Beitragserhöhungen ab 2026?
GKV-Krise: Mitversicherte sollen zahlen – dadurch könnten die Beiträge fallen
Seit Monaten warnen die gesetzlichen Krankenkassen vor der Krise. Die Suche nach Lösungen dauert an. Ein neuer Plan könnte Mitversicherte in die Pflicht nehmen.
Berlin – Die gesetzlichen Krankenkassen sollen Milliarden sparen, um aus der Krise zu kommen. Ein noch unveröffentlichtes Positionspapier der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) soll einen neuen Plan aufzeigen, wie das gehen soll. Der Verband fordert das Ende der Beitragsfreiheit für mitversicherte Ehepartner, die keine oder nur geringe Einkommen erzielen. Geht es nach dem BDA; sollen diese einen Mindestbeitrag von rund 220 Euro im Monat für die gesetzliche Krankenversicherung aus eigener Tasche zahlen.
Gesetzliche Krankenkassen in der Krise – neuer Plan soll Milliarden-Entlastung bringen
Die Maßnahme würde den Krankenkassen Mehreinnahmen von über 2,8 Milliarden Euro im Jahr bringen, glauben die Arbeitgeber. Laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) wollen die Arbeitgeber zudem eine 2013 abgeschaffte Praxisgebühr über zehn Euro wieder einführen – wenn auch in abgewandelter Form. Anstatt quartalsweise soll diese bei jedem Arztbesuch anfallen.
Weiterhin will der Verband eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Arznei- und Hilfsmittel. Diese soll sieben Prozent betragen, was pro Jahr eine Summe über 5,3 Milliarden Euro freimachen würde. Zusammen mit einigen weiteren Forderungen würden die so berechneten Einsparungen sich auf Summen zwischen 30 und 50 Milliarden Euro belaufen. Damit sollen sich die jährlichen GKV-Ausgaben um zehn Prozent verringern lassen – was den Kassen erlauben würde, die Beitragssätze zu senken.
Diese Gruppen müssen für gesetzliche Krankenkasse zahlen – welche Ausnahmen es gibt
Aktuell ist es so, dass alle Arbeitnehmer, deren Bruttoeinkommen unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt (2025 sind es 73.800 Euro), zur GKV-Mitgliedschaft verpflichtet sind. Ausnahmen sind alle Arbeitnehmer mit einem Gehalt unter 556 Euro im Monat. Es gibt die Option auf eine freiwillige Mitgliedschaft, diese ist zum Beispiel im Anschluss an eine vorher bestehende Pflicht- oder Familienversicherung möglich.
Kinder, Ehegattinnen und -gatten sowie eingetragene Lebenspartner von Mitgliedern sind aktuell beitragsfrei familienversichert. Die Bedingungen: Ihr Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt muss im Inland liegen und das Gesamteinkommen beider darf die Einkommensgrenze nicht überschreiten.
Einsparungen für GKV-Versicherte – Hunderte Euro auf dem Spiel
Nach aktuellem Stand müssen alle Beitragszahler der GKV mindestens 14,6 Prozent ihres Einkommens an die Krankenkasse zahlen. Darüber hinaus erheben die Krankenkassen einen variablen Zusatzbeitrag, der je nach Krankenkasse unterschiedlich ausfällt. Zum Beispiel erhebt die hkk einen Zusatzbeitrag von 2,19 Prozent (Stand 2025), bei der BARMER sind es 3,29 Prozent und bei der Knappschaft 4,4 Prozent.
Der BDA-Plan geht also davon aus, dass die Beitragssätze für die Krankenkassen um bis zu zwei Prozent sinken sollen (also auf 12,6 Prozent), sofern die Kassen genügend Einsparungen vorgenommen haben. Bei Ehepaaren mit nur einem Berufstätigen wäre es also so, dass die vorher Mitversicherten die 220 Euro bezahlen müssen und dafür die Beschäftigten einen bestimmten Betrag sparen.
Beispielrechnung
Nehmen wir an, ein Arbeitnehmer ist bei der hkk versichert und verdient genug Geld, um die Jahresarbeitsentgeltgrenze fast zu erreichen. Der Beitragssatz für 2025 (hkk-Beitragssatz plus der gesetzliche Satz) beträgt 16,79 Prozent, er verdient 6.149 Euro im Monat. Sein Gehalt wird durch die Beitragsbemessungsgrenze nur bis 5.512,50 Euro im Monat berücksichtigt.
Gerundet zahlt er monatlich 462,6 Euro – eine Hälfte des vollen GKV-Beitrags, denn die andere übernimmt regulär der Arbeitgeber. Sollte der gesetzliche Beitragssatz um zwei Prozent sinken, würde der Arbeitnehmer immer noch 407,7 Euro zahlen. Unter diesen Bedingungen könnte er also die 220 Euro nicht ganz wieder reinholen.
„Zahlreiche Krankenkassen“ müssen Zusatzbeitrag anheben – finanzielle Krise in der GKV
Die Krankenkassen in Deutschland stecken bereits seit einer ganzen Weile in Schwierigkeiten. Milliarden-Defizite sind dabei nur ein Teil des Problems. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat jüngst eine Kommission eingesetzt, die bis Frühjahr 2026 Vorschläge für eine Reform der GKV entwerfen soll.
Währenddessen steigen die Gesundheitskosten in Deutschland stetig weiter. Vor allem Pflegekosten und Krankenkassenbeiträge belasten die Versicherten. Für 2026 rechnete GKV-Verbandschef Oliver Blatt mit einem Anstieg des durchschnittlichen Zusatzbeitrags auf mehr als drei Prozent.
„Wir gehen fest davon aus, dass Anfang des nächsten Jahres zahlreiche Krankenkassen ihren Zusatzbeitrag anheben müssen“, sagte Verbandschef Blatt im Interview mit der Ärzte Zeitung. Die Vorsitzende des BKK-Dachverbands, Anne-Kathrin Klemm, hat sich bereits ähnlich dazu geäußert. „Ich halte es für fraglich, ob der durchschnittliche Zusatzbeitrag im kommenden Jahr stabil bei 2,9 Prozent bleibt“, erklärte Klemm dem Politico Newsletter Industrie & Handel. Mehrere Kassen werden die Beiträge anziehen müssen, um die Rücklagen aufzufüllen.
Rubriklistenbild: © IMAGO / imagebroker
