„Wer genauer hinschaut, erkennt ...“
„Beiträge werden 2026 weiter steigen“: Krankenkassen zerlegen Versprechen von Merz-Ministerin
Die Krankenkassenbeiträge sollen für 2026 stabil bleiben – doch kann die Bundesregierung das Versprechen wirklich halten? Die Kassen schlagen andere Töne an.
Als Gesundheitsministerin Nina Warken am Mittwoch vor die Presse tritt, spricht sie von einem „guten Tag für die Bevölkerung“. Die Bundesregierung habe ihr „politisches Versprechen“ gehalten: Die Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bleiben 2026 stabil. Die „zur Gewohnheit gewordene Routine der Erhöhung der Zusatzbeiträge zum Jahresende“ werde es diesmal nicht geben, so die CDU-Politikerin. Das wäre tatsächlich eine gute Nachricht für die Bevölkerung – doch die dauermahnenden Kassen sehen es anders.
Krankenkassen warnen: „Die Zusatzbeitragssätze werden 2026 weiter steigen“
Laut aktuellen Angaben des Schätzerkreises besteht für 2026 – rein rechnerisch – ein Bedarf für einen durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent. Das liegt auf dem derzeitigen Niveau. Doch damit sei „keine Entwarnung verbunden“, heißt es von Oliver Blatt, Chef des GKV-Spitzenverbands. Der offizielle Zusatzbeitrag nähere sich lediglich der Realität an. „Auf den ersten Blick scheint die finanzielle Situation stabil, aber wer genauer hinschaut, erkennt, dass weiterhin Beitragsanhebungen zu erwarten sind.“ Die Lage der Kassen sei „weiterhin sehr angespannt“.
Ähnlich äußerte sich der Verband der Ersatzkassen (VDEK), der unter anderem die mitgliederstarken Kassen Barmer, Techniker und DAK vertritt. „Die Politik darf die Finanzsituation nicht schönreden“, sagt VDEK-Chefin Ulrike Elsner. „Die Zusatzbeitragssätze werden 2026 weiter steigen.“ Laut Verband wird die Drei-Prozent-Grenze beim Zusatzbeitrag überschritten werden. „Mit der Festlegung eines durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes für 2026 auf 2,9 Prozent wird eine Beitragssatzstabilität suggeriert, die sich nicht mit der Realität deckt“, so Elsner.
Das ist der Zusatzbeitrag bei der Gesetzlichen Krankenversicherung
Bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gibt es einen allgemeinen Beitragssatz, der aktuell bei 14,6 Prozent liegt. Er wird jeweils zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer bezahlt. Hinzu kommt ein Zusatzbeitrag der Krankenkassen, mit dem diese ihre Kosten decken. Er wird als Prozentsatz vom beitragspflichtigen Einkommen berechnet und liegt aktuell durchschnittlich bei 2,9 Prozent. Die konkrete Ausgestaltung liegt bei den Kassen, wie unsere Übersicht zeigt.
Unabhängig vom Schätzerkreis präsentierte das Merz-Kabinett am Mittwoch auch ein Sparpaket, das Beitragserhöhungen vermeiden soll. Damit soll die Budgetlücke von zwei Milliarden Euro geschlossen werden. Den Großteil von 1,8 Milliarden Euro soll dabei eine Änderung einbringen, die den Anstieg der Vergütungen für die Kliniken begrenzt. Rund 100 Millionen Euro sollen bei Verwaltungsausgaben der Krankenkassen, etwa für Porto und Werbeaktionen, zusammenkommen. Und noch einmal 100 Millionen Euro durch eine halbierte Einzahlung aus Kassenmitteln in einen Fonds für die Versorgungsforschung. Die Gesetzespläne gehen nun in den Bundestag.
Bei den Kassen lösen diese Pläne keinen allzu großen Jubel aus. „Das kleine Sparpaket ist nur ein Notnagel, mit dem die aktuelle Situation verbessert, die grundlegenden Probleme aber nicht gelöst werden“, heißt es vom GKV-Spitzenverband. Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Paula Piechotta sprach von einem „kurzfristigen Schnellschuss“.
Und auch in der Regierung geht man offenbar davon aus, dass die Geld-Probleme bei den Gesetzlichen Krankenkassen noch nicht final gelöst sind. Aus Unionskreisen heißt es, dass die aktuellen Maßnahmen zwar gut seien, es aber „weitergehende Reformen und Einsparungen“ brauche. Damit gemeint sind unter anderem Vorschläge einer Kommission, die im Frühjahr erste Ergebnisse liefern will. Spätestens dann wissen Versicherte auch, ob ihr Beitrag gestiegen ist oder nicht. (Quellen: GKV, vdek, Grüne, CDU/CSU)
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