Gesundheitswesen
Bittere Nachricht für Versicherte: Krankenkassenbeiträge steigen für Millionen Menschen
Mit einem neuen Gesetz sollen Versicherte vor weiteren Anhebungen der Krankenkassenbeiträge in 2026 bewahrt werden. Experten zweifeln an der Wirksamkeit der Regelung.
Düsseldorf - Trotz der Sparmaßnahmen der Bundesregierung gehen die Krankenkassen von weiter steigenden Beiträgen aus. „Ich rechne damit, dass viele Kassen ihre Zusatzbeiträge anheben müssen“, sagte Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse (TK), im Handelsblatt-Interview. Zuvor hatte der Bundestag ein Sparpaket beschlossen, das Millionen Versicherte eigentlich vor der Anhebung der Krankenkassenbeiträge im neuen Jahr bewahren soll. Das Gesetz von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) regelt Einsparungen in Höhe von rund zwei Milliarden Euro. Das sei nicht ausreichend, bemängelte Baas: „Das Sparpaket ist zu klein, und ob es überhaupt vollständig greift, ist fraglich“, sagte er dem Handelsblatt.
Krankenkassenbeiträge: Einsparungen reichen laut Experten nicht aus
Die gesetzlichen Krankenkassen ächzen unter einer gewaltigen Kostenlast. Gleichzeitig sollen die Beiträge für die Versicherten nicht weiter steigen, und aus diesem Grund will Gesundheitsministerin Warken auf die Kostenbremse treten. Doch die Opposition und die Krankenkassen haben die Maßnahmen als unzureichend kritisiert und warnen vor absehbaren Verteuerungen in 2026.
Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen sprach laut dpa von Etikettenschwindel und warf der Koalition vor, den Menschen Sand in die Augen zu streuen. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) erklärte, das Sparpaket sei ein wichtiger Schritt, der aber leider nicht ausreiche. „Wenn die Politik in den kommenden Wochen nicht nachlegt, dann sind zahlreiche Kassen gezwungen, ihre Zusatzbeiträge zum Jahreswechsel anzuheben, und wir werden im Durchschnitt mehr als drei Prozent haben“, sagte Verbandschef Oliver Blatt der dpa.
Krankenkassenbeiträge: Die Kassen sind leer
Besonders viel Kritik entzündet sich an den Zusatzbeiträgen, die bei 2,9 Prozent liegen sollen. Warken hatte in Aussicht gestellt, die Zusatzbeiträge als Orientierungsmarke auf diesem aktuellen Niveau halten. Über die konkreten Zusatzbeiträge entscheiden die Kassen je nach ihrer Finanzlage allerdings selbst, so dpa.
Erst Anfang 2025 hatte es eine Welle kräftiger Erhöhungen gegeben, und dazu könnte es nach Ansicht von Gesundheitsexperten nun wieder kommen – trotz der gegenteiligen Beteuerungen aus der Politik. Die Prognose der Bundesregierung habe nicht berücksichtigt, dass die Krankenkassen finanzielle Mittel bräuchten, um ihre leeren Kassen wieder aufzufüllen, lautet die Kritik. Statt der 2,9 Prozent seien vielmehr Beiträge jenseits der 3-Prozent-Marke wahrscheinlich.
Krankenkassenbeiträge: Kliniken sollen sparen
Besonders betroffen von den Sparrunden sind die Kliniken, die künftig insgesamt 1,8 Mrd. Euro weniger ausgeben sollen. Auch bei den Krankenkassen selbst wird der Rotstift angesetzt. Sie sollen Verwaltungskosten in Höhe von 100 Millionen Euro abbauen. Nach einer Untersuchung der Unternehmensberatung Deloitte könnten die gesetzlichen Kassen durch Digitalisierung und die Optimierung ihrer Prozesse zwischen 8 Mrd. Euro und 13. Mrd. Euro pro Jahr einsparen. Das entspreche 0,4 bis 0,7 Prozentpunkten des Beitragssatzes.
Allerdings hapert es mitunter an der Umsetzung der digitalen Anwendungen, mahnte TK-Chef Baas. So sei beispielsweise die Registrierung für die elektronische Patientenakte zu kompliziert. Auch sei es nicht korrekt anzunehmen, dass Digitalisierung in jedem Fall günstiger sei. Laut Baas kosten beispielsweise die Herstellung und der Versand einer elektronischen Gesundheitskarte pro Stück fünf Euro. „Bei rund zwölf Millionen Versicherten ist das allein bei der TK ein mittlerer zweistelliger Millionen-Euro-Betrag“, sagte Baas dem Handelsblatt. Er forderte, in der Kostendebatte den Blick auch auf die Preise für Arzneimittel zu lenken und die Pharmabranche mehr in die Verantwortung zu nehmen.
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