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Frankfurter-Rundschau-Gespräch

Putins Bedrohung und ein Bundeswehr-„Wunder“: Litauens einziger jüdischer Abgeordneter hofft – und mahnt

Die Bundeswehr baut angesichts der Bedrohung aus Russland eine Brigade in Litauen auf. Grund zur Sorge? Ein Gespräch mit einem besonderen Zeitzeugen.

Vilnius – Dass kaum jemand in Deutschland den Namen Emanuelis Singeris kennt – es verdeutlicht, wie wenig sich EU-Länder untereinander kennen. Singeris ist eine Art Urgestein der litauischen Politik, mit starken, teils schmerzhaften Verbindungen zu Deutschland zudem: 1990 gehörte er zu den Unterzeichnern des „Aktes zur Wiedererrichtung der Unabhängigkeit Litauens“, seit 1990 ist er neunmal ins Parlament gewählt worden, den Seimas. Er ist Sohn einer Holocaust-Überlebenden, der einzige Seimas-Abgeordnete jüdischen Glaubens und Bruder des international bekannten Lyrikers Markas Singeris. Seine Muttersprachen: Litauisch und Jiddisch.

Fragt sich: Was hält Singeris davon, dass nun wieder deutsche Soldaten in seinem Heimatland Litauen stationiert sind?

Deutschland und das unabhängige Litauen – Zeitzeuge Singeris erinnert sich

Als Anfang Juni die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung in Vilnius ein neues Büro eröffnet, gehört Singeris zu den Gratulanten. Im Gepäck hat er eine gerahmte Kopie des „Akts der Unabhängigkeitserklärung Litauens“, mit seiner Unterschrift zwischen vielen anderen. Beim Gespräch mit der Frankfurter Rundschau vor der Tür, unweit des prächtig restaurierten Rotušės aikštė, des Rathausplatzes, warnt er in fließendem Deutsch mit Nachdruck vor dem Regime im Kreml.

Vor einiger Zeit habe er einen Brief an Wladimir Putin persönlich geschickt, erzählt Singeris stolz – mit der Aufforderung, den Holocaust nicht länger mit niederträchtigen Vorwürfen an vermeintliche ukrainische „Faschisten“ zu relativieren. Und er erinnert sich lebhaft an seine Erfahrungen mit deutschen Bundesregierungen.

Emanuelis Singeris beim Gespräch in Vilnius – im Hintergrund der Rathausplatz der litauischen Hauptstadt.

Schon 1990 war Singeris zu Gast beim damaligen Chef des Auswärtigen Ausschusses, dem CDU-Politiker Hans Stercken. „Man hat uns immer wieder gesagt: Gorbatschow war und ist für uns eine gute Sache, aber für euch ist Jelzin der richtige Mann. Lasst uns zuerst die Wiedervereinigung bewerkstelligen und den Warschauer Pakt auflösen – dann helfen wir euch.“ Tatsächlich überrollten noch 1991 Panzer der von Gorbatschow befehligten Sowjetarmee friedliche Demonstranten am Fuße des Fernsehturms von Vilnius und versuchten das verbarrikadierte Parlament anzugreifen. Ein folgendes Unabhängigkeitsreferendum erkannte Gorbatschow nicht an.

Als im August 1991 in Moskau ein Militärputsch gegen den gerade zum Präsidenten der russischen Teilrepublik gewählten Boris Jelzin scheiterte, erkannten schlagartig viele Staaten Litauens Unabhängigkeit an – darunter auch Deutschland. Vorreiter war die Bundesrepublik nicht; den ersten Schritt hat deutlich vorher Island gemacht. „Aber die Nicht-Anerkennungspolitik der Sowjetbesatzung über all die fast 50 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, offizielle Politik des Auswärtigen Amtes, war ganz wichtig“, erinnert sich Singeris. Das ist die eine Seite.

Mahnung aus Litauen: „Diese ‚Militarisierung‘ Europas muss einen Inhalt haben“

Es gibt eine andere: „Ich gehöre zur zweiten Generation von Holocaust-Überlebenden“, sagt der Politiker, „meine Mutter war im Nazi-KZ in Stutthof. Dort hat sie Bomber der Alliierten über das Lager fliegen sehen“. Singeris erinnert sich an eine ihrer Erzählungen. „‚Ich habe mich im Lager so verlassen gefühlt‘ sagte sie, ‚aber sie haben uns nie geholfen, nie die Zäune des Lagers angegriffen.“ Die Schlussfolgerung seiner Mutter: „Wir sollten niemals verletzliche Gefangene im Stich lassen.“

Er selbst denke bis heute auf Jiddisch.

Singeris betont: Europa müsse einen Kampf gegen den russischen Totalitarismus unter Putin führen. Noch in diesem Jahr hätten die Justiziare des Kreml den Krieg gegen die Ukraine als innerstaatliche Angelegenheit bezeichnet – ein Zeichen eines aus Sowjetzeiten rührenden brutalen Machtanspruchs. Litauen bereitet das große Sorge.

Zur Person: Emanuelis Singeris

Singeris wurde 1957 als Sohn der Holocaust-Überlebenden Polina Tatarskytė-Zingerienė geboren. Sie war ebenso wie ihre Mutter Sarah Gefangene im Konzentrationslager Stutthof, Singeris‘ Großvater und Onkel im KZ Dachau.

Ab 1989 gehörte er zur litauischen Unabhängigkeitsbewegung Sajudis. 1990 wurde er Abgeordneter des „Obersten Rates“, seit 1992 sitzt er im Seimas – lediglich mit einer Unterbrechung in den Jahren 2000 bis 2004. In dieser Zeit war er Direktor des Jüdischen Museums „Vilna Gaon“ in Vilnius. Singeris ist Mitglied der litauischen Christdemokraten und Vize-Chef der Fraktion der Europäischen Volkspartei in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates. Dort amtiert er seit 2023 auch als Berichterstatter zur Situation von Menschenrechtsverteidigern und Whistleblowern im Rechts- und Menschenrechtsausschuss.

Es sei nun enorm wichtig, Putin in allen Teilen Europas etwas entgegenzusetzen, betont Singeris. Er meint damit auch: militärische Aufrüstung. Mit der Hilfe der Bundesrepublik. Aber er hat eine deutliche Mahnung. „Diese ‚Militarisierung‘ Europas muss einen Inhalt haben. Wir hoffen, dass sich Deutschland in einem guten Sinne ‚wiederbewaffnet‘ – mit einem Verständnis für Geschichte und Versöhnung. Mit dem Verständnis, was Holocaust und ein totalitäres Regime bedeuten. Wir müssen eine echte Bürgergesellschaft bauen.“ Dazu gehörten auch „echte europäische Wahlen“ – ohne Einflussnahme aus Diktaturen wie Russland, Belarus, China oder Iran.

„Ich spreche das als Mitglied einer Holocaust-Überlebenden-Familie aus“, betont er. „Gerade hier um die Ecke ist die jüdische Gasse in der Altstadt. Die Deutschen und Ihre Kollaborateure haben 94 Prozent der Jüdinnen und Juden in Litauen umgebracht.“ Er sehe aber den richtigen Geist bei den Bundeswehr-Vertretern, die jetzt auch häufig in Vilnius sind. Die bundesdeutsche Armee errichtet derzeit Basen in wenigen Kilometern Entfernung von der Hauptstadt.

„Wir hoffen, dass die deutschen Kollegen einsatzbereit sind“ – die Bundeswehr in Litauen

„Deutsche Offiziere kommen zu unseren Sitzungen in der jüdischen Gemeinde, in das Toleranzhaus, in das jüdische Museum, das ich mitaufgebaut habe“, berichtet Singeris. Und es gebe eben auch ein „Gefühl der Nähe nach 700 Jahren deutscher Nachbarschaft“ – die Nazi-Zeit ausgenommen. Das erste litauischsprachige Buch sei 1547 deutschen Königsberg, dem heutigen Kaliningrad, gedruckt worden. Seine Vorfahren seien Uhrmacher-Meister gewesen: „Mein Großvater hat gesagt, das jüdische Zeitverständnis ist noch korrekter als das deutsche.“ Mit den deutschen Uhrmachern seien sie im fruchtbaren Wettstreit gestanden – als Teil „dieser präzisen Welt eines tüchtigen, pflichtbewussten Vorkriegs-Europa“.

Singeris‘ Mutter starb 2002 im Alter von 100 Jahren, nach 45 Jahren Arbeit als Hebamme. In einem Podcast des litauischen Mediums Politika erzählte Singeris, sie habe jedes von Tausenden neugeborenen Kind mit denselben Worten begrüßt: „Hier ist meine Antwort an Adolf Hitler. Die Antwort heißt Leben.“ Die Pläne für die Stationierung der Bundeswehr habe sie noch miterlebt.

„Wir müssen Europa stärken, ohne militaristischen, hasserfüllten, radikalen Wortschatz – aber dann auch bereit sein, für dieses Europa zu kämpfen, auch das Feuer auf totalitäre Invasoren zu eröffnen“, fordert Singeris. „Das klingt nach dem Zweiten Weltkrieg schrecklich, aber wir müssen bereit sein, uns zu verteidigen – und der Ukraine zu helfen.“

Nach der Invasion in die Ukraine könne bald Litauen auf Russlands Liste stehen, warnt er; die 700 Kilometer lange Grenze zu Belarus mit seinem totalitären Machthaber und Putin-Verbündeten Alexander Lukaschenko ist keine 50 Kilometer von Vilnius entfernt. „Wir hoffen, dass die deutsche Brigade bald einsatzbereit ist, zusammen mit den litauischen, lettischen, estnischen, polnischen, finnischen Truppen“: Freiheit müsse verteidigt werden. „Meine Mutti, eine ehemalige Ghetto- und KZ-Gefangene, würde es so sagen.“

Deutschland wegen Russland wieder in Führungsrolle? „Reifes, demokratisches Verständnis!“

Eine andere Frage für Litauen und die Bundeswehr ist natürlich die militärische Dimension. Am Rande der Veranstaltung in Vilnius äußerten sich aber auch Fachleute optimistisch. Die deutsche Präsenz sei durchaus wichtig, sagte die finnische Verteidigungsexpertin Minna Ålander unserer Redaktion. „Sie ist vielleicht erstmal ein politisches Zeichen. Aber das sollte man nicht unterschätzen“ – Abschreckung sei schließlich vor allem ein psychologischer Effekt. „Alles, was man tun kann, um in Russland Unsicherheit über die mögliche westliche Reaktion zu schaffen, ist gut.“

Deutschland nicht in den Top 3: Die Nato-Länder mit den größten Truppenstärken

Nato-Übung „Arctic Defender 2024“
Die Nato ist das größte militärische Verteidigungsbündnis der Welt. Der Nordatlantikpakt („North Atlantic Treaty Organization“) soll die territoriale Souveränität der Mitgliedsstaaten sichern und im Kriegsfall verteidigen. Dafür gibt es die Beistandsklausel im Gründungsvertrag der Nato. Die Truppenstärke aller Nato-Länder zusammengerechnet umfasste 2025 nach vorläufigen Zahlen rund 3,4 Millionen Soldaten und Soldatinnen.  © Kay Nietfeld/dpa
US-Armee Nato
Dem „Global Firepower Index“ zufolge stellen die USA mit rund 1,328 Millionen Soldatinnen und Soldaten die größte Nato-Truppe. Im Kampfeinsatz vertraut die US-Armee auch auf den Chinook-Hubschrauber. Der CH-47 ist bekannt für seine Fähigkeit, schweres Material und Personal in unwegsames Gelände zu transportieren. Im Bild ist eine gemeinsame Übung von Südkorea und den USA in Yeoncheon zu sehen. © Jung Yeon-Je/AFP
Militär Türkei
Das zweitgrößte Militär der Nato-Mitgliedstaaten kommt aus der Türkei (Truppenstärke: 355.200). Die Armee gilt als eine der stärksten der Welt. Anhand von mehr als 60 Einzelfaktoren analysieren die Fachleute von „Global Firepower Index“ die militärische Gesamtstärke der Armeen. Türkei, die seit 1952 Mitglied der Nato ist, belegt hier unter 145 Armeen den neunten Platz. © Tunahan Turhan/Imago
Polnische Armee
In der Nato-Rangliste der Truppenstärke liegt Polen auf Platz drei. Die polnischen Streitkräfte verfügen über 202.100 aktive Soldatinnen und Soldaten. Die Streitkräfte sind seit 2010 eine Berufsarmee und gliedern sich wie folgt: Heer, Marine, Luftwaffe, Spezialkräfte, Territorialverteidigung (Freiwilligenmiliz). © Radek Pietruszka/dpa
Frankreich Macron
Platz vier in der Nato-Rangliste belegt Frankreich (Truppenstärke: 200.000). Frankreich ist seit dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs die einzige Atommacht in der Europäischen Union. Der französische Staatspräsident ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und die einzige Person, die einen nuklearen Angriff befehlen kann. Hier hält Präsident Emmanuel Macron (Mitte) eine Rede vor zwei Kampfjets vom Typ Dassault Mirage 2000 (links) und vom Typ Dassault Rafale (rechts). © Ludovic Marin/AFP
Britische Armee bei einer Übung in Finnland
Die Streitkräfte des Vereinigten Königreichs gliedern sich in drei Teilstreitkräfte und umfassen ungefähr 184.860 Soldatinnen und Soldaten. Bei einer Übung in der Nähe von Rovaniemi am Polarkreis testet die Armee hier die mobile Haubitze Archer.  © Ben Birchall/dpa
Pistorius-Besuch in Litauen
Auf Platz sechs in der Nato-Rangliste liegt die Bundesrepublik Deutschland. Die Bundeswehr umfasst das Heer, die Luftwaffe, die Marine, den Cyber- und Informationsraum, sowie den Unterstützungsbereich. Aktuell gibt es rund 181.600 aktive Soldatinnen und Soldaten in Uniform. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD, rechts) erlebt die Fähigkeiten eines Leopard-2-Panzers auch schon mal aus nächster Nähe. © Alexander Welscher/dpa
Tag der italienischen Streitkräfte 2021
Die italienische Kunstflugstaffel „Frecce Tricolori“ fliegt am Tag der italienischen Streitkräfte über das Denkmal des Unbekannten Soldaten hinweg. Mit einer Truppenstärke von 165.500 Soldatinnen und Soldaten belegt Italien in der Nato-Rangliste den siebten Platz.  © Giuseppe Lami/dpa
Griechenland Militär
Kampfjets, Kriegsschiffe, Drohnenabwehrsysteme: Griechenland rüstet auf. Die Regierung will Milliarden investieren, um ihr Militär stärker zu machen als je zuvor. Aktuell verfügen die griechischen Streitkräfte (hier bei einer Militärparade in Athen) über eine Truppenstärke von 142.700 aktiven Soldatinnen und Soldaten. © Kostas Galanis/Imago
Luftlandeübung Swift Response
Noch eine weitere Armee der Nato verfügt über mehr als 100.000 aktive Soldatinnen und Soldaten: Spanien (Truppenstärke: 133.282). Allerdings ist das Land weit davon entfernt, das Zwei-Prozent-Ziel der Nato zu erreichen: Mit knapp 1,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ist Spanien sogar Schlusslicht in der Nato.  © Kay Nietfeld/dpa
Air Police Übung der Nato in Rumänien
Ein Kampfflugzeug vom Typ F-16 der rumänischen Luftwaffe steht auf dem rumänischen Luftwaffenstützpunkt in Borcea. Rumänien liegt in der Nato-Rangliste auf Platz zehn (Truppenstärke: 81.300).  © Kathrin Lauer/dpa
Kanada - Snowbirds bei Flugtag
Kanada verfügt über rund 68.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. In Canadian Army, Royal Canadian Navy und Royal Canadian Air Force dienen nur Freiwillige. Die Kunstflugstaffel der Air Force ist unter dem Namen „Snowbirds“ bekannt. Die Schneevögel sind ein Symbol Kanadas. © Patrick Doyle/dpa
Ungarn Militär
Die H225M Caracal ist ein taktischer Mehrzweck- und Transporthubschrauber mit großer Reichweite. Benutzt wird er unter anderem von Ungarn (Truppenstärke: 41.600).  © Sergey Kohl/Imago
Abschluss der Nato-Übung Quadriga 2024
Niederländische Kräfte nehmen an der Quadriga-Übung 2024 teil. Die Niederlande liegt auf Platz 13 der Nato-Rangliste (Truppenstärke: 41.380). Die Regierung will die Stärke der nationalen Streitkräfte allerdings deutlich erhöhen. © Kay Nietfeld/dpa
Bulgarien Militär
Seit 2004 ist Bulgarien Nato-Mitglied. Die bulgarischen Streitkräfte bestehen aus den Teilstreitkräften Heer, Marine, Luftstreitkräfte. Derzeit umfasst das Militär in Bulgarien etwa 37.000 Frauen und Männern. © Vassil Donev/dpa
Kriegsende-Gedenken - Tschechien
Flugzeuge hinterlassen am Himmel farbige Spuren in den Nationalfarben Tschechiens anlässlich der Feierlichkeiten zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Tschechien verfügt über 28.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. © Kamaryt Michal/dpa
Belgische Kronprinzessin schwitzt beim Militär-Sommercamp
Die Streitkräfte aus Belgien untergliedern sich in Heer, Marine, Luftstreitkräfte und medizinisches Korps. Es gibt rein niederländisch- und rein französischsprachige Einheiten. Im Jahr 2022 trainierte auch die belgische Kronprinzessin Elisabeth (2. von rechts) in einem Bootcamp der Königlichen Militärschule ihre Führungsqualitäten. Belgien liegt in der Nato-Rangliste auf Platz 16 (Truppenstärke: 25.000). © Erwin Ceupp/dpa
Schwedische Nato-Truppen in Lettland stationiert
Die schwedischen Streitkräfte bestehen aus den vier Teilstreitkräften: Heer, Marine, Luftstreitkräfte, Heimwehr. Seit dem 7. März 2024 ist Schweden (Truppenstärke: 24.400) das 32. Mitglied der Nato. © Alexander Welscher/dpa
80. Jahrestag der Schlacht von Arnheim
Fallschirmjäger aus acht Nato-Mitgliedsländern (Deutschland, Griechenland, Niederlande, Polen, Portugal, Spanien, Vereinigtes Königreich und USA) springen hier zum Gedenken an den Jahrestag der Schlacht von Arnheim auf der Ginkelschen Heide ab. Portugals Truppenstärke beträgt 24.000 Frauen und Männer.  © Ben Birchall/dpa
Raketensschiff Pori der finnischen Marine
Das Raketensschiff Pori der finnischen Marine bricht vom Suomenlinna-Pier in Helsinki zur Nato-Operation „Enhanced Vigilance Activity“ in der Ostsee auf. Auch Finnland verfügt über 24.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten. © Vesa Moilanen/dpa
Militärübung „Nordic Response“ in Norwegen
Norwegische Soldaten sitzen während der Militärübung „Nordic Response 24“ auf Schneemobilen. Die Streitkräfte bestehen aus dem Heer, der Marine, der Luftwaffe und der milizartig organisierten Heimwehr. Mit einer Truppenstärke von 23.250 Frauen und Männer belegt Norwegen Platz 20 in der Nato-Rangliste. © Jouni Porsanger/dpa
Deutsche Brigade in Litauen
Litauische Soldaten legen nach einem Schießtraining bei Rudninkai in dem Areal, wo die deutsche Brigade in Litauen stationiert werden soll, eine Pause ein. Die Truppenstärke von Litauen beträgt 23.000 Frauen und Männer. © Kay Nietfeld/dpa
The Royal Life Guards
Rekruten der Royal Life Guards aus Dänemark überqueren auf dem Truppenübungsplatz Kulsbjerg bei Vordingborg das Wasser. Dänemarks Militär verfügt derzeit über etwa 20.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. © Mads Claus Rasmussen/Imago
Luftwaffe bildet slowakische Soldaten an Flugabwehrsystem aus
Slowakische Soldaten trainieren an einem Flugabwehrsystem. Seit 2004 ist die Slowakei Mitglied der Nato. Die Truppenstärke des Militärs beträgt 19.500 Frauen und Männer. © Marcus Brandt/dpa
Lettland Militär Parade
imago80894560.jpg © Victor Lisitsyn/Imago
Militärmanöver in Kroatien
Kroatien verfügt über 14.325 aktive Soldatinnen und Soldaten. Die Streitkräfte werden umgangssprachlich meist als „Hrvatska vojska“ (Kroatische Armee) bezeichnet. Kroatien ist seit April 2009 Mitglied der Nato. © dpa
Mazedonien Namensänderung
Die Armee der Republik Nordmazedonien (Truppenstärke: 9000) gliedert sich in ein Heer mit angeschlossenen Luftstreitkräften (Heeresflieger). Aufgrund der Binnenlage des Landes gibt es keine eigenständige Marine.  © Dragan Perkovksi/dpa
Kaja Kallas
Am 15. Mai 2024 besuchte die damalige estnische Premierministerin Kaja Kallas die gemeinsame Übung „Spring Storm“ der estnischen Streitkräfte (Truppenstärke: 7700) und der alliierten Nato-Streitkräfte in Pärnu. © Jussi Nukari/Imago
Slowenien
Sloweniens Truppenstärke beträgt 7300 Frauen und Männer. Die Streitkräfte unterstehen dem Verteidigungsministerium. Die für den Schutz der 46 Kilometer langen Adriaküste zuständige Marine und die Luftstreitkräfte sind keine selbständigen Teilstreitkräfte. © Zeljko Stevanic/Imago
Albanien
Seit 2010 hat Albanien eine Berufsarmee. Sie besteht derzeit aus 6600 aktiven Soldatinnen und Soldaten. Das Joint Force Command bildet ein Hauptquartier, dem die drei Teilstreitkräfte Heer, Luftwaffe und Marine unterstehen. © Imago
Montenegro
Die seit 2006 aufgebauten Streitkräfte von Montenegro umfassen 2350 Frauen und Männer und gelten heute als eine funktionierende Kleinarmee in Europa. Montenegro ist seit Juni 2017 Mitglied der Nato. © Imago
Luxwemburg
Die Armee Luxemburgs umfasst die Streitkräfte des Großherzogtums Luxemburg. Sie besitzt eine leichtbewaffnete, Freiwilligenarmee (Truppenstärke: 1000). Die luxemburgische Armee ist in ein Infanteriebataillon mit zwei Aufklärungskompanien gegliedert. Mit einer dieser beiden Kompanien beteiligt sich Luxemburg am Eurokorps. © Berit Kessler7Imago
Eurofighter über Island. (Archivbild)
Ein Eurofighter fliegt bei der Übung „Rapid Viking 2023“ über Island. Der hohe Norden gewinnt zunehmend an geopolitischer Bedeutung. Nato-Mitglied Island selbst verfügt über keine eigene Armee. © Britta Pedersen

Jonas Öhman, schwedisch-litauischer Gründer der Hilfsorganisation blue/yellow, schilderte ebenfalls einen positiven Eindruck von den Bundeswehr-Vertretern. „Die Angehörigen der Brigade, die ich getroffen habe, sind sehr seriöse, ernsthafte Soldaten.“ Es gebe in Deutschland den Anspruch, eine „moderne, zeitgemäße, effiziente Armee“ aufzubauen, sagte der Helfer, der in regelmäßigem Kontakt mit Fronteinheiten der Ukraine steht. Es sei nur vernünftig, wenn Deutschland 80 Jahre nach dem Krieg wieder eine Führungsrolle übernehme. Deutsche Ängste vor dieser Rolle, etwa auch beim Thema Taurus, verstehe er nicht, sagte Öhman.

Die letzte Frage an Emmanuelis Singeris: Wie also fühlt es sich an, 80 Jahre nach der Niederlage des Nazi-Regimes wieder deutsche Soldaten im Land zu haben? „Das ist ein Wunder für uns, die Gegenwart der Deutschen“, sagt Singeris. Eines sei aber nie zu vergessen: „In unserem wiederbewaffneten Europa müssen wir weiter unsere demokratische Welt gegen totalitäre Invasoren verteidigen. Wir sollten zur Freiheit bereit sein und dabei jedes Individuum in unserer Gesellschaft respektieren.“ Distanz zu allem Hass – und ein reifes, demokratisches Verständnis, ohne sowjetisches Hurra oder Nazi-Anklänge – „das muss die Lebensweise bleiben“. (Florian Naumann)

Rubriklistenbild: © Montage: Florian Naumann/Maurizio Gambarini/Imago/Funke Foto Services

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