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5,5 Millionen Bürger betroffen

Merz-Regierung plant Bürgergeld-Kürzung: 4,5 Milliarden weniger – Empfänger in Angst

Kurz vor dem Koalitionsausschuss zeichnet sich ab: Projekte wie die Stromsteuer sind nur mit Einsparungen möglich. Die Konsequenz: Kürzungen beim Bürgergeld.

Berlin – Um schwarz-rote Koalitionsvorhaben wie die Mütterrente oder die Senkung der Stromsteuer durchzusetzen, muss die Bundesregierung an anderen Stellen sparen. Laut einem Medienbericht plant die Regierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) deswegen, beim Bürgergeld in den kommenden zwei Jahren einen Milliardenbetrag zu kürzen.

Wie die Bild-Zeitung am Dienstag (1. Juli) unter Berufung auf Kreise des Finanzministeriums berichtete, sollen die Ausgaben des Bundes im nächsten Jahr um 1,5 Milliarden Euro niedriger liegen. Im Jahr 2027 sollen es dann drei Milliarden Euro weniger sein. Für das laufende Jahr hat Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) beim Bürgergeld und den Kosten der Unterkunft insgesamt 42,6 Milliarden Euro eingeplant.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Merz-Regierung streicht 4,5 Milliarden beim Bürgergeld: Empfängern drohen härtere Sanktionen

Dem Bericht zufolge sollen die Ausgabenkürzungen unter anderem durch die Umsetzung härterer Sanktionen erreicht werden. So soll Leistungsempfängern, die einen Termin im Jobcenter verpassen oder einen zumutbaren Job ablehnen, der Regelsatz sofort um 30 Prozent gekürzt werden. Bisher sind es in der Regel zunächst zehn Prozent. Wer wiederholt zumutbare Arbeit ablehnt, soll gar keinen Regelsatz mehr erhalten.

Nach Einschätzung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) könnten aber nur bei deutlich sinkender Arbeitslosigkeit beim Bürgergeld Milliardensummen eingespart werden. „Ein Fall von Arbeitslosigkeit in der Grundsicherung kostet die öffentlichen Haushalte pro Jahr mehr als 25.000 Euro. Ginge die Arbeitslosenzahl um 100.000 zurück, ergäben sich also fiskalische Vorteile von fast drei Milliarden Euro“, sagte der IAB-Forschungsbereichsleiter für gesamtwirtschaftliche Analysen, Enzo Weber, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. 

Weber betonte allerdings, dass dafür viele Voraussetzungen gegeben sein müssten. „Diese Größenordnungen sind möglich, wenn der steigende Trend der Arbeitslosigkeit nachhaltig umgekehrt wird“, sagte er. 2,914 Millionen Menschen sind in Deutschland derzeit arbeitslos, 188.000 mehr als im Juni 2024. Die Arbeitslosenquote – heute 6,2 Prozent – liegt im Vergleich zum Juni 2024 um 0,4 Prozentpunkte höher. 

SPD dämpft vor Koalitionsausschuss Bürgergeld-Sparplan: Mehr als eine Milliarde ist „da nicht rauszuholen“

SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf dämpft die Erwartungen an die Einsparmöglichkeiten durch Reformen beim Bürgergeld. Viel mehr als die im Haushaltsentwurf für das nächste Jahr eine Milliarde Euro vorgesehene Einsparungen „wird da nicht rauszuholen sein“, so Klüssendorf am Mittwoch (2. Juli) im „Morgenmagazin“ der ARD. Klüssendorf sagte, das Bürgergeld sei dafür da, Leute wieder in Arbeit zu bringen: „Und das kostet eben auch Geld.“

Zahl der Arbeitslosen 2,914 Millionen (+ 188.000 mehr als im Vorjahr)
Arbeitslosenquote6,2 Prozent (+ 0,4 Prozentpunkte)
Zahl der Bürgergeld-Empfänger 5,5 Millionen
Zahl der sanktionierten Bürgergeld-Empfänger im Februar 202532.900
Summe der geflossenen Leistungen an Bürgergeld-Empfänger im März 20253,9 Milliarden Euro
Geplante Ausgaben des Bundes für das Bürgergeld 202542,6 Milliarden Euro

Rund 32.900 Menschen mit Bürgergeld wurden nach Angaben der BA im Februar 2025 Leistungen wegen Verfehlungen gekürzt, nach 24.700 vor einem Jahr. Rund 5,5 Millionen Menschen beziehen Bürgergeld. Insgesamt sind laut BA im März 3,9 Milliarden Euro Bürgergeld an sogenannte Leistungsberechtigte geflossen, was kaum eine Veränderung gegenüber März 2024 darstellt. Im März 2023 waren es 3,5 Milliarden Euro.

CDU, CSU und SPD hatten sich im Koalitionsvertrag auf die Einführung strengerer Regeln beim Bürgergeld verständigt. Im Vordergrund soll wieder die Vermittlung in einen Job stehen und nicht Weiterbildung und Qualifizierung. Wenn die Bezieher ihren Pflichten nicht nachkommen, sollen schneller und einfacher als bisher die Leistungen gekürzt werden. Am Mittwoch (2. Juli) kommen die Spitzen von Union und SPD zu Beratungen im Koalitionsausschuss zusammen. Dabei dürfte das Bürgergeld ein Thema sein, zu dessen Reform Vorschläge von Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) erwartet werden.

Für Entlastungen bei der Stromsteuer: Union fordert vom Koalitionsausschuss Einsparungen beim Bürgergeld

Führende Politiker der Union hatten zuletzt Einsparungen beim Bürgergeld gefordert – auch im Gegenzug zu Entlastungen bei der Stromsteuer. „Weniger Subventionen für einzelne, günstigere Stromkosten für alle, das ist die Devise“, sagte Unionsfraktionschef Jens Spahn am Montag dem Spiegel.

Im Koalitionsausschuss werden Finanzminister Lars Klingbeil und Bundeskanzler Friedrich Merz auch über das Bürgergeld sprechen müssen. (Montage)

In ihrem Koalitionsvertrag hatten CDU/CSU und SPD vereinbart, die Stromsteuer möglichst schnell „für alle“ zu senken. Die Bundesregierung beschloss aber vergangene Woche, die Stromsteuer zunächst nur für das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft zu verringern. Vor allem aus der Union kam daran viel Kritik. Mit dem Thema soll sich nun auch der Koalitionsausschuss am Mittwoch befassen.

Laut Handelsblatt ist bei der Stromsteuer bereits eine Einigung zwischen Union und SPD in Sicht. Wie die Zeitung aus Koalitions- und Regierungskreisen erfahren haben will, soll die Stromsteuer offenbar doch für alle sinken - allerdings wohl nur schrittweise. Als zweite Option sei eine befristete Absenkung im Gespräch, hieß es. (bg/dpa)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/Sebastian Gollnow/dpa

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