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Frühstart-Rente

Börsen-Chef mit klarer Renten-Forderung: Mehr privates Kapital für Altersvorsorge

Die Frühstart-Rente soll jedes Kind in Deutschland an die private Alterssicherung heranführen. Doch Experten halten das Konzept für wenig wirksam und fordern eine Ausweitung der Reform.

Frankfurt – Die Börse birgt nach Ansichten zahlreicher Experten riesiges Potenzial für den Staatshaushalt, Unternehmen und Bürger. Mit der Frühstartrente von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist ein weiterer Schritt zur Entlastung des Rentensystems getan, so glaubt man. Kritiker indes sprechen von einem Alibiprojekt und fordern effektivere Maßnahmen. Deutsche-Börse-Chef Stephan Leithner meldet sich erneut zu Wort: Er fordert vor diesem Hintergrund, die staatlichen Zuschüsse für jedes Kind bereits ab der Geburt einzuführen.

Deutsche-Börse-Chef: Kapitalmärkte als Lösung des Rentenproblems

Seit Jahren wird über die Entlastung des deutschen Rentensystems heiß debattiert. Sinkende Geburtenraten, alternde Bevölkerung und eine schwindende Anzahl an Beitragzahlern stellen das Umlagesystem in Deutschland auf eine existenzielle Probe. Ein bisher wenig genutztes Potenzial bergen hierzulande Kapitalmärkte für die Alterssicherung – ein Konzept, das bereits in zahlreichen anderen Staaten erfolgreich erprobt wurden. 

„Die Kapitalmärkte sind der Multiplikator, um aus den staatlichen Impulsen ein Vielfaches zu machen“, sagte Leithner der Deutsche Presse-Agentur Anfang der Woche. „Ziel muss sein, das vorhandene Kapital privater Investoren aus dem In- und Ausland für die Modernisierung unserer Unternehmen, unsere Infrastruktur und unsere Alterssicherung zu gewinnen.“, so die jüngste Forderung des Deutsche-Börse-Chefs Stephan Leithner zur Frühstart-Rente.

Diskussion über Frühstart-Rente: Private Altersvorsorge für jedes Kind

Bundeskanzler Merz und seine Koalition wagen ab 1. Januar 2026 einen weiteren Vorstoß in Richtung Börse: Für jedes Kind ab sechs Jahren soll ein kapitalgedecktes Vorsorgedepot eingerichtet werden. Jeden Monat sollen zehn Euro vom Staat auf das Depot eines Kindes fließen, welches eine deutsche Bildungseinrichtung besucht. 

Mit dem Erreichen des 18 Lebensjahres sollen diese Zuschüsse dann enden, jedoch wird das angesparte, steuerfreie Kapital bis zur Regelaltersgrenze verwahrt. Nach einem Zeitraum von zwölf Jahren würde sich dann ein Betrag von 1.440 Euro zuzüglich möglicher Verzinsung ansammeln. So könnten bei einem siebenprozentigen Wachstum jährlich bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren bis zu 59.000 Euro angespart werden.

Kann der Kapitalmarkt das deutsche Renten-Fiasko retten?

Experten: Frühstartrente muss an Schulbesuch gebunden werden

Unterdessen beäugen Experten den Lösungsansatz der schwarz-roten Regierung eher kritisch und halten eine Ausweitung des Gesetzes, ähnlich wie von Leithner vorgeschlagen, für zielführender. „Wir haben die Sorge, dass am Ende die Frühstart-Rente eine Alibi-Maßnahme ist, die auf große Zustimmung trifft, am Kernproblem aber meilenweit vorbeigeht“, sagte Dr. Helge Lach, Vorsitzender des Deutschen Unternehmensverbands Vermögensberatung (DUV).

Nach Ansicht Lachs könnten beispielsweise obligatorische Zuzahlungen von Eltern die Summe am Ende vergrößern und damit tatsächlich einen realistischeren Beitrag zur Vermeidung von Altersarmut leisten. Denn mit dem aktuellen Konzept und der Einberechnung der Inflation könnte die Kaufkraft des Kapitals um fast die Hälfte sinken. „Es ist evident, dass die Frühstartrente in den besonders herausfordernden nächsten 30 Jahren keinen Beitrag zur Finanzierung der Rente leisten kann“, sagte Prof. Michael Heuser, wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA). 

Wie eine DIVA-Umfrage ergab, begrüßt zwar der Großteil der Bevölkerung die Idee der Frühstart-Rente, jedoch denken nur knapp ein Drittel, dass es richtig sei, die zehn Euro „nur“ vom sechsten bis zum 18. Lebensjahr zu zahlen. „Schon heute fließt sehr viel Kindergeld, das ab Geburt gezahlt wird, ins Ausland ab. Deshalb ist die Idee der Bundesregierung richtig, den gleichen Fehler bei der Frühstart-Rente nicht zu wiederholen und stattdessen die Zahlung mit dem Schulbesuch zu verbinden. Den Menschen ist dieser Zusammenhang nicht bewusst“, mahnte Lach.

Leithner: 4.000 Euro für jedes neugeborene Kind löst Rentenproblem

Leithner forderte bereits vor Monaten eine Ausweitung der Renten-Reformen. Erst zum Jahresbeginn schlug er vor, jedem Kind bei der Geburt 4.000 Euro zu schenken. Bei einem Arbeitslebenszyklus würden aus den 4.000 Euro mit sieben Prozent Verzinsung knapp über 370.000 Euro Pensionskapital zusammenkommen, sagte er der Frankfurter Allgemeine Zeitung. „4.000 Euro für jedes Kind und das Rentenproblem wäre für Generationen gelöst.“, so die Annahme. Kosten würde das den Staat etwa drei Milliarden pro Jahr.

Für Experten käme aber auch dieser Vorschlag zu spät und würde nur die jetzt geborene Rentenbezieher entlasten. Aktuell müssten alle anderen Bundesbürger weiterhin die gesetzliche Rente in Anspruch nehmen – bis 2092 würden damit alle Rentner noch aus der Rentenversicherung finanziert werden. Zudem befürchten Ökonomen eine Verschärfung der sozialen Ungleichheit. Denn sollten die Eltern über die Anlage des Geldes entscheiden, sind Menschen aus finanziell besser gestellten Familien klar im Vorteil.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Florian Wiegand

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