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DAV Kletterzentrum feiert Jubiläum

10 Jahre und viele Erfolgsmomente: Wie die Kletterhalle Waldkraiburgs Sportlandschaft verändert hat

Geben Einblicke in zehn Jahre Waldkraiburger Kletterhalle (v. l.): Michael Föhlinger, Sandra Lechertshuber und Thomas Gansmaier von der DAV Sektion Mühldorf. Sie verraten auch, wie sich der Sport verändert hat und was für die Zukunft geplant ist.
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Geben Einblicke in zehn Jahre Waldkraiburger Kletterhalle (v. l.): Michael Föhlinger, Sandra Lechertshuber und Thomas Gansmaier von der DAV Sektion Mühldorf. Sie verraten auch, wie sich der Sport verändert hat und was für die Zukunft geplant ist.

Was als Vereinsprojekt begann, hat sich zu einem sozialen und sportlichen Zentrum in Waldkraiburg entwickelt. Was steckt hinter dem Erfolg der Kletterhalle in Waldkraiburg und wie soll es weitergehen?

Waldkraiburg – Zehn Jahre ist es her, dass die DAV Sektion Mühldorf mit viel Engagement und Eigenleistung die Kletterhalle in Waldkraiburg eröffnet hat. Heute ist sie ein sportliches Aushängeschild der Region. Michael Föhlinger, Sandra Lechertshuber und Thomas Gansmaier vom DAV Mühldorf erzählen, wie sich die Halle zum Treffpunkt für Jung und Alt entwickelt hat, warum Ehrenamt der Schlüssel zum Erfolg ist – und was sie für die Zukunft planen.

Was macht die Kletterhalle in Waldkraiburg einzigartig?

Sandra Lechertshuber: Bei uns kann man rund um die Uhr mit Transponder klettern. Wir waren die Ersten, die das eingeführt haben – deutschlandweit gibt es das heute in nur drei oder vier Hallen.

Thomas Gansmaier: Durch die Anbindung an den Alpenverein können wir andere Preise bieten als eine privat geführte Halle.

Lechertshuber: Auch für Nicht-Kletterer ist das Kletterzentrum eine Anlaufstelle: Es gibt ein Bistro mit Biergartenflair außen, man kann auch einfach ein oder zwei gemütliche Stunden verbringen. Zudem bieten wir auch Yoga an.

Vor zehn Jahren wurde die Kletterhalle eröffnet. Wie kam es dazu?

Michael Föhlinger: Damals gab es in der Region keine vernünftige Möglichkeit, um zu klettern. Freitagnachmittags sind wir nach Burghausen oder Simbach gefahren, wo man schon eine Stunde unterwegs ist. Die Idee war, vor Ort ein Angebot zu schaffen und so auch eine bessere Vorbereitung auf die Sommersaison zu ermöglichen. Auf Waldkraiburg ist die Entscheidung gefallen, weil die Stadt so großzügig war, das Grundstück kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Gansmaier: Unsere Mitglieder haben sich seitdem mehr als verdoppelt, der Großteil davon ist auf die Kletterhalle zurückzuführen.

Wie hat sich das Klettern in Waldkraiburg seit der Eröffnung entwickelt?

Föhlinger: Seit 2022 war jedes Jahr ein Rekordjahr! Die Akzeptanz und Beliebtheit des Kletterns haben zugenommen und wir haben inzwischen über 30 Mitarbeiter.

Gansmaier: Trotzdem hat der Verein seinen familiären Charakter nicht verloren – hier redet jeder mit jedem.

Wie sieht der Betrieb heute aus und wer nutzt die Anlage?

Föhlinger: Wir können die Halle ohne Zuschüsse betreiben und sind kein finanzieller Ballast für die Stadt Waldkraiburg. Das Geld kommt zu großen Teilen aus Vereinsmitteln und Eigenleistung.

Föhlinger: Wir sehen und als Waldkraiburger wie auch als Mühldorfer Verein, jeder ist bei uns willkommen.

Gansmaier: Außergewöhnlich ist sicherlich unsere Jugendarbeit. Wir haben definitiv keine Nachwuchsprobleme und wir haben Leute, die sehr leidenschaftlich Jugendgruppen betreuen. Die Kinder haben Spaß, das Interesse ist groß – und wir haben eine Warteliste.

Föhlinger: Um die 80 aktive Kinder haben wir im Training. Herausfordernd dabei ist der Trainerschlüssel: Ein Trainer kann maximal sechs Kinder betreuen, sonst ist die Sicherheit nicht gewährleistet. Hinzu kommt, der Eintritt ist nicht exorbitant, im Vergleich zu anderen Sportarten ist Klettern sozial verträglich und nicht vom Geldbeutel abhängig.

Gansmaier: Klettern gibt den Jugendlichen Gemeinschaftsgefühl gepaart mit Verantwortungsbewusstsein, wenn man seinen Kletter-Spezi an der Wand sichert.

Wie steht es um die Sicherheit und Wartung der Anlage?

Lechertshuber: Die Kletterhalle wird regelmäßig vom TÜV geprüft, es gibt festgelegte Wartungsprotokolle.

Föhlinger: Natürlich ist es eine Risikosportart und ich kann nicht verhindern, dass jemand ohne entsprechende Ausbildung Schmarrn macht. Wenn Unfälle passieren, sind es meist menschliche Fehler beim Sichern. Beim Bouldern kann man auch mal blöd fallen.

Lechertshuber: Ski fahren oder Fußball spielen sind tendenziell gefährlicher, da gibt es mehr externe Faktoren.

Was würden Sie jemandem antworten, der sagt: ‚Klettern ist doch nur was für Sportfreaks‘?

Föhlinger: Hat er es schon mal ausprobiert? Ich würde das nicht so sehen, weil wir alles mit dem eigenen Körpergewicht machen – so kann ich die Belastung individuell steuern. Das sieht man auch an unseren Besuchern: Von der Einjährigen, die beim Papa in der Kinderkraxe schaukelt, bis zu 90-Jährigen – bei uns gibt es jung und alt, dick und dünn.

Lechertshuber: Klettern ist definitiv ein Breitensport, letztes Jahr hatten wir mehr als 33.000 Halleneintritte, durchschnittlich 115 am Tag.

Gansmaier: Es gibt auch therapeutisches Klettern, speziell für Leute mit Rückenproblemen, oder Inklusionsklettern.

Welche Trends gibt es beim Klettern?

Föhlinger: Die Art des Kletterns hat sich geändert, heute ist es viel dynamischer mit vielen Sprüngen. Auch Bouldern boomt als Trendsportart, viele machen das statt Fitnessstudio oder als Ausgleich.

Gibt es eine besondere Erinnerung, die Sie mit der Kletterhalle verbinden?

Föhlinger: Ich habe hier meine Frau kennengelernt. Das waren sehr einprägsame Momente, wenn man anfängt, zusammen zu klettern – weil es durchaus ein gewisses Vertrauen voraussetzt. Oder die Vorbereitungen für diverse Kids Cups: Wenn man nachts bis 3 Uhr schraubt, morgens wieder in der Halle steht und in freudige Kindergesichter schaut. Auch wenn man drei Monate trainiert und dann endlich schafft, eine Route zu bewältigen, ist das ein tolles Gefühl.

Michael Föhlinger, Sandra Lechertshuber und Thomas Gansmaier (v. l.) engagieren sich ehrenamtlich bei der DAV Sektion Mühldorf. Um genügend Nachwuchs müssen sich die Kletterer nicht sorgen, aber weitere Ehrenamtliche sind jederzeit willkommen.

Wie geht es in den nächsten Jahren weiter?

Föhlinger: In loser Planung ist ein extra Boulder-Bereich für Kinder. Baulich könnte das in ein bis zwei Jahren so weit sein. Auch unsere Büroflächen möchten wir erweitern. Grob geschätzt bräuchten wir dafür etwa eine halbe Million, die ist nicht mal eben aus den Ärmeln geschüttelt.

Gansmaier: Wir sind gut aufgestellt, haben einen stabilen Haushalt. Aber auch nur durch harte Arbeit und weil wir sehr viel ehrenamtlich machen. Wenn jeder Geld haben möchte, für was er tut, werden Dinge mehr kosten müssen oder es gibt sie einfach nicht mehr. Das betrifft jeden Verein. Drum werden wir nicht müde, Ehrenamt zu bewerben.

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