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„Fehlt ein Teil von mir“

Mutter mit drei Kindern bekommt von Arbeitsagentur „erschütternden“ Rat

Eine Frau bewirbt sich nach vier Jahren Elternzeit auf einen neuen Job. Wie schlecht ihre Chancen stehen, erfährt sie kurz danach.

„Mama, warum hast du eigentlich nach der Elternzeit noch keinen Job gefunden – du kannst doch so viel?“ Diese Frage stellte ein neunjähriger Sohn seiner Mutter. „Ja, ich kann viel, aber leider werden Frauen im Arbeitsleben nach wie vor benachteiligt“, habe sie ihm geantwortet. Am 9. Januar 2025 teilt sie auf Linkedin, wie schwer es ist, als Mutter nach der Elternzeit wieder beruflich einzusteigen.

Ähnlich geht es Susanna Lessing*. Sie muss ihren Job wechseln, weil ihr Arbeitgeber kein Home-Office mehr anbietet. Acht Jahre lang war sie dort angestellt, wegen drei Kindern vier Jahre davon in Elternzeit. Monatelang habe sie sich beworben, ohne zu einem Gespräch eingeladen worden zu sein. Deswegen habe sie sich bei der Arbeitsagentur beraten lassen – mit einem „erschütterndem Ergebnis“, erzählt die 36-Jährige BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA.

Mutter berichtet, ihr sei geraten worden, ihre Elternzeit zu verschweigen

Die Beraterin habe sich ihre Bewerbung angeschaut und sofort empfohlen, ihre Elternzeit aus dem Lebenslauf zu nehmen, weil Frauen mit Kindern aussortiert würden. „Ich mache ihr keinen Vorwurf, sie wollte mir ja nur helfen. Aber das hat schon wehgetan“, sagt die dreifache Mutter.

Wo sich der Vorfall ereignet haben soll, ist BuzzFeed News Deutschland bekannt. Da Lessing negative Konsequenzen für die Beraterin verhindern möchte, konfrontieren wir die entsprechende Niederlassung nicht und nennen sie in diesem Artikel nicht. Wir haken stattdessen bei der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit nach. „Generell empfehlen wir unseren Kundinnen und Kunden immer, ihren Lebenslauf wahrheitsgemäß darzustellen und Lücken zu vermeiden“, teilt ein Sprecher mit. Eine berufliche Auszeit aufgrund von Erziehungspflichten sei für Arbeitgeber „nachvollziehbar und keine Lücke im Lebenslauf“.

Personalberaterin: „Elternzeit ist privat und gehört nicht in die Bewerbung“

Lessing dachte, dass Unternehmen ihre Kinder als Teil ihres Lebens akzeptieren und ihre Care-Arbeit wertschätzen. „Wenn ich die Kinder weglasse, fehlt doch ein Teil von mir“, sagt sie. Die Personalberaterin Kristine Capek widerspricht: „Die familiäre Situation ist privat und gehört nicht in die Bewerbung oder ins Bewerbungsgespräch“, sagt sie BuzzFeed News Deutschland.

Capek hat die Personalberatung Ivies gegründet. „Ich weiß, dass Frauen mit Kindern diskriminiert werden. Es ist deshalb absolut richtig, Elternzeiten – wenn möglich – nicht zu erwähnen.“ Auf ihrem TikTok-Kanal @dieheadhunterin feiert sie eine Bewerberin als „Badass“, weil sie ihre Elternzeit verheimlicht hat. „Ihre Chancen den Job zu bekommen, überhaupt eingeladen zu werden, wären geringer gewesen, wenn sie von ihrer Elternzeit erzählt hätte.“

@dieheadhunterin #karriere #job #arbeit ♬ Originalton - dieHeadhunterin

Mütter müssen dreimal mehr Bewerbungen schreiben, um zu Bewerbungsgesprächen eingeladen zu werden, zeigte 2019 eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). „Elternzeit kann zum Verhängnis werden: Selbst wenn es wenige Bewerberinnen gibt, werden oft die mit Kindern aussortiert“, sagt Capek. Diese Diskriminierung geschehe meist unbewusst, weshalb sie Firmen als Beraterin immer wieder Trainings empfehle, um diese Vorurteile abzutrainieren.

Diskriminierung von Eltern im Job: Was sich ändern muss

Diskriminierung würden Eltern im Job ständig erleben, weiß auch die Fachanwältin für Arbeitsrecht, Sandra Runge. Zum Beispiel, wenn sie im Bewerbungsgespräch nach Kindern gefragt werden oder, wenn sie nach der Elternzeit wieder einsteigen wollten. Betroffenen werde Verantwortung entzogen, Teilzeit nicht gewährt oder „plötzlich ist Homeoffice tabu“, sagt Runge BuzzFeed News Deutschland.

Es sei „tragisch“, dass es diese Diskriminierung immer noch gebe. Seit Jahren setzt sich die Juristin dafür ein, dass „Fürsorgeverantwortung“ im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz verankert wird. Sie glaubt, dass nur dann ein Umdenken unter Führungskräften und Betriebsräten stattfinde. Die Ampel-Regierung hatte eine Reform des Gesetzes geplant. Doch dazu kam sie nicht mehr.

Lessing hat ihre Kinder inzwischen aufgegeben – zumindest auf dem Papier. „Ich war super naiv“, sagt sie. Insgesamt drei Bewerbungen ohne Elternzeit habe sie über die Weihnachtsfeiertage verschickt. „Wir werden sehen.“

*Susanna Lessing möchte gerne anonym bleiben. Ihr echter Name ist BuzzFeed News Deutschland bekannt.

Rubriklistenbild: © Pond5 Images/IMAGO

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