Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies.
Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen
Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.
Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für
. Danach können Sie gratis weiterlesen.
Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.
Provokative Politik
Skurrile Stadionshow: Präsident Milei singt gegen die Krise in Argentinien an
Argentiniens Kettensägen-Präsident: Milei inszeniert sich als Rockstar, während Korruptionsskandale seine Partei vor den Parlamentswahlen belasten.
Buenos Aires – Er tritt auf wie ein wahnsinniger Rockstar, ist aber Präsident Argentiniens. Javier Milei liebt das Rampenlicht um jeden Preis. Bei einem Stadionauftritt vor 15.000 Menschen hat sich der selbsternannte Anarchokapitalist erneut selbst übertroffen mit seiner Selbstinszenierung. In Lederjacke grölte er bekannte argentinische Rocksongs – großteils von Bands, die sich öffentlich gegen Milei positionieren. Auf der Basedrum des Schlagzeugs wurde ein Bild des österreichischen Ökonomen Ludwig von Mises gedruckt, der als Vordenker des Libertarismus gilt.
Argentiniens Präsident Javier Milei singt während der Vorstellung seines neuen Buches „Die Konstruktion des Wunders“ in der Movistar Arena in Buenos Aires am 6. Oktober 2025
Doch das ist dem exzentrischen Rechtspopulisten egal. Milei will provozieren. Er eignet sich die Lieder der Opposition an, sagt den Kirchneristen (Oppositionspartei) mit erhobener Faust den Krieg an, während auf der Riesenleinwand hinter ihm Bilder von Bombenexplosionen und zusammenstürzenden Gebäuden abgespielt werden. Der Kettensägenmann ist auf Angriffskurs, Ende Oktober sind Parlamentswahlen in Argentinien.
Milei schraubt vor Parlamentswahlen in Argentinien am eigenen Personenkult
Der eigentliche Anlass der Veranstaltung am Montag war die Vorstellung seines neuen Buches „Die Konstruktion des Wunders“, in dem er sein politisches Projekt lobpreist, auf dem Cover ist er mit einer Kettensäge mit der Aufschrift „Die Kräfte des Himmels“ zu sehen. Die Kraft des Himmels ist für ihn der entfesselte Markt, Liberalismus seine Religion. Als Anführer eines Quasikultes schraubt Milei konstant an seinem eigenen Personenkult – vor einer vermeintlich drögen Buchvorstellung begeistert er die Massen also mit Musik. Seine Transition vom Rockstar zum Autor kommentiert er selbst auf der Bühne: „Ich verkleide mich schnell als Präsident“, erklärt er. Das Publikum lacht und jubelt.
Milei inszeniert sich als Retter der Nation, als Antithese zum argentinischen Strudel aus Korruption, Inflation und Armut. Doch die Realität in Argentinien sieht anders aus. Milei muss Donald Trump nach Geld fragen, um seine Währungsreform zu stabilisieren, die Umfragewerte zur Wahl sehen ihn als Verlierer, und am selben Tag wie sein spektakulärer Stadion-Auftritt trat auch noch sein Vertrauter und Abgeordneter Luis Espert wegen einer Verwicklung in einen Narco-Skandal zurück.
Von Maduro bis Milei: Die lange Liste der Populisten Lateinamerikas
Milei-Kandidat wegen Narco-Skandal zurückgetreten – auch Schwester Karina unter Verdacht
Vor einer Woche war berichtet worden, dass Espert 2020 von dem Unternehmer Machado etwa 200.000 Dollar (170.000 Euro) erhalten habe. Machado steht in Argentinien unter Hausarrest und wird von der US-Justiz wegen mutmaßlicher Verbindungen zu Drogenhändlern gesucht. Am Donnerstag räumte Espert ein, dass er die genannte Summe als Bezahlung für Beratungsdienste für ein Bergbauunternehmen in Guatemala im Besitz des Argentiniers Machado erhalten habe. Außerdem gab Espert zu, dass er während seines Präsidentschaftswahlkampfs 2019 etwa 35 Flüge mit Maschinen im Besitz von Machado absolviert habe. Von den mutmaßlichen Verbindungen des Unternehmers zu Drogenhändlern wisse er jedoch nichts, beteuerte der 63-jährige Ökonom.
Die Vorwürfe gegen Mileis Gefolgsmann kamen für den Präsidenten zur Unzeit. Anfang September erlitt seine Partei La Libertad Avanza bei der Wahl in Argentiniens bevölkerungsreichster Provinz Buenos Aires eine herbe Niederlage, in der Folge gab der Wert des argentinischen Peso stark nach. Vergangene Woche hob dann auch noch das argentinische Parlament zwei Vetos des Präsidenten auf, außerdem steht Mileis Schwester Karina Milei unter Korruptionsverdacht.
Milei verteidigt Kandidaten: Esperts Ansehen mit „Verleumdungen, Beleidigungen“ geschadet
Nach Esperts Kandidaturverzicht verteidigte Milei seinen Mitstreiter. Dieser habe sich nur zurückgezogen, weil „die Sache der Freiheit wichtiger ist als wir“, sagte der in Wirtschaftsfragen ultraliberale Präsident in einem Interview mit dem Sender LN+. Er warf der Opposition vor, Esperts Ansehen mit „Verleumdungen, Beleidigungen“ geschadet zu haben. „Sie haben eine unheilvolle Operation gestartet“, sagte Milei über seine politischen Gegner.
Die Parlamentswahl in Argentinien findet am 26. Oktober statt. Mileis Partei ist in beiden Parlamentskammern in der Minderheit und hofft, mit dem Zugewinn einiger Sitze ihre Regierung zu stabilisieren. Allerdings kann sie sich kaum Hoffnungen auf eine eigene Parlamentsmehrheit machen. (AFP/LN+/lm)