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„Legitimität des Modells infrage gestellt“

Altersvorsorge-System wankt: Rente mit „erheblichen Lücken“ an kritischem Wendepunkt

Aktuelle Daten offenbaren erhebliche Lücken in der Altersvorsorge vieler Deutscher. Renten-Experten fordern von der Regierung „zielgerichtete Anstrengungen“, damit das System bestehen kann.

Berlin – Immer mehr Experten fordern angesichts des großen Kostendrucks tiefgreifende Rentenreformen. „Die Regierung hat bisher nicht geliefert“, sagte erst vor kurzem die Wirtschaftsweise Veronika Grimm den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Wir brauchen in der Renten-, Pflege- und Krankenversicherung mehr Ehrlichkeit darüber, welche Leistungen wir uns wirklich leisten können und welche nicht“, sagte sie. „Wenn man den Menschen Versprechungen macht, die man am Ende nicht halten kann, dann sorgen sie nicht privat vor, obwohl viele es könnten.“

Rente: Drei-Säulen-Modell der Altersvorsorge von Experten infrage gestellt

In einem Beitrag gehen auch vier Fachleute der Deutschen Rentenversicherung auf dieses Problem in der Rentenvorsorge ein. Demnach hätten zwar laut einer wissenschaftlichen Studie im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums (BMAS) Ende 2023 etwa 62 Prozent der Bevölkerung Anspruch auf eine private oder betriebliche Altersvorsorge, doch der Verbreitungsgrad der kapitalgedeckten Zusatzvorsorge sei seit Jahren rückläufig. Viele Beschäftigte würden deutlich weniger für den Ruhestand zurücklegen, als man bei einem Umbau des Rentensystems vor einem Vierteljahrhundert gehofft hatte.

Neue Daten zeigen, dass es bei vielen Deutschen erhebliche Lücken in der Altersvorsorge gibt. (Symbolbild)

Denn mit der Riester-Reform wurde lebensstandardsichernde gesetzliche Rente durch ein sogenanntes Drei-Säulen-Modell der Altersvorsorge ersetzt. Das bedeutet, dass das sinkende Rentenniveau – also dass die Menschen im Alter weniger gesetzliche Rente bekommen – mit einer freiwilligen, staatlich geförderten kapitalgedeckten Altersvorsorge (also der „Riester-Rente“) oder einer betrieblichen Altersvorsorge ausgeglichen werden soll. Damit beruht die Altersvorsorge auf drei Säulen: der gesetzlichen Rente, einer Betriebsrente und einer privaten Altersvorsorge.

Neben der gesetzlichen Rente „erhebliche Lücken“ bei der Altersvorsorge

Das Problem: Die BMAS-Daten über die Verbreitung der Altersvorsorge zeigten „insgesamt erhebliche Lücken bei der zusätzlichen Altersvorsorge“, so die Analyse der Experten der deutschen Rentenversicherung. Vor allem bei Beschäftigten, die nur eine kleine gesetzliche Rente zu erwarten hätten und deshalb im Alter in besonderem Maße auf Zusatzeinkünfte aus der kapitalgedeckten Vorsorge angewiesen sind, seien die bisherigen Ergebnisse unzureichend, zitiert ihre-vorsorge.de die Fachleute.

Deshalb wird in dem Beitrag auch die Zukunft des Drei-Säulen-Altersvorsorgemodells infrage gestellt. Sofern es nicht gelinge, die Verbreitung, den Vorsorgeumfang und die Risikoabdeckung erheblich zu verbessern, „erscheint die Legitimität des Modells insgesamt infrage gestellt“, schreiben die Experten laut ihre-vorsorge.de. Sie fordern nun, um das Vertrauen der Bevölkerung zu erhalten, „zielgerichtete Anstrengungen, um das bestehende Drei-Säulen-Modell zu erhalten und seine Funktionsfähigkeit zu verbessern“. 

Merz-Regierung will Renten-Reformen angehen – und Lücken bei Altersvorsorge schließen

Davon war in der Merz-Regierung bisher noch nicht viel zu sehen: Das Kabinett hatte vergangene Woche die Sicherung des Rentenniveaus von 48 Prozent des Durchschnittseinkommens bis 2031 und die Ausweitung der Mütterrente beschlossen. Es wurde noch nichts getan, um die betriebliche oder private Altersvorsorge zu stärken. Doch weitere Reformen sind schon in Arbeit: Immerhin sollen nach der Sommerpause noch mehr Renten-Vorhaben verabschiedet werden: die Aktivrente, mit der das Arbeiten im Alter attraktiver werden soll, und die Frühstartrente, über die Kinder und Jugendliche ein kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot vom Staat erhalten. Zudem will Sozialministerin Bärbel Bas (SPD) auch die Betriebsrente stärken.

Im „Sommerinterview“ der ARD sagte Bas am Sonntag (10. August 2025) außerdem, dass man die drei Säulen der Altersvorsorge noch weiter ausbauen wolle. „Welche Vorschläge dafür die besten sind, das wollen wir in der Rentenkommission natürlich beraten“, sagte die Ministerin und wies darauf hin, dass die Riester-Rente, die ja vor allem für Geringverdiener als private Vorsorge konzipiert wurde, nicht funktioniere. Man müsse jetzt ein Modell finden, mit dem die nächste Generation ihre private Altersvorsorge aufbauen könne. Das Ziel sei über diese drei Säulen eine lebensstandardsichernde Rente zu haben, so Bas.

Rubriklistenbild: © Robert Kneschke/Zoonar.com/Imago

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