkte.

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

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