Mit selbstfahrenden Robotaxis
„Katastrophale Absatzzahlen“: Tesla sucht nach Wegen aus der Krise
Bei Tesla ist der Absatz mit E-Autos zusammengebrochen. Die Hoffnung liegt nun auf einem neuen Durchbruch: dem Start für selbstfahrende Taxis.
Austin – Die jüngsten Entwicklungen für Tesla waren alles andere als positiv: Im Mai verzeichnete Elon Musks E-Autokonzern in China einen Rückgang der Verkaufszahlen. Auch in Europa sanken die Absätze erheblich. Tesla verlor die Weltmarktführerschaft bei batteriebetriebenen Autos an den chinesischen Rivalen BYD.
In Deutschland setzte Tesla trotz einer allgemein steigenden Nachfrage nach Elektroautos im Mai seine Talfahrt fort. Laut dem Kraftfahrt-Bundesamt verkaufte der US-Autobauer zuletzt nur noch 1210 Fahrzeuge, was einem Rückgang von über einem Drittel im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Im Gegensatz dazu stieg der Absatz von Elektroautos insgesamt um 44,9 Prozent.„Vor allem vor dem Hintergrund, dass der Markt für E-Autos gerade deutlich wächst, sind die jüngsten Absatzzahlen wirklich katastrophal“, sagt der Autoexperte und langjährige Analyst Jürgen Pieper im Gespräch mit ntv.de.
Kunden strafen Musks Politik ab – Tesla verliert Vorreiterrolle bei E-Mobilität
Zuletzt stieß das politische Engagement von Tesla-Chef Elon Musk in Europa auf scharfe Kritik. Musk gehörte bis zu dem Streit zwischen den beiden zu den engsten Verbündeten von US-Präsident Donald Trump und hat in mehreren Ländern rechtspopulistische Parteien unterstützt. Einige Experten vermuten darin den Grund, warum sich Käufer gegen einen Tesla entschieden haben. Dazu kommt die zunehmende Konkurrenz aus Europa und China, wo in den vergangenen Monaten eine Vielzahl neuer Elektroautos auf den Markt gekommen ist. Um die Nachfrage anzukurbeln, hat Tesla in den vergangenen Wochen seine Rabattaktionen deutlich ausgeweitet.
Bereits im vergangenen Jahr konnte Tesla kein Wachstum bei Umsatz und Gewinn verzeichnen. Diese Probleme haben sich zu einer ernsthaften Krise entwickelt. Tesla hat seine Vorreiterrolle eingebüßt, so Pieper. „Die großen Autokonzerne, allen voran die deutschen, sind in den vergangenen Jahren aus ihrer Lethargie beim Thema E-Mobilität erwacht.“ Die Zeiten, in denen Tesla mit attraktiven Elektroautos, einem dichten Ladenetz und exzellentem Service den Markt dominierte, sind vorbei.
Tesla-Kurs bleibt widerstandsfähig – Plus an der Börse trotz Musk-Entgleisungen
An der Börse allerdings scheint der Kontrast zwischen Musks Versprechungen und den aktuellen Absatzschwierigkeiten kaum eine Rolle zu spielen. Tesla ist nach wie vor einer der wertvollsten Konzerne der Welt. Aktuell wird der Autobauer mit über einer Billion Dollar bewertet. Zwar sank der Aktienkurs nach einem zwischenzeitlich extremen Anstieg nach der US-Präsidentschaftswahl 2024 wieder deutlich.
In den vergangenen zwei Monaten, während die negativen Schlagzeilen zu den Verkaufszahlen nicht abrissen, legte der Kurs allerdings wieder um rund 50 Prozent zu. Innerhalb von zwölf Monaten verzeichnete der Aktienkurs ein Plus von fast 90 Prozent.
Autonome Robotaxis sollen Tesla-Anleger optimistisch stimmen
Zu erklären ist die Börsenbewertung von Tesla nur mit der Hoffnung auf künftige, riesige Gewinne in ganz neuen Geschäftsfeldern. Vor wenigen Jahren hatte Musk viele Beobachter ins Staunen versetzt. Während andere Unternehmen mit der Entwicklung von E-Autos noch Milliarden verbrannten, hatte er als erster bewiesen, dass es überhaupt möglich ist, mit Batteriefahrzeugen hohe Gewinne zu machen. Während Absatz und Gewinn aktuell wieder zurückgehen, hoffen die Tesla-Anleger offenbar darauf, dass Musk eine solche unternehmerische Pioniertat wiederholen kann. Im Fokus stehen dieses Mal autonome Robotaxis.
Diese Entwicklung scheint unaufhaltsam zu sein. Nachdem Musk seit Jahren schon davon spricht, dass eine Flotte von Millionen selbstfahrender Fahrzeuge, inklusive per Software-Update nachgerüsteter älterer Teslas, unmittelbar davor sei, den Betrieb aufzunehmen, soll es in diesem Monat endlich so weit sein: In Austin im US-Bundesstaat Texas sollen schon bald die ersten Tesla-Robotaxis auf den öffentlichen Straßen rollen. Ob sich diese Technik bewährt und die Tesla auf dem gerade erste entstehenden Markt für autonome Fahrzeuge durchsetzen kann, wird sich allerdings erst langfristig zeigen.
Google ist Tesla bei selbstfahrenden Autos voraus
Anders als vor einigen Jahren mit seinen damaligen E-Auto-Modellen hat Tesla beim autonomen Fahren allerdings keinen technologischen Vorsprung, sondern ist im Gegenteil eher ein Nachzügler, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Das Google-Schwesterunternehmen Waymo gilt mit seinen autonomen Taxis an der US-Westküste als ein Technologieführer.
Ein Problem sind die hohen Kosten der selbstfahrenden Autos. Um die Kosten im Rahmen zu halten, setzt Tesla ausschließlich auf Kameras und nicht wie andere Hersteller zusätzlich auf Lidarsensoren und Radar. Das spart Geld, könnte sich aber dennoch als Nachteil erweisen, falls Tesla mit seinen Robotaxis auf einige Märkte in den USA und Asien beschränkt bleibt. Das könnte der Fall sein, wenn die Technologie nicht die Sicherheitsstandards erfüllt, die künftig in Europa gefordert werden.
Tesla-Anleger hoffen auf KI und Roboter Optimus
Um seine Börsenbewertung im Vergleich zu anderen Autoherstellern, die deutlich mehr verkaufen und verdienen, auch nur annähernd zu rechtfertigen, muss Tesla in den kommenden Jahren bei den Robotaxis allerdings auf hohe Stückzahlen kommen.
Dass der Aktienkurs einbricht, falls sich Teslas Robotaxis nicht durchsetzen, ist allerdings keineswegs sicher. Musk hat schließlich auch in der Vergangenheit Ankündigungen und Versprechen immer wieder nicht eingehalten oder um Jahre verschoben, ohne dass die Investoren nachhaltig abgeschreckt wurden. Neue Zukunftshoffnungen für die Tesla-Aktionäre stehen schon bereit. So spricht Musk immer wieder davon, dass Tesla als Anbieter Künstlicher Intelligenz auch für andere Unternehmen Geld verdienen will. Zudem soll in den nächsten Jahren der humanoide Roboter Optimus auf den Markt kommen. In dem, so behauptete Musk schon vor mehreren Jahren, stecke für Tesla ein noch größeres Potenzial als im Autogeschäft.
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